Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 26 (24.6.1904)
- Date
- 1904-06-24
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021547-3021575-3021574--13717-3038366- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
Hx. 26 Dr. 35locb ö TCaocbenscbrta. Seite 423 Als ich diese entsetzliche Formel las, da wollte der Ausschrei eines tiefverwundeten jüdischen Herzens mir über die Lippen, doch sah ich ein, daß ich kaltes Blut bewahren müsse, und ich wendete mich an die Richter: „Sagen Sie mir, meine Herren, welcher Neumanu ist de n n d a g e m eint? Ich kenne hier einen Holzhändler Neumann, einen Kaffeesieder Nenmann, einen Schneider Neumann und noch gar viele Neumann - welcher von diesen war es denn?" Die Herren lachten. „Ja, das können wir Ihnen nicht sagen." (Bibelfest war keiner von ihnen.) „Nun denn, solange ich nicht weiß, lveicher Nenmann da gemeint ist, kann ich diese Eidesformel nicht vorsagen." Der Ungar ist kein Pedant und ist freiheitlichen Ideen zugänglich, und so sagte ich diesmal und von d a a b jede sm a l jene Eidesformel dem Schwörenden vor, die ich selbst formulierte und die mit der allgemeinen gleichlautend ist. Viel radikaler habe ich fünf Jahre später beim Komitate den „Eid more juclaiea" a b g e s ch a f f t. Es war im Oktober 1867, da tagte eine gemischte Kommission der Militär- und Zivilbehörde und so waren mehrere Generäle und hohe Stabsoffiziere, sowie die Komitatsherren im Komitatssaale versammelt. Es sollte ein dem Komitate gehöriges Grundstück samt Holzbauten vom Aerar behufs Erweiterung des Festungsrayons erworben werden und zur Abschätzung des Wertes wurden mehrere Sachverständige eingeladen, darunter auch ein Jude und zwar der Chef der ersten Bauholzhandlung in Budapest, Jakob N e u s ch l o ß. Die Sachverständigen christlicher Konfession wurden vom Vizegespan Paul v. Ordody, dem späteren Ackerbauminister, beeidet; an Neuschloß aber sollte ich mit der Bibel in der Hand herantreten, um ihm den Eid abzunehmen. Da erfaßte mich der ganze Jammer schimpflicher Zurücksetzung, die seit Jahrtausenden uns Juden das Brandmal aufdrückt, und mit vor Aufregung bebenden Lippen sprach ich zur Versammlung: „Meine Herren! Ich habe noch nie die Demütigung und Zurücksetzung meiner Konfession so schmerzlich empfunden crs jetzt. Sehen Sie, die Herren alle haben den Eid abgelegt, ohne daß ihr Geistlicher an ihrer Seite gestanden wäre — und d e n Mann, dem Sie Ihr volles Vertrauen zugewendet haben, halten Sie für minderwertig und setzen voraus, daß er nur dann wahr schwöre, wenn sein Seelsorger neben ihm steht? Haben wir nicht alle einen Gott? Nun denn, Herr Vizegespan! bei diesem einen Gotte beeiden Sie Herrn Neuschloß, und ich bin überzeugt, daß er auch allein und ohne mein e A dm o n i t i o n durchdrungen sein wird von der Heiligkeit des Eides." Brausende E t j e n- und Bravo -Rufe folgten meinen Worten, welche nachhaltigen Erfolg hatten. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Ueber Ausgrabungen in Palästina schreibt ein gelehrter Mitarbeiter dem „Schwäbischen Merkur": „Von den Ausgrabungen in Griechenland, in Egypten und in Borderasien nehmen zur Zeck immer noch die Funde in Babylonien, Egypten, Kreta das allgemeinste Interesse in Anspruch; so war auch hier wieder vor wenigen Tagen über den Fortgang der Arbeiten von Evans in Kreta zu lesen, die ein so überraschendes Licht auf die älteste griechische Kultur und ihren Zusammenhang mit der orientalischen geworfen haben. Auffallend ist immerhin, daß von den gegenwärtig sehr erfolgreich betriebenen Ausgrabungen im Norden Palästinas so gut wie nichts in die Zeitungen kommt. Von einigen Ergebnissen der Ausgrabungen auf dem Tell el-Mutesellim, die seit einem Jahr Ingenieur Dr. Schumacher im Aufträge des Deutschen Vereins zur Erforschung Palästinas leitet, werden die Leser des „Schwab. Merk." wohl um so lieber Kenntniß nehmen, als Schumacher der deutschen (fast ganz schwäbischen) Kolonie Haifa angehört (wo einige Hundert Landsleute von uns wohnen) und vor über 20 Jahren in Stuttgart studiert hat. Der heutige Tell el-Mutesellim ist wahrscheinlich das Megiddo der Bibel. Einer der interessantesten und wertvollsten Kleinfunde (Ende März d. I.) ist ein prächtig geschnittener Jaspis-Siegelstock (dem Schreiber d. Z, liegt eine Photographie vor), auf