Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 25 (17.6.1904)
- Date
- 1904-06-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 402 Dr. Mocb's Mocbenscbrttt. Nr. 25 neuen Stils) prangte auf allen öffentlichen Gebäuden und Anschlagstellen folgendes Allerhöchstes Manifest. Wir, durch Gottes Gnaden Nikolaus II., Kaiser und Alleinherrscher aller Reußen, Zar von Jaroslaw, Obuchow, Tichorjetzk, Slatoust, Zar von Kischenew und Homel, Zar der Georgier und Armenier, Herr von Saratow, Kiew, Poltawa, Charkow und anderer Industriestädte und Gouvernements, Fürst von Taganrog, Finnland und Rostow, Herr von Wjatka, Archangelsk und des ganzen östlichen Sibirien, Gebieter der Reliquien des heiligen Seraphin von Sarav re., erklären allen vor Uns auf dem Bauch kriechenden Untertanen: In dem Bestreben, die Unserem Herzen so teuere Alleinherrschaft zu bewahren, wurden von Uns die großen Inquisitoren des russischen Reiches vor Unseren Thron gerufen, um den Geist der Auflehnung und Rebellion, der in den Herzen Unserer ergebenen Untertanen so tiefe Wurzel geschlagen hat, auszurotten. Nach einer weisen Bevormundung durch Kugel, Knute und Rute und dem Herunterschinden dreier Häute von einem Ochsen ergoß sich durch Unser teueres Vaterland eine Sturmflut von Raub und Plünderei und es erfolgte ein derartiges Sinken der Kaufkraft des Volkes, daß Wir, zur Wahrung der Interessen der Unserem . Herzen so teueren Industrie und des Handels, Unsere Pranke nach den Märkten des fernen Ostens, der Mandschurei und sogar Koreas ausstreckten. Diese unsere Neigungen stießen auf den heftigsten Widerstand der japanischen Großindustriellen und Finanzleute. In Anbetracht des Umstandes, daß Unsere unbesiegbare Armada bereits gleich zu Anfang von den japanischen Minen durchlöchert wurde, ist Unser väterliches Herz besorgt, daß Port Arthur für Uns nicht zu dem wurde, wozu für Unseren, dem Andenken teuren Großvater Sebastopol geworden, und daß nicht die ganze Untauglichkeit und Käuflichkeit der Unserem Herzen so teuren althergebrachten politischen Ordnung offenbar werde. Im Vertrauen auf alle heiligen Reliquien, die bereits entdeckt sind und noch entdekt werden sollen, und fest gestützt auf die Unaufgeklärtheit des Volkes und die Knechtseligkeit eines bestimmten Teiles der Intelligenz, laden Wir Unsere Untertanen ein, für die Interessen der Großindustriellen und der Geldleute einzutreten' und flehen den Segen Gottes aus die tapfere Mannschaft Unseres Heeres und Unserer Flotte herab, die von Unserer Gnaden wegen im fernen Osten zugrunde geht. Gegeben in St. Petersburg im 1904. Jahre seit Chr. G., seit dem Wanken Unseres Thrones aber im 10. Jahre. Nikolai, m. p. v. Plehwe. Das Siegel, darstellend eine Knute und eine Peitsche, trägt die Rundschrift: „Damit überzeuge Ich Meine Untertanen!" Die zarischen Schergen mühten sich lange ab, mit ihren Säbeln dieses Manifest herunterzukratzen. Die kurze Zeit, während der es gelesen werden konnte, genügte, daß in der Stadt alles von diesem Manifest spricht und daran allerlei Urteile über den Krieg knüpft. Der Geruch der Europäer. In der „Kölnischen Zeitung" lesen wir: „Die Japaner machen sich nicht allein die neuesten Errungenschaften des Abendlandes im Kriegswesen zunutze, sondern zeigen auch für die Ethnologie der weißen Rasse ein besonderes Interesse. Neuerdings behauptet ein japanischer Arzt, daß diese sich durch einen eigentümlichen scharfen und ranzigen Hautgeruch auszeichne, der nach Alter und Geschlecht stärker oder schwächer sei. Bei längerem Aufenthalt in Europa verliere der Japaner die Empfindlichkeit gegen diese Ausdünstung, dagegen macht letztere sich an den in Japan lebenden Europäern sehr bemerkbar. Uebrigens trete der europäische Geruch vereinzelt auch bei Japanern auf, denen aber dadurch die Heirat erschwert werde