Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 21 (20.5.1904)
- Date
- 1904-05-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 21 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Sette 335 Wort gesprochen: „DieLiebe zum Sittlichgeben allern istdieEthikdesLebens, alles andere gehört zur Technik des Lebens."") Wie eine wortgetreue Uebersetzung dessen hört sich der folgende Lehrsatz Kan t's an: „Geschieht die Willensbestimmung zwar gemäß dem moralischen Gesetze, aber . . . nicht um des Gesetzes willen, so wird die Handlung zwar Legalität, aber nicht Moralität enthalten.") Auf den Willen, die Gesinnung kommt alles an. Diese muß rein sein. Das Gesetz ist Dir gegeben zu Deinem Glück, zu Deinem Wohle, aber Du darfst dies nicht vor Augen haben. Du mußt das Gute üben um des Guten selbst willen. Der kategorische Imperativ ist das Primäre, die Nützlichkeit das Sekundäre. Das erste ist die ethische Forderung, das letztere die psychologische pädagogische Förderung-") Wohin kämen wir auch, wenn das Verhältnis ein umgekehrtes wäre? Was wäre die Folge? La bete humaine. Und was nun vollends den Erfahrungsbeweis betrifft, so braucht es nicht erst des Näheren erklärt zu werden, was es seit undenklichen Zeiten war, das bei allem Wehe die jüdische Familie wie mit einem Glorienschein verklärte. Doch nur jenes Zauberwort: Lsedew schomajim, das auch aus ihren Söhnen jene Helden machte, „die stärker waren als die Löwen, flüchtiger als die Adler, zu vollführen den Willen ihres Schöpfers und den Wunsch ihres Bildners", das aber nichts anderes als die alte traute, uns so liebgewordene Formel des kategorischen Imperativs ist. Wir glauben kaum, daß durch seine Aufnahme unsere Thora diskreditiert wird. Nicht um eine gewaltsame Aufnahme desselben, in der Thora, nein, darum handelt es sich, um diese gegen den Makel und Mangel zu verwahren, als ob sie nicht die Höhe des kategorischen Imperativs erreicht hätte. N e n t i t s ch e i n, im Mai l904. Dr. Simon Mandl, Rabbiner. Korrespondenzen. . Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 15. Mai 1904 unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn der Sitzung 10 Uhr vormittags. Im Einlaufe gelangen zur Verlesung: Spenden. Von N. N. zur sofortigen Verteilung an: die Armenanstalt. X 100.— das Präsidium . . 100.— die Ehewra-Kadischa „ 100.— die Talmud-Thora für arme Schulkinder. „ 50.— den Verein zur Ausspeisung armer Schulkinder der Brigittenau . „ 50.— Rekonvaleszente . „ 50.— den Wöchnerinnenverband. - . . . „ 50.— Von Herrn Gustav Weishut, Hamburg, zur Verteilung an Arme ..... . „ 100.— „ Frau Dora Fischer, für das Mädchen-Waisenhaus „ 10.— Im Präsidialberichte bringt der Vorsitzende ein Telegramm der Kultusgemeinde Krakau zur Verlesung, mit welchem von dem plötzlichen Hinscheiden des Präsidenten der Kultusgemeinde Herrn Hirsch Landau Mitteilung gemacht wird. Der Präsident bemerkt, daß er dem Beileide des Wiener Kultusvorstandes anläßlich des Hinscheidens des hochverdienten Mannes in einem Telegramme Ausdruck gegeben habe. (Zur Kenntnis.) Weiters nimmt der Vorsitzende Anlaß, der „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums" für die Veranstaltung der in der abgelaufenen Woche unter überaus zahlreicher Beteiligung stattgehabten musikalischen Sulzer-Gedenkfeier den wärmsten Dank und die Anerkennung auszusprechen, desgleichen allen Jenen, welche zu dem glänzenden Gelingen der Feier beigetragen haben. (Lebhafte Zustimmung.) Zur Tagesordnung übergehend, wird beschlossen, die Ersatzwahl für das durch das Ableben des Vorstandsmitgliedes Heinrich Teltscher freigewordene Mandat gleichzeitig mit den im Herbste dieses Jahres stattfindenden Neuwahlen vorzunehmen. ") Lazarus: Die Ethik des Judentums, S. 127. ") Kritik der praktischen Vernunft, S. 87. ") Lazarus, a. a. o. Es gelangen hierauf über Referat des Sekretärs kais. Rat Dr. Lieben folgende Stiftungen zur Verleihung: Die Elise Herz-Ausstattungs-Stiftung im Betrage von K 760.