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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-06-03 · 23 (3.6.1904) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
23 (3.6.1904)
Date
1904-06-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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8h. 23 Dr. Lwcb's Mocdenscvnrr. Seite 365 derung, die er und sein Volk mit den Herden vom westlichen Asien machten, wie die Legende erzählt, um 660 v. Ehr. in Japan. Alte japanische Bilder, die sich auf dieses große Ereignis in ihrer Geschichte beziehen, weisen einige seltsame Züge auf, die diese Geschichte zu bestätigen scheinen. Besonders ein altes Bild in Form einer langen Rolle, das die erste Landung der Japaner auf ihren Inseln darstellt, zeigt Dschimmu Tenno, seine Fürsten und das Volk auf großen Holzflößen sitzend, die Männer mit Stangen die Küste entlang stoßend. Das Merkwürdigste ist jedoch, daß der Fürst und seine Samurai mit der alten Rüstung Assyriens und Mediens bekleidet sind und wie die alten Fürsten Israels Schuhe aus Dachshaut haben. Sie tragen das „Tachi", das persische Schwert; einige haben auch alte, israelitische Speere, andere den Speer der alten medischen Fußsoldaten. Eine auffallende Uebereinstimmung zeigt auch eine Art Kriegstanz, den ein Reisender in Kioto bei einem großen Fest mitangesehen hat. Es war ein Scheinkampf unter Musikbegleitung, bei dem die mit Helm, Schild und Speer bewaffneten Kämpfer die ersten Krieger Japans darstellten, und diese trugen altpersische Tracht; der lange japanische Kriegsbogen ist zudem ein genaues Facsimile der assyrischen Waffe. Die kaiserliche Familie Japans besitzt auch uralte, auf Seide gemalte Bilder, die in Kisten aus Kampherholz aufgerollt und seit zahlreichen Generationen vom Vater aus den Sohn übergegangen sind; sie stellen Szenen dar, in denen man die alten jüdischen Tempelinstrumente und Gesichter von ausgesprochenem hebräischem Typus erblickt. Auch in dem alten Shinto-Ritual Japans finden sich merkwürdige Gebräuche von ebenso jüdischem Charakter. Die Shintotempel haben wie das jüdische Heiligtum ein Heiliges und ein Allerheiligstes, sowie die Darstellung einer Lade und Zisterne. Die Priester, Kan Nushi genannt, tragen wie die jüdischen Priester weiße Linnenkleider, Turbane und Kniehosen, in denen sie „mocM“ oder ungesäuertes Brot, süßen Wein und das „Webeopfer" der ersten Früchte darbringen. Mehrere Shintofeste fallen mit den jüdischen zusammen, viele ihrer Zeremonien sind identisch. Wie David vor dem Herrn in einem weißleinenen Priestergewand tanzte, so tanzen die Japaner, wenn sie die Lade „«km koshi“ zum Tempel tragen. Sie trugen auch die Lade mit ihren Herren in den Krieg. Das japanische Kind wird am sechsten Tag nach der Geburt in den Tempel gebracht und geweiht, wobei dem Priester ein Geldstück gegeben wird; und jeder Japaner soll wie die Israeliten am Neujahrstage dem Shintotempel ein Geldstück bringen. Beim Gionfest, das gleichzeitig mit dem Laubhüttenfest gefeiert wird, erscheinen alte Bilder, auf denen ein unverkennbar jüdischer Rauchaltar mit einem jüdisch aussehenden Priester daneben dargestellt ist, serner ein Schäfer und Schafe, ein Kameel und ein Fürst auf einem weißen Maultier; keines der Tiere ist jedoch in Japan heimisch. In Japan sind drei Bände veröffentlicht, die das „Jin dai", die „geheimen Schriftzüge des heiligen Alters" enthalten. Die Schrift im ersten Band ähnelt den Schriftzeichen auf den Felsen des Sinai, von denen man sonst in keiner lebenden oder toten Sprache Spuren findet. Die Japaner sagen, sie kommen von Gott. Die Schriftzeichen im zweiten Band ähneln dem Persischen, die im dritten den Schriften Ninives und Babylons. Aerzte-Korigreß und die russische Kultur. Uebersetzung aus dem Englischen von W. R. Die englische Zeitung „Times" bringt unterm 5. Februar folgenden Artikel, den sie ihrer Angabe nach dem „Lancet" entnommen hat: „Der russische Aerztekongreß, welcher Ende Jänner in St. Petersburg stattgefunden hat, ist durch die Polizei aufgelöst worden. Im westlichen Europa würde es ungewöhnlich erscheinen, daß ein technischer oder wissenschaftlicher Kongreß nicht anders als unter polizeilicher Aufsicht stattfinden könne; deshalb ist es interessant, zu sehen, wie sich solche Dinge in Rußland ereignen können. Auf dem St. Petersburger Kongreß wurde nebenbei auch noch eine Sitzung der Abteilung für Tuberkulose und soziale Hygiene abgehalten. Hier wurde ein Antrag gestellt, der davon ausging, daß die Unkenntnis der gewöhnlichsten und elementarsten Gesetze der Hygiene und der unmäßige Konsum von Alkohol die Ursachen für die Ausbreitung der Tuberkulose schaffen, die doch die schlimmste aller vorherrschenden Krankheiten sei. Soweit war es ganz gut; aber der Antragsteller und die Redner, die ihn unterstützten, gingen noch einen Schritt weiter, denn ein Passus wurde schließlich angenommen, dahingehend, daß ein regelrechter systematischer Kampf gegen die Tuberkulose nur unter der Bedingung in Rußland ausgenommen werden könne, daß persönliche Freiheit, Rede-, Preß- und Versammlungsfreiheit garantiert würden. Die Annahme eines solchen Antrages muß nun wohl als eine Art Angriff auf die Regierung angesehen worden sein, der die Auflösung des Kongresses rechtfertigte, denn, so hieß es, laut Beschluß würde vollständige Freiheit verlangt, und dies sei nicht nötig, wenn es sich einfach um die Frage handle, wie die Massen über den Vorteil der Reinlichkeit, genügender Ventilation und der Enthaltung unmäßigen Trinkens zu belehren seien. Solch eine Freiheit, wie die in Vorschlag gebrachte, besteht allerdings. Es ist möglich, Vorlesungen über Ventilation oder über die beste Art, Wohnungen zu säubern, halten zu lassen, aber sobald sich ein bestimmtes Streben dieser Art bemerkbar macht, geraten die Urheber unweigerlich in den Argwohn der Polizei. . . . Hinter solchen wohlwollenden und menschenfreundlichen Bestrebungen werden oft politische Motive vermutet und ein wissenschaftlicher Bortrag über Gesundheitspflege kann den Redner unter Umständen nach Sibirien wandern lassen. Schlimmer als dies war jedoch das Folgende: Die Aerzte hatten nicht nur die Kühnheit, Garantien der Lehrfreiheit in Gesundheitsfragen zu fordern, sie dehnten ihre Forderungen sogar auf die Behandlung der Juden aus. Der ärztliche Beruf gebietet, die Kenntnisse über die Entstehung und Beseitigung der Tuberkulose, sowie darüber, daß Armut und enges Beisammensein vieler Menschen die hervorragendsten Brutstätten der Schwindsucht sind, unumwunden und ohne jede Unklarheit auszusprechen. Aber die russische Regierung hat durch ihre antisemitischen Verfügungen das Anwachsen der Massen in den Ghettos und die daraus folgende Armut ganz ungeheuer vermehrt. Man nimmt mehr als fünf Millionen Juden in Rußland an, welche, mit wenigen Ausnahmen, in nur einem Teile des Reiches in gewissen Stadtvierteln eingesperrt sind. Durch das „Maigesetz", welches Kaiser Alexander III. am 3. Mai 1892 Unterzeichnete, wurde den Juden nicht länger gestattet, in Dörfern zu wohnen, sondern nur noch in Städten oder Marktflecken. Der Polizei war es überlassen, zu entscheiden, ob ein Platz ein Dorf oder ein Marktflecken war. Wenn es ihr beliebte, ihn für ein Dorf zu erklären, dann wurden die Juden in 24 Stunden hinausgetrieben. So z. B. wurden im Jahre 1895 alle Marktflecken der Provinzen Pultava und Tschernigoff für Dörfer erklärt, welche die Juden in 24 Stunden zu verlassen hatten. Was sich bei solch nutzloser Hast alles ereignete, konnte einen schaudern machen. Kürzlich gab der Vizegouverneur von Kischenew Befehl zur Räumung eines Marktfleckens, welcher forthin als Dorf galt. Der Dorfschulze, welcher an diesem Platze lebte, ersuchte sofort um Aufschub, da eine schwere Pockenepidemie dort gerade herrsche. Dieser sehr natürliche Einwand war indessen unwirksam. Die Juden wurden alle aus ihren Häusern getrieben und, ob gesund oder nicht, auf Karren verladen und nach Kischenew transportiert. Es war mitten im Winter. Viele Kinder starben auf dem Wege, dafür hielten aber die Pocken in Kischenew ihren Einzug. Somit mag die ärztliche Forderung in Bezug auf die Juden einen politischen Hintergrund haben, aber zweifellos hat sie auch einen großen Wert für die öffentliche Gesundheit. Man schätzt, daß seit den „Maigesetzen" mehr als 600.000 Juden aus Plätzen, die jetzt Dörfer heißen, vertrieben wurden und gezwungen sind, die Menschenmassen in den Ghettos der Städte zu vermehren. Ist es nun überraschend, wenn angesichts solcher Tatsachen der russische Aerztekongreß einen Antrag annimmt, „die Aufmerksamkeit hinzulenken auf die Gefahr, welche sich aus der zwangsweisen Internierung der jüdischen Bevölkerung in

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