Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 29 (15.7.1904)
- Date
- 1904-07-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 29 Dr. Mocb's MocbenscbrM. Seite 465 Die deutschen Studenten sollten die Feste ihrer russischen Kameraden lebhafter besuchen! Sie können dort Gutes lernen: wie man akademische Feste seiert ohne ödes Kommerfieren, dafür aber voll geistiger Unterhaltung, und wie man — was noch so mancher deutsche Student gar nicht versteht — mit Altersgenossen weiblichen Geschlechts in schöner, reiner Kameradschaft und Freundschaft verkehrt. Juden in China. Ueber eine Tobba-Dynastie Chinas wird der „Vossischen Zeitung" geschrieben: Unter dem letzten Kaiser der chinesischen Tschunn-Dynastie (265 bis 420 n. Chr.) fanden in China mehrfache Umwälzungen statt. Eine solche wurde um 400 und etwas früher verursacht durch den Einfall eines von fernher gekommenen Volkes, Tobba genannt. Dieses Volk gründete ein eigenes Reich in Nordchina neben dem fortbestehenden Tschunn- Reich. Das neue Herrschergeschlecht der Tobba-Eindringlinge nannte sich die Dynastie Wei und regierte von 386—550 n. Chr., wo dann die Dynastie Peitsi (550—557) folgte. Woher die Fremden kamen, ist aus den chinesischen Quellen nicht ersichtlich. Es ist aber neuerdings von einem deutschen Gelehrten in dieser Sache neues Material gesammelt worden, das demnächst zur Veröffentlichung gelangen dürfte. Es fand sich nämlich, daß um jene Zeit auch in Westasien große Umwälzungen sich vollzogen hatten, die nach Ostasien ausgestrahlt haben. Damals herrschte in Persien der Sassanide Schapur II. (306—379 nach Nöldeke). Die Jugendzeit Schapurs ward ausgefüllt von heftigsten Kämpfen, Aufständen, fortwährenden Unruhen in Arabien, die auf Persien Übergriffen. Jahrelang hielten diese Vorgänge — die Araber plünderten in großen Raubzügen die Gestade Persiens — Schapurs Feldherren in Atem. Hinter diesen Arabern standen zunächst die christlichen Herrscher von Abessinien und hinter diesen wieder die Römer. Von der alten heiligen Stadt Axum in Aethiopien aus beherrschte damals der Regest sa Nagast, der „König der Könige", Südarabien, und die Himjarenfürsten in Jemen waren ergebene Unterkönige des abessinischen äthiopischen Kaisers. Dieser aber war der treue Bundesgenosse der Römer. Jene Unterkönige Jemens, die Vasallen Abessiniens und die Bannerträger Roms waren es, die ihre Raubzüge bis nach Persien ausgedehnt haben, teils ihren eigenen Zwecken dienend, teils um dem Römer, der seit langen Jahren mit Persien im Kampf lag, zu helfen, indem sie die persischen Truppen südwärts ablenkten. Dieses Verhältnis nahm erst ein Ende, als Kaiser Jovianus (363 — 364) sich in schimpflicher Weise dem Großkönige Persiens unterwerfen mußte. Wenn wir bald nachher eine vom Jahre 378 datierte Inschrift finden, die in Jemen anstatt eines abessinischen Vasallen wieder einen König der einheimischen Dynastie erwähnt, so ist anzunehmen, daß dieser König von Sabo, Du Raidau, Jemnat und Hadramaut, ein Schützling Schapurs war, die Abessinier also in Südarabien ihren Einfluß eingebüßt hatten nach dem Fall ihres römischen Beschützers und Gönners. Seit jener Wiederherstellung der einheimischen Dynastie Jemens durch Schapur blieben diese Fürsten getreue Bundesgenossen Persiens. Mit den Persern machten sie große Feldzüge mit. Akikarib Assad, der bei den Jemeniten noch heute hochberühmte Heldenkönig Assad el Kamil, soll Feldzüge in den entlegensten Ländern gemacht haben. Dieser Assad war ein himjarischer Tubba, und an diesen Namen knüpft, so scheint es, jene unklare chinesische Ueberlieferung an, die von dem Einfall des Volkes der Tobba berichtet. An einen Feldzug der Jemeniten — die natürlich als Vasallen Persiens nach China kamen — erinnert ganz deutlich „Die Geschichte vom chinesischen Wesir" (Krämer, Arab. Sage, 60). Dieser Wesir, ein chinesischer Großer, schlich sich, nachdem er sich selbst gräßlich verstümmelt hatte, in das unter dem Jemenitenfürsten Schammar Dschurisch gegen China kämpfende Heer. Er wies — ähnlich wie Perser Zopyrus in Babylon — seine Wunden vor als Beweis für seine vom Kaiser von China erlittene Schmach und erwarb sich so das Zutrauen des Feindes, der an seine Rache glaubte. Darauf führte der chinesische Wesir das Heer der Fremden in eine wasserlose Wüste, wo alle umkamen. Nun ist der Jemen-König Schammar Dschurisch wohl schon 310 gestorben, doch find solche Übertragungen der Ueberlieferungen auf andere mächtige Könige ja allenthalben häufig, und so erscheint der Name Schammars anstatt