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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-15 · 29 (15.7.1904) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
29 (15.7.1904)
Date
1904-07-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 472 Nr. 29 Dr. Vlocb's Mocbenscbrttt. Emil Meyerfon, sowie der Sekretär Dr. E. Schwarzschild bei. Präsident Narcis Leven eröffnete die Versammlung gegen 11'/z Uhr vormittags. Der vorgclegtc Jahresbericht sowie die Bilanz für das verflossene Jahr 1903 wurden genehmigt und der Verwaltung Decharge erteilt. Darauf ergriff Herr Charles L. Hallgarten, der mit den amerikanischen Verhältnissen ebenso gut vertraut ist wie mit den deutschen, das Wort, um den kürzlich verstorbenen Richter Jsaacs aus New-Dork einen warmen Nachruf zu widmen. Der Verblichene hat seine ganze freie Zeit dem Judentum gewidmet und noch kurz vor seinem Tode eine Reise nach New-Jersey unternommen, um da die jüdische Stadt Woodbine, die ihm sehr viel zu verdanken hatte, zu besuchen. Präsident Narcis Leven schloß sich diesem Nach"us an. Richter Jsaacs besaß ein warmes Herz und glühende Liebe zum Judentume. Er war stets ein treuer Mitarbeiter der „Jca" gewesen. Es schmerzt einem, zu sehen wie ein treuer Mitarbeiter nach dem andern von der Bühne abberufen wird. Nebst Richter Jsaacs hat die Gesellschaft und mit ihr das gesamte Judentum den Verlust zweier weiterer treuer Mitarbeiter zu beklagen. Ich meine die Herren Alfred Louis Cohen und Julius P lotke. Alfred Cohen war stets mit ganzem Herzen bei der Sache, der er sich einmal gewidmet hatte. Selbst die tätliche Krankheit, der er zum Opfer fiel, konnte ihn nicht davon abhalten, für die „Jca" tätig zu sein. Rechtsanwalt Julius Plotke starb im besten Mannesalter, betrauert und beweint von allen, die ihn bei der Arbeit gesehen haben. Voller Güte und Sanftmut und großmütig im edelsten Sinne des Wortes, war er voller Enthusiasmus für das Judentum, dem er sich fast gänzlich gewidmet hatte. Er arbeitete Tag und Nacht ohne mit seiner Gesundheit zu rechnen, bis seine Kräfte ganz aufgezchrt waren. Das Judentum wird ihm auch stets ein treues Andenken bewahren, uns allen wird es aber zum Trost gereichen, daß das Werk, dem Julius Plotke sein Leben geopfert hatte, weiterleben und stets neue Männer zur frischen Arbeit anfeucrn werde. Dos jüdische Theater irr New-Aork. In New-Dork gibt es derzeit vier jüdische Theater, die täglich vor vollen: Hause Vorstellungen geben. Die Stücke sind meistens für die Bühne geschrieben und bringen dem Autor ein Honorar von 600 Dollars durchschnittlich. ' Außerordentlich angesehen, renommiert und beliebt ist das Windsor Theater, deffen Inhaber und Direktor M. Haurwitz ist. Die berühmte „Jüdische Encyclopädie" schreibt über ihn: Horowitz, Moses Ha Lewy, ein jüdisch-deutscher Theaterdichter, geboren am 7. Adar 1844 in Stanislau in Galizien. Nach der herkömmlichen jüdischen Erziehung studierte er deutsch und ging nach Bukarest. Im Jahre 1876 gründete er dort ein jüdisches Theater und blieb seitdem mit der jüdischen Schaubühne für immer verbunden. Er war der erste, der Schauspielerinnen auf die jüdische Bühne brachte; gewöhnlich hatten Männer die Frauenrollen in jüdischen Theaterstücken übernommen. 1884 ging er nach New-Hork und nahm eine jüdische Theater-Gesellschaft mit sich. Er hat nicht weniger als 169 Stücke geschrieben. „Das polnische Jüngel" war sein erstes dramatisches Werk, welches seine eigenen Lebensschicksale dramatisiert. Unter seinen berühmteren Stücken sind „Leblomv hameleeh“. „Kuzri“. ,,Chochmath Noshim“, „Ben Hador“. „Jeziath Mizraim“. Die meisten der Stücke sind historisch, aber er ist immer auf der Suche nach zeitgemäßen Gegenständen. So fand er dramatisches Material in dem Strike im Homestrad und dem Gemetzel von Kischenew 1903 und der Katastrophe Makarow. Das erfolgreichste seiner Zeitgemälde war „Tisza-Eßlar". Viele seiner Dramen wurden in wenigen Tagen verfaßt und er benutzte ohne Zögern ganze Auftritte fremder Dramen. Obgleich er ein erfolgreicher Theaterdichter war, hatte er keinen Erfolg als Schauspieler und nachdem er nach Amerika gegangen war, gab er das Spiel ganz auf. Direktor Haurwitz geht jetzt daran, seine Bühne für die klassische Oper einzurichten und will damit beginnen, die musikalischen - Meisterwerke jüdischer Tondichter