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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-06-17 · 25 (17.6.1904) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
25 (17.6.1904)
Date
1904-06-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 406 Dr. Mocb's MlocbenscbrLtt. Rr. 25 Urteil aufbauen, von welchem ein großer Teil des Volkes befangen ist: denn es ist der Glaube des unwissenden Volkes und haben die Päpste I n n o c e n z IV., Gregor X., Martin V., Nikolaus V. und Paul III. in ihren Bullen, sowie Friedrich III., Karl V. und Leopold in ihren Diplomen bei Leib- und Geldstrafe streng verboten, darüber zu sprechen oder zu schreiben." „Fern sei es von mir", fuhr er im Geiste seiner Zeit fort, „behaupten zu wollen, daß die Juden gegen uns Christen keine Ränke schmieden und daß es nicht viele gebe, welche um den Preis von vergossenem Blut der Christen Reichtum sich erworben haben; ich würde mit dieser Behauptung nur den gefangenen Juden schaden: aber daß sie dieses Blut auch genießen, daß ist eine dumme Andichtung, denn dieses Blutvergießen ist ihnen weder durch das Gottesgesetz, noch vom Talmud und ihren Rabbinen erlaubt worden." Nach einer Replik des Anklägers wurde am 17. August 1789 von einem aus fünf Richtern bestehenden Strafsenate folgendes Urteil gefällt: Katharine Vincze wird des an ihren vier Stiefkindern verübten Mordes schuldig erkannt und zu hundertjähriger allerschwer st erKerker st ras e*), zu zweistündigem Prangerstehen an drei aufeinanderfolgenden Tagen, sowie zu fünfzig Ruthenstreichen durch den Henker an diesen drei Tagen verurteilt; an jedem Jahrestage des Verbrechens soll sie eine Stunde am Pranger stehen, der bei ihr Vorgefundene Betrag von 426 Gulden verfällt dem Straffonde. Die Juden wurden wegen ungenügender Beweise freigesprochen. Infolge der Appellation kam der Strafakt vor die königliche Tafel, welche das erstrichterliche Urteil am 11. September bezüglich der^Vincze bestätigte, hingegen das betreffs der Juden dahin abänderte, daß dieselben vollkommen unschuldig seien. Die Verfügung über den gefundenen Betrag änderte die königliche Tafel dahin ab, daß derselbe der Großmutter, der die Vincze das Geld gestohlen hatte, übergeben werde. Aus dem Prozesse, in welchem außer der genannten jüdischen Familie kein anderer Jude erwähnt wird, ist zu ersehen, daß im Jahre 1788 nur sehr wenig Juden in Komorn wohnten. Dr. Josef Bergl**) in seiner „Geschichte der ungarischen Juden" (S. 70) erwähnt, daß gelegentlich der im Jahre 1744 auf Verordnung der Königin Maria Theresia dto. 18. Dezember 1744 von den Behörden behufs Einhebung der „Toleranztaxe" (Malkageld) — zwei Gulden für den Kopf — vorgenommenen Konskription der Juden in der Stadt Komorn 34 jüdische Seelen gezählt wurden, was ungefähr sieben Familien entspricht. Das älleste, im Archiv der jüdischen Gemeinde befindliche Schriftstück datiert vom Jahre 1803. Es ist das Protokoll eines Schiedsgerichtes, das zur Beilegung von heftigen Streitigketten einberufen wurde. Die Quelle dieser Streitigkeiten war auch hier — das Gotteshaus; diesmal aber waren diese nicht religiöser, sondern zivilrechtlicher Natur. (Fortsetzung folgt.) *) Josef II. hatte die Todesstrafe abgeschafft und am 30. November 1786 folgende Verordnung erlassen: „Nachdem die Todesstrafe durchaus nicht jene Wirkung hat, wie dauernde schwere Arbeit, denn wenn jene schnell in Vergeffenheit gerät, diese immerwährend jedem vor Augen ist, infolge dessen sollen jene Verbrecher, welche in Zukunft zum Tode verurteilt werden — wenn kein Milderungsgrund vorhanden ist — nach vorhergegangener Brandmarkung mit Stockschlagen bestraft und nach Maßgabe ihres Verbrechens für die Lebensdauer zum Ziehen der Schiffe oder zum lebenslänglichen Anschmieden in dem Szegediner Strafhause verutteilt werden. **) Es ist eigentümlich, daß der Verfasser einer Geschichte der Juden (S. 60) von einem „gewissen" (!) Meir Rotenburg spricht; es ist das so, als wenn eine Geschichte des deutschen Volkes