Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 21 (20.5.1904)
- Date
- 1904-05-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Seite 343 hervorgegangen, durch seine große Persönlichkeit, in wesenlosem Scheine hinter ihm verschwinden. Und so wird Esra in Wahrheit zum Neuerer, zum Reformator Selbst ans priesterlichem Geschlechte und seinen Stammbaum bis auf den Hohepriester Aaron zurückführend, zertrümmerte er die Omnipotenz des Priestertums, als es in Verknöcherung geraten, um „das ethisch-religiöse Wesen des Judentums", das in dieser Verknöcherung unterzugehen drohte, zu retten. Er setzte an die Stelle der alten degenerierten Aristokratie die Demokratie. „Zehn Verordnungen werden ihm von der Ueberlieferung zugeschrieben, unter denen sich folgende finden: Das Vorlesen der Thora am Nachmittag eines jeden Sabbaths und das Vorlesen der Thora am zweiten und fünften Tage in jeder Woche (Lada Lama. 8t a). Mit dieser Einrichtung war d e n P r i e st e r n e i n e i h r e r h e r vorrage nd st en Prärogativen, nämlich die ausschließliche Bewahrung der Thora, entzogen. Auch die Reduzierung der Andacht auf die Opferstätte war aufgehoben, da die Thora außerhalb des Priesteraufenthaltes vorgelesen wurde. Das Ansehen der Priester wurde dadurch ein geringeres, und was die Altardiener verloren, das haben die thorakundigen Laien gewonnen. Der Gottesdienst hörte auf, ein ausschließliches Privilegium der Söhne Aaron's zu sein und wurde ein Besitztum des ganzen Volkes. So wie den Ausschreitungen der Priester, so suchte er auch denen der Leviten entgegenzutreten .... Ein solch rücksichtsloses Vorgehen gegen die Diener des Altars und gegen die Beamten der Religionspolizei haben ihm gewiß den Haß beider maßgebenden Stände zugezogen. Die Forderung der Andacht auf Kosten der Opfer schien ihnen eine arge Verletzung der alten ehrwürdigen Vorschriften. Auch die Aufseher und Richter erblickten in ihm einen Neuerer, der uralte, geheiligte Einrichtungen mutwillig beseitigen wollte. Sie konnten sich zu seinen Höhen religiös-ethischer Anschauung nicht emporschwingen, klebten an dem Buchstaben des Gesetzes, ohne seinen Geist zu begreifen (S. 22 ff). Und so gelangt Gelbhaus — und dies immer an der Hand talmudischer Ueberlieferungen — zu der Schlußfolgerung: „Durch die Verbreitung der Gesetzeskenntnis in die weitesten Vollsichichtcn wurde das erreicht, was die Propheten . nicht erreichen konnten, nämlich die Erfüllung des Volksbewußtseins mit monotheistischreligiöser Weltanschauung. Aber noch ein anderes wurde dadurch bewirkt, die Emanzipation des Volkes von der priesterlichen Herrschaft. Die Laien waren nicht mehr von den im Besitze des Gesetzes sich befindenden Altardienern abhängig. Sie konnten über Recht und Unrecht, über Rein und Unrein, über Heilig und Profan selbst entscheiden. Ja, da die Kenntnis der Lehre der Väter allgemeines Eigentum wurde, so stellte man sogar die Priester unter die Kontrolle der gesetzeskundigen Laien. So teuer und so köstlich erschien die Thora einem jeden im Volke, daß es nicht gleichgiltig war, ob die Aaroniden ihre Funktionen blos mechanisch ausüben, oder ob sie auf der Höhe würdiger Gottesdiener stehen, indem sie die Gipfel des Wissens erstiegen haben . . . Dieses Resultat war ein Sieg der neuen Zeit über die vorexilische Epoche. Es triumphierte die freie geistige, wisse nschaftlicheRichtung über den mechanisch-klerikalen Kon servatismu s." (S. 34 f.) Wir haben hier aus den vielen nur ein markantes Beispiel herausgehoben, um zu zeigen, wie unser Verfasser unter ständiger Herbeiholung des von den Bauleuten verachteten Bausteines, den er zum Eckstein seiner Geschichtskonstruktion macht, das Bild Esras aus dem es umlagernden Gerölle herauszuschälen sucht; und man wird es ihm zugute halten müssen, wenn die Meißelung, da die Liebe den Griffel führte, allzu glatt und allzu glänzend ausgefallen. Es bleibt das Verdienst unseres Verfassers, welches mit einer vornehmen Handbewegung nicht abzutun sein wird, mit so vielem und so berechtigtem Nachdruck auf das im Talmud aufgespeicherte historische Material hingewiesen zu haben und so der gebieterischen Forderung : auäiatur et altera xar8! in vollem Maße gerecht worden zu sein. _ —n— K. L. Während der ganzen Dauer seiner hervorragenden Tätigtrat Jokai in Wort und Schrift auf das Eifrigste und Energischste für die Rechte unserer Glaubensgenossen ein. In unzähligen Reden, Artikeln, Humoresken, in vielen Episoden seiner Romane, in den Dialogen seiner Dramen, stets verteidigte er in edelster Sprache die arme, verfolgte Herde Israels. In lebhafter Erinnerung dürfte noch sein, wie er im ungarischen Parlament für die orthodoxe Judenheit Ungarns mit Wärme und Eifer eingetreten ist. Auch bei dem Prozes; in