Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 28 (8.7.1904)
- Date
- 1904-07-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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N. 28 Dr. JSlocb’s Mocbenscdrtkr. scue 451 zu erbringen: 1. Marianne Koza aus Budziejow entrichtete dem Abg. Szajer für die Erwirkung eines Strafaufschubes auf sein Verlangen sechs Kronen und fünf Liter Wein, Szajer habe jedoch nichts ausgerichtet. 2. Anton Stanek schenkte dem Abg. Szajer fünfzig Kronen für die Erwirkung einer Begnadigung — ohne Erfolg. 3. Der Apotheker Zajaczkowski in Strzyzow ersuchte Szajer, er möge ihm zur Erlangung einer Konzession verhelfen. Szajer fuhr mit ihm nach Wien. In Wien redete er ihm ein, daß er ihn zum Ministerpräsidenten Dr. von Koerber führe, und teilte ihm dann mit, Dr. von Koerber habe ihm die Erlangung der Konzession in Aussicht gestellt. Später stellte es sich jedoch heraus, daß der vermeintliche Ministerpräsident — ein Portier war. 4. Vom Adalbert Biela aus Ostrow erhielt Szajer hundert Gulden. Szajer sagte, er benötige diese Summe, weil er „mit den Ministern zusammenkommen muß". Behufs Einvernahme von Zeugen wurde die Verhandlung vertagt. Hamburg. Nach vielmonatlicher Prüfung und Vorbereitung i|i unlängst Hierselbst ein weitausschauendes, großangelegtes Unternehmen zur Tatsache geworden, dessen eminente Bedeutung für die jüdischen Kolonien Palästinas und für die agrikulturelle, wie industrielle Entwicklung des heiligen Landes überhaupt nicht dargelegt zu werden braucht. Auf Anregung des Herrn Wilh. Groß aus Jaffa, der seit einer Reihe von Monaten zur Propagierung Vieser Idee in unserer Stadt weilt, ist die Begründung einer „Palästina - Handelsgesellschaft m. b. H." erfolgt, welche ihre Tätigkeit natürlich nicht auf den Vertrieb der Produkte jüdischen Acker- und Gewerbefleißes beschränken wird, aber in erster Reihe zu diesem Zwecke ins Leben gerufen wurde, um nach Lage der Verhältnisse auch vorwiegend unseren Glaubensgenossen zugute kommen. Das neue Unternehmen erfreut sich der Zustimmung und Förderung erster deutscher Firmen, und wenn auch das Grundkapital zunächst nur auf 100.000 Mark festgesetzt ist, so liegt es doch im ganzen Plan der Gesellschaft, daß ihr die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden, sobald bei ihrem, wenn auch nur Schritt für Schritt erfolgenden Vorgehen sich weitere Aufwendungen als erforderlich erweisen. Der Verwaltung der „Palästina-Handelsgesellschaft m. b. H." gehören folgende Herren an: Sally M. Mainz (in gleicher Firma) als Vorsitzender, Alfred Cohn (in gleicher Firma), Ignatz Friedländer (i. F.: I. H. Friedländer u. Co.), Emil Magnus (i. F.: Magnus u. Friedmann), sämtlich in Hamburg, und Pros. Dr. O. Marburg in Berlin. Besuch des Königs von Italien in einer Synagoge Der König hat vor Kurzem die Synagoge am Ponte Quattro Capi besucht. Dem Vorstand der Gemeinde, der ihn des ewigen Dankes seiner Schutzbefohlenen für die ihnen erwiesene Gnade versicherte, sagte der König, es bedarf keines Dankes, ich bin glücklich, unter euch zu sein. Er.ließ sich durch die hohen Hallen des Tempels geleiten und die Inschriften an den Säulen erklären und sprach mit dem Großrabbiner lebhaft von seiner Reise nach Palästina, wo er viele jüdische Tempel gesehen habe; alle wären düster und schwerfällig gewesen wie die Menschen, die in ihnen beten. Hier sei alles Gold und lichtumflossen, das freue ihn vom Herzen. Er fragte, ob die Juden das Hebräische flüssig lesen und verstehen, und als der Rabbiner antwortete, sie lesen es weniger leicht als die Italiener das Lateinische, meinte er lächelnd: „Nun, auch damit hat es seinen Haken. Das Alte ist nur da, um halb verstanden, halb unverstanden verehrt zu werden." Als der König die Synagoge verließ, wurde er von der Gemeinde unter begeisterten Hoch-Rufen binausbegleitet. Die Millionenspende des Pariser Hauses Rothschild. Die Chefs des Hauses Rothschild, die Barone Alphonse, Gustav und Edmond Rothschild, hatten schon längere Zeit die Absicht, zu Gunsten der arbeitenden Bevölkerung durch eine große Spende helfend einzugreifen. Um sich über die Art der Aktion klar zu werden, nahmen sie den Rat von Personen in Anspruch, die sich mit den sozialen Reformsragen beschäftigten. Die Herren Jules