Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 21 (20.5.1904)
- Date
- 1904-05-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 336 Dr. Vlocb's 'Mocdenscvrttl. Nr. 21 im engsten Anschluß an die offiziellen Vertretungen der jüdischen Gemeinden sich wirklich gedeihlich entwickeln könne. Nach dieser fast einstimmigen Befürwortung der Eröffnung statistischer Arbeiten trat man an die Organisierung des jüdischstatistischen Bureaus für Oesterreich im Sinne des Referats von Dr. Nossig heran. Die oberste Leitung, sowie die finanzielle Basierung desselben wurde einem Kuratorenkollegium anvertraut, welches sich vorläufig aus folgenden Persönlichkeiten zusammensetzt: Oesterreich: Präsident Dr. Alfred Stern, Hofrat Siegmund Taussig, David Ritter v. Gutmann, Oberrabbiner Doktor Güdemann, Hofrat Prof. Dr. Politzer, Dr. Edmund Kohn, Baurat Stiaßny, Prof. Dr. Ehrmann, Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, Prof. Dr. F. Pribram, Dr. Wilhelm Löwy. Galizien : Reichsratsabgcordneter Dr. Emil Byk, Reichsratsabgeordneter Dr. Heinrich Kolischer, Samuel R. v. Horowitz, Direktor Moritz Lazarus, Dr. Natan Loewenstein, Prof. Dr. I. Rosenblatt, Dr. I. Horowitz. Böhmen: Dr. Hammerschlag, Prag. In den Vorstand des Bureaus, welchem die Exekutive und die wissenschaftliche Leitung der Arbeiten obliegt, wurden nachstehende Herren gewählt, respektive eingeladen: Doktor Edmund Kohn, Dr. Wilhelm Löwy, Dr. A. Ascher, kaiserl. Rat Lieben, Prof. Dr. Ehrmann, Baurat Stiaßny, Dr. Adler, Dr. P. Weisengrün, Dr. A. Kaminka, S. Fleischer, Doktor N. Birnbaum, Dr. Weißenstein, Rabbiner Dr. Grunwald, Prof. Dr. Feilbogen, Dr. I. Sadger, Dr. Frankftlrter, Dr. Holzmann, Dr. Wilhelm Pappenheim, Dr. E. F. Weisl, Dr. Salomon Krenberger, Gabriel Engelsmann, Dr. I. Bloch, Dr. E. M. Zweig, Dr. Siegm. Werner, Dr. I. Löwy. Der Vorstand, welcher die Vertreter sämtlicher jüdischen Organisationen Wiens und aller jüdischen Parteien, sowie eine Reihe wissenschaftlich, qualifizierter Kräfte umfaßt, wird sich in Sektionen teilen. Ci» «euer Verein zur Kolonisation Palästinas. Das Werk der Besiedelung Palästinas durch Juden hat durch eine neue Organisation, die eben in Wien geschaffen wurde, eine bedeutsame Förderung erfahren. Ist schon die Tatsache, daß zu den bestehenden Kolonisationsgesellschaften eine neue hinzugetreten ist, an sich von großer Tragweite, so lassen die Umstände, unter denen die österreichische Organisation entstanden ist, gerade diese Neuschöpfung als einen wesentlichen und von allen jüdischen Parteien mit gleicher Sympathie zu begrüßenden Fortschritt der Palästinabewegung erscheinen. Die Initiative zur Gründung des Kolonisationsvereines ging in Wien von den an der Spitze der Kultusgemeinde stehenden Kreisen aus. Der Präsident Dr. Alfred Stern, hatte, von Oberrabbiner Güdemann und Baurat Stiaßny aufs Wärmste unterstützt, trotz seiner absorbierenden Amtstätigkeit die Zeit gefunden, alle organisatorischen Vorarbeiten persönlich durchzuführen, und sich dadurch um das Gelingen des neuen Werkes ein hohes Verdienst erworben. Die konstituierende Versammlung des österreichischen Kolonisationsvereines fand am Freitag den 13. Mai 1904 über Einladung des Präsidenten Dr. Alfred Stern im großen Sitzungssaale der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde statt. In beredten, mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Worten fitzte Präsident Dr. Stern auseinander, wie schon während der unlängst geschlossenen Palästina- Ausstellung der Gedanke, einen solchen Verein in Wien ins Leben zu rufen, aufgetaucht wäre. Er wies auf das große Ziel hin, welches