Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 21 (20.5.1904)
- Date
- 1904-05-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 Dr. Llocd's MocdenscvrM. Sette 339 New-Nork.Jn den letztenWochen find fast auf jedem Schiff mehrere hervorragende Vertreter des deutschen Adelsstandes eingetroffen, und der kürzlich hier angekommene Dampfer „Blücher" unter Kommando des Kapitäns E. Kopff brachte eine kleine Gesellschaft, darunter sich Fürst Philipp Ernst M. zu Hohenlohe- Schillingsfürst, besser als das „Reichskind" bekannt, welchen Beinamen er erhielt, nachdem sein Vater Chlodwig zum Reichskanzler ernannt worden war, befand. In seiner Gesellschaft reisen ferner seine Schwester, Prinzessin Elisabeth zu Hohenlohe, Lieutenant Viktor Erbprinz von Ratibor und dessen Schwester Prinzessin Elisabeth von Ratibor, Prinz Karl von Ratibor, königlicher Regierungs-Präsident in Aurich (Hannover), und Felix Moritz Graf von Rumerskirch, Rittmeister im 11. Uhlanen- Regiment des österreichischen Heeres. Die Hoheiten reisen mit großer Dienerschaft und sind während ihrer New-Dorker Anwesenheit im „New Netherland" abgestiegen. Das „Reichskind" macht den Eindruck eines in den besten Jahren stehenden Landedelmannes. Er ist groß gewachsen, robust gebaut und strotzt von Gesundheit. Daß er nicht in Vorurteilen befangen ist und das Leben auch im Kreise einer bunt zusammengewürfelten Schiffsgesellschaft zu genießen versteht, kann man aus den folgenden Nummern eines Konzertprogrammes ersehen, das zum Besten der Seemannskasse an Bord des Dampfers „Blücher" ausgeführt wurde: Gesangsvorträge: Se. Durchlaucht Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst. (Klavierbegleitung Herr Felix Kohn.) a) Richard Wagner: ..Lied an den Abendstern". l») Lortzing: „Auch ich war ein Jüngling." c) Tosti: „Noii rn’ama Pin“. Gesangsvorträge: Herr Felix Kohn. (Klavierbegleitung Ihre Durchlaucht Prinzessin von Ratibor.) a) Koß: „Winterlied".!>) Grieg: „Ein Traum", e) Leoncavallo: „Hüll Dich in Tand". Duett für Tenor und Bariton. Bariton: Se. Durchlaucht Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst; Tenor: Herr Felix Kohn. a) Mendelssohn: „Sonntagsmorgen". b) „ „Herbstlied", e) „ „Gruß". Herr Kohn ist ein Kaufmann aus Wien und kommt in geschäftlichen Angelegenheiten nach New-Iork. Das Konzert war „ein durchschlagender Erfolg, finanziell sowie künstlerisch", wie es in der Vereinssprache heißt, und die Zuhörer amüsierten sich famos und der Witwen- und Waisenkaffe der Hamburg-Amerika- Linie konnte durch das Zusammenwirken eines Wiener Kaufmannes mit einem erblichen Mitglied der Kammer der Reichsräte in Bayern ein hübscher Zuschuß gemacht werden. Aus Montrettl in Canada wird uns geschrieben: Kein Land ist für jüdische Kolonisationszwecke so geeignet wie das freie Canada. Das Klima entspricht genau demjenigen von Rußland, der Boden ist überaus ergiebig. In Canada sind sämtliche Konfessionen vollkommen gleichberechtigt und es gibt da keine herrschende Landeskirche. Land steht namentlich in Südwestcanada, wo auch die „Jca" bekanntlich 2 Kolonien hat, reichlich jedem Einwanderer zur Verfügung und diese drängen auch von allen Seiten herbei. Selbst aus dem freien Amerika kommen alljährlich Tausende von Emigranten nach Canada, um sich daselbst als Ackerbauer niederzulassen. Aus Deutschland sind in den letzten 5 Jahren 10.000 Familien mit 70.000 Seelen herübergekommen. Jedermann, welcher nach Canada herüberkommt und der Regierung seinen Willen kundgibt, sich als Kolonist zu betätigen, erhält gegen die Summe von nur 10 Dollars in einer gesunden Gegend 160 Acres vortrefflichen Bodens. Der Empfänger hat sich schriftlich zu verpflichten, während der ersten 3 Jahre sich mindestens 6 Monate im Jahre auf seiner Parcelle aufzuhalten und diese zu bearbeiten. Nach Ablauf dieser Zeit erhält er auf die 160 Acres den Besitztitel, wodurch das Land sein vollkommenes Eigentum wird. Hin und wieder werden die Einwanderer vom Staate auch anderweitig unterstützt. Dieses