Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 23 (3.6.1904)
- Date
- 1904-06-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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•RH Nr. 23 Dr. Dlocb s MocbenscbrM. Seite 373 Jerusalem. Das Rothschild'sche Spital wurde, nachdem es 8 Monate lang nach Entfernung von Dr. Gr. d'Arbella geschlossen blieb, wieder eröffnet. Die Leitung wurde den Herren Benschimol und Dr. Michaelowitsch anvertraut, von denen der erste als Direktor und der zweite als Arzt fungieren wird. Schaffa (Mähren). Am 21. Mai fand ein von der hiesigen Jugend unter der umsichtigen Leitung ihres Obmannes des Herrn Daniel Nürnberg veranstaltetes Kränzchen statt, welches einen sehr animierten Verlauf nahm. Das Reinerträgnis (206 Kronen) wurde dem hiesigen Frauenverein zugewiesen. Den Teilnehmern und Spendern sei hiemit der Dank abgestattet. Sondershausen. Die hiesige Kultusgemeinde rüstet sich, am 14. Juni d. I. ein ebenso erhebendes als überaus seltenes Fest zu feiern. So Gott will ist es an diesem Tage unserem hochverehrten und geliebten Rabbiner und Professor- Heide nheim vergönnt, seinen 90jährigen Geburtstag, nachdem derselbe am zweiten Tage Pessach sein 70jähriges Amtsjubiläum begangen, zu feiern. Für viele Ihrer geschätzten Leser, für seine vielen Schüler, die sich auch in der österreichisch-ungarischen Monarchie befinden, wird es erwünscht und angenehm sein, zu hören, daß unser geliebter Rabbiner in diesem seltenen hochbetagten Patriarchenalter noch geistig frisch und regsam ist und seine Funktionen als Seelsorger mit bewunderungswürdigem Pflichteifer erfüllt. D. Konzessionen für die Dampfschiffahrt auf dem Tiberiassee. Der Mali von Beirut übermittelte an das Ministerium für öffentliche Arbeiten das Gesuch eines Bürgers von Liberias, Namens Dschurdschi Assaui, wegen Gewährung (auf die Dauer von 50 Jahren) des ausschließlichen Rechtes, Dampfschiffe auf dem Tiberiassee verkehren zu lassen. Feuilleton. Alle Rechte Vorbehalten Indische Knlturditder. Von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Koinärom. (Fortsetzung.) Der Rabbi hörte das alles schweigend an; endlich wendete er sich zu meinem Schwiegervater und sagte: Nicht wahr, Reb Mendel, ausländische S'chore (Ware) ist trefe? (contreband). Fang an zu lernen: Im sn makirin oszo (Wenn man ihn nicht kennt) so beginnt nämlich der zweite Abschnitt des Traktats Losell llasebono, wo sie gerade hielten. Es war das ein gelungenes Impromptu, aber Recht behielt doch der selige Hildesheimer, dessen Andenken ein gesegnetes bleiben wird! Am verhaßtesten waren ihm zwei „Söhne" Israels: Mendelssohn und Philippson, zumal des letzteren „Allgemeine Zeitung des Judentums" in Miklos als Orakel galt, dessen Einfluß er alles bittere Leid zugeschrieben, das ihm widerfahren war. Denn dem armen Rabbi war es beschieden, die schweren Kämpfe durchzumachen und — Niederlagen zu erleiden, vor denen der Letismon roLsaell ahnungsvoll sich geflüchtet hatte. Im Jahre 1843 stellte sich das Bedürfnis heraus, eine neue Synagoge zu bauen, und sofort tauchte die Almemorfrage auf. Die Konservativen, an ihrer Spitze der Rabbiner, wollten, daß die Estrade, auf welcher die Thora verlesen wird, wie bisher, in der Mitte der Synagoge, die Liberalen aber forderten, daß sie unmittelbar vor der heiligen Lade errichtet werde. Es ist in den letzten Jahrzehnten in Ungarn kaum eine Synagoge gebaut worden, ohne daß die „A l m e m o