seinem jüdischen Publikum in New- Dork vorzuführen. Er kam zu diesem Behufe nach Europa und weilt gegenwärtig in Wien, ntn hervorragende Opernsänger und Opernsängerinnen jüdischer Konfession für seine Bühne zu gewinnen. Sein Theater ist in der Tat eine eigenartige Spezialität: ob er ein Schauspiel, eine Tragödie, eine Operette oder ein Ballet aufführt, immer sind sämmtliche Künstler und Künstlerinnen, Schauspieler, Sänger, selbst die Balletteusen und Choristinnen ausnahmslos jüdischer Konfession. Das Publikum ist ihm überaus anhänglich und treu, sein Theater prosperiert außerordentlich. Dabei ist Direktor Haurwitz ein Mann großer Wohltätigkeit. Für die unglücklichen Opfer von Kischenew spendete er 4600 Dollars und die englischen Blätter publizierten damals die Photographie dieses Checks. Jerusalem Man berichtet der- „Kölnischen Volkszeitung" aus Jerusalem: Von hier sind zwei Begebnisse mitzuteilen. Zunächst, daß die Stadt eine wöchentlich dreimal erscheinende Zeitung erhalten hat. Sie führt den Titel „El-Kuds esch-scheruf“, und wird in türkischer und arabischer Srache herausgegeben. Sie - ist vor allem ein Regierungsblatt und kennzeichnet sich durch einen stark lobhudelnden Ton gegenüber allen höherstehenden und einflußreichen Personen in Verwaltung, Rechtsprechung, Polizei u. s. w. Die Vorsteher der Dorfscbaften, die oft genug nicht lesen und schreiben können, sind gezwungen, das Blatt, das den Herausgeber .unter allen Umständen einen entsprechenden Gewinn bringen muß, zu halten. An Verfügungen, die mit großem Pompe ausgeführt werden, fehlt es in der neuen Zeitung nicht. Die Übertretungen der Verordnungen sind aber dadurch noch zahlreicher geworden. Eine in Wirklichkeit sehr notwendige Verordnung, die das Abhauen der Bäume und das Ausroden noch lebensfähiger Wurzeln verbietet, scheint die Folge zu haben, daß die Wald-, Baum-, und Wurzelvertilgung nur noch eifriger betrieben wird. Der arme Bauer in Palästina muß eben etwas verdienen; und die Gesetze werden gegeben, damit sie übertreten werden! — Das zweite, und zwar recht erfreuliche Ereignis ist die Auffindung einer Quelle lebendigen Wassers. Das Geschick eines englischen Quellenfinders hat am Wege nach Bethlehem in der Nähe des Bahnhofes den Besitzer eines Grundstückes, einen Griechen, auf eine Wasser verheißende Stelle aufmerksam gemacht. Der Grieche begann dort zu graben und ist so glücklich gewesen, in einer Tiefe von 35 Meter gutes, frisch aufsprudelndes Wasser zu finden. Schon nach einigen Tagen klärte es sich mehr und mehr ab; die feinen Mergelteilchen, die cs zufolge seiner Bodenbeschaffenheit mit sich führte, schlugen sich nieder, und das Wasser erwies sich als rein und trinkbar. Darob große Freude in Jerusalem! Bisher hatte man, so viel bekannt, keine Quelle in Jerusalem gefunden. Man will durch weitere Bohrungen den Sprudel vergrößern und hofft sogar, gemäß Versicherung des englischen Entdeckers, noch an anderen Stellen in der Umgebung der heiligen Stadt Quellwasser aufzufinden. Dies wäre eine wahre Wohltat für alle, die jetzt nur auf das in Zisternen gesammelte Regenwasser angewiesen sind. Eine neue jüdische Kolonie in Brasilien. Briefliche Nachrichten aus der großen deutschen Kolonien Blumenau in Rio Grano de Sul wissen über eine von der „Jca" geplante jüdische Kolonie in Brasilien folgende überaus interessante Details zu melden: Die Kolonie, welche den Namen „Philippson" führen wird, ist in der vom Uruguay durchzogenen Provinz Rio Grande de Sul, und zwar in der Nähe der 25 Kilometer von Santa Maria entfernten Station Pinhal der Eisenbahn Santa Maria-Passo Fundo gelegen. Bereits im Jahre 1900 hatte die „Jca" eine Sachverständigen-Kommission nach Rio Grande de Sul entsendet, um zu untersuchen, ob die Provinz für jüdische Kolonisationszwecke geeignet sei, und die von der Kommission mitgebrachten Nachrichten lauteten sehr günstig: Der Boden sei überaus fruchtbar und das Klima das gleiche wie etwa in Portugal, wo die Juden bekanntlich viele Jahrhunderte lang in sehr große Anzahl gelebt haben. Im Jahre 1902 kam Herr Lapine, ein früherer Verwalter einer großen jüdischen Kolonie in Argentinien, nach Rio Grande de Sul, um da ein größeres Terrain zu erwerben. Es gelang ihm, in der Nähe von Pinhal zirka 5000 Hektar Land zu kaufen

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