Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 22 (27.5.1904)
- Date
- 1904-05-27
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 22 Dr. Wlocb's Mocbenscbrttt Seite 359 dadurch, daß die Grabsteine flach, der Lauge nach auf der Erde liegen und einen gespenstigen Anblick darbieten, insbesondere zur Mittagszeit und bei Sonnenuntergang, wenn die Strahlen der Sonne ans die weißen Marmorplatten heradfließen Tie Leiche wird ans einem dreieckigen Brett, mit einem durchsichtigen blauen Schleier bedeckt, nach dem Friedhofe gebracht. Vom Stadttor bis zum Grabe ertönt der Trauergesang des Rabbi, mit dessen Stimme sich der Gesang der Leidtragenden mengt. Unter beit Friedhöfen von Salonichi macht derjenige der spanischen Juden den Eindruck tiefster Ruhe. Die Türken bezeichnen die Grabstätte ihrer Toten meist mit dünnen Marmortäfelchen und bloß an den Gräbern hochgestellter Militärs oder hervorragender Beamter steht ein Doppelgrabmal: eines am Kopf- und emes am Fußende. Aber wenn man die betnrbanten Steine über'chant, hat man schier das bange Gefühl, daß ein Sturmwind kommen und die Marmorgrabmäler der Reihe nach niederlegen werde. Es steigt dasjenige Gefühl in uns auf, welches man angesichts jeder Schöpfung der Türken empfindet: daß dieser Boden ihre richtige Heimat nicht ist und sie bloß provisorisch auf demselben leben. Kileratur. ILobteiiz. Dr. F., Predi^l-.n, gepa'.^n in der Synagoge zu Bielefeld. Berlin NW. Verlag von S. Calvary & Co., 1904. Vorliegende Predigten zeichnen sich durch die klare Disposition und einfache, schlichte, aber doch g> wählte Sprache aus und werden daher auch dem Leser Befriedigung und Anregung geben. Doch darin können wir mit Coblenz nicht übereinstimmen, daß er, wie er selbst im Vorworte bemerkt, das Zitieren in der Ursprache prinzipiell vermeidet. Die Zitate sollen allerdings nicht an den Haaren herbeigezogen, auch soll den Bibelmrsen keine Gewalt angetan werden; wo es aber der Gedanke ergibt, sollen sie meiner Ansicht nach nicht nur in der Uebersetzung, sondern auch in hebräischer Sprache zitiert werden. Gerade das Zitieren des Hebräischen verleiht der Predigt eine eigene Würze, nur darf man hiebei dem Genius der deutschen Sprache nicht ins Gesicht schlagen, wie dies leider gar oft geschieht. Ungern vermissen wir auch die Anwendung von Midraschim. Mit einer Uebersetzung derselben darf sich allerdings der moderne Prediger nicht begnügen; aber er muß es sich zur Aufgabe machen, die tiefen und trefflichen Gedanken des Midrasch in ein modernes, unserem Geschmacke entsprechendes Gewand zu kleiden. Vielleicht trägt der Verfasser, der noch weitere Predigten herauszugeben gedenkt, dieser Forderung Rechnung. Rühmend muß auch die ebenso einfache wie vornehme Ausstattung, welche die Verlagshandlung Calvary & Co. dem Buche angedeihen ließ, hervorgehoben werden. Brüx. Dr. Bia ch. Die Kant'sche Philosophie und das biblischtalmudische Moralprinzip. Wie ich aus der in Nr. 21 dieses geschätzten Blattes unter obigem Titel erschienenen Erwiderung des Herrn Dr. S Mandl ersehe, ist jede Auseinandersetzung mit ihm zwecklos, weil der Gegenstand dadurch mehr verworren als anfgehellt wird. Ich verzichte daher auf jede weitere Polemik und überlasse den Gegenstand jedem Urteilsfähigen zur Beurteilung. Wien Mariahilf. Rabbiner Dr. Simon Rubin Das mosaische Gesetz. Zu der der „Zeitung des Judentums" entnommenen, obige Ueberschrift tragenden Notiz in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes gestatte ich mir zu bemerken, daß, selbst wenn zwischen der Bezeichnung „größer« Sache" durch Jetro und der Bezeichnung „schwierigere Sache" durch Moses kein begreiflicher Unterschied läge und auch Jetro das unter „Dnwor godal“ verstanden hat, was in Moses mit „Dnwor kusche“ bezeichnet wird, so steht es dennoch zweifellos fest, daß das mosaische Gesetz ebensowenig einen Unterschied beim Gerichtsverfahren in dem Punkte, ob es sich um einen hohen oder geringen Wert der Sache