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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-01 · 27 (1.7.1904) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
27 (1.7.1904)
Date
1904-07-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 434 Dr. JSlocb’s TKHocbenscbrttt. Nr. 27 Landverpachtung gehandelt habe. S'r Eduard Grcy war der Ansicht, daß man in den Juden eine verfolgte Rasse erblicken müsse, für die in einer englischen Kolonie eine Zuflucht und eine Heimat zu schaffen durchaus verdienstlich sei. Es handle sich nur um die Frage, ob eine derartige Ansiedlung bei dem augenblicklichen Entwicklungsznstand der ostafrikanischen Länder empfehlenswert sei oder nicht. Aus der Rede des Earl of Percy tragen wir noch folgende Stelle nach: Der ganze Antrag beruht auf falscher Boraussetzung. Wohl hat Mr. Wason als Mitglied des Unterhauses das unbestrittene Recht, zu beantragen, den Minister, weil dieser den Juden in Ostafrika ein Land abtreten wolle, das Gehalt zu sperren. Aber Mr. Wason hat das Ostafrikaprojekt mit der Frage der Eingeborenen verquickt und somit zwei Sachen zusammengebracht, die miteinander absolut nichts gemein haben Er hätte, bevor er hier im Hause die Angelegenheit anschnitt, sich doch erst über das Wo und Wie erkundigen sollen. Als im Juli vorigen Jahres ein Vertreter des jüdischen Kolonialtrust sich beim Lord Landsdowne erkundigte, ob er einer Landkonzession an die Juden in Ostafrika näher treten wolle, waren die Nachfragen nach Land in Ostafrika sehr gering. Dabei wurde in diesem Hause immer wieder und wieder darüber geklagt, daß das ostafrikanische Protektorat unrentabel sei und nicht einmal die Verwaltungskosten deckt. Unter solchen Umständen konnte Lord Landsdowne dem zionistischen nicht anders als günstig sein, vorausgesetzt, daß sich ein geeignetes Territorium finden und eine Einigung über die Prinzipien der Selbstverwaltung erzielt werden wird. Indessen sind Vertreter des Kolonialtrust nach Ostafrika abgegangen, um das den Juden zur Verfügung gestellte Territorium zu besichtigen und zu sehen, ob es ihren Erwartungen entspricht. Solange diese Gentlemens ihren Bericht noch nicht erstattet haben, darf ich dem Hause keine Mitteilung machen. Dennoch darf . ich jetzt schon sagen, daß weder die Rechte der britischen Untertanen, noch die der Eingeborenen durch das ostafrikanische Projekt im geringsten geschädigt werden sollen. Den Interessen der britischen Untertanen ist insofern Rechnung getragen worden, als das den Juden angebotene Land d u r ch a u s n i ch t a n d e r E i s e n b a h n gelegen ist. (Die an dieser Stelle mitgeteilte Nachricht der „Jewish Chronicle". wonach der geplante Judenstaat in Ostafrika 5 englische Meilen südlich der Ugandabahn gelegen sein wird, wird also hiermit offiziell dementiert. Red.) Das Land liegt ferner in der Provinz Naivasha zwischen Victoria- und Rudolphsee, wo es faktisch keinen einzigen Eingeborenen gibt. Es ist ein absolut unentwickeltes Land, etwas von der Eisenbahn entfernt, und die Juden werden da mit den Europäern kaum in nähere Berührung kommen können. Er müsse allerdings zugeben, daß die Regierung sich keineswegs ausschließlich von finanziellen Motiven habe leiten lassen. Bis zu einem gewissen Grade haben da auch die Sympathien eine Rolle gespielt, welche jede christliche Nation, namentlich aber die englische, für eine Rasse hegen soll, die während einer Jahrhunderte dauernden Verfolgung mit wunderbarer Ausdauer an die Prophezeiungen seiner Propheten glaubte. Redner ging dann näher auf die Amtsniederlegung des Gouverneurs Sir Charles Eliot ein, welche wohl mit der Frage der Eingeborenen, aber nicht mit dem jüdischen Ostafrikaprvjekt zu schaffen hatte, und fährt dann fort: Seit Bekanntwerden der Verhandlungen der Regierung mit dem jüdischen Kolonialtrust hat der Strom der Ansiedler nach dem ostafrikanischen Protektorat, von dem bis dahin niemand etwas wissen wollte, derzeit so große Dimensionen angenommen, daß das ganze, längs der Eisenbahn zur Disposition stehende Land bereits vergeben ist und die Regierung sich genötigt sah, weitere Konzessionen in der Provinz Naivasha zu verweigern, da man sonst den Interessen der Masais nahetreten würde. Sir Charles Eliot war mit dieser Bestimmung zum Schutze der Rechte der Eingeborenen nicht einverstanden und legte sein Amt nieder. Ein heldenmütiger Arzt. Petersburg. Der „Ruß", dessen Herausgeber ein Sohn des Eigentümers der „Nowoje Wremja" ist, teilt Folgendes mit: Das erste Detachement des „Roten Kreuzes" hatte einen Doktor in Wafangko, welcher sich weigerte, sich zurückzuziehen, indem er erklärte: „Ich werde den Platz nicht eher verlassen, bevor ich nicht alle Verwundeten verbunden haben werde." Dieser Doktor ist aus Kiew, und ich habe die Ehre, die „Nowoje Wremja" zu benachrichtigen, daß er einer der „schmutzigen Juden" ist. „Bewußte Unwahrheit". Ein „schlesischer Landsmann" schreibt der „Schlesischen Zeitung" aus Vryheid (Transvaal), 7. Mai, und die „Kreuzzeitung" druckt es nach: ..Am 3. d. M. wurde am Orte eine Synagoge eingeweiht. Zu dieser Feier kam der erste Rabbiner von Johannesburg Dr. Landau her. In seiner Rede hob er u A. die „Freiheit" hervor, welcher sich die Juden in englischen Ländern im Gegensatz zu anderen Staaten erfreuten, und erwähnte dabei, daß in Deutschland tausende Juden, Frauen, Kinder und Männer, durch Deutsche hingemordet, Synagogen niedergebrannt, ihre Häuser zerstört, ihr Hab und Gut genommen worden wäre. Er sagte dies vor einer großen Anzahl eingeladener angesehener Engländer und Buren, außer den ansässigen, meist russischen Juden. Ich habe nachgedacht, aber kann mich nicht besinnen, daß sich dies je in Deutschland ereignet hatte. Ich vermute, dieser Herr, der, nebenbei bemerkt, in Deutschland oder Oesterreich erzogen worden ist, und, wie mir einige Juden versicherten, einer der berühmtesten Rabbiner in der jüdischen Welt ist, meint wohl Rußland; um aber mehr zum Gefallen der Engländer zu sprechen, läßt er es in Deutschland geschehen sein. Ich bin sicher, von den Anwesenden sind 90 Perzent, die den Worten des Rabbiners Glauben schenken und sich so verkehrte Meinungen bilden. Nun frage ich: könnte der Geistliche nicht veranlaßt werden, daß er diese Worte widerruft, sollten seine Aussagen nicht den Tatsachen entsprechen?" Die „Schlesische Zeitung" bemerkt dazu, und die „Kreuzzeitung" druckt die Bemerkung wiederum.nach: „Dies ist wohl aussichtslos. Es handelt sich um .eine bewußte Unwahrheit, durch die der betreffende Rabbiner nach der Sitte leiiics Volkes den Engländern eine faustdicke Schmeichelei sagen wollte. Wie mag nur Dr. Landau über das neue englische Gesetz gegen die Einwanderung von Juden denken?" Es handelt sich in der Tat um eine „bewußte Unwahrheit", von dem ungenannten „schlesischen Landsmann" debitiert und von den genannten beiden Blättern „nach der Sitte ihres antisemitischen Volkes" verständnisinnig propagiert. Wir würden Herrn Rabbiner Dr. Landau beleidigen, wollten wir ihn ausdrücklich gegen die Märchenerzählungen des ungenannten „schlesischen Landsmann" verwahren. („Jsr. 28.") Die Juden in Persien. Wenn wir von den unsagbar elenden Zuständen hören, unter denen unsere Brüder in Rußland, Rumänien und Marokko leben, gibt sich wohl mancher der traurigen Hoffnung hin, daß uns mit den Nachrichten aus diesen Ländern das Schlimmste bekannt sei. Doch leider ist mit der Schilderung dieser traurigen Milieus beiweitem nicht das größte Judenelend erschöpft. In einem Lande, von dem nur selten Kunde zu uns dringt, herrscht eine so furchtbare Judennot, daß wir es für unsere Pflicht halten, sie unseren Lesern vor Augen zu führen. Dieses Land, wo die Juden beinahe so schütz- und rechtlos sind wie in Rußland, wo sie dem Haß eines fanatischen Pöbels preisgegeben sind, ist Persien, und aus der Stadt der Rosen und Granatäpfel, der Stadt des Hafis und Saadi kommen die nachstehenden traurigen Schilderungen : Das Wohnungselend in Schiras spottet jeder Beschreibung. In einer Hütte mit einem einzigen Raum und einem kleinen Hof sind 20, manchmal noch mehr Familien untergebracht. Diese „Wohnung" wird den Unglücklichen zu einem ungeheueren Preis überlassen, der sich in Anbetracht der Wohnungsnot in aufsteigender Linie bewegt. Findet, der Besitzer Mieter, die mehr zahlen können, so werden 'die bisherigen einfach auf die Straße gesetzt. Die Not wäre nicht so groß, wenn die schi'itischen Mohammedaner ihre Häuser

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