r- und die G i t t e r s r a g e", ob nämlich die Frauengalerie mit einem mehr oder weniger dichten Gitter oder auch mit gar keinem versehen werden soll, die Gemeinden in zwei Lager geteilt und den Frieden auf lange Zeit gestört hätte, so daß man mit Hinsicht aus diesen Umstand die Frage unserer Alten, warum sich denn in der h. Schrift der Abschnitt „M i s ch p o t i m" unmittelbar an den von der Errichtung des Gottesaltars anreihe (II. B. M. 20—21) ganz einfach beantworten kann: w o e s gilt, für Gott einen Altar zu errichten, da kommen gleich — Mischpotim, Prozesse, so daß man neben dem Altar gleich ein S a n h e d r i n einsetzen müßte. (Siehe Raschi z. St.) Auch in Miklos hatte diese Frage heftige Kämpfe entfesselt. Endlich einigten sich die Parteien dahin, daß man das Gutachten von drei hervorragenden Rabbinern einholen wolle. Diese Rabbiner waren: S. L. R a p o P o r t - P r a g, Dr. Nathan Adler-London und S. Luzzatto, Seminardirektor in P a d u a. Schon die Wahl dieser wissenschaftlich gelehrten Männer zeigt, daß die Konservativen in der Minderheit waren: denn sie konnten es nicht durchsetzen, daß eine der vielen ungarischen Koryphäen zu diesem Gutachten berufen wurde. Allerdings rechneten sie auf Rapoport und Adler, doch sie wurden garbitter enttäuscht. Rapoport schrieb, daß die Almemorsrage eine sehr unwesentliche sei. Das Judentum verdankt seine Erhaltung nicht dem Umstande, daß der Almemor in der Mitte stand, sondern der eifrigen Pflege der Thora. Daraus möge auch ferner die Gemeinde Gewicht legen; übrigens möge die Mehrheit entscheiden. Adler und Luzzatto antworteten übereinstimmend, daß die Frage viel zu unbedeutend wäre, als daß wegen derselben der Friede der Gemeinde gestört werden dürste. Israel bedarf in dieser Zeit des äußeren Druckes der E i nheit und Einigkeit im Innern; übrigens möge die Mehrheit entscheiden. Der Rabbi und seine Partei waren konsterniert. Die Entscheidung der Mehrheit — das war die sichere Niederlage. In seiner Bedrängnis wendete sich der Rabbiner an den Präses der Baukommisfion, M o r i tz D i n e r, der später viele Jahre hindurch Gemeindepräses war, und ries: „Reb Mordche Leben, gleichen wir uns aus!" „Gut, Rebbe, ich bin zufrieden, aber wie?" „Gleichen wir uns aus — stellen w i r deu Almemor in die Mitte!" Seitdem ist dieser famose Ausgleichsantrag ein geflügeltes Wort in Miklos geworden. Der Bau war vollendet und die Synagoge mit Choralgesang und Predigt, welche der als Oberlehrer und Prediger berufene L ö w e n st e i n hielt, in feierlicher Weise eingeweiht. Nur noch ein einziges Mal versuchte der Rabbiner dem Strom der Zeit entgegenzutreten — er wollte im Tempel keine Trauung vollziehen; aber der Vorstand ließ es zu keinem Zusammenstoß kommen, er machte einen klugen Schachzug. Er faßte den Beschluß, daß nur Mädchen von makellosem Rufe die Ehre zuteil werden dürfe, im Tempel getraut zu werden, und da wollte keines als minderwertig sich brandmarken lassen. Den Amazonenkampf aber mußte der Rabbiner bald aufgeben. Als ich nach Miklüs kam, herrschte vollkommener Friede, alles bewegte sich in gewohnten Geleisen und keine „Frage" unterbrach die Monotonie unseres Lebens. Ich lernte mit unermüdlichem Eifer, und es war eine Freude, mit dem Schwiegervater zu lernen; man brauchte nie ein Buch nachzuschlagen, er war eine lebendige talmudische Encyklopädie, oder wie der Miklöser Rabbiner von ihm sagte: „Reb Mendel ist mein Bücherkasten."