und die wegen dieses Uebels sogar von der Wehrpflicht befreit werden könnten. Die Fachschrift „Anthropologie" bemerkt hierzu, daß die erwähnte Beobachtung sich teils durch die Rassenverschiedenheit, teils durch die schwerere und engere Kleidung, teils durch die stärkere Fleischnahrung der Europäer erklären lasse. Jedenfalls dürfte das Urteil der Japaner über den Duft der abendländischen Haut deren Träger in Zukunft etwas abhalten, über den unfern Nasen widerlichen Geruch der Neger und Asiaten zu klagen. Beruht die Wahrnehmung der Japaner auf Tatsachen, so spielt dabei unserer Ansicht nach außer den schon erwähnten Umständen auch der außergewöhnliche Sinn der Japaner für körperliche Reinlichkeit eine wichtige Rolle." Was sagen dazu die Antisemiten mit ihrem „kostoi' iudaicus?“ Brüssel. Am 29. Mai fand in Belgien die Wahl der Hälfte der Mitglieder des Parlaments statt (Repräsentantenkammer und Senat) und wurde der seitherige Senator, Sam. Wiener, ein tüchtiger Jurist, wieder mit großer Stimmenmehrheit für den Wahlkreis Brüssel in die hohe Versammlung gewählt. An demselben Datum fand auch ein großes Fest auf dem Grunde des hiesigen Turner- und Fußrennen-Klubs im Bois de la Cambre statt, welches mit dem Besuche Sr. kgl. Hoheit, des Kronprinzen Albert von Belgien beehrt wurde. Der Präsident dieses Klubs, Max Kahn (Kahn's internationales Institut) hatte die große Ehre, den hohen Gast und dessen Begleitung zu empfangen, ihm aufzuwarten und ihn zu begleiten. Der Besuch dauerte 2'/2 Stunden. Bukarest. Das Hilfswerk der Vorschußkassen, das die Alliance Jsravlite Universelle in Rumänien in den ärmsten Zentren der jüdischen Bevölkerung begründet hat, nimmt einen regelmäßigen Fortgang und erweist sich für die kleinen Gewerbetreibenden als sehr nützlich. Soeben hat die Alliance für die Gemeinde in Bacau einen Kredit von 2000 Frcs. und für die Gemeinde in Moinesti einen Kredit von 3000 Frcs. zur Gründung von Kassen bewilligt, nachdem sich beide Gemeinden zu Beiträgen von gleicher Höhe verpflichtet hatten. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu gunsten der Chewra-Kadischa Wien, I., Seitenftettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Jakob L o e w y: Von Adolf Kohn K 10. , Egmont Pollak K 20.—, Gottlieb Bettelheim K 10; zusammen L 40. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Josef K a tz: Von Dr. Karl Otthof, Aussig, K 10.—, Dr. Leo Längstem K 10.—, Philipp Munk K 10.—, Markus Munk K 10.—, Hofrat Professor Dr. Oser K. 20.—, Ernst und Berta Schneck K 20.—, Berta Fischer und Familie K 10.—, Sigmund Fischer K 5.—, Johanna von Götz K 10.—; zusammen K 105.—. Spenden: Von Universitäts-Professor Dr. S. Klein K 20.—, W. Steinhof K 2; zusammen K 22.—. Wien. Folgende Stiftungen sind bei der israelitischen Kultusgemeinde Wien zu verleihen: 1. Josef Spitzer'sche Stiftung für drei oder vier in Wien wohnhafte, des Ernährers beraubte, jüdische Familien. Verleihungsbetrag zusammen K 240.—. 2. Andreas Feigl'sche Stiftung, 8 Plätze ä K 100,— für jüdische Witwen. 3. Fanny von Hofmannsthal-Dormitzer Stiftung. Zu verteilen K 820.— an höchstens vier jüdische Familien. 4. Rosalia Pollak'sche Stiftung für eine jüdische blinde Frauensperson. Ein Platz ü K 70.—. 5. Max Ritter von Pfeiffer-Stiftung für einen Hörer der Rechte im 2. oder einem höheren Jahrgange der Wiener Universität. Ein Platz ä K 400.-. Endlich ist von dem Magistrate zu verleihen: Die Katharina und Lazar Goldstein'sche Witwen-Stiftung, 3 Plätze ä K 400.—, für jüdische Witwen, bereit Gatte in der Zeit zwischen den 16. Juli 1903 bis 15. Juli 1904 verstorben ist. Die näheren Bestimniungen über diese Stiftungen sind aus den vollständigen, in der letzten Nummer unseres Blattes enthaltenen Ausschreibungen, sowie an den Kundmachungstafeln der Knltusgemeindeb.thäuser zu ersehen.