Tisza-Eszlar verfehlte er nicht, seine Meinung zu Gunsten der Juden in einer Weise auszusprechen, die keinen Zweifel an seiner Gesinnung ließ. An der Seite des um fünfzig Jahre jüngeren Weibes schrieb Jokai die Verteidigung seiner Ehe, den Roman: „Em bejahrter Mann ist kein alter Mann." Auch in diesem Romane fand er herrliche Worte für Juden und Judentum. Wir haben alle Ursache, um deu Heimgegangenen zu trauern. I. F. in New-Pork. E. Carmoly, Ulstoire des medeeius juiks aueieus et modernes. Brüssel 1844. Dr. Isaak Münz, Jüdische Aerzte im Mittelalter. Berlin 1887. Richard Landau, Geschichte der jüdischen Aerzte. Berlin 1895. Tie beiden letztgenannten Schriften wird die Buchhandlung Calvary, Berlin, über unsere Aufforderung Ihnen zusenden. K. Die Anregung zur Centenarseier Salomon Sulzer's ist zu allererst von Herrn Emil I e l l i u e k ausgegangen und seiner rührigen Initiative ist die Veranstaltung zu danken. „Ein Neugieriger " Der Betreffende ist selbstverstündltch bereits Jahrzehnte getauft. M. Maulnrr, Prag. Ter 7. Kislew 5579 war Samstag, 5. Dezember 1818. Zur SulzerFeier. Mehrere an uns gerichtete Anfragen, in welcher Weise die Besucher der am letzten Donnerstag stattgefundencn herrlichen Feier ihrer Dankbarkeit gegen die Gesellschaft des jüdischen Museums Ausdruck geben könnten, glauben wir dahin beantworten zu sollen, daß Spenden in jedem Betrage dankend angenommen werden. Die Redaktion dieses Blattes ist gerne bereit, solche Beträge entgegenzunehmen und sie ihrem Zwecke zuzuführen. Z. 4567 ex i904. Kurrdurachrmg. Es wird hiermit zur Kenntnis gebracht, daß ausschließlich >iinachbenannten Verkaufsstellen für Koschersleisch unter der besondert« Aufsicht des Rabbinates der Kultnsgemeinde stehen: Im I. Bezirk. „ II. „ I V.* XIV. „ XVI. „ XVII. „ XIX. XX. Ignaz Weinstein, Seitenstettengasse Nr. 3; I. Axelrad. Krummbaumgasse Nr. 2; Alexander Fuchs, Untere Augartenstraße 7; Ignaz Gerstl, Malzgasse 7; Nathan Lustig, Leopoldsgasse 49; I. Reiß» Leopoldsgasse Nr. 31; Wilhelm Schäfer. Kolonitzplatz 7; Johann Fleischhacker, Schönbrunnerstraße Nr. 15; Ernst Fuchs, Sechshanserstraße Nr. 35; Franz Swadosch, Hofferplatz 10; Heinrich Äohn, Qttakringerstraße Nr. 86; Josef Fischer, Osterleitengasse 2; CH. Sch. Nussenbaum, Jägerstraße 5. Nur für die hier genannten Verkaufsstellen übernimmt da» Rabbinat die Verantwortlichkeit in Betreff des Kaschrus. Wien, im Mai 1904. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde. Kriefkasterr. F. Diese Nachricht kommt jetzt aus Südafiika. Der Attorney- General der Kapkolonie, T. L. Graham, hat seine Bereitwilligkeit ausgedrückt? „eine Erklärung im Judendeutsch, wie eine in einer anderen europäischen Sprache anzunehmen." Es ist bereits ein Dolmetscher für das Judendeutsch angestellt. Hiermit ist eins der erschwerendsten Hindernisse jüdischer Einwanderung im britischen Südafrika gefallen. Und Südafrika ist ein gutes Feld für Einwanderer, die arbeiten wollen und — können. L. in Berlin. Antisemitisch ist in Karlsbad: Hotel Morgenstern. Hotel National. Hotel de Russie. Residenz-Hotel. Cafe Sanssouci. Haus Grillparzer, Alte Wiese. Haus Röm. Feldherr, Neue Wiese. Haus Oelzweig, Marienbaderstr. Hans Jtalia, Schloßberg. Haus Florenz, Schloßberg. Haus Stadt Warschau, Kaiserstr. Haus Malta, Kaiserstr. Haus Rosenstock, Kaiserstr. Haus Brandenburg. Thor, Kreuzstr. Haus Germania, Schloßberg. Haus Preuß. Krone, Egerstr. Haus Egeria, Egerstr. Haus Diamant, Egerstr. Haus Engl. Krone, Egerstr. Haus Schubert, Parkstr. F. In der russischen Provinz Podolien wurden bis jetzt 62.733 Rubel für den Krieg von den Juden gesvendet. Dies läßt auf die große Summe schließen, welche die Spenden der Juden in ganz Rußland ausmachen. Kundmachung. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien verlantbart hiermit, daß auf Grund getroffener Vereinbarung bis auf Weiteres die Herren Beschneidungs-Operateure (LlobeUm) med. Chir. Dr. Adolf Herzfeld, II.. Praterstraße 11, med. Univ. Dr. Max Schönfeld, II, Obere Donaustraße 89, med. Univ. Dr. Alexander Stärk, V., Schönbrunnerstraße 91, med. Univ. Dr. Alois Hauser, XVII., Mariengasse 25, Beschneidnngen von Kindern unbemittelter Personen ohne Honorierung seitens der Partei» auf Rechnung der Kultusgemeinde, vornehmen. Unbemittelte Personen, welche eine derartige Begünstigung wünschen, haben dem Beschneidungs-Operateur eine diesbezügliche Anweisung zu übergeben, welche im Matrikclamte der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 2, eventuell in den Kultus- Bezirksämtern XV., Turnergasse 22, XVI., Hubergasse 8, XVIII,, Schopenhauerstraße 39, während der Amtsstunden von 9 vis 12 Uhr vormittags erhältlich ist. Wien. 1. Mai 1904. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien.