Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 25 (17.6.1904)
- Date
- 1904-06-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 394 Dr. Dlocb's MocbenscbrLN. Nr. 25 sein, daß die Aufwendungen unter der Voraussetzung gemacht wurden, daß dafür in der Form von Titelauszeichnungen über kurz oder lang eine Gegenleistung erwartet werde? Mußte er sich nicht sagen, daß jeder Unbefangene, der von diesen gewaltigen milden Gaben erfuhr, die Verleihung des Hofbanktitels mit diesen Gaben in ursächlichen Zusammenhang bringen werde? Dann aber weiter: Der Zusammenbruch der Pommernbank erfolgte kurze Zeit nach der Auszahlung der betreffenden Summen. Dem Freiherrn von Mirbach kann es nicht verborgen geblieben sein, wie viele unschuldige Opfer dieser Bankkrach gefordert hat. Waren die in Frage stehenden Hunderttausende von Mark bei dem Zusammenbruch der Bank schon verausgabt? Wenn nicht, durfte der Oberhofmeister auch nur einen Augenblick zaudern, das noch nicht verausgabte Geld der zahlungsunfähig gewordenen Bank wieder zu verschaffen? Man denke sich, daß Kirchen gebaut werden aus Mitteln, die ein ungetreuer und bereits vom Staatsanwalt verfolgter Direktor einer verkrachten Bank widerrechtlich entnommen hat! Hätte es nicht nahe gelegen, eine neue Kollekte zu eröffnen, um der falliten Bank die gezahlten Summen zurückzuerstatten? Warum wartete er auf die Enthüllungen des öffentlichen Prozesses, auf die Erregung der öffentlichen Meinung, warum wartete er — bis der Skandal das Hohngelächter Europas erregte? Oder will nran sich zu dem mephistophelischen Grundsatz bekennen: „Die Kirche allein, meine liebe Frauen, Kann ungerechtes Gut verdauen?" Seit vielen Jahren hat nichts einen gleich peinlichen Eindruck gemacht. Es war zwar nichts Neues, wohin die bedientenhafte Titelsucht manche sogenannten Stützen der Gesellschaft treibt, aber hier trifft alles zusammen, um jedes Gefühl zu verletzen: die Hereinziehung des Namens der Kaiserin in die Affaire, der Zusammenbruch der Pommernbank, nachdem der Hofbanktitel eben erst verliehen war, die durch den Titel erfolgte Täuschung und Schädigung gutgläubiger Pfandbriefabnehmer, die Riesenhaftigkeit der Summen und endlich die Verquickung des ganzen Handels mit dem Bau von Kirchen." Der Antisemitismus ist deutsches Gewächs, er trägt den Erdgeruch des teutonischen Nährbodens. Der Antisemitismus hat die Juden zu Trägern einer spezifischen Korruption gestempelt und er weiß sich nicht genug zu tun in sittlicher Entrüstung über die Verderbnis, welche die naturalistische jüdische Weltanschauung über die arischen Völker gebracht hat. Dem gegenüber wird durch die Kraft unumstößlicher und immer wieder sich wiederholender Tatsachen erhärtet, daß es eine exklusive arische Korruption, ein spezifisch antisemitisches Gaunertum, eine besondere teutonische Ausbeutung gibt, an deren Höhe die uns zugeschriebene „semitische Schlauheit" nicht entfernt hinanreicht. Vom Aabrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichle. (Derneue Fiirsterzbischofvon Olmütz — Der Jude drängt sich vor. — Die Rassentheorie. — DieJüdin von Kertsch und der russische Polizeimeister. — Der ungarische Ministerpräsident — und der österreichische?!) Das auch noch! Auch der neue Fürsterzbischof von Olmütz Dr. Bauer soll ein Judenstämmling sein. Die Nachricht stammt nicht etwa aus jüdischer Quelle, sondern aus der unmittelbaren Umgebung des hohen Würdenträgers. Es gibt kein jüdisches Jntereffe, die Nachricht in die Welt zu setzen oder gar deren Richtigkeit zu erweisen. Die Juden haben doch unter allen Umständen das Bad auszugießen. Es ist ohne Belang für sie, wenn die Nachricht sich bestätigt. Denn erfahrungsgemäß haben die katholischen Fürsterzbischöfe jüdischer Herkunft niemals irgend eine Schwäche für ihre Stammesgenoffen bekundet. Mit einer solchen Schwäche hätten sic sich überhaupt nicht halten können. Jedes Geschäft stellt seine bestimmten