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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-15 · 29 (15.7.1904) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
29 (15.7.1904)
Date
1904-07-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Dlocd's Mlocvenscdrirr Seite 471 Vorgänger, unter deren Schutz die Juden sicher lebten, wirken wird, im Geiste des Propheten, der die Worte gesprochen: ,-Einen Vater haben wir alle!". Zu diesem Zwecke erbitte er für ihn den göttlichen Segen, auf daß derselbe zur Erhaltung des konfessionellen Friedens, der immer in unserer Gemeinde geherrscht, nach Kräften beitrage. Der Fürsterzbifchof äußerte sich über das Verhältnis der Bibel zu den neuen Forschungen: „Ohne die Israeliten und die Bibel wären die Ideen, welche durch die neueste Funde historisch bekräftigt und bestärkt wurden, nicht sobald zum Gemeingute der zivilisierten Welt geworden, da die Keilschrift über 2000 Jahre verborgen lag. Der Glaube an die Offenbarung ist wichtig, weil die menschliche Vernunft beschränkt ist und in jener eine Stütze und sittlichen Halt findet." Hierauf befragte er den Rabbiner über seinen Bildungsgrad, erkundigte sich über die Verhältnisse des Breslauer Seminars und gedachte auch seiner Studienzeit in Kremsier, wo er 1859 als Student eine Sammlung für die im italienischen Feldzuge verwundeten Krieger in der Judengasse mit gutem Erfolge veranstaltet hatte. Er erinnerte sich auch seiner jüdischen Kollegen, mit deren einigen er befreundet gewesen und fragte, ob sie noch am Leben lvären. Hierauf wurde die Abordnung huldvollst entlassen. Auch die Vorstehung des israelitischen Unterstützungs- Vereines unter Führung der Vorsteherin Frau Rosa Simon machte ihre Aufwartung und fand huldvollste Aufnahme. Budapest. Der israelitische Friedhof war anläßlich des Lehrertages der Schauplatz eines ebenso feierlichen als ergreifenden Aktes der Pietät und Dankbarkeit. Etwa hundert im Dienste vaterländischer Kultur und der Religion ergraute jüdische Lehrer aus allen Gauen des Landes, die der Wohltaten der in ihrer Art einzigen Stiftung des großen Philanthropen Ignaz Ritter v. Wechsel m a n n teilhaftig geworden, hatten sich unter Führung des Präsidiums des ungarländischen jüdischen Lehrervereins am Grabe ihres Wohltäters eingefunden, um den Manen des Verblichenen den Zoll ihrer Dankbarkeit darzubringen. Die allen Anwesenden unvergeßliche Feier wurde vom Präsidenten Kornfeld mit einigen ergreifenden Worten eingeleitet, worauf der Chor der Pester israelitischen Religionsgemeinde ein Tranerlied sang. Nachdem Josef Witt (Sürospatak) ein kurzes Gebet gesprochen, sang Kantor Israel Licht das „El mole rachmim“. Und als die letzten Akkorde des erschütternden Liedes verklungen waren, würdigte Josef Witt in einer der Form und dem Inhalte nach schönen Rede das Leben und die hochherzige Tat des Mannes, dessen Andenken noch die spätesten Generationen segnen werden. Mit dem vom Lehrer Ignaz Fischer (Neutra) gesprochenen rituellen Gebete für das Seelenheil des Verstorbenen fand die erhebende Feier ihren würdigen Abschluß. Bagujhely. Die Vagujhelyer israelitische Realschule absolvierte Heuer ihr 42. Schuljahr. Nichts störte sie in ihrem ernsten, emsigen Streben. Die politischen Kämpfe, welche das ganze Land mehr als ein halbes Jahr in große Aufregung versetzten, verstummten an derSchwelle unseres Lehrhauses; doch der Zug der Zeit fordert neben der universellen, eine einheitlich - nationale Bildung. Dadurch wird die Aufgabe der Mittelschule verdoppelt. Die eine ist Vaterlandsliebe, Liebe zur Wissenschaft, Liebe zur Arbeit und Pflichterfüllung, Liebe, welche Lehrer und Schüler vereinigt, zu pflegen. Die zweite Aufgabe ist mehr politischer Natur. Die Mittelschule soll sämmtliche, unser Vaterland bewohnenden Nationalitäten in Sprache, und Vaterlandsliebe zur einheitlichen Nation, die den Stempel der magyarischen Kultur trägt, vereinigen. Dieser doppelten Aufgabe ist die Vagujhelyer israel. Realschule in vollem Maße nachgekommen. Unter den 164 Schülern, welche die Schule im laufenden Jahre besuchten, waren blos 19 ungarischer Muttersprache, 120 waren Deutsche und 25 Slaven. Sämmtliche Schüler sprachen mit Ende des Schuljahres nicht nur fließend ungarisch, sie haben auch tüchtige Fortschritte in den Wissenschaften gemacht. Hiefür spricht die am Ende des Schuljahres erteilte Klassifikation. Bloß 9 Schüler müssen die Klasse repetieren, 3 müssen wegen Mangel an jeder Fähigkeit zum Studium an der Mittelschule diese verlassen, 15 Schüler erhielten vorzügliche, 41 gute und 75 genügende Forschrittsklaffen, 21 haben fich aus einem oder zwei Lehrgegenständen einer Präparationsprüfung zu unterziehen. Die verschiedenen