Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 27 (1.7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 436 Dr. Llocv's MocvenscbrM. Rr. 27 in die allerletzte Zeit angehörte. Ganz außerordentliche Verdienste hat sich Herr S. H e i t um die Chewra-Kadifcha erworben, deren Vizepräsidentschaft er durch lange Jahre bekleidete. Wien. (T r a u u n g.) Im Tempel des IX. Bezirkes fand Mittwoch den 29. 0. M. um 3 Uhr Nachmittags die Trauung des Fräuleins Margarethe K o h n mit Herrn Alois Weinberger statt. Die außerordentliche Beliebtheit und Verehrung, deren sich der Vater der anmutigen Braut, Herr Theodor K o h n, namentlich aber deren Oheim, der Vizepräsident der Kultnsgemeinde, Herr Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, erfreuen, bekundete die fo überaus rege Anteilnahme an dem schönen Feste. Das Gotteshaus war bis auf das letzte Plätzchen von den zahlreichen Freunden und Bekannten des Hauses dicht gefüllt und waren zu bemerken: Major W. Bar dach von Chlumberg, Kultusvorstcher Dr. Markus Spitzer, Bethausvorsteher Wasservogl, Rcligionsschulinspektor Professor Dr. M. K a n i tz, Professor Dr. Weiß, der Vorsteher der Armenanstalt Joseph Jelinek, Professor Joseph Sulzer, der Direktor des Rothschildspitales Dr. M. Koranyi, der Verwalter des Versorgungshauses K o d i t s ch e k, die Vorsteher des Bethauses IX. Bezirk Dr. M. S ch n e p p, Jgn. Simon, Josef Ouittncr, Kantor Menkes u. v. a., sowie zahlreiche Damen. Den Trauungsakt nahm Rabbiner Dr. Gelb Haus vor, welcher an das Brautpaar eine Ansprache hielt, die aus alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Die kantoralen Funktionen vollzog Oberkantor Kläger mit dem verstärkten Tempelchore unter Leitung des Kantors P e k a r n i k. Nach der Trauung fanden sich die Freunde bei der Gratulation im „Hotel de France" ein, woselbst auch hunderte ichristliche und telegraphische Grüße anlangten. Wieu. Stadtrat Bielohlawek beantragt, den Vertrieb der städtischen Armenlotterielose der Firma Schelhammer und Schattcra auf weitere drei Jahre zu übertragen. (Angenommen.) Die Firma Schelhammer & Schattcra ist in der uns vorliegenden Nummer der „Oesterreichischen Volkspresse" vom. 19. Juni durch sieben Inserate vertreten und zwar: 1. eine Achtelsette, 2. eine ganze Seite, 3. eine halbe Seite, 4. eine halbe Seite, 5. eine Viertelseite, 6. eine Viertelseite, 7. eine halbe Seite. Die „Oesterreichische Volkspresse" hat Folio-Format; ihr Herausgeber ist Hermann Bielohlawek. Wien. Der „Theologische Verein", (II., Tempelgasse Nr. 3) teilt seinen Gönnern mit, daß seine Mitglieder die Herren Samuel A r j e und Viktor K u r r e i n Donnerstag den 23. Juni an der k. k. Universität in Wien zu Dottoren der Philosophie promoviert wurden. Wien. Der „Theologische Verein" stellt den P. T. Gemeinden und Synagogenvereinen seine Mitglieder als Prediger für die kommenden hohen Feiertage zur Verfügung. Anfragen sind zu richten an Herrn S. Alpcrin, Wien, II., Rembrandtsttaße 34. Böskau. Der hiesige Minjan-Verein hat, um den Gottesdienst ungestört regelmäßig abhalten zu können, ein eigenes Lokal gemietet. Um die Einrichtung desselben haben sich außerdem Obmanne Herrn Dr. B r ö s l e r besondere Verdienste erworben: Herr Aron W e i l, Frau Rosa Marmor ek und deren Bruder Herr^ Josef Witrofsky. In dem Bctlokale soll eine Maskirtafel für den entschlafenen Herrn Simon Marmorek angebracht werden. Die Familie Raußnitz und Herr Jakob Hacker haben dem Verein durch zwanzig Jahre uneigennützig Gastfreundschaft gewährt, wofür ihnen hiermit Dank gesagt wird. Olmütz. Die hiesige Kultusgemeindevertretung beschlob, den