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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-06-24 · 26 (24.6.1904) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
26 (24.6.1904)
Date
1904-06-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 410 Br. Llocd's MlocbenscbriU. ju. -b Die Kreditgenossenjchaft in K o l o m e a weist im fünften Betriebsjahre aus: Mitgliederzahl. 1354 Anteile der Mitglieder.Iv 23.200 Spareinlagen.„ 65.748 Darlehen . . ..„ 167.850 Reserve.„ 6.836 Gewinn.. 2.327 Aehnlich bilanzieren die anderen von der Jea begründeten Kreditgenossenschaften in Galizien. Noch weit vorteilhafter arbeiten die sogenannten „Kronenbanken" in Ungarn, deren Zins und Rückzahlungsbedingnisse allerdings viel zu wünschen lassen. Auch in Wien wurde vor vier Jahren seitens des „Volksvereines" eine „Kredit- und Vorschußgenvssenschast" begründet, welche jedoch von vornherein an unzureichenden Geldmitteln litt. Einige Vereine, welche an Handwerker und Kleingewerbetreibende Vorschüsse bewilligen, betreiben diese Aktion in Form von Wohltätigkeitspflege, was den Zweck eher vereitelt als fördert. Derselbe Mangel haftet der Baron Hirsch-Stiftung an. Der Erwerbstätigkeit kann nicht durch Spenden und Almosen, sondern nur auf geschäftlichem Wege aufgeholfen werden: nur dann wird dem Teilnehmer geholfen, wenn er sich der Rückzahlungspflicht bewußt ist, und nur dann kann der Kreditgeber dauernd nützen, wenn er seine Kasse in rationeller Weise vor Verlusten bewahrt. Allerdings ist es in kleineren Städten leichter, die Verhältnisse der Kreditwerber zu ermitteln und zu beurteilen, ob und in welcher Weise Kredit erteilt werden soll. Allein auch in der großen Stadt läßt sich ein hinreichender Informationsdienst einrichten, indem man zunächst die Krediterteilung topographisch begrenzt und nur allmälig ausdehnt und indem man sich der guten Dienste von bereits bestehenden Institutionen (z. B. der Vertrauensmänner des Kultusvorstandes, der Bezirkskommissionen u. a.) bedient. Selbstverständlich kommt alles auf die Leistungsfähigkeit der leitenden Personen an. Auf Grund dieser Erwägungen wird beantragt: Es sei eine Kredit- und Vorschußgenossenschaft in Wien zu errichten, welche ihren Betrieb zunächst aus den II. und XX. Bezirk einschränkt, sich jedoch eine nachmalige Ausdehnung auf andere Bezirke vorbehält. Der Betriebsfond sei auf X 200.000 anzusetzen, welche vor Betriebsbeginn bar einzuzahlen sind. Die Anteile der nach Vollzahlung des Betriebsfondes eintretenden Mitglieder seien auf X 200 anzusetzen, von denen 25 Kronen bar einzuzahlen sind; die restlichen X 175 können in Wochenraten eingezahlt werden. Darlehen werden nur an Mitglieder, und zwar in der Höhe von 100—2000 Kronen erteilt. Die Rückzahlung kann in Monats- oder Wochenraten bedungen werden. Der Zinsfuß wird zunächst auf 5 Perzent festgesetzt. Außerdem hat der Schuldner einhalb Perzent Regiebeitrag, 1 Perzent für den Reservefond zu richten. Als Garantie wird nach Ermessen des Vorstandes ein Bürge oder ein Faustpfand oder die Verpfändung eines fixen Gehaltsbezuges bedungen. Stimmberechtigt ist jedes Mitglied, dessen Anteil voll einbezahlt ist. Es wird angestrebt, daß der Kultusvorstand gegen eine entsprechende Beteiligung am Betriebsfonde das Vorschußwesen seiner Beamten an die Genossenschaft übertrage. Wien, im Juni 1904. Angesichts der vorgeschrittenen Jahreszeit, in welcher sich bereits viele Mitglieder des Kultusvorstandes auf Sommerreisen befinden, wurde die Behandlung dieser Anträge aus den nächsten Herbst verschoben. Die Juden von hervorragenden Uichtjuden beurteilt. Ein Franzose hat ein Buch geschrieben über alles Schlechte, das