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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-06-10 · 24 (10.6.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
24 (10.6.1904)
Date
1904-06-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 384 Dr. Llocb's MocbenscbriN. Sir. 34 s!<! / ( f i I - i I l Dr. Blum mit einer zionistischen Rede eröffuete, dessen Ausführungen jedoch von den folgenden Rednern, den Herren S. Tugendhat, Dr. Klein und Salomon Pollak, als nicht dem Zwecke der Versammlung dienlich zurückgewiesen wurden. In dieser Debatte, an welcher sich auch noch die Herren Rabinowicz, Dr. Kaminka und Rittermann beteiligten, wurde allgemein die Förderung der Israelitischen Allianz als notwendig anerkannt und die Gründung einer Filiale sympathisch begrüßt. In das Komitee für die Arbeiten zur Errichtung dieser Ortsgruppe wurden Salomon Pollak, Moritz Kohn, die Rabbiner Dr. Steiner und Dr. Glaser, Dr. Ludwig Reich, Samuel Tugendhat gewählt, Der Antrag des Vorsitzenden auf Gründung der Ortsgruppe wurde angenommen, ein Teil der Versammelten meldete sofort seinen Beitritt an, für welchen ein Jahresbeitrag von 6 Kronen zu entrichten ist. Bielitz. Der Kultusgemeindevorstand hat die Erbauung eines Kultusgemeindehauses um 120.000 Kronen beschlossen und die Pläne der Architekten Lindner & Schreier als Grundlage des Baues angenommen. Der Bauplatz ist durch Ankauf von 20.000 Kronen in der Nähe des Tempels erworben worden. Die israelitische Gemeinde ist durch den Mietzins, den sie für ihr Schulgebäude von der Stadtgemeinde erhält, in der Lage, mit einem bescheidenen Zuschuß den schon lange angestrebten Neubau zu sühren, welcher die Gemeindekanzlei, Ubikationen für die jüdischen Wohltätigkeitsvereine, einen Betsaal für das Neujahrs- und Versöhnungsfest sowie Wohnungen für Gemeindebeamte (Rabbiner, Lehrer, Sekretär) und Private gegen Mietzins erhalten soll. Kraka«. In der am 32. v. M. stattgefundenen Plenarsitzung des Kultusvorstandes wurde nach einer tiefbewegten Ansprache des Kultuspräsidenten Dr. Leon Horowitz Folgendes einstimmig beschlossen: Zum Andenken an den jüngst verblichenen I. Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, kaiserlichen Rat Hirsch-Landau eine Gedenktafel im jüdischen Spital, wo der Verblichene segensreich wirkte, anzubringen und das bisher in den Sitzungen des Kultusvorstandes geführte Protokollbuch zu schließen und ein neues zu beginnen, um dadurch zu dokumentieren, daß eine geschichtliche Epoche in der Entwicklung unserer Gemeinde mit dem Ableben des seligen H. Landau abgeschlossen wurde. Im Gemeinderate hielt der Bürgermeister der Stadt Krakau, Friedlein, dem Verblichenen einen warmen Nachruf, was protokolliert wurde. Die hiesigen Tagesblätter widmeten dem Verstorbenen ehrende Nachrufe. Das hier erscheinende hebräische Wochenblatt „Hamicpe“ brachte das Bild des Verblichenen und hob seine besonderen Verdienste um unsere Gemeinde bervor und nannte seinen Verlust als unersetzlichen für die ganze Gemeinde. Zahlreiche Kondolenzen bewiesen die besondere Teilnahme, es kondolierten telegraphisch viele Kultusgemeinden, darunter der Wiener Vorstand, Reichsrats- und Landtagsabgeordnete u. s. w. Besondere Einladungen zum Begräbnisse erließ der israelitische Kultusvorstand und der Handwerkerverein, von dessen Lokale eine Trauerfahne wehte. Den Sarg trugen vom Trauerhausc bis zum Grabe Mitglieder des Kultusvorstandes und verschiedener