Anforderungen an seinen Mann, und wer diesen nicht zu entsprechen geneigt oder in der Lage ist, der wird bei seinem Geschäfte nichts aufstecken. Bestätigt sich also die dunkle, verhängnisvolle Kunde, dann hat erstens einmal der hohe Würdenträger ein schlechtes Leben und er wird nicht behandelt wie ein ehrwürdiger Oberhirt, sondern wie ein räudiges Schaf. Selbstverständlich ist es aber, daß bei dieser günstigen Gelegenheit auf die Juden überhaupt losgedroschen wird. Bestätigt sich die Nachricht nicht, dann waren es natürlich die Juden, die sie erfunden haben, und selbstverständlich ist es, daß bei dieser günstigen Gelegenheit u. s. w. Eine Hiobspost bleibt es doch für die Antisemiten, zumal es ganz ^en Anschein hat, daß auch diesesmal etwas an der Sache ist. Mit der üblichen Motivierung aus der Vordringlichkeit der Juden heraus kommt man in diesem Falle nicht durch. Ein Jockey, Namens Stern, hat das Derby in Wien und jetzt acht Tage darauf den (ckranck prix in Paris gewonnen. Das Bürschchen har in acht Tagen an Preisen allein und alles Andere nicht gerechnet mehr als 300.000 Francs gelandet. Der Antisemitismus findet sich mit dieser Tatsache allerdings einigermaßen ingrimmig, aber doch verhältnismäßig rasch ab. Das Männchen heißt Stern und ist selbstverständlich Jude oder er teilt doch mindestens das Los unglücklicher Fürsterzbischöfe und ist wenigstens Judenstämmling. Alles Uebrige ergibt sich von selbst. Der Jude drängt sich überall vor und darum gewinnt er auch die Derbys. Für die Erzbischöfe stimmt die Analogie aber nicht. Ja, wenn es ein Wettrennen wäre! Das ist es aber nicht. Da entscheidet die Wahl. Das gibt zu denken. Zur Wahl stellen sich immer auch Abkömmlinge hochfürstlicher und gräflicher Geschlechter, die in allen Lebenslagen schon von vorneherin einen Stein mehr auf dem Brette haben und die, wo es nur halbwegs angeht, besonderer und vorzugsweiser Berücksichtigung sicher sein dürfen, und doch kann es geschehen und geschieht es — es ist entsetzlich! — daß Leute in die Höhe kommen, die sich von dem entehrenden Verdachte nicht zu reinigen vermögen, daß ihre Vorfahren dereinst trockenen Fußes durch das Rote Meer gewandelt sind. Und wie ist das nun möglich, daß sich solches begeben kann? Das ist eben der Punkt, der zu denken gibt. Doch wohl nur deshalb, daß die Wahl bonna ticke vorgenommen wird, daß doch nicht aristokratische Abkunft und hochadelige Sippe allein den Ausschlag gibt, sondern ein wenig auch die geistige Wucht der Persönlichkeit, der ausgeprägte Charakter, das Talent und das Wissen. Der Mann soll etwas sein, etwas können, etwas gelernt haben. Und da ist es doch immerhin bemerkenswert, daß das Judentum selbst in seinen abgesprengten und längst verloren gegebenen Elementen auch bei so ernstem Wettbewerb sich gegen alles Mißtrauen, gegen alle Voreingenommenheit und alle Abneigung, ja Gehässigkeit doch immer wieder siegreich durchsetzt. Es ist die Rasse, die geschmähte, getretene, verachtete Rasse, die sich durchsetzt. Der Antisemitismus arbeitet mit der Rassentheorie, sie ist seine letzte Zuflucht, weil jegliche andere Argumentation sich in ihrer Albernheit und Widerfinnigkeit im Tageslicht sofort überschlägt. Aber auch diese Theorie schlägt ihm bei jeder sich darbietenden Gelegenheit ins Gesicht. Wie stolz sind doch die antisemitischen Großen von dem Denker Bielohlawek auf- und abwärts auf ihre deutsche, ihre arische Abkunft und mit welch' ungeheurer Selbstzufriedenheit blicken sie hinab auf die inferiore semitische Rasse. Und wenn sie sich dann ein Kapitel zusammentun, um mit heißem Bemühen den besten Mann herauszufinden, dann ist es ein Judenstämmling, der Fürsterzbischof wird. Sie haben Pech, die Antisemiten auf der ganzen Linie. Die Rassentheorie schlägt ihnen ein Schnippchen um das andere. Jetzt ist es die gelbe Rasse, die unzart genug ist, sie bis auf die Knochen zu blamieren. Die kleinen Japaner wollen, stützig