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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-06-03 · 23 (3.6.1904) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
23 (3.6.1904)
Date
1904-06-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 370 Dr. Wlocb's MocbenscbrM. Nr. 23 des Bezirkes geschaffen. Sein Name war eine Zierde für unsere Chewra. Da es nun Gottes Wille war, daß die Chewra- Kadischa Fünshaus den Verlust des teuren Verblichenen zu beklagen hat, so wollen wir stets seiner gedenken, seine Handlungen werden uns in steter Erinnerung bleiben; bei allen vorkommenden Anläffen wollen wir in seinem Sinne fortwirken, um so das Andenken des teuren Verblichenen in ewiger Erinnerung zu ehren und zu gedenken. Pflichtgemäß wollen wir an den bestehenden Traditionen und Einrichtungen unserer Chewra sesthalten, einmütig und geschlossen den Namen unserer Chewra hochtragen, durch stete Einigkeit zum Wohle unserer Chewra wirken, um so die Lücke des für uns allzu frühen Heimgegangenen auszufüllen. Sie haben sich, meine Herren, zum Zeichen der Trauer und der innigsten Teilnahme von Ihren Sitzen erhoben und so erbitte ich mir Ihre Zustimmung, um diese Traucrkundgcbung dem Protokolle der heutigen Sitzung einzuvcrleiben." Budapest. (Ein Bischof über jüdische Schulen.) Die zur Beratung der Vorlagen, betreffend die Modifikation der Gesetze über den Volksschulunterricht, den Unterricht der ungarischen Sprache und die Gehaltsregulierung der Lehrer, einberufene Enquöte setzte ihre Beratungen dieser Tage unter dem Präsidium des Unterrichtsministers Berzeviczy fort. Von den Reden heben wir nachstehende Ausführungen eines evangelischen Bischofes hervor: Bischof Gabriel Antal ist der Einzige, der von den Vertretern der evangelischrcsormierten Kirche hier erscheinen konnte. Er kann nur seine persönliche Ansicht darlegen, denn seine Kirche hat in dieser Frage noch nicht Stellung genommen. Er will vorerst konstatieren, daß 99 Prozent der von seiner Kirche erhaltenen Schulen ungarisch sind und daß in allen evangelisch-reformierten Kirchen und Schulen die Sprache die ungarische ist. Die Forderung der Geltendmachung der ungarischen Staatssprache ist vollkommen berechtigt, und wenn seine Kirche einen Teil ihrer Autonomie zur Erreichung dieses Zieles opfern muß, so tut sie dies mit Freude, sie macht diesen Curtiussprung, obwohl gerade seine Kirche, welche vollständig ungarisch ist, damit das größte Opfer bringt. Er verweist darauf, daß z. B. mehr als 30 Prozent der von der katholischen Kirche erhaltenen Schulen nicht ungarisch find und daß in Budapest eine Universitäts-Fakultät existiert, wo kein einziger Gegenstand ungarisch unterrichtet wird. Dies ist die katholisch-theologische Fakultät. Redner fordert den vollständig unentgeltlichen freien Elementarunterricht. Die Seelsorger seiner Diözese bekommen oft Aufforderungen von der Regierung, gegen die Auswanderung nach Amerika und gegen das Einkindersystem zu predigen. Redner begab sich persönlich zu seinen. Gläubigen in dieser Angelegenheit und diese sagten ihm: Zeigen Sie uns, mein Herr, womit der Staat Jene unterstützt, die mehr Kinder haben! Redner ist überzeugt, daß die vollständige Befteiung vom Schulgeld mehr als jede andere Verfügung die Auswanderung verhindern würde. Was die obligatorische Einführung der ungarischen Unterrichtssprache betrifft, verweist er auf die Verfügungen, welche Kroatien getroffen hat und mit welchen binnen kurzer Zeit ein einheitliches, früher nie bestandenes kroatisches Volk geschaffen wurde. Daß' der Unterricht in den Elementarschulen ein mehrsprachiger sein kann, das beweisen die israelitischen Volksschulen, welche unzweifelhaft zu unseren besten Schulen gehören. In diesen wird deutsch, ungarisch und hebräisch unterrichtet und auch erlernt. Bezüglich der Lehrerbildung ist er der Ansicht, daß diese unbedingt vollständig staatlich sein müßte. Was die Konfessionen jetzt aus ihre eigenen Präparandien verwenden, könnten sie dann zur Aufrechterhaltung von Internaten benützen, welche neben den staatlichen Präparandien errichtet werden könnten. Der Staat würde nur unterrichten, die Konfessionen aber könnten erziehen. Bezüglich der Präparandien ist sein Standpunkt der, daß jeder Lehrer ausbilden könne, aber das Dokument, auf Grund dessen Jemand befähigt wird, sein