jüdischer Vereine. Eine vieltausendköpfige Menschenmenge umstand die Bahre in der Leichenhalle und lauschte den Trauerreden, die tiefen Eindruck übten. Der hiesige Rabbiner CH. L. Horowitz entschuldigte sich, daß er trotz des Rosch-Chodesch eine Trauerrede halte, da dieselbe einem Großen in Israel gelte. Der Tempelvorstand beschloß, trotzdem der Verblichene kein Mitglied des Tempelvereines war, in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um unsere Gemeinde, durch das ganze Jahr, wahrend der Seelenandacht im Tempel den Verblichenen durch ein besonderes El. Mole Raehuim zu ehren. Sonntag den 29. v. M. wurde um 6 Uhr abends vom Vorstande der hiesigen Synagoge Eisig Jekeles eine Trauerandacht für den Seligen veranstaltet, an der der Kultusvorstaud mit dem Präsidenten Dr. Leon Horowitz, sowie ein überaus zahlreiches Publikum teilnahm. Der Krakauer Rabbiner Se. Ehrw. CH. L. Horowitz entwarf bei der Trauerrede ein Lebensbild des Verewigten und pries seine besondere Klugheit. Leutseligkeit, Liebe zum Volke. Fleiß und Ausdauer. Die großen Vorfahren, insbesondere den Großvater des Verblichenen Rabbi Saul Landau, hervorhebend, bemerkte der gelehrte Rabbiner, daß das Andenken des seligen Hirsch- Landau noch viele, viele Generationen überdauern wird. Nach der Rede sang der Chor mit dem trefflichen Kantor Kirsch das El Mole Laebuim, das ergreifend auf die Zuhörer wirkte. Trauten««. Einer gewissen Komik entbehrt nicht folgende Mitteilung des antisemitischen „Deutschen Volksblatt" iu Wien: Die Wolff-Partei in Nordostböhmen greift zu recht sonderbaren Mitteln, um ihre im Sinken begriffene Herrschaft aufrecht zu erhalten. So fand in den letzten Tagen in der Stadt Arnau die seit zwei Wahlperioden eine wölssische Gemeinderatsmehrheit besitzt, eine neuerliche Wahl der Gemeindevertretung statt. Die Aussichten für die Wolffianer standen sehr schlecht. Um nun die Juden des II. Wahlkörpers, die für den Ausfall der Wahl maßgebend waren, für sich zu gewinnen, konzedierte das völkische Wahlkomitee den Juden drei jüdische Vertreter für den I. Wahlkörper. Und so prangten auf den Wahlaufrufen der angeblich antisemitisch-ostdeutschen Partei drei Juden, deren Wahl angelegentlichst empfohlen wurde. Es sind dies die Fabrikanten Ferdinand Nettl, Karl Pfefferkorn und Ludwig Rosenbaum. Die Juden wurden auch alle stimmeneinhellig gewählt und die wölffischen Zeitungen verkündeten triumphierend den „glänzenden" Sieg der „völkischen" Wahlwerber. Hoch leben die Arnauer „Antisemiten"! Gyöngyös. General von Schweitzer weilte dieser Tage in unserer Stadt, welche seine Geburtsstadt ist. Er erschien zum Gottesdienst in der Synagoge, besuchte auch den Herrn Oberrabbiner. Zu Ehren des Herrn Generals fand ein Bankett statt, bei welchem der Herr Dechant einen Trinkspruch auf den General ausbrachte. Budapest. Die Pester Chewra-Kadischa hielt ihre Jahres- Generalversammlung unter großer Beteiligung der Mitglieder. Den Vorsitz führte Präsident Jakob Boschan. Laut dem vom Vereinsanwalt und Sekretär Dr. Franz Mezei vorgelegten Jahresbericht kostete das Siechenhaus im Stadtwäldchen, an dessen Spitze Karl Gomperz steht, im vergangenen Jahre K 42.