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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-05-27 · 22 (27.5.1904) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
22 (27.5.1904)
Date
1904-05-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 L)r. Llocd's MlocdenscdrM. Sette 349 Wir kennen diese Worte, wir wissen, wie sie geschrieben und wie sie ausgesprochen werden. Von einer „geduldeten Gastfreundschaft" spricht der Herr Professor, der vielleicht sogar — wir wissen es nicht — Professor in Deutsch ist. Noch eine kleine Anstrengung und wenn er von einer erduldeten Gastfreundschaft sprechen wird, dann wird er so ungefähr das Richtige getroffen haben. Er will den Bauernstand, die Gewerbetreibenden, die anderen Stände, die Literatur, das Zeitungswesen, die Hoch- und die Mittelschule vor den Juden erretten und sonst nichts. In der Tat, es gibt nur eine Rettung — zurück zum Mittelalter! Von den Wiener Parteigrößen war der Reichsratsabgeordnete Prohazka erschienen, um ein Provinz-Gastspiel zu absolvieren. Er brachte Grüße vom großen Dr. Lueger mit und sicherte sich damit eine gute Aufnahme. Auch sonst weiß er, was wirkt. „Ich gehe mit allen Mitteln gegen die verschiedenen Juden vor, sei er nun Gelehrter oder Binkeljude". Das hört man immer gerne. „Wir sind gut christlich, wir verehren unsere Religion und Priester, sind aber keine Betbrüder". Auch das hört man gern. Man gibt sich einen liberalen, freigeistigen Anstrich, ohne seinem Klerikalismus etwas zu vergeben. Und dann tritt Kooperator Wurm auf und bespricht die Pilgerfahrt nach dem heiligen Lande. Das hört man erst recht gern. Das heilige Land! Ob der Redner wohl seinen Zuhörern e^ählt hat, daß das heilige Land das Land der Juden ist, der Juden, aus deren Religion das Christentum hervorgegangen ist. Ob er wohl erzählt hat, daß, wenn es ein Volk auf der Welt gibt, dem die christlichen Klerikalen, wenn sie wirklich fromm sind, sich in tiefer Dankbarkeit verpflichtet zu fühlen haben, es das der Juden ist? Der Bericht des „Deutschen Volksblatt" enthält darüber keine nähere Mitteilung. _ Whig. Einer jüdischen Mutter Vermächtnis nn ihre Tochter. Mitgeteilt von Adolf Fried, Lehrer in Tabor. An mein zärtlich geliebtes Kind Fanni! Da ich mich so schwach fühle, daß ich einsehe, ich werde von Dir, mein teures Kind, scheiden müssen und Dir mit meinen mütterlichen Ermahnungen und meiner Leitung nicht mehr zur Seite sein werde, so will ich Dir selbe schriftlich hinterlassen und hoffe, Du wirst weder rechts noch links abweichen und Dich darnach halten. E r st e n s. Habe Gott stets vor Augen und vertraue auf ihn mit ganzer Seele! Bei Deinem Erwachen sei Gott Dein erster Gedanke und bei allen Deinen Unternehmungen habe auch Vertrauen auf ihn und er wird Deinen Fuß nicht wanken lassen. Sei fromm, aber ungeheuchelt fromm. Wenn es Dir möglich ist, bete täglich; wenn es aber nicht möglich wäre täglich, so sei der Sabbat dazu, daß Du Gott für die empfangenen Wohltaten Deinen aufrichtigsten und herzlichsten Dank darbringst. Entweihe nicht mutwillig den Sabbat, z. B. mit Tragen von einem Gebiete ins andere oder durch eine andere Tat. Du weißt, der Sabbat ist ein von Gott geheiligter Tag, mögen Dich immer Deine aufgeklärt sein wollenden Gespielen verlachen; Du halte Dich an die Gebote Gottes und er wird Dich nicht verlassen und seine väterliche Hand wird Dich vor jeden Abgrund schützen. Zweitens. Ehre und liebe Deinen treuen Vater mit der ganzen Stärke Deines Herzens, vertraue niemanden in der Welt Dein Anliegen, es dürfte klein oder groß sein, als Deinem lieben Vater. Wer wird Dir auch aufrichtiger raten als er? Aergere ihn nicht, lasse Dich leiten und befolge in jeder Hinsicht seinen väterlichen Rat; denn Du findest in dieser Welt, so groß sie auch ist, keinen Freund als Deinen treuen Vater, sei ihm in allem zuvorkommend, murre und widersprich nicht, wenn er Dich straft und nimm die Strafe stillschweigend an. Du wirst einmal einsehen, daß alles nur zu Deinem Besten ist. Gehet im Hause etwas vor, was Deinen Vater ärgern könnte, und es vor ihm verschwiegen bleiben kann, so mache es im Stillen ab und erspare ihm Verdruß. Seine Gesundheit zu schonen, sei Dein aufrichtigstes Bestreben; denn