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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-08 · 28 (8.7.1904) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
28 (8.7.1904)
Date
1904-07-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 450 Dr. Blocb’s Wocbenscbrttr. Nr. 28 und beit eisernen Draht, an dem der Leuchter über dem Grabe aufgehängt ist, mit Balsamöl bestreichen. Habe nun auch der arabische Befehlshaber die Tür des Grabes versiegelt, so zündeten sie vom Dache aus das Feuer am obersten Ende des Drahtes an und es verbreitete sich bis zur Lampe und zündete sie au. Die Christen aber riefen dabei Kyriealeison und weinten, als wenn sie das Feuer vom Himmel herab auf das Grab steigen sähen, und wurden dadurch in ihrem Glauben befestigt."*) Ob dieses Mittel noch jetzt angewendet wird, ob ein wirkliches Wunder geschieht, oder ob man sich der elektrischen Zündung bedient, wissen wir nicht. Die Russen scheinen ja, wie die Vorgänge bei Port Arthur beweisen, mit dieser neuen Erfindung nicht besonders gut umzugehen zu wissen. Noch bis zum Jahre 1238 war das Wunder ein allen Christen im heiligen Laude gemeinsames. Erst in diesem Jahre hat Papst Gregor IX. dem Patriarchen von Jerusalem befohlen, es abzustelleu. Ob sein Befehl sofort befolgt wurde, weiß ich nicht, jedenfalls haben sich die orientalischen Christen und Russen daran nicht gekehrt. Das Wunder wiederholt sich immerfort und findet seine Gläubigen. Jetzt verlangt das katholische „Vaterland", die europäischen Mächte sollen ihm ein gewaltsames Ende bereiten. Wie soll das geschehen? Etwa durch eine Flottendemvnstration vor Beirut? Oder soll die zum Schutze der Christen in der Türkei neu ein geführte internationale Gendarmerie dazu verwendet werden? Und wohin würden wir kommen, wenn jede Konfession sich das Recht aumaßte, das, was ihr an einer anderen abergläubisch oder betrügerisch erscheint, mit Gemalt abzuschaffeu? Das möge auch das „Vaterland" bedenken. L. Korrespondenzen. Girre Kredit- und Uorschntz-Gerrosseafchaft für de« II. und XX. Bezirk Wir fahren in der Veröffentlichung von Zuschriften fort, die in Sachen einer zu begründenden Kredit- und Vorschuß- Genossenschaft an uns gelangt sind: Herr Redakteur! In dem „Memorandum" wird darauf hingeiviesen, daß unsere Finanzkreise sich um das Genossenschaftswesen nicht kümmern. Das ist ungemein wahr. Unsere Millionäre meinen den „Pflichten des Besitzes" Genüge zu leisten, wenn sie einige hundert oder tausend Kronen Z:doke geben — um gemeinnützige Maßnahmen kümmern sie sich nicht. Und doch läge in einer gut eingerichteten Kredit- und Vorschußkaffe mehr Segen, als in den munifizentesten Spenden. Aber freilich zu einer derartigen Organisation gehört nicht bloß Geld, sondern auch Zeit und Mühe, und diese ist bei großen Geschäften weit vorteilhafter zu verwenden, als bei einer Kreditkasse, welche vielleicht Hunderte von Existenzen retten könnte, aber den Gründern wenig einbringt. Anton K o h n, Klein-Gewerbetreibender. Löbliche Redaktion! Mit Interesse habe ich in Ihrem Blatte vom 24. Juni davon gelesen, daß nun endlich in Wien Aehnliches versucht werden soll, wie das, ivas hier in der Provinz schon seit Jahren besteht. Die hiesige „Kredit-Genossenschaft für Kleinhandel und Kleingewerbe", vor 4 Jahren durch die gebenschte „Jka" gegründet, hat mit geringen Mitteln auf unserem Platze wahren Segen gestiftet. Mich selbst hat sie vom Untergang gerettet. Mein Konsum-Geschäft — wie das vieler Anderer — war durch die Konkurrenz der Konsumvereine lahmgelegt; da ich wenig verkaufte, hatte ich kein Geld, um Ware einzukaufen und um Mitte des Jahres 1902 sah ich meiner Zahlungs-Einstellung entgegen. Zum Glücke fand ich einen Geschäftsfreund, der im *) Wilken a. a. O. S. 101. Vertrauen auf meine Ehrlichkeit für mich bürgte; die Kredit- Genossenschaft lieh mir 500 Kronen, in Wochenraten binnen 2 Jahren zurückzuzahlen. Ich erneute mein Lager und schon nach 1 Vy Jahren war ich mit der Rückzahlung fertig — nannte 500 Kronen mein Eigen, hatte 1 '/z Jahre mit meiner Familie gelebt und konnte im Jahre 1903 mit Zuversicht mein Geschäft, und zwar ohne neues Darlehen fortführen. Ganz so haben