«67. Die Anstalt wurde mit einem Kostenaufwand von K 147.500 vergrößert, infolgedessen nunmehr viermal so viel Personen darin Aufnahme finden als ehedem. Zur Erhaltung des israelitischen Spitals trug der Verein lv 48.000, des Adele Brody-Spitals L 10.000 bei, während die Stiftung bei dem Stephanie-Kinderspital auf L 4000 ergänzt wurde. Ueberdies ließ der Verein zahlreiche Kranke in ihren Wohnungen pflegen, woraus K 4000 Ausgaben entstanden. Unter die Armen wurden etwa L 115.000 verteilt. Es wurden vom Verein im abgelaufenen Jahre 2660 Leichenbegängnisse veranstaltet, nach denen bei 472 blos ein Bruchteil der Selbstkosten entrichtet, während 1583 Arme überhaupt unentgeltlich beerdigt wurden. Die großangelegte humanitäre Wirksamkeit des Vereines wird durch die Tatsache charakterisiert, daß er im Jahre 1903 insgesammt K 564.709 zu überwiegend wohltätigem Zwecke verausgabte. Der Bericht wurde angenommen und das Absolutorium erteilt. Die Generalversammlung nahm den Antrag des^ Vorstandes hinsichtlich Errichtung einer Anstalt für unheilbare Kranke an. Im Friedhoke auf der Kerepeserstraße werden neue Grüfte im Zentralfriedhof aber Arkadengräber und Grüfte erbaut. Der Kostenvoranschlag mit einem Ausgabenetat von K 550.489, welchem Einnahmen in der Höhe von K 528.980 gegenüberstehen, wurde unverändert votiert. — Die Generalversammlung nahm das Hinscheiden des gewesenen eifrigen Vorstandes Samuel Münz mit Teilname zur Kenntnis. Für diese Funktion wurde einstimmig Moriz Lindenbaum, zu Mitgliedern des Rechnungsrevisorenkomitees Robert Auer, Samuel Eisler, Berthold Herzmann, Josef Hüvös de Botfa, August Kohner, Ludwig Krauß de Megyer und Josef Wolfner, an Stelle der verstorbenen Ausschußmitglieder Philipp Bach, Paul Sandor und Wilhelm Freund gewählt. Schließlich wurde der Vereinsleitung Dank und Anerkennung votiert. Jüdische Statistik in Ungarn. Die ersten Vorarbeiten für eine systematische Inangriffnahme der jüdischen Statistik in Ungarn wurden von einer aus sechs Mitgliedern bestehenden Kommission geführt, die der „Verein ungarischjüdischer Hochschüler" (Magyar Zsidö Ifjak Egyesülete) ausgesetzt hatte. Als Ergebnis dieser ersten Bemühungen veröffentlichte Lavoslav Schick eine Reihe jüdisch-statistischer Aufsätze im „Egyenlöseg“ und sandte der Zentrale des „V. f. j. St." eine Abhandlung ein, die der Veröffentlichung entgegensieht. Behufs dauernder Organisierung der jüdischen Statistik in Ungarn auf wissenschaftlicher Basis versammelte sich nun am 25. Mai ein Kreis angesehener Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde Budapests im Präsidialzimmer des Gemeindehauses. Die Beratungen wurden von Prof. Dr. Max Schächter als Mitglied des -Kuratoriums des „V. f. j. St." eröffnet. Prof. Schächter schilderte die Entwicklung der jüdischen Statistik in anderen Ländern und wies auf die Notwendigkeit hin, auch in Ungarn, wo ein so erheblicher Bruchteil der jüdischen Bevölkerung lebt — die Budapester Gemeinde zählt gegen 170.000 Seelen — die statistischen Arbeiten entsprechend zu organisieren. Der Präsident der Budapester Kultusgemeinde, Hofrat Sigmund Kohner, legte die in den lokalen und politischen Verhältnissen wurzelnden Schwierigkeiten dar, die sich der Uebernahme der Statistik durch die offiziellen jüdischen Vertretungen entgegenstellen, erklärte sich jedoch bereit, die diesbezügliche Privatinitiative entsprechend zu fördern. Als Vertreter des „V. f. j. St." beleuchtete hierauf Dr. Alfred Nossig die hervorragende Bedeutung der Statistik der Juden in Ungarn, welche selbst in ihren staatlich bearbeiteten Teilen mit Rücksicht auf die ungarische Amtssprache bis jetzt für das Ausland unzu-

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