er muß Dein Vater und Mutter, ja Dein Alles in dieser Welt sein. Gehe ihm aus dem Wege, wenn er sich ärgert; und wenn er ausgetobt hat, so bitte ihn mit Tränen, sich ein anderesmal nicht zn ärgern und seine Gesundheit zu schonen, damit er sich für Dich lange gesund erhalte. Du aber, meine Fanni, mußt trachten, was in Deiner Möglichkeit ist, ihn vor Verdruß zu schonen, nicht aus dem Hause zu gehen, wenn es nicht unausweichlich notwendig ist; Du weißt, daß das Herumlaufen eines Mädchens zu nichts Gutem führen kann, zwar begreifst Du jetzt in diesen Jahren noch nicht so, aber je älter Du wirft, destomehr wirst Du einsehen und Deine Mutter, die manche dergleichen Beispiele gesehen hat, sagt es Dir, so kannst Du es also sicher glauben. Drittens. Verfahre mit Eleonora gut, fahre sie nicht aufbrausend an, begegne ihr mit Güte und ohne Murren, ohne mit ihr zu stoßen und danke Deinem Schöpfer, der Dir gerade Glieder gab. Denn es hätte ja der Fall sein können, daß Du so ein elender Krüppel geworden wärest, so denke nur immer daran und gehe mit ihr um, wie sich's gebührt, mit der Schwester Deines Vaters umzugehen, denn Du mußt bedenken, sie ist von Menschen abhängig und von aller Welt verlassen; ihre Stütze ist nur der Bruder, welchen Gott lange erhalten möge. Viertens. Gehe im Hause mit den Dienstboten gut und sanft um, und wenn Du etwas verlangst, so sei es mehr bittend als befehlend. Schaffe nichts mit gebietendem Tone oder Zank und Geschrei; sie werden Dir alles mit Freuden tun, wenn Du in der Güte forderst; wo nicht, so wirst Du beiseite von ihnen nur verlacht. Die Dienstboten werden trotzig und machen es Dir zum Verdruß nicht so, wie Du es willst, oder sie machen es ganz und gar nicht. Sei nicht eigensinnig, um Gottes willen bitte ich Dich darum; das ist ein großes Laster und Du wirft bei der Welt verächtlich dadurch. Keine Lüge lasse Dir zuschulden kommen! Was Du nicht ganz sicher weißt, das sage nicht weiter und auch, wenn Du es weißt, so schweige. Das ist eben ein Laster, wo man bei der Welt alles verliert. Ueberhaupt trage ich Dir auf, Deine Zunge im Zaume zu halten; auch, was Du nicht gefragt wirst, wenn es auch kein Dir anvertrautes Geheimnis ist, brauchst Du nicht zu sagen. Vertraut Dir jemand ein Geheininis an, so sei es bei Dir im Herzen tief begraben, daß es nicht Deinen Lippen entweiche. Versprich nicht, was Du nicht halten kannst, Du bist nicht von Dir abhängig. Bist Du einmal selbständig und Du wirst etwas leisten können, so halte Dein Wort heilig und gib, was Du einmal versprochen. Ueberhaupt sei gegen Arme gefällig und gib ihnen ihre kleine Gabe mit freundlichem Antlitze. Das ist Gott gefälliger, als wenn Du mit Murren und Scheltworten viel geben möchtest; denn das Los des Armen ist ohnehin traurig genug. Sei überhaupt gegen die ganze Welt freundlich und meine es mit jedem gut, so wirst Du Dir auch viele Freunde erwerben. Gehe ordentlich und freundlich mit den Leuten im Gewölbe um; lasse Dir, Gott behüte, nicht einfallen, schlecht zu wägen oder zu messen, das verbiete ich Dir auf dem Sterbebette. Auch wenn Dir jemand mehr Geld gibt, als Dir zukommt und Du weißt davon, so gib es ohne weiteres zurück, denn so was würde Dir keinen Segen bringen. Trachte daher, Deinen ehrlichen Namen immer unbefleckt zu erhalten; das ist unser Reichtum, nicht aber das Geld. Lasse Dich von niemanden verführen und glaube nicht jedem, der sich zu Dir gut stellt; denn es gibt leider sehr wenige, die es mit einem aufrichtig meinen, selbst Btutfreunde nicht. Nimm Dich daher sehr in acht und glaube unter Tausenden einem, erinnere Dich an meine Moral, die ich Dir oft mündlich zu predigen Pflegte und auch diese meine gut gemeinten Ermahnungen lese oft und ich hoffe zum allgütigen Schöpfer, Du wirst vvn der Bahn der Tugend weder rechts noch links abweichen, wozu Dir Gott der Allmächtige gewiß beistehen wird. Sollten Dich einst Mißgeschicke treffen, was jeder Mensch doch unterworfen ist, so nimm es mit der größten Geduld an und Dein Vertrauen auf Gott stärke Dich mehr; denn der allliebende Vater züchtigt seine Kinder bloß zu ihrem Besten. Nimm Dir ein Beispiel von mir. Welche harte Schläge und mit welcher

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