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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-05-27 · 22 (27.5.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
22 (27.5.1904)
Date
1904-05-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 352 Nr. 22 3>r. Blocb’s 'G&ocbenscbrtft Bigart über das Schulwerk der Allianz, das jetzt 120 Elementar- und Gewerbeschulen umfaßt mit einer Gesamt ahl von 33.000 Schülern. Er betonte mit besonderen Nachdruck den segensreichen Einfluß dieser Schulen in Persien, wo die jüdische Bevölkerung aus einem niedrigen kulturellen Niveau stehe. Die bloße Anwesenheit eines Schuldirektors der Allianz bedeute dort eine Bürgschaft für die Sicherheit unserer oft bedrängten Glaubensgenossen. Zum Schlüsse gab er den Mitgliedern bekannt, daß vor kurzem vom Zentralkomitee der Ankauf eines Landgutes in der Nähe von Algier beschlossen wurde, dessen Gesamtfläche 1800 da beträgt. Es ist zur Pacht bestimmt für ehemalige Zöglinge der von der Allianz in Tunis und im Orient unterhaltenen Ackerbauschulen. Sodann erstattete der Schatzmeister Bericht über Einnahmen und Ausgaben. Er beklagte cs, daß die Zahl der Mitglieder der Allianz nicht zunehme, und erklärte es als erforderlich, die Propaganda wieder aufzunehmen. Herr Konsul Simon aus Hannover sprach einige Worte des Dankes an die Allianz für ihre eifrige und segensvolle Tätigkeit zu Gunsten der unglücklichen und kulturell zurückstehenden Juden und brachte in ergreifender Weise die Anerkennung zum Ausdruck, die die Gesellschaft ihrem Präsidenten H»rrn Narcisse Leven schuldet: auf den Vorschlag des Redners erhob sich die ganze Versammlung voller Begeisterung zu Ehren Herrn Leven's, der seit 40 Jahren hingebungsvoll für die Allianz wirkt. Dieser ergriff tiefgerührt das Wort und dankte herzlich für die ihm dargebrachte Huldigung. Die Fortschritte der Allianz wären nicht auf ihn zurückzuführen, sondern vielmehr auf alle die Mitarbeiter, die ihm stets treu zur Seite gestanden und die heute lvie vordem ihre Kraft in den Dienst der Allianz stellten. Zu ihnen gehöre in erster Reihe Herr Konsul Simon, dessen Verdienste um das Judentum nicht zu hoch veranschlagt werden könnten. Ferner gedachte der Präsident aller Derjenigen, die sich der Allianz als Helfer beigesellt, besonders der bewährten Männer, die es ihr ermöglichten, die schöne Bibliothek zu gründen, in der man tage und die man an diesem Tage einweihe. Vor Allem sei der verewigte I. M. Rothschild zu nennen; ihm sei es zu verdanken, daß die Allianz heute eine jüdische Büchersammlung besitze, wie keine zweite in der ganzen Welt vorhanden sei. Auf das allgemeine Werk der Allianz zurückkommend, betonte Herr Leven zum Schluß, daß es sein Ziel noch nicht erreicht habe und daß es sich immer weiter ausdehnen müsse zum Besten unserer leidenden und bedrückten Glaubensbrüder und zur Ehre der gesamten Judenheit. Das Tuberkuloseserum Marmorek. Heilung der Lungenschwindsucht. — Genesung nach sechs Einspritzungen. — Ein Bericht des Dr. Jaguerod. — Einspritzungen von fünf Kubikzentimeter. - Partielle Wirkungen. — Befreiung von Bacillen. — Die Koch-Lymphe. — Das Urteil eines Fachmannes. Paris, Mai. .Die ersten, oft leidenschaftlichen Polemiken, die sich an die Mitteilungen des ehemaligen Laboratoriumschefs im Institut Pasteur, Dr. Alexander Marmorek, geknüpft haben, sind nach und nach verstummt, und die medizinischen Blätter von Paris veröffentlichen nunmehr die ersten Beobachtungen der Aerzte über die von ihnen mit dem Marmorek-Serum angestellten Versuche, die übereinstimmend dahin lauten, daß die erzielten Resultate unter den gegebenen Umständen als vollauf befriedigend angesehen werden müssen und neue umfassendere nach jeder Richtung hin berechtigen. So enthalten die Sitzungsberichte der Loeists äs Thörapeutique eine hochinteressante Mitteilung der Doktoren Le Neels und De Cormisres über die Heilung einer galoppierenden Lungenschwindsucht durch das Marmorek-Serum. Es handelt sich um eine 33jährige Nonne in Lisieux, die unter den bedenklichsten Symptomen im September 1903 von den beiden Aerzten in Behandlung genommen wurde. Die Behandlung währte bis zum 15. Jänner 1904 in sechs Serien von Einspritzungen und ergab bei einer letzten Prüfung der Patientin am 20. Jänner die Feststellung der Tatsache, daß die Genesung vollständig ist. Der „Progrss Msdical" veröffentlicht die Beobachtungen, die in der Rothschild-Klinik auf Montmartre und in Epinal vorgenommen wurden und die durchwegs befriedigende Resultate ergaben. Von größter Wichtigkeit ist eine Mitteilung, die das angesehenste Pariser Fachblatt, die „Revue de Mödecine", aus der Feder des De. Jaguerod, des Direktors des Sanatoriums Chamossaire in Leysin, veröffentlicht. Der Verfasser des in medizinischen Kreisen berechtigtes Aufsehen hervorrufenden Artikels verweist darauf, daß die klinischen Versuche mit dem Serum Marmorek noch in den Kinderschuhen stecken, und daß es deshalb die Pflicht aller Aerzte ist, ihre Erfahrungen mit dem Marmorek-Serum zu veröffentlichen, um über dessen Anwendung bestimmte Anhaltspunkte zu liefern. Dr. Jaguerod, der etwa 300 Einspritzungen in seinem Sanatorium vorgenommen hat und über neun Behandlungssälle berichtet, bemerkt ausdrücklich, daß er auf Wunsch des Doktor Marmorek nur sehr schwere Fälle in Behandlung genommen hat und daß er aus Vorsicht nur verhältnismäßig geringe Quantitäten Serum einzuspritzen pflegte. Der Verfasser schreibt - dann: „Wir sind wie auf unbekanntem Boden mit der größten Vorsicht und oft mit Furcht vorgegangen. Wir haben heute die Gewißheit erlangt, daß das Serum ohne jede Gefahr angewendet werden kann, und die Resultate, die wir erzielt, genügen, um uns zu veranlassen, diese fortzusetzen. Wir erachten, daß es vor Allem nötig ist, den Kranken in die besten hygienischen und Ernährungsbedingungen und unter die strenge Aufsicht des Arztes zu bringen. Wir werden in Zukunft zwei regelmäßige Serien von Einspritzungen in Abständen von zehn Tagen und dann zwei oder drei Einspritzungen von fünf Kubikzentimeter mit einem Tage Unterbrechung durch eine sehr lange Zeit vornehmen. Und wenn wir keine Heilung erzielen, so werden wir uns mit einer Besserung begnügen, in den Fällen (aus die allein wir diese Behandlung anwenden), in denen trotz der Anwendung der besten therapeutischen Mittel und der vollendetsten hygienischen Bedingungen die Krankheit sich offenkundig verschlimmert oder keine Spur von Besserung zeigt. Da das Serum nur auf das Toxin und nicht auf die durch die Bacillen hervorgerusenen anatomischen Verschlechterungen wirkt, so begreifen wir, daß seine Wirkungen oft nur partielle sind. Nimmt man an, daß das Toxin neutralisiert, der Bazillus im Organismus unschädlich gemacht ist, so wird darum noch nicht die Heilung erzielt. Man muß den Leucocyten die Zeit lassen, das Terrain zu säubern, das kranke Organ von den zahlreichen Bazillen, mit denen es angehäuft ist, zu befteien. ... Es währte länger als zehn Jahre, ehe man erkannte, welchen Nutzen man aus der Koch-Lymphe in der Behandlung der Tuberkulose ziehen kann, einen sehr kleinen, aber unbestreitbaren und manchmal glänzenden Vorteil. Wir glauben, daß es noch einer langen Zeit bedürfen wird, ehe man ein endgiltiges Urteil über den Wert des Serums Marmorek abgeben kann. Wir haben aber den Eindruck, daß bis heute dieses die wichtigste und nützlichste Entdeckung ist, die auf diesem Gebiete gemacht wurde." Ein Verwandter Dreyfus' im Ktnegsministerium. In Paris sind die nationalistischen Blätter sehr ergrimmt über die Ernennung des Obersten Valabrsgue, der an Stelle des scheidenden Generals Gervais zum Kabinetschef des Kriegsministers ernannt worden ist. Der Oberst ist Jude und mit Dreyfus verwandt. Die nationalistischen Blätter behaupten Andrs beabsichtige, Verrat an Frankreich zu üben. Marineminister Pelletan über den Antisemitismus. Dem ftanzösischen Marineminister Pelletan zu Ehren war jüngst in Constantine ein Bankett veranstaltet worden. Der Vertreter dieser Stadt in der Deputiertenkammer, Dr. Aubry, erinnerte in einem Trinkspruch aus den gefeierten Gast an die nicht lange zurückliegende Zeit, da die Straßen von einem fanatischen Mob gefüllt waren, der harmlose Bürger beleidigte, ihr Leben und Eigentum mit dem Ruf „nieder mit den Juden"

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