Siegfried, früherer Präsident des Komitees zur Erbauung billiger Wohnungen, Emile Cheyffon, Präsident der Liga gegen Trunkenheit, Georges Picot, Sekretär der ^.cudsmie de» Sciences mcrales, empfahlen die Förderung des Baues billiger Arbeiterwohnungen, und die Barone Rothschild entschieden in diesem Sinne, indem sie den Betrag von 10 Millionen Francs zur Erwerbung von Terrains und Errichtung von Arbeiterwohnhäusern widmeten. George Picot kommentiert wie folgt die wohltätigen Absichten der Freiherren v. Rothschild: Bon allen sozialen Problemen, die uns beschäftigen, ist es die Frage der billigen Arbeiterwohnungen allein, die keine Enttäuschungen bringen kann und über die alle Ansichten einig sind. Die Arbeiterverficherung, Versorgung der Greise und ähnliche Fragen haben eine unbestrittene Kehrseite, während die Schaffung von Arbeiterwohnungen, die der arbeitenden Bevölkerung billige, gesunde Wohnräume bietet, in jeder Hinsicht segensreich wirken muß. „Die schlechte Wohnung verführt den Arbeiter, ins Wirtshaus zu gehen", sagte Jules Simon. Das ist das entscheidende Wort in dieser Frage. Es zeigt die große Bedeutung, die der Stiftung der Barone Rothschild innewohnt. Der große Wohltäter Peabody, der 12 Millionen für billige Arbeiterwohnungen testamentarisch bestimmt hat, ist den Baronen Rothschild mit der Verwirklichung dieser Idee vorangegangen. Heute besitzen die aus diesem Stistungsfonds geschaffenen Bauten und die aus den Einkünften desselben erworbenen Terrains einen Wert von 33 Millionen. Ganze Stadtteile in London find dank dieser Stiftung heute gesund geworden und in menschenwürdige Wohnstätten umgewandelt. In Paris waren wir stark zurück, wenn es auch nicht an Anstrengungen gefehlt hat; so beschäftigt sich die unter dem Präsidium des Prinzen Arenberg stehende Philanthropische Gesellschaft mit der Frage, die durch die Stiftung der Herren v. Rothschild so kräftige Förderung erhalten hat. Im Gegensatz zu dem System Peabody haben die Herren v. Rothschild nicht das ganze Gnkommen der Erbauung neuer Häuser gewidmet, sondern es wurde dem eingesetzten Verwaltungsrat die Freiheit gelaffen, diese Einkünfte auch für andere soziale Einrichtungen und für Schaffung von Wohlfahrtseinrichtungen zu Gunsten der Arbeiter zu verwenden. So können wir z. B. billige Volksrestaurants, Arbeiterbäder, Hotel Garnis für unverheiratete Arbeiter schaffen und andere Einrichtungen, die dem Arbe ter zum Wohle gereichen. Eine Berichtigung. In der jüngsten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" erscheinen ein „Transvaaler Schlesier", dann die „Schlesische Zeitung" und die „Kreuzzeitung", nach der „Israelitischen Wochenschrift", gegen den Rabbiner Dr. Landau in Johannesburg, der gelegentlich einer Feier die seinerzeitigen Verfolgungen der Juden in Deutschland erwähnte, ganz entrüstet und werfen demselben „bewußte Unwahrheit" vor. Ich muß für Dr. Landau, den ich weiter nicht kenne, im Jntereffe der geschichtlichen Wahrheit umsomehr eintreten, als ich im kronprinzlichen Werke „Oesterreich-Ungarn in Wort und Bild" denselben Gegenstand in gleichem Sinne besprach. Es war um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts, als die Pest, der „schwane Tod", in Deutschland grassierte. Für diese Epidemie wurden die Juden verantwortlich gemacht und mit Berserkerwut verfolgt. Man beschuldigte sie der Brunnenvergistung und schlachtete sie haufenweise hin; Männer, Weiber und Kinder. Was dem Massakre entgehen konnte, flüchtete nach dem benachbarten Polen, wo damals Kasimir der Große regierte und den verfolgten Juden seine schützende Hand reichte. Im polnischen Reiche fand das gehetzte Wild einige Zeit Ruhe und Frieden. Hier, im Adoptivvaterland, standen sie unter dem Schutze eines wohlwollenden Statuts, genoffen sie Religions¬ und Handelsfreiheit und Rechtssicherheit durch eigene Richter. Zur Zeit der Kreuzzüge und der Reformation, wo der Fanatismus der Priester die Waffen gegen Andersgläubige noch mehr schärfte, die Beutelust des Adels noch reger und die Geldgier des Plebs entfeffelter wurde, waren die armen, recht- und schutzlosen Juden die Zielscheibe aller Scheußlichkeiten seitens ihrer Widersacher in Deutschland, das sich mit ihrem Blute besudelte. Diese Verfolgungen, wenn auch weniger heftig, erlangten