von einem „gewissen" Lessing erzählen würde. Literatur. Das Wesen des Judentums. Dargestellt in homiletischen Essays nebst einem Anhang: „Die Lehre von Gott, die Lehre vom Menschen." Von Dr. Simon Mandl, Rabbiner in Neutitschein. (Frankfurt a. M., Kauffmann.) Der Verfasser sucht in zehn Festtagspredigten das Wesen des Judentums darzustellen. Es handelt sich dem gelehrten Verfasser diesmal nicht um eine systematische Klarlegung, sondern um eine sozusagen gemütvolle, darum wird die Form homiletischer Betrachtungen gewählt. Beiträge und Bausteine zu einer künftigen endgiltigen Bearbeitung sollen es sein. Der Verfasser, der in Bibel, Talmud und Midrasch so ganz zu Hause ist, bringt jedoch nicht nur Bausteine, sondern auch Eck- und Quadersteine herbei und der Fachmann wird an der originellen Auffassung und Deutung der Bibel- und Haggadahstellen seine Freude haben, jeder Leser aber Erhebung finden, wenn er das alte Judentum als die Schatz- und Vorratskammer aller hohen Gedanken und edlen Gefühle betrachten lernt, selbst solcher, die man gewöhnlich aus Unkenntnis des Judentums neue nennt. Es ist auch sinnig und wohlangebracht, daß der Verfasser gleichsam im Vorbeigehen zeigt, daß Aussprüche von Schiller und Goethe, von Sokrates und Kant dem Wesen des Judentums nicht fremd sind, oft sogar als die prägnanteste Erklärung einer Bibel- und Midraschstelle verwendet werden können. Die Anlage der 10 Essays erinnert zuweilen an Meisel's „Homilien über die Sprüche der Väter", doch sind die Mandl'schen Essays tiefer gedacht. Es zeigt sich eben der Fortschritt von 50 Jahren, und wer die Essays liest, wird vom treffenden Schluß des letzten Stückes ergriffen, in dem der Verfasser das Judentum mit dem Leuchtturm im Hafen von New-Iork, dem Standbild der Freiheit, vergleicht, von dessen stolzem Haupte sich in jeder Nacht weithin über die dunklen Fluten strahlendes, helles Licht ergießt, das dem Schiffer den Weg in den sicheren Hafen weist. Das ist das Judentum, es ist das Licht, es ist die Freiheit, es ist das ewige Sittengesetz, die erhabene Wahrheit. Nene Bücher. Im Verlage von Hans Prieb e L Comp. In Berlin- Steglitz, soeben erschienen: August Wiek. Neue Menschen, Roman, II. Auflage, 1904. A. Halbert. Das Rätsel: Jude. Der Roman eines modernen Juden. 1904. Dr. M. Margel. Deutsch-hebräisches Wörterbuch. Vollständig in 40 Heften. Heft 5. Preis 50 Heller. Subskriptionspreis 15 Kronen — 15 Mark. Preis des vollständigen Werkes nach Erscheinen 20 Kronen 20 Mark. Kommissionsverlag von Leopold Klein, Pozega 1904. Ost und West. JllustrierteMonatsschrift für modernes I udentum, Verlag von S. Cal Vary & Co., Berlin NW. 7, IV. Jahrgang, Heft Nr. 6. Juni. Dr. P e r l e s: Zur neuesten religionsgeschichtlichen Literatur. Georg Hermann: Max Fabian. Mathias Ach er: Zum westjüdischen Kulturproblem. Benjamin Segel: Glück und Schicksal, Leben und Tod in jüdischen Sprichworten. A. Behrendt: Das Ghetto in Venedig. Prof. D r. A u g. Wünsche: Andreas Osiander's Schrift über die Blutbeschludigung. Dr. S. Bernseld: Chajjim Selig Slonimski. H. Pruschanski: Chaim, der Schneider. I. Giskala: Das jüdische Philantropin zu Frankfurt.a. M. Notizen und Aphorismen — Revue der Presse. Der Ausenthalt Israels in Egypten im Lichte der egyptischen Monumente, von Professor der Egyptologie Dr. W. S P i e g e l b e r g, mit 12 Abbildungen, 55 Seiten. — Preis Mk. 1.— (Schlesier und Schweikhardt, Sttaßburg). Altneuland. Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästtnas. Organ der zionisttschen Kommission zur Erforschung Palästinas. I. Jahrgang. Heft Nr. 6. Juni 1904. Herausgegeben von F. O p p e n h e i m e r, S. S o s k i n, O. Marburg. Inhalt: Dr. S. S o s k i n: „Groß-" und „Klein-" Kolonisation. (Schluß.) Dr. A. Sandler: Das Trachom in Palästina. Palästina und Nachbargebiete. Neue Literatur. Vermischtes. Marktbericht. Gesellschafts-Berichte. Redaktion: Dr. S. S o s k i n, Berlin W 50, Regensburgerstraße 20.

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