Brot zu erwerben, könne nur der Staat geben. Es gibt Orden, welche heilen; befähigen sie aber deshalb selbst ihre Aerzte? Es gibt reiche Bischöfe, leider sind es nicht die protestantischen, die große Güter besitzen; befähigen sie ihre Güterbeamten selbst? Durch die Entziehung des Rechtes der Befähigung wird also keine Konfession verletzt. Redner erwartet von dem Gesetze nur dann Erfolg, wenn es richtig durchgeführt wird, und er verspricht bei der Durchführung die Hilfe der reformierten Kirche. Preftburg. (Ehrende Anerkennung für einen verdienten Sch ul man n.) Im großen Turnsaale der orthodox-israelitischen Kultusgemeinde fand am 24. d. M., nachmittags 3 Uhr, eine ebenso imposante als erhebende Feier statt. Anlaß zu derselben bot die ehrende Auszeichnung, welche seitens des Ministeriums für Kultus und Unterricht dem Direktor der vereinigten Knaben- und Mädchenvolksschulen der orthodoxisraelitischen Kultusgemeinde zuteil wurde, dessen Verdienste um die Schule, das Aufblühen derselben im Allgemeinen, sowie seine erfolgreiche Bemühung zur Verbreitung der ungarischen Sprache in Begleitung eines höchst schmeichelhaften Anerkennungsschreibens mit einem Ehrengeschenke von 100 Kronen belohnt wurden. Zu der schönen Feier hatten sich eingefunden: Vom Vorstand der orthodox-israelitischen Kultusgemeinde: Gemeindevorstands- Präses Lazar Gestettner, Präses Friedrich Duschinsky, Schriftführer Dr. M. Leitersdorfer, Dr. Max Weiß, Max Stein, Max Pollak, Dr. Kraus, I. Fischer, der gesamte Lehrkörper der orthodox-israelitischen Knaben- und Mädchenvolksschulen, sowie seitens der stellvertretenden Schulbehörde Schulinspektor-Stellvertreter Julius v. Kurucz und Sekretär Johann Pethö. Nachdem Schulpräses Friedrich Duschinsky Zweck und Anlaß der heutigen feierlichen Schulkommissionssitzung in kurzen Worten skizziert hatte, wurde Direktor Wilhelm Kohn durch eine zu diesem Zwecke entsendete Deputation in den Saal geleitet. Schriftführer Dr. M. Leitersdorfer verlas hierauf die Zuschrift des königl. Rates Schulinspektors Bertalan v. Plachy, sowie das Anerkennungsschreiben des kön. ung. Unterrichtsministers, welches derselbe Herrn Direktor Kohn feierlichst überreichte, nachdem er zuvor eine schöne Festrede unter dem stürmischen Beifall der Anwesenden gehalten hatte. Nachdem Schulpräses Friedrich Duschinsky in ungarischer Sprache unter Worten der Anerkennung für den Gefeierten das Ehrenhonorar von 100 Kronen demselben überreicht hatte und die Verdienste des gesamten Lehrkörpers um die intensive Verbreitung der Nationalsprache lobend hervorgehoben, hielt Schulinspektor-Stellvertreter Julius v. Kurucz eine fulminante Rede, in welcher er die Verdienste des gefeierten Schuldirektors nach seinen eigenen Erfahrungen schilderte. Hierauf nahm Gemeindepräses Lazar Gestettner das Wort, um namens der Gemeinde als Schulerhalterin die Verdienste des Gefeierten in ehrender Weise hervorzuheben. Es sprachen noch namens des Lehrkörpers Lehrer Armin Buchsbaum, sowie die Schüler Sigmund Neumann und Jolan Lustig, die dem Gefeierten ein prachtvolles Blumenblouquet überreichten; auch die israelitische Mädchenbürgerschule überraschte den Gefeierter: mit einem wunderschönen Blumenbouquet. Nachdem Direktor Wilhelm Kohn, aufs Tiefste gerührt ob der erfahrenen allseitigen ehrenden Anerkennung, seinen verbindlichsten Dank ausgesprochen und das feierliche Versprechen gab, in seinen Bestrebuugen zum Wohle der Schule, sowie im nationalen Geiste auch in aller Zukunft mit verdoppeltem Eifer weiterkämpfen zu wollen, stimmte der Schülerchor das „Szozat" an, womit die erhebende Feier ihr Ende erreichte. Frankfurt a. M. (Jüdisch'literarische Gesellschaft.) Am 12. Mai fand hier im „Hotel Neuhof" die erste Mitgliederversammlung der Jüdisch-literarischen Gesellschaft statt. Die zahlreich erschienenen Mitglieder nahmen mit großer Befriedigung den vom Vorsitzenden Herrn Direktor Lange erstatteten Geschäftsbericht entgegen, aus dem wir folgendes hervorheben: Die Gesellschaft wurde im Jänner 1902 konstituiert und hat sogleich eine vielseitige Tätigkeit begonnen. Sie hat namhafte Subventionen an Gelehrte verteilt, um diese in den Stand zu setzen, ungestört ihren wissenschaftlichen Arbeiten leben zu können, anderen durch Gewährung von Beihilfen die Druck-

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