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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-06-17 · 25 (17.6.1904) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
25 (17.6.1904)
Date
1904-06-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Är. 25 Dr. Dlocb s MocbenscvrM. Sette 395 Wie sie schon sind, ihnen nicht den Gefallen tun, sich von den großen Russen zermalmen zu lassen. Das ist eine sehr ärgerliche Halsstarrigkeit. Wie es zusammenhängt, weiß man zwar nicht, aber außer allem Zweifel ist es, daß die Juden an allem schuld sind. Ein Gelehrter hat sogar schon die Behauptung ausgestellt, daß auch die Japaner Judenstämmlinge sind. Das mag fraglich sein, sicher ist, daß jetzt die Juden hinter den Japanern stecken. Für unsere Antisemiten ist auch jetzt noch heilige Schrift, was selbst russischen Polizeikommissären schon zu dumm geworden ist. Da ging durch die russischen Blätter vom Schlage unserer christlich-sozialen Kulturorgane eine tendenziös aufgeputzte Geschichte von einer Jüdin in Kertfch, die die russische Armee beschimpft und die Japaner verherrlicht haben sollte und die dann durchgeprügelt worden ist. Es war von Haus aus nicht sehr wahrscheinlich, daß die Jüdin so dumm gewesen sein sollte, was natürlich nicht ausschließt, daß sie deshalb doch durchgeprügelt worden ist. Der Polizeimeister von Kertsch, Janow, veröffentlicht nun mit Rücksicht auf dieses neue Märchen folgende Erklärung: „Ich stellte in Bezug aus den Inhalt der in der Zeitung „Swjet" veröffentlichten Korrespondenz über die Jüdin eine genaue Untersuchung an. Ich habe dabei feststellen können, daß die Nachricht der Zeitung „Swjet" vollkommen aus der Lust gegriffen und nichts Anderes ist, als die Frucht böswilliger Erfindung, die anständiger Leute unwürdig ist und die nur den Zweck verfolgt, zwischen den Vertretern verschiedener Nationalitäten Haß und Feindschaft zu säen, sowie das ungebildete Volk irrezuführen. Infolgedessen muß man sich zu derartigen böswilligen Lügen, wie die in der Zeitung „Swjet" veröffentlichte, mit Mißtrauen verhalten. Ein derartiges Verfahren der Redaktion der Zeitung „Swjet" ist eine einfache böswillige Hetze, die der Presse unwürdig ist." Das ist eine sehr hübsche Lektion. Wie weit ist dieses arme Rußland noch zurück! Bei uns wäre derlei nicht möglich; — daß nämlich ein Organ der Regierung den christlich-sozialen Hetzblättern so den Text läse. Die schlimmste Post erhielten aber unsere Antisemiten aus dem rettungslos verjudeten Ungarn. Ministerpräsident Tisza hat aus Anlaß der 25. Jahreswende des Wiederaufbaues der Stadt Szegedin eine Rede gehalten, die nach der Auffassung unserer Antisemiten den Tiefstand der sozialpolitischen Einsicht und der öffentlichen Moral in Ungarn bezeichnet und zugleich herrlich demonstriert, daß derlei bei uns allerdings auch nicht möglich wäre. Ein Ministerpräsident sagt der Deputation der Geistlichkeit sämtlicher Konfessionen, „es wäre ein verhängnisvoller Leichtsinn, in Uneinigkeit und Reibereien zwischen den einzelnen Konfessionen jene Kraft zu vergeuden, welche wir in ihrer Gänze nötig haben, wenn wir die Segnungen der Religion gegen die Gott und die Menschen verlästernden und zerstörenden Hetzer aufrecht erhalten wollen." Er sagte noch manches andere, was die Antisemiten sich nicht hinter den Spiegel stecken werden. Er sprach für die Freiheit der Meinungen und der Gewissen, von der