dem um einen schön gezeichneten schreitenden Löwen in althebräischer Schrift steht: „des Schima, Dieners des Jerobeam". Man wird nach dem Vergleich mit den babylonischen Tierfiguren kaum in der Annahme fehlgehen, daß dieses Siegel eine babylonische Arbeit ist. Ein eigener Beamter überbrachte es unlängst dem Sultan nach Konstantinopel, in dessen Museum alle Funde abgeliefert werden müssen. Ferner fand Dr. Sch. eine vorhistorische Burg und dabei ein unterirdisches, aus einander über tragenden und roh zusammengefügten Felsstücken erbautes unterirdisches Gelaß, vielleicht die Schatzkammer der alten Burg von Megiddo. Gräber mit Skeletten und Waffen sind zahlreich aufgedeckt, babylonische Gemmen und eine größere Anzahl von Skarabäen gefunden, ebenso zahlreiche israelitische Malsteine (Mazzeba) und Opfersteine (Altäre) und israelitische Pflüge ausgegraben worden. Im Osten des Tell fanden sich Reste einer sehr starken (etwa 9 Meter) Umfassungsmauer aus an der Luck getrockneten Lehmziegeln nach Art der babylonischen Bauten. Die Ansgrabungen schließen mit dem Monat Mai wegen der Getreideernte und des damit entstandenen Arbeitermangels für dieses Jahr vorläufig ab. Mit großem Interesse wird man dem in kurzer Zeit erscheinenden Bericht von Dr. Schumacher entgegensetzen dürfen." Neue Bücher. Lina Morgenstern. Das Paradies derKindh e i t. Lehrbuch für Mütter, Kindergärtnerinnen und Erzieherinnen. Nach Friedrich Fröbel's System. Sechste erweiterte Auflage. W. W u n d e r l i n g's Hofbuchhand lnng, Regen sb u r g und Leipzig 1904. Dr. Adoif Po-Knan^ki. S ch i l o h. Ein Beitrag zur Geschichte der Messiaslehre. Erster Teil. Die Auslegung von Genesis 49, 10 im Allertume bis zu Ende des Mittelalters. Preis Mk. ir>. , geb. Mk. 16.—. I. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig 1904. Dr. H. Pollak, k. k. Professor. D r. G. W o l f's Geschichte I s r a e l s für die israelitische Jugend. Bon der babylonischen Gefangenschaft bis zur Zerstörung des zweiten Tempels. Nach dem Tode des Verfassers neu herausgegeben. IV. Heft. Zehnte verbesserte Auflage. Mit Erlaß des hohen k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 28. April 1904, Z. 14061 zum Lehrgebrauche beim israelitischen Religionsunterrichte an Mittelschulen mit deutscher Unterrichtssprache allgemein zugelassen. 1904. Preis geheftet 48 Heller. Alfred H ö l d e r, k. u. k. Hof- und Universitäts-Buchhändler, Wien, l. , Rothenthurmstraße 13. Kriefkafte«. &. S. Auch bei Den Juden wurde bereits zu militärischen Zwecken die Musik benutzt. So stellte der König Josaphat, als die umliegenden Völkerschaften sich gegen ihn verbündet hatten und in Judäa eingedrungen waren, an bte Spitze des Heeres, welches er ihnen entgegenschickte, die „Sänger des Herrn" mit ihren Musikinstrumenten in derselben Ordnung, welche sie beim Dienste im Tempel einnahmen. F. L. Sagen Sie dem Herrn Gemeinderat, daß er nicht unterrichtet ist. Die englische Fremdenbill wird zurückgezogen. Da sich das Gesetz hauptsächlich gegen die Einwanderung unbemittelter Juden aus Ost-Europa richtete, hat das unter dem Vorsitz des Lord Rothschild stehende jüdische Hilfskomitee für London-Ost die Verpflichtung der Ueberwachung aller jüdischen Einwanderer übernommen. Das Komitee wird die persönlichen Verhältnisse aller zureisenden Juden genau prüfen und nötigenfalls für jeden in London Verbleibenden eine Bürgschaft für dessen Wohlverhalten auf zwei Jahre übernehmen. S. 4llt. in T. Nur mit voller Namensfertigung kann dieser Bericht der Oeffentlichkeit übergeben werden. Bezirksrat M. Brill. Sie schreiben uns: „Aus der Verhandlung über die Judenhatz in Uhnow ersehe ich mit Vergnügen, daß sich 2 brave christliche Männer fanden, welche die unglücklichen Opfer in Schutz nahmen. Ich glaube, daß diese Beiden, ein Schuhmacher und ein Finanzwachaufseher, Dank und Anerkennung seitens der Juden verdienen. Die Israelitische Allianz od-r die Oesterreichisch-Jsraelitische Union sollten den geeigneten Weg zur Ausführung bezeichnen. Falls eine Sammlung angeregt wird, so können bei mir 5 K. für diesen Zweck geholt werden." Wir glauben eine solche Aktion nicht empfehlen zu sollen. Karoline Pick, Rabbinersgattin, Königsstadtl. Wir können Ihr Verhalten nicht billigen und lehnen darum es ab, Ihre Zuschrift in unserem Blatte abzudrucken.