Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 23 (3.6.1904)
- Date
- 1904-06-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021547-3021571--13643-3038306- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 23 Dr. Dlocb's Mocdenscbrirr Seite 369 Daß der unnatürliche Zustand, der weder Krieg noch Frieden bedeutete, nicht mehr lange würde bestehen können, daß es zu einer blutigen Auseinandersetzung mit Rom kommen mußte, daß ein Kampf auf Leben und Tod unausweichlich geworden, das leuchtete jedem klar denkenden Politiker ein. Nicht nur die Zelotenpartei, welche den Ausbruch des Krieges, der ihr als ein heiliger galt, mit Ungeduld erwartete, sondern auch die Partei der Gemäßigten, welche die Entscheidung mit den Waffen möglichst lange hinausgeschoben zu sehen wünschte, empfand einen unüberwindlichen Haß gegen die Unterdrücker der Volksrechte, gegen die Verächter und Verspotter des jüdischen Gesetzes. Josephus stand mit seiner Vorliebe für Rom durchaus vereinzelt da, hütete sich auch, dieselbe laut werden zu lassen, ja, er verstand es als Meister in der Verstellungskunst, seine wahren Ansichten so geschickt zu verbergen, daß selbst tonangebende Mitglieder der Zelotenpartei sich täuschen ließen, daß ihm, dessen Tüchtigkeit, Gewandtheit und Umsicht allgemein bekannt war, nachdem einmal die Würfel gefallen, die wichtigste Stelle, die man zu vergeben hatte, das Amt eines Statthalters und Oberfeldherrn in Galiläa, übertragen wurde. Freilich hatten die Juden schon nach ganz kurzer Zeit Veranlassung genug, die getroffene Wahl zu bereuen; denn von vornherein hat Josephus in dem jüdischen Kriege eine zweideutige Rolle gespielt; aus Rancune gegen die seiner Oberleitung unterstellten Zelotenführer ließ er sie des öfteren, wenn sie angegriffen und in Bedrängnis geraten waren, im Stich, benutzte die sich ihm darbietenden Gelegenheiten, den Römern zu schaden, nur in äußerst lässiger Weise und verübte solch schreiende Ungerechtigkeiten, daß endlich der hohe Rat zu Jerusalem seine Absetzung beschloß und ihn durch eigens entsandte Delegierte zur Niederlegung seines Amtes aufforderte. Josephus aber wußte viele Wochen hindurch den Abgesandten auszuweichen, zog von einem Orte zum andern, damit sie ihn nicht finden konnten, ließ inzwischen durch seine Getreuen sich bei dem galiläischen Volke als den unschuldig Verfolgten darstellen und bewirkte, daß eine große Deputation hoch angesehener Galiläer sich nach Jerusalem begab, um sein Verhalten zu rechtfertigen und in der Tat eine Wiedereinsetzung in seine Würde durchzusetzen. Doch das falsche Spiel setzte er, wenn auch mit mehr Vorsicht, fort, und ihm ist es vornehmlich zuzuschreiben, daß die galiläischen Bergfestungen von den Verteidigern entblößt wurden und eine nach der anderen in die Hände des Feindes fiel. Nach heldenmütiger Gegenwehr war Gabara erstürmt worden und jetzt rückte das römische Heer vor Jotapata, in welche Stadt auch Josephus gekommen war, um den Widerstand zu leiten; doch die Erfolglosigkeit der Verteidigung einfehend, wollte er die Stadt wieder verlassen, die Einwohner hinderten ihn jedoch daran. So mußte er sehr gegen seinen Willen in der eingeschlossenen Festung ausharren, die durch den Verrat eines Ueberläusers überrumpelt wurde. An 40.000 Streiter wurden von den Römern niedergemacht und von den wehrlosen Frauen und Kindern wurden nur etwa 1000 geschont, die als Sklaven verkauft wurden. Josephus hatte sich mit 40 Kriegern in eine Cisterne geflüchtet, und als ihr Aufenthalt verraten und sie aufgefordert wurden, sich zu ergeben, versuchte Josephus sie zu überreden, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Aber seine Leidensgefährten waren entschlossen, den Tod von eigener Hand der Gefangenschaft vorzuziehen und zwangen auch ihren Führer, sich durch einen Schwur dem Tode zu weihen. Einer entleibte den Andern, bis Josephus nur mit einem einzigen Gefährten übrig blieb; es gelang ihm, diesen zu entwaffnen, und nunmehr ergab er sich den Römern. vr. V. Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorsiandes vom 29. Mai 1094, unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Im Einlaufe werden bekanntgegeben: An Spenden: Von Herrn Dr. Heinrich Benies anläßlich des Sterbetages seiner sel. Mutter an jüdische Arme K 60'—; von Frau Fanny Weinstein als Spende einer Dame für den Betsaal der Versorgungsanstalt ein Thoraband aus Seide. Den Spendern wird der Dank ausgesprochen. Weiters befindet sich im Einlaufe eine Zuschrift der Chewra-Kadischa mit der Mitteilung von der einstimmig erfolgten Wahl des Herrn Salo Cohn zum Präsidenten dieses Vereines und ein Dankschreiben des Herrn S. Steiner für die erfolgte Ernennung zum Vorsteher der Chewra-Kadischa. (Zur Kenntnis.) — Verliehen werden: Die Eitel Goldschmidt'sche Stiftung für Bautechniker (2 Plätze ä, K 800'—) an die vom Präsentanten dieser Stiftung Herrn Baurat Theodor Ritter von Goldschmidt vorgeschlagenen zwei Bewerber: die Hermann Freiherr v. Todesco'sche Waisenstiftung (3 Plätze a X 500'—, 5 Plätze ä K 400'—) an 8 nach Wien zuständige und unter dem Schutze des Waisenvereines stehende Waisen. Zu Mitgliedern des Bethausvorstandes für den I. und II. Kultusgemeindebezirk werden im Sinne des 8 87 des Statutes nach Anhörung von Vertrauensmännern aus der Mitte der ständigen Besucher der in Betracht kommenden Bethäuser ernannt: Die Herren Anton Beck, Karl Lemberger und Doktor Hermann Löwy. Für die Restaurierung des Ottakringer Gemeindebethauses wird ein entsprechender Kredit eingeräumt und die Durchführung dieser Angelegenheit dem Vertreter-Kollegium im Einvernehmen mit dem Baukomitee übertragen. Subventionen werden bewilligt: Dem Tempelvereine im VIII. Bezirke, Neudeggergasse: dem Bethausvereine „Emunas-Awes“ und dem Bethausvereine „Illllllosell nrat“. Nach Erledigung einer mit den kantoralen Funktionen im Stadttempel im Zusammenhänge stehenden Personal-Angelegenheit wird die Sitzung um halb 2 Uhr nachmittags geschlossen. Tempelspenden. Spenden im Stadt-Tempel: Bon den Herren: Dr. Alfred Stern X 250.—; Dr. Kapralik K 40.—; Wilhelm Freyberg K 100.—; D. Ritter v. Gutmann X 200.—; Leopold Pam X 10.—; Dr. Alexander Kohn X 40.—; Dr. Marcell Hoffmann X 40.—; Ellan Steiner K 40.—; Emanuel Tanssig K 20.—; Gottfried Tawfig K 20.—; Sigmund Wender K 100.—; Moritz Haßberg K 100.—; Adolf Boiko K 20.—; Gustav Stiaßny K 10.—. Spenden i m Leopoldflädter Tempel (II., Tempelg a s s e 3): Von den Herren: David Gansl X 40.—; Dr. Adolf Schmied! X 10.—; Jg. Pollak X 100.—; Simon Breitner K 40.—; Jg. Kantor K 40.—; Josef Fuchs X 10.—; S. Reltmann X 90. -; Jg. Beckmann X 20.—; Moritz Qrnstein X 100.—; Leopold Winter X 20.—; Adolf Bruckner X 140.—. Spenden im Tempel Turnergasse 22: Von den Herren: Bernhard Freund X 20.—; Abraham Rosenbusch X 7.—; Ignaz Baranyi X 50.; Samuel Ehrenstein X 50.—; Karl Frommer X 20.—; Leopold Frischauer X 25.—; Isidor Gelbart X 10.—; Wilhelm Glaser X 50.—; Abraham Grünwald X 5.—; Philipp Kohn X 10.—; Jonas Königstein X 60.—; Heinrich Neufeld X 1\; Jakob Sonnenschein X 40.—; Julius Straschnow X 105.—; Ludwig Wolf X 50.-. Im Bethaus Hubergasse 8. Von den Herren: L. Berger X 13.—; S. Holzer X 10.—; Ed. Politzer K 2.—; Moriz Auspitz X 4.—; M. Spitzkopf X 4.—; M. Geiringer X 3.—; Moriz Adler X 4.—; Pollak Schöngut X 28.; Hirschbein X 2 —; Adler Bruder X 6.—; G- Hager X 4.—; S. Diamant X 4.—; Jos. Lüftschitz X 26.-; Ed. Politzer X 16.-; Ludwig Deczi X 10.—; M. Glücksmann X 48.—; Simon Kohn X l.—; Leopold Fiertl X 2.—; Isidor Berkwitz X 13. -; Leopold Weinberger X 6.—; Moses Ungar X 4.—; L. Rosenthal X 10.—; Samuel Neumann X 8.—; L. Trebitfch X 14.—; W. Schoßberqer X 6.-; M. Schöngut X 40.-; Dr. I. M. Bach X 6.—; Sam. Pollak X 10.—; Leopold Deutsch X 16.—; Rudolf Pollatschek X 20.-; Nathan Weil X 5.—; Samuel Weiß X 12.—; Moriz Medak X 45.—. Wien. (T r a u e r k u n d g e b u n g.) In der letzten Vorstandssitzung der Chewra-Kadischa Fünshaus nahm der Präses- Stellvertreter Herr Heinrich N e u f e l d Anlaß, dem verstorbenen Obmann Herrn Dr. Bars einen warmen Nachruf zu halten. Er sagte: „Vor allem wollen wir unseres allzufrüh Heimgegangenen Präsidenten Herrn Dr. S. Bars gedenken und den innigsten Empfindungen der Trauer über den herben Verlust zum Ausdruck bringen. Leer und verwaist ist die Stelle, an welcher der Unvergeßliche durch nahezu 25 Jahre gewirkt hat. In unserem Erinnern ist lebendig seine Tätigkeit als Leiter und Führer unserer Chewra, sein gutes Herz und sein edler Charakter, seine Fürsorge für alle Armen und Kranken im ganzen Bezirke, welche er unverdrossen Tag und Nacht geübt und wodurch er sich ein gesegnetes Andenken in allen Kreisen