Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 22 (27.5.1904)
- Date
- 1904-05-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 22 Dr Blocb’s TRUocbenscbritt Seite 353 bedrohte. Herr Pelletan kennzeichnete in seiner Antwort die Verfolgungswut, den unwürdigen und törichten Rassenkrieg der Antisemiten und fährt fort: „Der Antisemitismus, diese Lieblingsmaske der Reaktion, hat mich immer in Erstaunen versetzt. Die zwölf Apostel waren doch Juden, und ich frage mich, wie sie auf die Erde zurückkehrten. Und war nicht Jesus selbst ein Jude, wenigstens durch seine Mutter? Stellen Sie sich den heiligen Josef vor, der, plötzlich erstanden, in eine Kirche eintreten will, um das Bildnis seines Sohnes zu sehen. Wie verwundert würde er sein, wenn der Gnadenvolle ihm erzählte, daß er zu der verdonnerten Rasse gehöre und nicht ferner das Recht habe, auf Erden zu erscheinen!" Petersburg. (Die Maßregelung des „ Wosc li o d“.) Der russische „Regierungsbote" vom 10. d. M. publiziert folgende Verfügung des Ministeriums des Innern vom 7. Mai a. c.: „Auf Grund des § 144 der Zensurvorschriften und der Statuten für Preßerzeugnisse, B. XIV der Gesetzsammlung, Ausgabe 1890, hat der Minister des Innern verfügt: Angesichts der schädlichen Richtung der Zeitschrift „Wosehod“, welche in den in dieser Zeitschrift für das laufende Jahr publizierten Artikeln „Zur Charakteristik unserer Rechtlosigkeit" (Nr. 9), und „Ohne Ausweg" (Nr. 14), in den Korrespondenzen aus Odessa und Kischenew (Nr. 5 und 11) und in den Feuilletons „Außerhalb des Niederlassungsrayons" (Nr. 6) und „Aus den Erinnerungen" (Nr. 9) zum Ausdruck gelangt ist, soll der Zeitschrift in der Person ihres Herausgebers und Redakteurs, Hof- und Gerichtsadvokaten Syrkin, die dritte Verwarnung erteilt werden unter gleichzeitiger Einstellung der Druckschrift „Wosehod" aus die Dauer von sechs Monaten." — Die inkriminierten Artikel des in Petersburg seit sechsundzwanzig Jahren bestehenden, der Verteidigung der Interessen unserer Volksgenossen in Rußland gewidmeten Journals „Woschod“ hatten Tatsachen und Erscheinungen aus dem Leben der Juden in Rußland teils bekannt gegeben, teils beleuchtet. Gt. Konstantinopel. (I u f s u f E f f e n d i Krieger.) Nach kurzer Krankheit ist einer der vornehmsten jüdischen Beamten des ottomanischen Reichs im Alter von 66 Jahren gestorben. Exzellenz Jussuf Effendi Krieger war von Geburt Ungar und hat sich schon in seiner Heimat, später in der Türkei, wohin er zu Beginn des Krimkrieges übersiedelt war, mit großem Eifer d-s Studiums der modernen orientalischen Sprachen befleißigt. Er bewies so große Intelligenz und Tüchtigkeit, daß er schon in verhältnismäßig jungen Jahren eine Anstellung bei der türkischen Regierung erhielt, zuerst in Smyrna, später in Jerusalem, wo er dem Gouverneur als Sekretär und Dolmetscher beigegeben wurde. In dieser Stellung hat er sich sehr ausgezeichnet und große Beliebtheit erworben. Seine glänzenden Sprachkenntnisse — er sprach deutsch, englisch, italienisch, ungarisch, türkisch, arabisch und persisch mit gleicher Gewandtheit —, seine elegante äußere Erscheinung und seine liebenswürdigen Umgangsformen machten ihn zur geeignetsten Persönlichkeit beim Empfang fremder Souveräne, die seinerzeit die heilige Stadt besuchten. Zwanzig Jahre lang hatte Jussuf Effendi seine Stellung inne, die ihm auch Gelegenheit