Schulfeste bezweckten, die patriotischen Gefühle der Schuljugend zu kräftigen. Der religiösen Erziehung wurde natürlich an dieser konfessionellen Anstalt große Aufmerksamkeit gewidmet. Der obligate Religionsunterricht war für jede Klaffe 3 Stunden wöchentlich; außerdem erhielten jene Schüler, welche sich freiwillig meldeten, einen wöchentlich sechsstündigen Religionsunterricht. Ein Drittel unserer Schüler erhält Freitische, die Schülerlade hat 421 Schulbücher und 350 Kronen an arme Schüler verteilt. Der „Rabbi Weiffe-Verein" hat infolge Antrag seines Präses Herrn Direktor Herzfeld mehr als 800 Kronen zur Bekleidung mittelloser Schüler verwendet, und zur Aneiferung verteilte genannter Verein 90 Kronen an Schüler, welche in Religion und ungarischer Sprache gute Fortschritte bekundeten. Die Leistungen der Anstalt finden auch höhern Orts volle Anerkennung. Der Studien-Oberdirektor, welcher unsere Schule Heuer vom 21. bis einschließlich den 23. März inspizierte, drückte seine vollste Zufriedenheit sowohl der die Schule erhaltenden Kultusgemeinde, als auch dem Lehrkörper der Realschule aus. Das hohe Ministerium für Kultus und Unterricht erhöhte die Subvention der Realschule auf 10.000 Kronen und wird dieselbe, sobald die Gehaltsregulierung der Staatsbeamten durchgeführt wird, in dein Maße erhöhen, damit die Profefforen der Vagujhelyer israel. Realschule den Staatslehrern in Bezug auf ihren Gehalt gleichgestellt seien. Zum Schluffe sei bemerkt, daß das Budget der Schule im Laufe dieses Schuljahres 35.536 Kronen betrug. Prag. (Audienz beim Mi ui st er für Kultus und Unterricht.) Der Vertreter der israelitischen Konfession im böhmischen Landesschulrate Herr Dr. L. Bendiener hat im Vereine mit einem Delegierten des israelitischen Landeslehrervereines, mit dem Schriftführer Rabbiner M. Freund, am 18. Juni l. I. Gelegenheit genommen, um bei Se. Exzellenz dem Herrn Minister für Kultus und Unterricht wegen Genehmigung derim Jahre 1896 eingereichten Lehrpläne für den israelitischen Religionsunterricht vorstellig zu werden Herr Doktor Bendiener setzte in wenigen Worten die Entstehungsgeschichte der Lehrpläne auseinander, welche durch einmütige Arbeit des Rabbinerverbandes und des Landeslehrervereines zusammenkamen und bat, die Wichtigkeit der Einheitlichkeit im Unterrichte hervorhebend, um baldige h. Genehmigung. Rabbiner Freund gab der Hoffnung Ausdruck, daß nach Einführung des einheitlichen Lehrplanes auch andere auf dem Gebiete des israelitischen Religionslehrerwesens vorhandene Uebelstände wohl Abstellung finden werden, daß die israelitische Lehrerschaft Böhmens hoffnungsvoll sich in ihrer bedrängten Lage an Se. Exzellenz wende. Derselbe entgegnete, daß es ihn freue, von autoritativer Seite auf Uebelstände aufmerksam gemacht worden zu sein, und versprach, der Angelegenheit sein volles Augenmerk zuzuwenden. Er betonte jedoch, daß die unfruchtbare Arbeit des Parlamentes ein großes Hindernis sei und wies darauf hin, daß die Systemifierung der israelitischen Religionslehrerstellen mit jedem Jahre zunehme. Hierauf nahm Se. Exzellenz das ihm überreichte Promemoria entgegen. Rabbiner Freund nahm ferner Gelegenheit, bei den Referenten im Ministerium, den Herren Sektionsräten Dr. Heinz und Dr. Pilat, vorzusprechen und hat dieselben in ausführlichster Weise über die bestehenden unerträglichen Zustände in den Kultusgemeinden Böhmens aufgeklärt und sich erbötig gemacht, mit authentischen Belegen alles Vorgebrachte zu dokumentieren. Bei Herrn Dr. Pilat fand unser DelegieNer auch schon das Gesuch unseres Vereines um Aussendung von Fragebögen an die Kultusgeineinden Böhmens (siehe Generalversammlungsbeschluß) zur Erledigung vor und konnte daher Absicht und Zweck, welche den Verein beim Absenden dieses Gesuches leiteten, in ausführlicher Weise auseinandersetzen, was auf eine promptere Erledigung dieser Angelegenheit Einfluß nehmend sein dürfte. Generalversammlung der „Jen". Paris. Am 5.Juli fand imHause derVerwaltung der „Jca" die ordentliche Generalversammlung der Aktionäre dieser Gesellschaft statt. Anwesend waren: Narcis Leven, Präsident, und Franz Philippson-Brüffel, Vizepräsident des Verwaltungsrates der „Jca". Ferner die Verwaltungsräte Leonhard L. Cohen und Herbert G. Lufada aus London, S. Reinach-Paris, Charles L. Hallgarten-Frankfurt a. M. und Paul Ferrera-Brüffel. Endlich die Vertreter der Gemeinden: Justizrat Eduard Lachmann für Berlin, Rechtsanwalt Dr. I. Blau für Frankfurt a. M., sowie Grand Rabbin Zadoc Kahn als Vertreter der Pariser Alliance. Von den höheren Würdenträgern der Gesellschaft wohnten der Generalversammlung die Direktoren Dr. S. Sonnenseld und

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