Namen des verstorbenen Dr. Joachim Oppenheim, Rabbiner in Thorn, vormals in Elbenschütz, für alle Zeiten unter die hervorragendsten und verdienstvollsten Männer des Judentums in die Haskarah einzuverleiben, indem sic durch diesen Akt'der Pietät dem Sohne des Verblichenen, ihrem Rabbiner Dr. Berthold Oppenheim, eine besondere Ehrung zu Teil werden ließen. Wieliczka—Klasno. Am 25. Juni hielt die Vereinspräsidentin Frau S. Templer im Vereinslokale des hiesigen Frauen- und Mädchen-Vereines „Miriam" einen fesselnden Vorträg über „die Vorurteile gegen das jüdische Volk" der auf sämtliche Zuhörer einen tiefen und erhebenden Eindrücke machte. Auch ein Vortrag der Vizepräsidentin Frau S. Herschthal erregte allgemeines Interesse. Aufruf! Freitag den 17. Juni brach hier eine Feuersbrunst aus, welche, einige Tage hindurch wütend, 60 Häuser, darunter alle Bethäuser, einäscherte. Das Gros der Abgebrannten sind unsere Glaubensgenossen. 200 jüdische Familien stehen obdach- und brotlos da. Menschen, die noch vor einigen Tagen wohlbemittelt waren, sind mit einem Schlage zu Bettlern geworden. Das Schreien der Kinder nach Brot und Kleidung ist herzzerreißend. Die Not ist unbeschreiblich. In diesem Unglücke bleibt uns kein anderer Ausweg offen, als uns an die Oeffentlichkeit zu wenden und um Unterstützung für die armen Unglücklichen zu bitten. Gefällige Geldsendungen sind an den Kreditverein für Handel und Gewerbe in Rymanow zu adressieren. R y m a n o w, am 19. Juni 1904. Joseph Fridman Salomo n Seelen freund Rabbiner. Kultuspräsident. Feuilleton. Sllle Rechte Vorbehalten Indische Kntlnrdilder. Vou Dr. Armin Schnitzer, Obcrrabbiner in Komärom. (Fortsetzung.) Dieser Protest war eigentlich für mich nicht ohne Nachteil. Es entging mir ein nicht unbedeutendes Nebeneinkommen, denn jede Eidesabnahme brachte mir zwei Gulden, aber für diese Einbuße entschädigte mich das Bewußtsein, wenigstens in einem Komitate ein Bollwerk an der Zwingburg konfessioneller Vorurteile niedergeriffen zu ' haben und der e r st e g e w e s e n z u s e i n, der in Ungarn diese Schmach von seinem Volke abgewälzt hat. Aber auch innerhalb der Gemeinde gab es manches Vorurteil zu bekämpfen; nur mußte man es sachte und mit Vorsicht fassen. Bezeichnend für den Geist, der vor 42 Jahren in meiner Gemeinde herrschte, ist, daß man die deutsche Predigt für ein Attentat gegen die Religion oder mindestens gegen einen heiligen Brauch betrachtete. Als ich mit den: Vorsteher darüber sprach, wann ich an den hohen Feiertagen zu predigen habe, meinte er: „am zweiten Tage ßosch-haschono, am ersten spricht der Rabbi." „Und Jom Kippur?" fragte ich. „Jom Kippur?" rief er verwundert aus, Jom Kippur eine deutsche Predigt!? Ja, wenn Sie jüdisch sprechen würden. . . . „Jüdisch?" Sie nieinen verdorben deutsch, I a r°° g o n? Das kann ich nicht." Aber als meine rein deutsche Predigt am ßosch-haschono auch ohne den hergebrachten Singsang, mit dein die Alten an den „furchtbaren Tagen" ihre Reden hielten, nicht ungünstig auf die Zuhörer wirkte, kamen der Vorsteher und viele andere mit der Bitte, „ich möchte auch am Jom Kippur predige n." „Nein", sagte ich, „dort, wo der V o r st e h e r der Ansicht war, daß man den heiligen Jom Kippur mit einer deutschen Predigt entweihe, dort wurzelt dieses Vorurteil in der Menge des Volkes, und da darf man nicht mit plumpen Händen in diese Volksseele Hineingreffen; übers Jahr, so Gott will, Heuer nicht." Und dabei bliebs. Erew Jom Kippur nach dem Morgengottesdienst trat in der Vorhalle ein alter, angesehener Balbos an mich heran und wollte mir Geld in die Hand stecken; ich nahm es nicht an.