Vereinen dieser Art, wie etwa der in Deutschland bestehende „Esra", vorschwebt, und sprach die bestimmte Erwartung aus, daß alle Parteien der jüdischen Gemeinden Wiens und anderer österreichischer Städte an diesem Werke in voller Einigkeit und in regster Weise sich beteiligen werden. Hierauf erteilte der Vorsitzende das Wort an Dr. Alfted Nossig, der als Vertreter des Pariser Zentralkomitees und der Berliner Propaganda-Kommission der Kolonisationsvereine im wesentlichen Folgendes ausfühlte: Seit kurzer Zeit macht sich ein mächtiges Aufblühen der Arbeit an dem palästinischen Siedelungswerke bemerkbar Es entstehen neue Gesellschaften zu genossenschaftlichem Bodenkauf in Palästina. Zwei große Organisationen, die sich früher, allerdings aus verschiedenen Gründen, an der Kolonisationsarbeit in Palästina nicht beteiligten, die Jca und der politische Zionismus, greifen nun mit erheblichen Mitteln ein. Die Palästina-Kommission hat die Erforschuugstätigkcit ausgenommen, es werden Schulfarmen, Handelsgesellschaften und neue Kolonien gegründet. Die Kolonisationsvereine endlich erwachen zu neuem, kräftigem Leben. In den letzten sechs Monaten ist für das Palästinawerk mehr geschehen als in den letzten sechs Jahren. Diese erneuerte Tätigkeit ist darauf zurückzuführen, daß die jüdischen Kolonien nach einer langjährigen Krise, welche durch mannigfache Fehler in der Anlage und der Führung derselben veranlaßt war, endlich zu wirtschaftlicher Blüte gelangt sind und das Siedelungswerk demnach gute Aussicht bietet. Wenn nun heute an die Bildung neuer Kolonisationsvereine geschritten wird, so muß schon das Statut derselben so verfaßt sein, daß jene verhängnisvollen Fehler der ersten Versuchsperiode vermieden werden Dem österreichischen Verein fällt die Aufgabe zu, ein derartiges, auf den bisherigen Erfahrungen und auf gesunden wirtschaftlichen Prinzipien basiertes Musterstatut zu entwerfen. Das alte Unterstützungssystem, welches Schnorrerbauern züchtete, muß durch das der wirtschaftlichen Selbständigkeit vertreten werden. Die Kolonisation soll nicht nur eine landwirtschaftliche, sondern auch eine industrielle sein, nicht nur Palästina, sondern auch die Nachbarländer umfassen. Alle mit einer rationellen Kolonisationstätigkeit zusammenhängenden Maßnahmen, wie Erforschung des Landes, Versuchsstationen, Auskunft für bemittelte Emigranten, Bildung von Siedelungsgenossenschaften, Erwirkung günstiger Ansiedlungsbedingungen bei den Landesverwaltungen n. s. w. müssen in das Programm der Kolonisationsvereine ausgenommen werden. Hierbei müssen die Vereine mit dem früheren System, kleine, vereinzelte, lebensunfähige Schöpfungen auf eigene Hand zu gründen, prinzipiell brechen und in ständiger Zusammenarbeit mit allen verwandten Institutionen an dem großen, planvollen Siedelungswerke nach Maßgabe ihrer Kräfte sich beteiligen. Die Diskussion eröffnet D. E. F. Weisl, Vizepräsident der allgemeinen österreichischen Kolonialgesellschaft, mit fachmännischen Bemerkungen über die erwünschteste Methode der Kolonisation in Palästina. Er warnte vor überstürzter Großkolonisation und verlangte vorsichtige Kleinkolonisation auf wachsender Stufenleiter. Auch sollte die Kol'nisation nicht reine Ackerbaukolonisation, sondern eine gemischte, also auch gewerbliche sein. Schließlich betonte der Redner die Unerläßlichkeit der Kooperation, da nur mit großen Mitteln wirklich Bedeutendes geschaffen werden könne. Hierauf erhob sich Architekt Oskar Marmorek, Mitglied des Aktionskomitees der zionistischen Organisation, um im Namen seiner Parteigenossen den neuentstehenden Kolonisationsverein