des Tubba Akikarib, unter dem der Chinafeldzug mit der späteren Gründung eines Tobba-Reiches in China stattgefunden haben soll. Mit jenem Vordringen der Tubba (oder Tobba) aus Südarabien nach Nordchina muß ein anderes geschichtliches Ereignis verbunden werden: das erste Erscheinen von Bekennern des Judentums in China. Es ist bekannt, daß in Kaiföngfu eine starke jüdische Gemeinde bestanden hat, die erst vor etwa 150 Jahren sich auflöste. Wie jene Juden nach Jnnen-China gelangt find, war bisher nie festzustellen gewesen. Der Feldzug der semitischen Jemeniten löst das Rätsel in einfacher Weise auf. Das Judentum war in Südarabien im vierten Jahrhundert sehr einflußreich, es scheint sogar, als ob mehrere Himjarenkönige selbst Bekenner der jüdischen Religion waren. Die Königsnamen deuten darauf hin: Melikikarib, d. h. Mein König (Gott) sei gepriesen; Juhamin, d. h. er glaubt (an Gott), Assod er (Gott) mache glücklich, Aiman ebenso wie Assod. Scharhibil =•. mein Ausblick ist in Gott. Und der König Da Nawäs hat die echt jüdischen Vornamen Juffuf und Pinkas. In ihren Inschriften beginnen sie: „Gott, der Herr des Himmels und der Erde". In den Städten von Jemen befanden sich starke jüdische Gemeinden, meist gegründet von Kaufherren aus Alexandria, die in dem betriebsamen, seefahrenden Jemen ihre Zweiggeschäfte hatten, die sich nach Indien und Afrika erstreckten. Die Kriegskünste und die dadurch entstandenen Beziehungen zu fernen Ländern dürften jüdische Leute im Gefolge der Herren auch nach China gebracht haben, und als jene jemenitische Tobba-Dynastie sich in China befestigt hatte, werden den ersten jüdischen Ansiedlern in größerer Anzahl Bekenner des Judentums nach China gefolgt sein, die dann jene Gemeinde in Kaiföngfu gründete, über deren Herkommen man nichts weiteres weiß. Ein Feldzug der judenfreundlichen, z. T. selbst jüdisch gewordenen Fürsten Jemens nach Jnnen-China, wie er im Gefolge der Scharen Schapurs stattgefunden hatte, scheint für die Geschichte jener Judenkolonie in China bedeutungsvoll gewesen zu sein. Der Religionsunterricht in der Mittelschule. Von G. B. Langsam, aber sicher naht wieder einer jener Tage, die alljährlich unserem Judentume tiefere Wunden schlagen, als es Morde, Plünderungen, Agitationen u. dgl. vermögen — der Schluß des Schuljahres Mancher Unbefangene wird ob dieses einleitenden Satzes ungläubig lächeln; aber so unwahrscheinlich er klingt, so wahr ist er doch! Denn Mord und Todschlag, Plünderung und Verfolgung, Agitation und Antisemitismus rufen heutzutage zumeist nur einen gesunden Gegendruck hervor, die vielen kleinen Zwischenfälle aber, die die Zeugnisverteilung Hervorrust, sie gleichen den Wassertropfen, die den alten Stein des Judentums langsam aber sicher ansznhöhlen vermögen. Was heut.»tage ein Zeugnis bedeutet und zumal für einen Juden, braucht nicht erst erklärt zu werden; und daß der Jude mit dem Zeugnisse in der Hand auch unter sonst gleichen Verhältnissen gegenüber andersgläubigen Konkurrenten stets den kürzeren zieht, ist ebenso selbstverständlich! Nun kommt aber noch ein Umstand hinzu, der den jüdischen Schüler den andersgläubigen gegenüber von Haus aus benachteiligt, und das ist der Religionsunterricht, denn gerade in diesem Punkte ist eine Uebereinstimmung zwischen den Unterrichtsfaktoren : Eltern, Lehrer und Schüler, heute eine böse Sache, ohne daß einem dieser Faktoren ein Vorwurf zu machen sei. Die Schüler vermögen bei den heutigen Anforderungen der profanen Unterrichtsgegenstände nicht mehr zu leisten; die R e l igionslehrer sehen nichtein, warum gerade ihr „Gegenstand" darunter leiden müsse, und besorgen, durch Nachsicht und Milde noch weniger zu erzielen, und die Eltern müssen in Hunderten von Fällen die Wahrnehmung machen, daß just die Religion „das ganze Zeugnis verpatzt", „den Vorzug verdirbt", „die Matura mit Auszeichnung verhindert". Und Eltern und Schüler sagen sich: „Ich sehe nicht ein, warum man sich mit Gegenständen plagen muß, die ja doch später zu gar nichts nutz sind! Latein, Griechisch, Französisch, Mathematik, Geographie. Physik u. s. w., all das braucht man später, aber Religion-?" Und so wird Religion dem Studenten geradezu ein gefürchteter und verhaßter „Gegenstand", eine Last, die man am liebsten abstreist. Das jüdische Glaubensbekenntnis wird einem ja als Jurist, Richter. Arzt, Architekt, Elektriker, Offizier. Professor u. f. w. ohnedies nur hinderlich — also weg damit bei Zeiten! Und eine Statistik, wie viel solcher Abfälle alljährlich die Zeugnisverteilung