Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 24 (10.6.1904)
- Date
- 1904-06-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 24 Dr. Llocb's Moebensedrttt. Leite 367 nach Millionen zählen, eines müssen sie alle kleinlaut, wenn auch nngerne zugeben: Der Urquell menschlicher Barmherzigkeit, wahrer Humanität ist unserem Gesetzbuche entnommen; in ihm ist auch der erste monotheistische Gedanke enthalten, die Erkenntnis des einzig, ewig wahren Gottes. Wie es aber im Leben mit Allem und Jedem geht, so wird auch die Humanität von den Menschen verschieden aufgefaßt und verschieden ausgeübt. Die Einen wirken nur dann human, wenn sie gesehen werden, die Anderen nur dann, wenn sie nicht gesehen werden. Während an den Humanitätssinn des Einen er st appelliert und herangetreten werden muß, sucht der Andere ungesehen und unbemerkt die Hütten und Stätten der Armut und des Elends auf und lindert den Schmerz, wo er nur kann. Während sehr viele Wohltäter gewissermaßen auf den Dank derjenigen rechnen, denen sie eine Wohltat erwiesen haben, entziehen sich die Anderen jeden Dankes und jeder Erkenntlichkeit. Eine Art von Wohltätigkeit jedoch wird von unseren Lehrern als die höchste und i d e a l st e bezeichnet und das ist d i e Wohltätigkeit, die wir an Toten verüben, weil an eine Wiedervergeltung niemals gedacht werden kann. Zu einem solchen Akte ideal st er Wohltätigkeit haben wir uns heute, meine Herren, an dieser Friedhofstätte zusammengefunden. Wir können auf die Anerkennung der Verwandten und Angehörigen des Verstorbenen gewiß nicht rechnen, denn sie existieren nicht. Die Lippen des Verstorbenen, sie sind für immer geschlossen und eines Dankes unfähig. Der Zweck unserer Aktion kann somit, in wenigen Worten zusammeugefaßt, nur der folgende sein: „Wir erachten es für unsere Menschenpflicht, Dir, verehrter Toter, der du viele Jahre unser Vereinskollege gewesen, der Du Deinen idealen Beruf in unserer Mitte ausgeübt hast, der Du aber ohne Rückladung von Verwandten und Angehörigen das Zeitliche gesegnet, ich sage, wir haben es für unsere Menschenpflicht erachtet. Dir einen D e n k st e i n, wenn auch nicht für die Ewigkeit, so doch für die Dauer zu setzen. Mögest Du aus des Himmels Höhen mit geistigem Blicke auf unser Werk herabschauen, mögest Du an unserem heutigen Besuche Deiner ewigen Wohnstätte Dein Wohlgefallen finden und mögest Du uns auch niht verdenken, daß wir erst durch die Initiative unseres Vorstandsmitgliedes Architekten Friedrich Schön an diese kollegiale Ehrenpflicht herangetreten sind. So ruhe denn weiter in ewigem Frieden: Friede Deiner Asche!" Nachdem weiters noch der Vereinspräsident dem Kultusvorstande für den Empfang den Dank ausgesprochen und das Denkmal der Fürsorge desselben empfohlen, sprach Herr Kultusvorsteher Leitner seine ganz besondere Befriedigung über den soeben angewohnten pietätvollen Trauerakt aus und damit schloß die erhebende Feier, die in jedem der Anwesenden einen tiefen Eindruck zurückgelassen. Olmütz. Der hierorts wohnhafte Großindustrielle Herr Ignatz Brieß, welcher anläßlich seines im Vorjahre stattgehabten 70. Geburtsfestes 8 81)00 den verschiedenen Wohlfahrtsanstalten unserer Gemeinde in hochherziger Weise zukommen ließ, hat unserer Gemeinde einen neuerlichen Beweis seines Wohlwollens dadurch erbracht, daß derselbe aus dem Nachlasse seines verstorbenen Schwiegervaters, des Herrn Salomon Baß, abermals X 6000 zugunsten unserer Gemeinde-Jnstitutionen widmete. Unter dem Eindrücke dieses Wohltätigkeitssinnes, sowie zufolge der wahrhaft nnmifizenten Art, in welcher Herr Brieß und seine hochgeschätzte Frau Gemahlin unserer Gemeinde gedachten, wurde in der am 17. Mai l. I. abgehaltenett Sitzung des Kultusausschusses der einhellige Beschluß gefaßt, den edlen Stiftern die Gefühle tiefgefühlten Dankes in geziemender Weise zum Ausdrucke zu bringen und diesen Dank durch eine Abordnung unserer Gemeinde-Repräsentanz, bestehend aus den Herren Vizepräsidenten Josef Löw und 1. Beiral Siegmund Zweig, auch mündlich aussprechen zu lassen. Trenesin-Teplitz. Wie alljährlich, wurde auch heuer die streng rituelle Restauration der Brüder Hirsch, die sich durch ihre schöne Lage inmitten eines Parkes und ihre gute Küche und Keller allgemeiner Beliebtheit der P. T. Gäste erfreut, am 15. Mai eröffnet. Horazdowitz. Am 31. Mai 1904 wurde der langjährige und hochverdiente Senior der hiesigen Chewra-Kadischa, Herr Wilhelm L. Kohn, unter ungemein zahlreicher Beteiligung zur letzten Ruhestätte geleitet. Herr Kohn erfreute sich infolge seines biederen Charakters, seines nulden Wesens und seiner seltenen Zuvorkommenheit gegen Jedermann, sowie wegen seiner besonderen Herzensgüte und großen Wohltätigkeit der ungeteilten Sympathie aller Gesellschaftsklassen, was ja durch die außerordentlich große Teilnahme der gesamten Stadtbevölkerung und Vieler aus der Umgebung zu deutlichem Ausdrucke kam. Der Verblichene, der mehr als drei Dezennien ander Spitze der hiesigen Chewra-Kadischa stand und seines Amtes mit Liebe und Eifer, mit Umsicht und Sachkenntnis waltete, erwarb sich um die Chewra-Kadischa unvergängliche Verdienste. Zum Tanke und als Anerkennung für sein selbstloses, mühevolles und mustergiltiges Walten wurde er zum Ehrenmitgliede und hernach zum Ehrenvorsteher der Chewra-Kadischa ernannt. In seiner Geschäftsgebahrung streng reell, genoß er das Vertrauen weitester Kreise auch der umwohnenden Bevölkerung, die auch auf die unerwartete Trauerbotschaft von weit und breit herbeiströmte, um dem Entschlafenen die letzte Ebre zu erweisen. Nachdem der Rabbiner der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Herr M. Friedman n, die Trauergebete rezitiert und die Verdienste des Verblichenen hervorgehoben und gebührend gewürdigt hatte, setzte sich der Leichenzug in Bewegung, an dessen Spitze der Veteranenvrrein, der Feuerwehrverein und der bürgerliche Gewerbeverein mit trauerumflorten Fahnen bis zum Friedhofe schritten und zu beiden Seiten der Einfahrt Aufstellung nahmen. Proßnitz. Der Kultusrat der hiesigen Israelitengemeinde hat an Stelle des vor kurzem verstorbenen Herrn Samuel Hirsch den bisherigen zweiten Vorstand Herrn Großindustriellen Jacques M a y e r zun: ersten und Herrn Privatier Moritz A l t a r zum zweiten Vorstand gewählt. Körriggrätz. Hier feierte am 28. Mai Rabbiner und Religionslehrer Herr A. K o h n in vollster geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag und zugleich sein 40jähriges Jubiläum als Rabbiner in unserem Orte. Aus diesem Anlässe veranstaltete die Kultusgemeinde einen Fest-Gottesdienst, an welchem sich die gesamten Mitglieder beteiligten. Dem Jubilar kamen zahlreiche Glückwunsch-Telegramme zu und er war Gegenstand zahlreicher Ehrungen. Insbesondere seine ehenialigen Schüler, unter denen Universitäts-Professoren, Advokaten und Aerzte sich befinden, beteiligten sich zahlreich an den Ovationen. Zum Festgottesdienst wurde der verehrte Seelsorger vom Vorstände abgeholt, der Präsident richtete an ihn eine herzliche Ansprache. Der Herr Rabbiner antwortete in rührenden Worten und dankte der Gemeinde für alle Beweise der Liebe. Es erschienen sodann Abordnungen der Ehewra-Kadischa, des Frauenvereines und anderer Korporationen, um den Jubilar zu beglückwünschen. Herr Rabbiner A. Kohn ist der Vater des Phil.-Dr. Karl Kohn, Rabbiners und Predigers in Pribrani, und des Chormeisters und Komponisten Josef Kohn in Jglau. Zürich. H o ch g e e h r t e r H e r r Redakteur! Mit großer Freude las ich in Nr. 22 Ihres hochgeschätzten Blattes eine Erwiderung, welche Sie, hochgeehrter Herr Redakteur, einem Ihrer werten Abonnenten im Briefkasten zukoinmen ließen. Es ist dort die Rede von deni unvergleichlichen Werke „S ch i r Z i o n", welches Herr Professor Joses Sul zer in nächster Zeit neu erscheinen zu lassen beabsichtigt. Als begeisterter Verehrer dieses Prachtwerkes, dessen Schöpfer der gottbegnadete, unsterbliche Altmeister Salomon S u l z e r war, wünsche ich seinem kongenialen Sohne von ganzem Herzen Glück zu seinem ebenso pietätvollen wie künstlerischen Unternehmen und gebe mich der Ueberzeugung hin, daß kein musikalisch begabter, strebsamer Kollege die Anschaffung dieses Meisterwerkes verabsäumen wird. Hoffentlich wird Herr Pros. Joses Sulz er dafür Sorge tragen, daß in der neuen Edition gewisse Differenzen, welche früher zwischen der gedruckten Partitur und den Ausführungen in den Wiener Synagogen bestanden, nicht mehr zum Vorschein gelangen. Ebenso wäre eS wünschenswert, wenn sich Herr Professor Josef Sul z e r entschließen wollte, die vierstimmigen Gesänge aus zwei Liniensysteme zu setzen, damit dieselben aus der Orgel oder aus dem Harmonium gespielt werden können. Hochachtungsvoll Oberkantor S. Tominberg, Zürich. FeuiUeton. Alle Nechke vorvehallen Indische Kirltnrlrilder. Von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Kouiäroru. , Fortsetzung.) Die trostlose Zeit des Regenwetters benutzte ich zu einem Besuche beim „R ebb e" Reb Herschele. Das ging ohne Formalitäten nicht ab: denn im Vorzimmer saß der „Schnellgabbe" und hütete den Eingang. Er wollte seinen Backschisch haben, den er als Honorar für das Schreiben des „Ouittels" forderte und den er nach dem Aussehen und der Kleidung deS Klienten bemaß. Auf solch ein „O u i t t e l", welches dem Rabbi nebst der Gabe zu überreichen war, brachte der „Gabbe" a l l die Wünsche z u P a p i e r. deren Erfüllung der Besucher durch die Vermittlung des Rabbi von Gott erwartete.