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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-06-17 · 25 (17.6.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
25 (17.6.1904)
Date
1904-06-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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^Seite 400 Dr. JSlocb’s MocbenscvrM. M. 25 bringen konnte. Es darf daher nicht wundern, daß die Ausstellung in Fach- und Laienkreisen die rechte Würdigung fand und Se. Excellenz der Unterrichtsminister dem Künstler seine vollste Anerkennung zum Ausdrucke brachte. Argus. Die Enthüllung des Lamey-Denkmals in Mannheim. Am 29. Mai fand die Feier der Enthüllung des in der Ueberschrift genannten Denkmals in Mannheim statt. Da unter Staatsminister Lamey die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten Badens im Jahre 1862 gesetzlich ausgesprochen wurde, so war eine Vertretung der israelitischen Landessynagoge bei der genannten Feier anwesend. Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Meyer hielt sowohl bei der Enthüllung des Denkmals, als auch später in der großen Halle des „Rosengartens" angemessene Reden. Er ergriff das Wort zu folgendem Trinkspruch: „Hochgeehrte Festversammlung! Ich bin dem verdienten Vorsitzenden des Dcnkmalkomitees, Herrn Rechtsanwalt König, dankbar, daß er in seiner eindrucksvollen Festrede unter den Ruhmestaten des Staatsmannes Lamey auch die Durchführung der bürgerlichen Gleichstellung der Israeliten hervorgehoben hat. Unter den Momenten, die das Selbstvertrauen der Israeliten und ihr Vertrauen aus den Fortschritt der Menschheit zu erhalten und zu stärken geeignet sind, ist keines der geringsten die Tatsache, daß diejenigen Herrscher und Staatsmänner, die als die größten aller Zeiten gefeiert werden, Wohltäter der Juden gewesen sind. Der große Alexander und Cäsar, Theodorich und Karl der Große und die Hohenstaufen, Wilhelm von Oranten und Cromwell, der große Kurfürst und Badens erster Großherzog Karl Friedrich sind auch für die Israeliten Lichtgestalten! So darf es auch die Israeliten Badens mit hoher Genugtuung erfüllen, daß sie dem volkstümlichen badischen Staatsmann, der wie kein anderer einen tiefeingreifenden, nachhaltigen und segensreichen Einfluß auf die Entwicklung dieses schönen Landes geübt hat, ihre Emanzipation verdanken. Auch der nachmalige Handelsminister v. Dusch, der in den Sechziger-Jahren die rechte Hand Lamey's war und das Emanzipationsgesetz vor den Ständen so kraftvoll vertreten hat, ist einer unserer besten Staatsmänner gewesen. Das Gleichstellungsgesetz war nur der letzte Schritt auf dem von Karl Friedrich eingeschlagenen Wege, wie unser geliebter Großherzog anläßlich seines Regierungsjubiläums in seiner bescheidenen Weise gesagt hat. Aber wie viele Vorurteile und Widerstände waren aus dem Wege zu räumen, ehe es gelang, die Israeliten zu wahlberechtigten Gemeindebürgcrn zu machen und ihnen die freie Niederlassung an jedem Orte ihres Heimatlandes zu gegewähren. Heute nach wenig mehr als 50 Jahren werden die Stadtväter von Baden, Offenburg, Freiburg und Konstanz nur noch ein Lächeln dafür haben, wie ihre Vorgänger von Anno 1850 eifrig darüber wachen, daß ihre judensreien Gemeinwesen nicht etwa aus die Stufe von Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe und dergleichen judenbelasteten Ortschaften herabsinken. Man kann auch nicht sagen, daß die Gemeinden, in denen die Israeliten den Gemeinderat und Bürgerausschuß wählen Helsen oder gar selbst in die Gemeindekollegien eingetreten sind, dadurch dem Verfalle nahegebracht worden wären. Und so wird man vielleicht nach weiteren 50 Jahren auch darüber lächeln, daß zu einer Zeit, in der in England und Nordamerika, in Frankreich und Italien, ja sogar in Oesterreich jüdische Generäle, Minister, Staatssekretäre ihres Amtes walteten, in unserem lieben Deutschland ein Jude tatsächlich nicht die unterste Sprosse — ich betone speziell die unterste — der Verwaltungs-, geschweige denn der militärischen Stufenleiter erklimnien konnte. Diese Tatsache ist an sich nicht tragisch zu nehmen. Aber sie ist ein Symptom des sozialen Mißverhältnisses, das trotz der rechtlichen Emanzipation noch heute in unserem Vaterlande zwischen der christlichen Majorität und der jüdischen Minorität besteht. Ich habe mich immer darüber gewundert, wie die Mehrheit, die mit Recht an manchen von der früheren Reichskammerknechtschast her den Juden anhaftenden Mängeln Anstoß nahm, sich selbst jedes bessernden Einflusses beraubte, indem sie sich gesellschaftlich von den Juden abschloß, während die allmähliche Ausnahme der gebildeteren Elemente derselben sich als das beste Erziehungsmittel erwiesen hätte. So aber konnten und können die rückständigen Elemente stets darauf Hinweisen, daß, wie das Beispiel in ihrer in keiner Weise zu beanständenden Glaubensgenossen zeige, es sich gar nicht verlohne, sich der Majorität angenehmer zu machen. Daß so durch die Haltung der Mehrheit für die Minderheit ein nicht zu unterschätzender Ansporn zur Selbsterziehung, zur gesellschaftlichen Selbstzucht verloren geht, das beklage ich im Interesse der Volksgesamtheit. Es wäre eine schöne Ehrung der Manen Lamey's, wenn die einflußreichsten unter Ihnen, meine Damen und Herren, sich zusammenschließen würden, um diese soziale Kluft zu überbrücken. Doch möchte ich einem solchen Bunde noch eine höhere, umfassendere Aufgabe gestellt wissen. Zu den betrübendsten Erscheinungen unserer Zeit gehört die Schroffheit, mit der die verschiedenen Religionsbekenntnisse sich gegenüber stehen. Man sollte sich doch endlich allseits darüber klar sein, daß jedes der in den Kulturstaaten anerkannten Bekenntnisse in den Gemütern von Tausenden festgewurzelt ist und eine Külturaufgabe erfüllt, und daß kein wahrer Gewinn für das Volksganze darin zu erblicken wäre, wenn die einzelnen Bekenntnisse ihre Eigenart, einer äußerlichen Gleichförmigkeit zuliebe (Orgel? Red.) aufgeben würden, statt sie als wertvolles Kulturelement der Gesamtheit zu erhalten. Namentlich dem Judentum gegenüber herrscht vielfach die Ansicht vor, daß, nachdem durch die moderne Gesetzgebung die rechtliche Sonderstellung der Israeliten beseitigt sei, es eigentlich ihre Pflicht und Schuldigkeit oder wenigstens das Vernünftigste wäre, in der Mehrheit aufzugehen. Meine Damen und Herren! Die Israeliten sind von jeher in der Welt eine winzige Minorität gewesen und es ist offenbar ihre geschichtliche Aufgabe, sich als solche durchzusetzen. Sie vertreten das Recht der Minderheit, das Prinzip der Gerechtigkeit saus phrase und daher kommt es, daß ihre Behandlung in den verschiedenen Ländern geradezu zum Gradmesser der Kultur der Völker geworden ist. Sollen sie, denen ihre Religion gebietet, die Gerechten und Tugendhaften aller Nationen ohne Rücksicht auf das Glaubensbekenntnis, als der ewigen Glückseligkeit teilhaftig anzusehen, diesen Standpunkt verlassen zugunsten der Auffassung, daß man den Glauben der verbreitetsten Religion teilen müsse, um ein vollberechtigter Mensch im Diesseits und Jenseits zu sein? Es hätte der Mahnung von Männern wie der des Kriminalisten Berner nicht bedurft, um die Israeliten zum Ausharren in dem Kampfe für bedingungslose Humanität zu bestimmen. Dafür wird ihnen auch künftighin kein Opfer zu groß und zu schwer sein. So haben auch der Katholizismus einerseits und der Protestantismus anderseits zweifellos ihre besonderen Kulturgüter geschaffen, die nur von ihnen in ersprießlicher Weise weiter gepflegt werden können. Es wäre daher ein positiver Verlust für die Menschheit und speziell auch für unser deutsches Vaterland, wenn eines dieser Bekenntnisse vom Erdboden verschwände. Deshalb sollte jede Konfession die Kulturarbeit der andern schätzen und sie in dem Streben nach Befriedigung der religiösen Bedürfnisse unterstützen." In den Ruf: Der konfessionelle Friede lebe hoch! stimmte Alles freudigst überein. Von hervorragender Persönlichkeit wurde dem Herrn Redner die vollste Sympathie ausgedrückt. Breslau. (G r o ß e s V e r m ä ch t n i s.) Wie verlautet, hat der im Alter von 80 Jahren verstorbene Rentner Josef Gotthelf aus Breslau der hiesigen Stadt eine Summe von 300.000 Mark zum Bau von Häusern mit kleinen Wohnungen vermacht. Der Mietspreis soll ein ganz billiger sein. Dem gleichen Zweck dient ein Vermächtnis von 200.000 Mark an die hiesige Synagogen-Gemeinde. Ferner hat der Verstorbene 100.000 Mark für Stipendien für arme Medizinstudierende und eine größere Anzahl von Legaten für Dienstboten rc. hinterlassen.

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