— an eine arme verwaiste Braut; die Cohen da Sylva-Handwerker-Stiftung im Betrage von X 760.— behufs Etablierung an einen vom Handwerkervereine in Vorschlag gebrachten Bewerber; die Dr. Adolf Sacks-Stiftung für Herz- und Aortakranke an 7 Petenten mit dem Betrage von jährlich je X 6OO X 42OO 1 „ „ „ „ „ „ „ „ 360 „ 360 7 „ „ „ „ „ „ „ „ 240 „ 1680 2 „ „ „ „ „ „ „ „ 204 „ 408 2 „ „ „ „ „ „ „ 144 „ 288 9 „ „ „ „ „ „ „ „ 120 „ 1080 Zusammen X 8016 Die Erträgnisse des Hajum S. Goldschmidtffchen Legates für das Jahr 1904 im Betrage von X 48.300.— werden an die bereits im Vorjahre beteilten Vereine und Anstalten aufgeteilt, u. zw.: Talmud Thora-Verein, Bibelfchulen und Talmud Thora-Vereine, Unterstützung verlassener Kinder, Unterstützung armer Schulkinder, Israelitisch-theologische Lehranstalt behufs Errichtung einer Religionslehrer-Bildungsanstalt, Präsidialfond für Rigorosanten, L. D. Königsberg-Stiftung, Lehrerverein „Palme", Kinderbewahr - Anstalt, Speise - Anstalt, Wöchnerinnen-Verband, Beth Hamidrasch-Verein, Handwerkerverein, Theresien-Kreuzer- Verein, Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Jüdisches Museum, Lehrmädchen-Hort, Verein für Brustkranke, Mädchen- Unterstützungsverein. Dem jüdischen Schulvereine im IX. Bezirke wird eine Subvention bewilligt. Ueber Ansuchen des Vereines zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder der Bezirke XII—XV wird beschlossen, den genannten Verein auf die Spendentafel des Fünfhauser Gemeindebethauses aufzunehmen. Entsprechend dem Anträge des Fünfhauser Bethausvorstandes wird der ehemalige Oberkantor der Fünfhauser Gemeinde, Herr Leopold Stern s. A., in die Haskarah des genannten Bethauses ausgenommen. Der Nanette Schlesinger-Stiftung zur Verpflegung armer Kranker in Baden wird eine ordentliche Subvention von X 400.— und eine außerordentliche Subvention von X 400.— bewilligt. Nach Erledigung einer Reihe von Personal-Angelegenheiten wird die Sitzung geschlossen. Organisation der jüdischen Statistik in Oesterreich. Aehnlich wie die Judenheit anderer Länder, Deutschland und England voran, haben nun auch die Juden Oesterreichs unter Leitung maßgebender Kreise der Wiener Gemeinde ° die Organisation ihrer Statistik auf moderner Grundlage in Angriff genommen. Im Namen der österreichischen Mitglieder des Kuratoriums des allgemeinen „Verbandes für jüdische Statistik" lud Dr. Edmund Kohn die Vertreter der namhaftesten jüdischen Bevölkerung zu einer Sitzung ein, welche Mittwoch den 11. Mai im Zeremoniensaale der israelitischen Kultusgemeinde zu Wien stattfand und die Gründung eines Bureaus für jüdische Statistik in Oesterreich zum Zwecke hatte. Nachdem Dr. Armand K a min k a zur Führung des Protokolls berufen worden war, schilderte der Vorsitzende in seiner Eröffnungsansprache die Entwicklung der erst seit kurzem bestehenden, aber bereits über die ganze Welt ausgedehnten Organisation für jüdische Statistik und forderte die Anwesenden auf, das so zeitgemäße und aus so vielen Gesichtspunkten unerläßliche Werk in Oesterreich aufzunehmen. Hierauf ergriff der aus Berlin eingetroffene Vorsitzende des Verbandes für jüdische Statistik, Dr. Alfred Nossig, das Wort zu einem Referat, in welchem er auf die praktische Bedeutung der jüdischen Statistik hinwies und den Organisations-, sowie den Arbeitsplan des zu gründenden Bureaus entwickelte. Mit Nachdruck hob es der Referent hervor, daß die statistische Organisation nur :0V- -• '! f