war namentlich bei den Duchobortsi der Fall, welche von den Behörden Monate hindurch ernährt und selbst mit barem Gelde unterstützt wurden. Wir find fest davon überzeugt, daß eine wohlorganisierte und gutgeführte Auswanderergesellschaft von der kanadischen Regierung besonders wertvolle Privilegien erhalten könnte. Der kanadische Generalkonsul in London erteilt auf diesbezügliche Anfragen gern erschöpfende Auskunft. Vermischtes. Wien. Für die Konfirmation der Mädchen im Stadt- und Leopoldstädter Tempel wurde heuer die dankenswerte Neuerung getroffen, daß an die Eltern und Verwandten der Konfirmandinnen vom Kultusvorstande Einladungen ergingen und für sie die Plätze im Bethause reserviert waren. Hiedurch herrschte eine bisher nicht gewohnte Ordnung in unseren Gotteshäusern. Wien. (Trauung.) Sonntag den 22. Mai l. I., um 3 Uhr Nachmittags, findet im israel. Tempel, X., Humboldtgasse 10 die Trauung des Fräulein Valerie Adler, Tochter des Herrn Philipp Adler, mit Herrn Max Pernetz statt. Wien. Der Verein „Os eh Chesed“, II. Schiffamtsgasse 5, hat Herrn Kantor Josef Benedikt für seine trefflichen Funktionen Dank und Anerkennung ausgesprochen. Wien. Montag den 16. d. M., 6'/* Uhr abends, fand in der neuen Synagoge, VIII., Neudeggergaffe 12, eine Trauerfeier nach dem verstorbenen Vorsteher Herrn Abraham Adler statt. Unter den im schwarzdrapierten Tempel zahlreich Erschienenen bemerkte man: Herrn Kultusvorsteher S. K a u d e r s, Herrn Landesgerichtsrat Dr. Spitz köpf, die Vorstände verschiedener Tempelvereine, die Herren Rabbiner Doktor A b e l e s, Dr. Bach, Dr. Gelbhaus, Dr. Mandl, Herrn Inspektor Prof. K anitz, die Herren Kantoren Bauer, D ü n e m a n n, Fuchs, P e k a r n i k, S m o t r i tz k y, den - Gesamtvorstand des Josefstädter Tempels, alle Zöglinge der Josefstädter Bibelschule, geführt vom Lehrer S p r i n z e l e s, die trauernde Familie u. v. a. Eingeleitet wurde die Feier mit dem Psalm: 8ehim u sosz Kol ho ammim, vorgetragen von Herrn Oberkantor K w a r t i n, mit Chorbegleitung. Nach Anzünden des Seelenlichtes würdigte Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Doktor Bauer die Verdienste des Verstorbenen in einer gedankenreichen, formvollendeten Rede, die aus alle Zuhörer großen Eindruck machte. Der Chor unter Leitung des Herrn Kantor Edelmann stimmte dann in stimmungsvoller Weise das „Schiwissi" an, worauf Herr Oberkantor K w a r t i n ein meisterhaftes, ergreifendes Kl inole rachamim vortrug. Mit dem Maarivgebete schloß die würdige Feier. Wien. Zu Beginn des Sommers, namentlich im Hinblick auf die Saison der Ferienkolonien, stellt sich das lebhafte Bedürfnis heraus, für die verwaisten Kinder, die armen Pfleglinge der Kultusgemeinde, entsprechende Kleidung zu beschaffen. Sicherlich tun wir keinen vergeblichen Schritt, wenn wir an die wohlhabenden Familien die Bitte richten, sie mögen uns durch freundliche Zuwendung von Kleidungsstücken jeglicher Art in den Stand setzen, die Not dieser Aermsten in dieser Hinsicht zu lindern. Daß hiedurch auch in moralischer Hinsicht ein Gutes geschieht, bedarf keiner besondern Erwähnung, geht ja gewöhnlich mit der äußeren die innere Vernachlässigung Hand in Hand. Gefällige Zuschriften und Sendungen wollen gerichtet werden an Direktor I. Mautner, II., Leopoldsgaffe 3. Wien. Für den „Verein jüdischer Brustkranker auf dem Lande" sind uns von Herrn Hermann Altar in Proßnitz K 4.— zugekommen. Wien. (Bibelschule Währing.) Donnerstag den 12. d. M., um 10 Uhr vormittags, hat im Währinger Temvcl, Schopenhauerstraße 39, eine öffentliche Prüfung der daselbst befindlichen Lese- und Bibelschule stattgefunden, welche von Herrn Lehrer Dt. Zeckendorf, resp. Herrn M. Stengel geleitet wurde. Dieser Prüfungstag gestaltete sich zu einem Ehrentag für die beiden Herren Lehrer wie auch für deren Schüler, welche fast die ganze jüdische Schuljugend Währings umfaßt. Während das Mittelschiff des Tempels von den Schülern ausgefüllt wurde, füllten deren Eltern und die geladenen