geboten hatte, sich eifrig für seine Glaubensgenossen und deren öffentlichen Angelegenheiten zu interessieren und das Studium des Hebräischen, in dem er ein großer Gelehrter gewesen, zu fördern, als er im Jahre 1882 infolge von Jntriguen nach Konstantinopel zurückberufen wurde. In jener Zeit hatten protestantische Missionäre sich in Jerusalem eifrig mit Judenbekehrungen beschäftigt, und Jussuf Effendi hatte mit allen Kräften diese Tätigkeit bekämpft. Als der amerikanische Gesandte bei der Pforte, Mr. Wallace, Jerusalem besuchte, war Jussuf Effendi mit seinem Empfang beauftragt worden und auf die Einbläsereien der Missionäre und einiger christlicher Notabeln wurden ihm vom Gouverneur verschiedene Formfehler zum Vorwurf gemacht, wurde seine Entlassung beantragt und verfügt. In Konstantinopel nahmen sich jüdische Freunde in hohen Staatsstellungen des Gemaßregelten an, und nach wenigen Monaten erhielt er die Stelle als Direktor der politischen Angelegenheiten bei der Regierung in Salonichi — ein höherer Posten als der in Jerusalem — nach zehnjähriger Amtstätigkeit kam er in dasselbe Amt nach Rhodus, und 1900 ging er nach Konstantinopel zurück, wo er Mitglied der Jnspektionskommiffion des Unterrichtsministeriums wurde und Delegierter dieses Ministeriums beim Post- und Telegraphenministerium. In diesen Aemtern wirkte er bis zu seinem Hinscheiden. Der Beerdigung wohnten der Großrabbi der Türkei, der Unterrichtsminister und Abordnungen zahlreicher jüdischer Gemeinden bei. Unter den dreißig Orden, die dem Sarg nachgetragen wurden, befinden sich die vornehmsten türkischen Auszeichnungen und viele hohe Orden europäischer Höfe. Der Sultan hat der Familie des Verstorbenen sein Beileid aussprechen lassen und als Zeichen der Anerkennung für vierzigjährige treue Dienste durch ein Jrade die Aemter Jussuf Effendi's auf deffen ältesten Sohn übertragen. Neto-York. (Das „I e w i s h Theologien! Sem lnary" trägt sich mit d e m P l a n e i n e r jüdischen Universität.) Die Direktoren der New-Aorker Filiale des „Jewish Theological Seminary" hegen den Plan, eine israelitische Universität zu gründen, die alle ähnlichen Lehranstalten des Landes übertreffen soll, sowie israelitische Hochschulen in der Stadt New-York zu etablieren in Verbindung mit anderen Filialen des Leminars in anderen Städten der Vereinigten Staaten., Diese Projekte wurden gestern Abend in der ersten öffentlichen Versammlung diskutiert, die unter den Auspizien der erstgenannten Gesellschaft im Saale der „Educatwnal Alliance" an East Broadway stattfand. So begierig waren die Israeliten der unteren Qstseite, den Vorsitzer, Hilfs-Komptroller N. Taylor Phillips, und andere reden zu hören, daß die Halle bald bis auf den letzten Platz gefüllt war. Die Nachzügler, denen der Zutritt verwehrt ward, sprengten die Tür mit Gewalt und über fünfzigt> von ihnen fielen kopfüber die Treppe hinunter, die in ,den Saal führt. Das Geräusch erzeugte eine leicht begreifliche Bestürzung, und es wäre vermutlich zu einer Panik gekommen» wenn nicht Superintendent Blaustem von der „Educational Alliance" alle Unruhe im Kenne erstickt hätte. Vorsitzer Phillips erklärte t ei der Eröffnung der Versammlung, daß in den zwanzig Jahren der Existenz des Seminars nie ein Appell an das Publikum um Sympathie und finanzielle Hilfe für das Institut erlassen worden sei, jetzt aber, nachdem man beschlossen, eine Universität zu gründen, sei dafür die Zeit gekommen, und er sei überzeugt» daß der Rnf nicht ungehört verhallen werde. Dr. Cyrus Adler, der Präsident der Exekutive des Seminars, sagte, es tue ihm leid, daß der Name dieses Instituts nicht den Zweck verrate, den die Gründer im Auge gehabt. „Wir wollen junge Männer zu Lehrern und Rabbinern erziehen", erklärte Herr Adler, „und den Sinn für israelitische Literatur im ganzen Lande erwecken. . Wir trachten nach der Sympathie und der Unterstützung aller jüdischen Gemeinden. Wir wollen aber nicht nur Lehrer und Rabbiner heranbilden, sondern auch Hochschulen hier und in anderen Teilen des Landes etablieren. Wir wollen uns auf dieselbe Stufestellen, auf welcher die großen Lehrinstitute stehen, und eine Universität gründen, die sich mit Harvard, Aale und John Hyskins' messen kann. Dies scheint uns der rechte Weg zu sein, um die Freude an israelitischer Literatur zu wecken und die jüdische Religion in den Vereinigten Staaten zu verbreiten. Die Juden sind ein praktisches Volk und gehen in praktischer Weise vor. Trustee Marshall. Professor Solomon Schechter und Rev. H. Masilansky hielten Ansprachen in demselben Sinne. Vermischtes. Kranzablöfungsfpenden zu Gunsten der Chewra - Kadifcha Wien, l.. Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenaffen. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Dr MorizMünzer: Von Wilhelm B. Wolf K 2.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Tr. Moriz Landau: Von Bela Max £ 5.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Fanni Bukowitz: Von Arnold Goldschmid K 15.—, Dr. Leopold Goldschmid £ 10.—, Fanny Hauser K 10.—. Emmy Mayer K 10.—, Heinrich Ornstein £ 10.—, Edmund Goldschmid K 20.—, Ignaz und Rosa Pollak £ 20.—, Dr. Ludwig Kreitner E 10.-, Adelheid Goldschmid K 30. - , Ignaz und Ernestine Beck £ 10.—, Fanni Epstein £ 6.—; zusammen K 151—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Leo I a i t e l e s : Von Jakob und Marie Kann K 2o —, Josef Fuchs K 5.-, Albert Winterberg K 10.-, Adolf Rosenbanm K 20. - , Fritz Rosenbaum und Frau £ 10—, E. H. Hirsch X 100.-, Ai artin Zehden K lo.—, Pauline Kary K 20.—, Ludwig Medak K l(r -. Moriz und Henriette Heller £ 50.—, Isidor Elias £ 20.—, Arnold Nowak E 10.—; zusammen £ 285.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Leopold B e r l: Von Heinrich Rauschburg K 30.—, Viktor, Gustav. Paul, Ferdinand Rauschburg, Budapest E 40. , Hermann von Back E 60. , Antonie Hescheles K 30. , Z. Kerner K 5.—, Sigmund Planer K 5.—, Berger & Hohenberg K 10.—, K. R. Moriz Hirsch E 20.-, Bertold Sensky K 10.-, Wilhelm Lang K 5.-, Arnold Adler £ 10.—. Dr. Adolf Adler K 10.—, Karl u. Arn. Schmeichler £ 20.; zusamen £ 255.- . Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Antonie Braun: Von Elias Schall K 2 —, Max Schall E 2.—, Philipp Braun K 2 —; zusammen K 6—. Anläßlich des Ablebens des sel Herrn Jakob Fischer: Von Gustav Marburg £ 4.— , Emanuel I. Steiner, Karlsbad £ 2.—, Verein „Vikar Cholim“ £ 3 —, Hermann Sonnenfeld £ 2.-, K. N. K 3.—. Adolf Mittler £ 4. -, Hugo Weiß, Mauer bei Wien £ 4.—, B. F. £ 10. -; zusammen £ 32.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Betli E i s e n st ä d t e r: Von Friedrich Löwith £ 10.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Erna K o h n: Von Ern' und Rosa Kohn £ 20.— .