sich Andere geholfen und es freut mich innig, zu hören, daß nunmehr in Wien derselbe Weg beschritten wird. Aaron F. in Kolomea. Wie». Löbliche Redaktion! In Ihrem letzten Blatte schildern Sie die Vorgänge in der am 24. v. M. stattgehabten Vollversammlung des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft betreffs des behördlichen Genossenschafts-Kommissärs, des Magistrats-Sekretärs Dr. Demel. Gestatten Sie mir als Juden und Gremialrat Ihnen den Sachverhalt wahrheitsgetreu klarzulegen. So berechtigt der Antrag des Herrn Bernhard Hofbauer, die Versammlung wegen Anwesenheit Demel's bis nach dessen behördlicher Abberufung zu sistieren, an und für sich war, ebenso klug und politisch praktisch war es vom Präsidenten Herrn Leopold Pollack von Parnegg, diesen Antrag nicht zur Debatte zuzulassen, und zwar teils weil er nicht auf der Tagesordnung stand, demnach ungesetzlich gewesen wäre, hauptsächlich aber darum, weil es Demel sehr angenehm gewesen wäre, die Versammlung auflösen zu können. Damit wäre jedoch der Sache nicht gedient gewesen, im Gegenteile, die Antisemiten und deren dunkle Hintermänner hätten nur noch mehr Zeit gewonnen, ihre agitatorische Tätigkeit für ihre bereits gedruckte Liste antiliberaler Kandidaten intensiver fortzusetzen. Zur Ehre des Präsidenten muß jeder anständige Repräsentant des Gremiums, ob Jude oder Nichtjude, bekennen, daß er mit großem Takt und großem Verständnisse an der Spitze dieser Korporation waltet und so manche vom Antisemitismus angehauchte Repräsentanten zur besseren Einsicht und zum Schweigen brachte. Von den in der am 1. d. M. stattgehabten Plenarversammlung gefaßten einstimmigen Beschlüssen betreffs Demel's werden Sie bald aus den Tagesblättern Näheres erfahren. Für diese Veröffentlichung dankend, hochachtungsvoll S. H. Wien. Der Ausschuß des Verbandes der israelitische« Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen hielt Sonntag den Juli dieses Jahres unter dem Vorsitze des Obmanns Herrn Rabbiner Dr. D. Feuchtwang die 3. Sitzung in diesem Jahre ab. Der Obmann referierte, daß Rabbiner Dr. Kurrein in Teplitz an ihn die Frage gerichtet habe, ob der Religionslehrerverband auch Delegierte des böhmischen Rabbiner- und Lehrerverbandes zur Ausarbeitung eines einheitlichen Lehrplanes heranziehen wolle. Der Verbandsausschnß begrüßte den Antrag mit Freude, zur Erreichung dieses Zieles gemeinschaftlich mit dem böhmischen Rabbinerverbande wirken zu können; zumal auf Grund eines bei der Generalversammlung gefaßten Beschlusses sogar außenstehende, dem Verbände nickt angehörende Fachmänner zur Schaffung eines einheitlichen Lehrplanes herangezogen werden sollen. Betreffs der Regelung der Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionslehrer an Mittelschulen wird die von Professor Dr. A. Weiß ausgearbeitete, an das hohe Ministerium für Kultus und Unterricht zu richtende Petition in kürzester Zeit an die Ausschußmitglieder versendet werden, damit sie zu derselben ihre Amendements machen, über welche dann der Ausschuß zu beraten und zu beschließen haben wird. Schließlich legt Professor Dr. Weiß zur Kenntnisnahme eine Petition vor, welche der Verein der katholischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen dem hohen Ministerium für Kultus und Unterricht überreicht hat und welche die Verlegung der Religionsstunden auf die Eckstunden zum Gegenstand hat Nach reiflicher Ueberlegung beschließt der Ausschuß mit Rücksicht ans die schwierigen Verhältnisse, unter welchen viele nicht definitive israelitische Religionslehrer ihren Dienst zu leisten haben, von einem analogen Schritt Umgang zu nehmen. Hierauf schloß der Obmann die Sitzung. Das Charakterbild eines Antisemiten. Dem „Naprzod" wird aus Rzeszow berichtet: Am 28. Juni fand hier die Verhandlung in dem Ehrenbeleidigungsprozeß statt, den der polnisch-antisemitische Abg. S z a j e r gegen den Wirtschaftsbesitzer Szwed angestrengt hatte. Szwed hatte den Abg. Szajer beschuldigt, daß er sein Mandat .mißbrauche und seine Wähler irreführe. Der Vertreter des Geklagten erklärte sich bereit, für nachfolgende Beschuldigungen den Wahrheitsbeweis

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