handelt, zuläßt, wie in dem der rechtsnchenden Personen, ob diese hoch oder niedrig stehen, vornehm oder gering sind. Das gleiche Verfahren bei großen und kleinen Beträgen galt nach dem mosaischen Gesetze als etwas so Selbstverständliches, daß der Talmud zu dem diesbezüglichen Ausspruche des R. Simon b. Lakisch: Din perutat kedin mehu muneh (Bei einer Streitsache um einen Heller muß der Richter ebenso verfahren, wie bei einer, wo es sich um viele Tausende handelt) die Bemerkung macht, daß sei etwas so Selbstverständliches, daß es gar nicht gesagt werden müßte. R. Simon b. Lakisch kann daher mit seinem Ausspruche nur gemeint haben, daß selbst in Bezug auf die Reihenfolge der gerichtlichen Erledigungen kein Unterschied zwischen grüßen und kleinen Beträgen gemacht werden darf; die Sache, die früher vor den Richter gebracht wurde, muß von diesem auch früher erledigt werden, mag sie noch so gering sein (8ynhedrin 8 a). Rabb. Stark. Neue Bücher. M. Grunwald. Hamburgs deutsche Juden bis zur Auflösung der" ' 1811 behandelt die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg seit den ersten Anfängen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, zum Teil darüber hinaus, in folgenden Kapiteln : Das Zeitalter der Gliickel von Hameln. Die Stenerkraft der Gemeinde. „Der Judentmnnlt 1730“ und was ihm voraufging. Das Leben in der Gemeinde. Die soziale Stellung. Beruf und geistiges Leben. Moralische Streiflichter. „Der Hamburger Amulettenstreit“. Hamburgs Juden in Bild und Karrikatur. Die Hamburger auf oder von Juden geplagten Medaillen. Hamburger, Wandsbeker und Altonaer Drucke. Die Friedhöfe: „An der Königsstrasse“ in Altona, „Auf dem Grindel“ „In Ottensen“. Das Werk umfasst 25 Bogen mit 39 Abbildungen und erscheint zum Subskriptionspreise von Mark 10.— im Laufe dieses Jahres. Subskriptionen nimmt entgegen : Alfred Jaossen, Verlagsbuchhandlung, Hamburg. Oft und West. I l l u st r i e r t e M o n a t s s ch r i f t für modernes Judentum, Verlag von S. Calvary & Co., Berlin NW. 7, IV. Jahrgang, Heft Nr. 5. Mai 1904. Inhalt: A. Coralnik: Das jüdische Kulturproblem und die Moderne. F. Christ: Tanzende Delila und Judith (2 Illustrationen). Lothar B r i e g e r - W a f s e r v o g e l: Käthe Münzer (mit 11 Illustrationen). Dr. Max Eschelbacher: Ein neues Buch über die Geschichte der deutschen Juden. Eva Mirjam: Aus der Jargonwelt. G. Syrkin: Marie Dillon (mit 5 Illustrationen). Marek S ch e r l a g: Erinnerung (Gedicht). Dr. E. Baneth: Der Sederabend. Josefa Metz: Sünde (Erzählung). Dr. Jeremias: Das westjüdische Kulturproblem. Literarisches. Aphorismen. Revue der Presse. Dr. I. Guttma^n, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde zu Breslau. Die Bedeutung des Judentums im Leben der Gegenwart. Referat in der am 7. Juli 1902 in Frankfurt a. M. abgehaltenen Generalversammlung des Verbandes deutscher Rabbiner. I. Kaussmann, Frankfurt a. M. 1902. Dr. Mt. Margel. Deutsch-Hebräisches Wörterbuch. Vollständig in etwa 40 Heften. Heft 3—4. Preis 50 Heller. Subskriptionspreis 15 Kronen =15 Mark. Preis des vollständigen Werkes nach Erscheinen 20 Kronen 20 Mark. Kommissionsverlag von Leopold Klein, Pozega 1904. Dr. Simon Mandl, Rabbiner in Neutitfchein. Das Wesen des Judentums dargestellt in homiletischen Essaias nebst einem Anhang: Die Lehre von Gott, die Lehre vom Menschen. Verlag von I. Kaussmann, Frankfurt a. M. 1904. Elias Lehr. Der Staaten Lebensnerv. Darf ein vorurteilsfreier Denker Kant's Lehre der „Praktischen Vernunft" billigen? Selbstverlag des Autors: Wien, II/,, Roten Sterngasse 20. Wilhelm Sor, Rabbiner. Festrede zum 70. Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers und Königs Franz Joses I. Gehalten am 30. Juni 1900 im Tempel der israelitischen Kultusgemeinde Wien, beim Jugendgottesdienst der Mittelschulen des XVIII. und XIX. Bezirkes. Gesamtauflage (500 Exemplars) in natura zugewendet dem Fonde des „Kaiser Franz Joses Ferienheimes". Budapest, 1904. 49281928