aufs Wärmste zu begrüßen. Er gab die Erklärung ab, daß die Leitung des politischen Zionismus, unter Wahrung ihres abweichenden Standpunktes und ihrer weiter reichenden Ziele, die Förderung der Palästinakolonisation durch andere wichtige Gruppen der Judenheit nur als hochwillkommene Unterstützung ihrer eigenen Bestrebungen auffassen könne und demzufolge dem österreichischen Kolonisationsverein die gewiß nicht zu verachtenden Kräfte ihrer Partei voll zur Verfügung stelle. lieber Antrag des Rabbiners Dr. David wurde nun, angesichts der Einhelligkeit, mit der alle Anwesenden der Idee der Gründung eines Kolonisationsvereines zustimmten, eine Kommission gewählt, welche sich mit dem Entwürfe der Satzungen und den Vorbereitungen zur Organisierung des Vereines zu beschäftigen hat. Die Kommission setzt sich aus folgenden Herren zusammen: Präsident Dr. Alfred Stern, Dr. Rudolf Auspitz, Oberrabbiner Dr. Güdemann, Baurat Stiaßny, Architekt Oskar Marmorek, Dr. Bloch, Rabb. Dr. David, R. Rappaport, Dr. E. F. Weisl, Dr. Wilhelm Pappenheim. Hierauf schloß Präsident Dr. Stern die Versammlung mit der Aufforderung, d ß alle Anwesenden für die Entwicklung des Vereines, der in Bälde seine Tätigkeit aufnehmen dürfte, wirken mögen. Prag. Unter dem Vorsitze des Präsidenten der isr. Kultusgemeinde Dr. A. Rosenbacher hat sich am 4. d. M. in Prag ein Komitee zur Veranstaltung einer Palästina-Ausstellung gebildet, dem die hervorragendsten Mitglieder der Kultusgemeinde beigetreten sind. Behufs Einladung der staatlichen und städtischen Behörden delegierte das Komitee die Herren Landesschulrat Dr. Bendiener und Rabbiner Prof. Dr. Kisch, sowie den Leiter der Ausstellung Direktor Hartmann von der Karmelgesellschaft in Wien. Die Herren begaben sich am Donnerstag den 5. d. M. zum Statthalter Sr. Exzellenz Grafen Coudenhove. Seine Exzellenz empfing die Delegation sehr wohlwollend, bedauerte durch seine am selben Tage stattfindende Abreise zur Kur nach Karlsbad an der Teilnahme verhindert zu sein und empfahl derselben, das große Publikum durch Vermittlung der Presse für die Ausstellung zu interessieren. Der Präsident der böhmischen Abteilung des Landeskulturrates Seine Durchlaucht Fürst Lobkowitz bedauerte, aus bestimmten Gründen der Eröffnung nicht beiwohnen zu können, versprach jedoch bestimmt, die Exposition zu besichtigen. Sodann besuchten die Herren den Bürgermeister Herrn Dr. S r b, der sein Erscheinen in der Ausstellung in bestimmte Aussicht stellte. Herr Polizeipräsident Hofrat Krikava versprach, der Eröffnung beizuwohnen, ebenso in Abwesenheit des Präsidenten der deutschen Sektion des Landeskulturrates Herr Vizepräsident Dr. Edler von Kirchtreu. Die Palästina-Ausstellung, welche im Monate März und April in Wien stattgefunden hat, wurde am 6 Mai d. I. vom Präsidenten der isr. Kultusgemeinde Dr. A. Rosenbacher unter Anwesenheit des Polizeipräsidenten Hofrat Krikava, des Vizepräsidenten der deutschen Sektion des Landesschulrates Herrn Dr. Edlen v. Kirchtreu, sowie vieler geladener Gäste und der Vertreter der Tagespreise im Prunksaale des „Hotel Eentral" in Prag eröffnet. In tiefempfundener und außerordentlich sympathisch aufgenommener Rede schilderte Herr Dr. A. Rosenbacher den Werdegang der jüdischen Kolonisationsbewegung in Palästina und empfahl die Ausstellung der Förderung aller Palästinafreunde, da sie den unwiderleglichen Beweis dafür erbringt, daß wir.aus die Kulturarbeit, die unsere Brüder als Pionniere im heiligen Lande geleistet haben, stolz sein können. Alsdann ergriff Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld das Wort zur Festrede, in