Gleichheit vor dem Gesetze, die auch bei uns auf dem Papiere verbürgt ist. Wir gedenken nicht, den ungarischen Ministerpräsidenten zu verherrlichen, weil er ausgesprochen, was natürlich und selbstverständlich ist. Höchstens muß es als kulturgeschichtliche Erscheinung festgehalten werden, daß es noch als Ereignis gilt, wenn ein russischer Polizeimeister oder ein ungarischer Ministerpräsident das Wort reden der gesunden Vernunft und der Menschlichkeit. Der Ministerpräsident von Ungarn hat gesprochen, es wäre nun an dem österreichischen Ministerpräsidenten, das Wort zu ergreifen. Liloutium, Herr v. Körber hat das Wort! Whig. Das Trachom in Palästina.*) Von Dr. med. Aron Sandler (Breslau). Als die charakteristischen Krankheiten, die das nosologische Bild Palästinas — besonders gegenüber dem Nordeuropas — kennzeichnen, hat man die Malaria (Wechselfieber), die Dysenterie (Ruhr), das Trachom (egyptische Ängenkrankheit) und die Lepra (Aussatz) zu betrachten Vom praktischen Standpunkt aus, d. h. sofern man bei Kolonisationsversuchen auf palästinensischem Boden auf die Krankheits- *) Aus Nr. 3 der^trefftichM Monatsschrift „Altneuland". Verhältnisse Rücksicht zu nehmen hat, ist die Lepra wegen ihrer geringen Uebertragungsfähigkeit und ihrer mäßigen Verbreitung (nach Saubre z k i etwa 600 Kranke in ganz Palästina) ans dieser Betrachtung von vornherein auszuscheiden. Was die drei übrigen Krankheiten betrifft, so sind wir heute gegen die Dysenterie im großen und ganzen noch machtlos. Die Bekämpfung der Malaria, in großem Style unternommen, bedeutet eine intensive Kulturarbeit mehrerer Generationen. Die für die Assanierung des Malariabodens vorgeschlagenen Mittel: Trockenlegung der Sümpfe, gründliche und andauernde Drainage des Landes, Korrektion von Flüssen, Eindämmung der Ufer zur Verhütung von Ueberschwemmungen, Terrainerhöhungen, Deckung des Malariabodens mit gesunder Erde, andauernde Üeberflutung kleiner Herde. Anbau von wasserabsorbierenden Pflanzen n. ä., stellen ebenso langwierige wie kostspielige Arbeiten dar, die eine Beseitigung der Malaria vom palästinensischen Boden für absehbare Zeiten als Utopie erscheinen lassen*). Ganz anders verhält es sich mit dem Trachom. Hier haben wir es mit einer Kraniheit zu tun, die sich einerseits durch hohe Kontagiosität und Gefährlichkeit auszeichnet und von der man andererseits mit absoluter Sicherheit behaupten kann, daß mindestens eine außerordentliche Eindämmung derselben im Bereich der Möglichkeit liegt. Dieser Gesichtspunkt ist es, der das Studium des Trachoms in Palästina für alle diejenigen, die an eine Wirtschaft, iche Zukunft des Landes glauben, so anziehend erscheinen lassen muß. Denn hier liegt die Möglichkeit vor, einer schweren Krankheit durch Kleinarbeit in jeder einzelnen Kolonie und später in großem Style ohne allzu kostspielige oder allzu eingreifende Mittel ihre Schrecken zu nehmen. Nur einige Worte über die Symptome und den Verlauf der Krankheit. Das Trachom stellt eine bald plötzlich, bald mehr allmählich sich entwickelnde Entzündung der Bindehaut des Auges dar, die durch einen unbekannten, aber höchstwahrscheinlich bakteriellen Erreger hervoreerufen wird. Neben den Zeichen der Bindehautentzündung, zu denen die Absonderung eines eitrigen Sekretes gehört, zeigen sich auf der Bindehaut bald kleinste Wärzchen (Papillen), bald Körner von charakteristischem Aussehen oder auch beides zusammen. In jedem Falle entwickelt sich eine Verdickung, eine gewisse Rauhigkeit der Bindehaut (iooc/6g =■ rauh). v Zuweilen entstehen nun im Verlauf der Krankheit Hornhautgeschwüre, die nach der Abheilung zur Bildung von Hornhautflecken führen. Die dadurch bedingten Sehstörungen kommen gegenüber den Gefahren, denen das Auge bei Eintritt eines Durchbruches des Geschwürs in die vordere Augenkammer ausgesetzt ist, kaum in Betracht. Ferner kann sich ein neugebildetes feines Gewebe (Pannus) von oben her in die Hornhaut einschieben, das zu Sehstörungen führt. So droht dem Kranken von verschiedener Seite die Gefahr der teilweisen oder vollständigen Erblindung. Nur die leichtesten Fälle heilen. Die meisten erstrecken sich in ihrem Verlauf über viele Jahre, und erst durch die schließlich eintretende Vernarbung kommt der Prozeß zum Stillstand. Jedoch führt die Vernarbung lhrerseits zu unangenehmen Folgeurständen, zu Lidverkrümmungen, falschen Wimperstellungen, ja es kann durch starke Lidschrumpfung zur Austrocknung des Auges und zur Erblindung kommen. So entwickeln sich oft im engsten Anschluß an die Krankheit hochgradige Sehstörungen. Entstellungen. Erblindungen. E r n st Fuchs nennt das Trachom mit Rücksicht auf die lauge Dauer der Erkrankung, die hohe Neigung zur Werterverbreitung und die so häufig infolge der Erkrankung ei'.tretenden halben oder vollständigen Erblindungen „eine wahre Geißel der Länder, in denen es einheimisch ist". Die Uebertragung erfolgt durch Verbreitung des eitrigen Augensekretes mit einer erschreckenden Sicherheit. Da durch alle möglichen Gebrauchsgegenstände, mit denen der mit Sekret beschmutzte Finger in Berührung gekommen ist, die Uebertragung auf andere Personen übermittelt werden kann, so wird es verständlich, mit welch rasender Geschwindigkeit sich einzelne Fälle in einer Kaserne, einer Schule ec. zu einer Hausepidemie auswachsen können. Es wird auch verständlich» warum gerade die ärmeren Schichten der Bevölkerung, bei denen mit der größeren Unsauberkeit und dem dichteren Beieinanderwohnen die Gelegenheit zur Uebertragung des Krankheitsstoffes wächst, stets in höherem Grade befallen sind als die besitzenden Klassen. Das Trachom spielt im gebirgigen Europa fast gar keine, in Nordeuropa eine sehr unbedeutende Rolle. Dagegen tritt es in der Nachbarschaft Palästinas, in Arabien und ganz besonders in Egypten, weit verbreitet und in schwersten Formen auf. Das Trachom in Verbindung mit einer anderen schweren Augenkrankheit, der akuten *) Dieser Behauptung des Verfassers müssen wir entschieden entgegentreten. Schon sind wir augenblicklich im Stande, bedeutende Fortschritte in der Bekämpfung der Malaria auf palästinensischem Boden zu verzeichnen: das Klima von Pethach-Thikwah, welches ein sehr gefährliches Fiebernest gewesen ist, hat sich bedeutend gebessert, ebenso sind auch in Chederah die Malariafälle seltener geworden. Man muß aber bedenken, daß in den palästinensischen Kolonien bis jetzt nur wenig auf dem Gebiete oer systematischen Bekämpfung bor Malaria geschehen ist. Es wurde nur die Anpflanzung der Eukatyplusbänme vorgenommen. Was aber die übrigen vom Verfasser aufgeführten Bekämpfungsmittcl betrifft, so werden sie fast gar nicht in Anwendung gebracht. Daß diese Mittel sehr wirkungsvoll sein können, beweisen die Ergebnisse in Jsmailia. D. Red. d. „Altneuland".

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