man von den Frauen gesagt hat: Le mal qu’on a dit des femmes — und es ist im Laufe der Jahrhunderte viel gesagt worden. Aber noch viel umfangreicher würde eine Sammlung alles dessen ausfallen, was zur Schmähung und Verleumdung der Juden gesagt wurde. Gewiß, die Frauen sind ebensowenig fehlerlose Engel als die Juden. Sie haben ihre Fehler und schlechte Eigenschaften wie die -— Männer und die Nichtjuden, vielleicht noch etwas weniger. Wenn Beide so angeschwärzt und angeschuldigt wurden, so lag und liegt auch jetzt noch ein anderes Motiv zugrunde. Man dichtete ihnen allerlei Fehler und schlechte Eigenschaften au, um die Beschränkungen, denen man sie unterwarf, die niedrige Stellung, in der man sie hielt, zu rechtfertigen. Freilich ist auch vieles zum Lobe der Frauen gesagt und gesungen worden —ob es in einem Buche gesammelt wurde, weiß ich nicht; jedenfalls existiert kein solches goldenes Buch der Judenschaft. Ich will daher dem künftigen Verfasser eines solchen hier einiges Material dazu tie; ern, wie es mir, ohne besonderes Nachsuchen, zur Hand gekommen ist. Das Lob ist nicht immer rein gespendet worden, es hatte manchmal eine Legierung von Tadel oder es ist unwillkürlich entschlüpft, wo man tadeln wollte. Schon Bileam hat loben und segnen müssen, wo er tadeln, und fluchen sollte. So hat auch Luther, der durchaus kein Freund der Juden war, ihnen mitunter seine Bewunderung nicht vorenthalten können. Sie sind zwar, nach seiner Ansicht, dem gerechten Zorn Gottes verfallen; „aber", sagt er, „wenn ich so beten könnte, wie sie beten, ich wollte fürzweihundert Florin Bücher darum geben." Selbst Voltaire, der ein Judenfeind war, oder, vielleicht richtiger gesagt, ein Feind des Judentums, als Wurzel des Christentums, nimmt sich ihrer eifrig gegen die sie verfolgenden Christen an. Im Lerrnon du Rabbi Akiba verteidigt er sie gegen die Anklage des „Gottesmordes", weist nach, daß Jesus als Jude geboren und gestorben ist, daß er und seine Jünger als Juden gelebt, alle Vorschriften der jüdischen Religion beobachtet haben, daß die jüdischen Priester und Behörden ihn toleranter Weise lange Zeit unbehelligt ließen, obwohl er sie arg schmähte und das Volk gegen sie aüfhetzte, und daß es schließlich die Römer waren, welche ihn verurteilten und kreuzigten. Dieser Toleranz stellt er die Verfolgungssucht der Christen und die Grausamkeit desJnquisitionsgerichts gegenüber, welches eben drei Dutzend Juden in Lissabon hatte verbrennen lassen. Und während des Autodafes, sagt er, „haben die Priester Psalmen gesungen, in denen die Barmherzigkeit Gottes angerufen wird." „Die schrecklichste, teuflische Grausamkeit ausübend, wagen sie es, den Gott der Liebe und Barmherzigkeit anzurufen. Und wie verabscheuungswürdig ihre Grausamkeit ist, ebenso lächerlich ist der Widerspruch, mit dem sie sich unserer Psalmen bedienen, während sie uns dafür bestrafen, daß wir der Religion unserer Väter anhängen", läßt er den Rabbi sagen. Aber schon beinahe fünfzehn Jahrhunderte vor Voltaire hatte der Heide Porphyrius(nach einem Zitat in des Kirchenvaters Augustinus De civitäte Dei) gesagt, Jesus sei von seinen Richtern mit Recht verurteilt worden. Nach dem ungläubigen Franzosen und dem heidnischen Griechen wollen wir noch das Zeugnis eines italienischen Papstes anführen. In Bezug auf eine Judenverfolgung in Prag im vierzehnten Jahrhundert, sagt Pius II. in seiner Historia bohemica: „Nichts ist bemitleidenswerter als die Lage der Juden unter den Christen. Wie man nur zu merken glaubt, daß sie wohlhabend geworden sind, plündert man sie aus. Und man begnügt sich nicht damit, sondern tötet sie

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