Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 20 (13.5.1904)
- Date
- 1904-05-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 20 Dr. Blocb’s MlocbenscbrM. Seite 823 nehmen, daß Sie stch in freundlicher Weise bereit erklärt haben, die Verfrachtung der gespendeten Gegenstände unentgeltlich bis zur russischen (Grenze zu besorgen, und empfangen Sic auch die Versicherung meiner vollkommenen Hochachtung und Ergebenheit. Ter kaiserlich russische Botschafter: Graf P K willst in.;> " Wien S e h r g e ehrt e r H e r r Redakte U r! In dein in der vorigen Nummer Ihres Blattes enthaltenen Berichte über die Generalversammlung der „ Oesterreichisch - Israelitischen Union" befindet sich am Schluffe die Bemerkung: „Zum Schluffe gab noch Herr Dr. Zins eine Anregung in einer gewerblichen Angelegenheit. An der Diskussion hierüber beteiligten sich die Herren Dr. Schreiber, Zerkowitz und Ornstein. Da meines Erachtens mehr der Inhalt u n d G c g e n st a n d als die Tatsache der Anregung Ihre Leser interessieren dürfte, ersuche ich Sie, mir zu gestatten, in diesem Punkte den Bericht zu ergänzen. Nachdem ich erklärt hatte, das; ich weder eine Interpellation zu richten, noch einen "Antrag zu stellen beabsichtige, brachte ich den auch in den Tagesblättern besprochenen Fall deS Cafe Lurion zur Sprache, dessen Besitzer vom Magistrat und Stadtrat nach monatelangem Hinhalten trotz Einschreitens eines sehr angesehenen und einflußreichen Advokaten ohne Anführung von Gründen die Aufstellung von Tischen und Sesseln vor dem Kaffehause verweigert wurde, wodurch dem Eigentümer nach erst vor wenigen Monaten erfolgter Investierung eines sehr bedeutenden Kapitals der Fortbetrieb des Geschäftes nach Eintritt der warmen Witterung unmöglich gemacht und dessen Ruin herüeigesührt wurde, trotzdem das Aufstellen von Tischen und Sesseln vor den Kaffee- und Gasthäusern allgemein üblich ist, mit Recht vorausgesetzt wird und speziell das Cafö Lurion durch seine Lage mehr als die meisten anderen Lokale ohne Passagestörnng sich hiezu eignet. Ich wies darauf bin, daß dies lediglich aus konfessionellen respektive parteipolitischen Gründen geschah, woran umso weniger gezweiselt werden könne, als nicht nur gar keine Gründe angegeben wllrden, sondern das „Deutsche Bolksblatt" in einem langen Artikel in schwungvollen Worten diese Erledigung als ein neues großes Verdienst der herrschenden Partei in der Bekämpfung der jüdischen Konkurrenz glorifizierte. Ich schloß mit der Bitte, der Vorstand möge auch diesem krassen lokalen Fall einer Erwägung unterziehen und die ihn; erforderlich scheinenden Sch itte ergreifen. Das mit dem Vorsitz betraute Vorstandsmitglied Herr Dr. Schreiber gab hierauf eine entschieden ablehnende Aeußerung ab, indem er bemerkte, die Erledigung sei nicht aus konfessionellen, sondern aus gewerberechtlichen Gründen erfolgt, die Kommune lege auch den privaten Elektrizitäts- Gesellschaften allerlei Schwierigkeiten in den Weg, die Sache scheine sich ihm daher für ein Einschreiten der „Union" nicht zu eignen, worauf ich entgegnete, daß bei der Bekämpfung der Elektrizitäts-Gesellschaften für die Kommune Konkurrenzgründe obwalten, die betreffs des fraglichen Kaffeehauses nicht in Betracht komnien und daß über die verschwiegenen Beweggründe das „Deutsche Bolksblatt" wohl besser informiert sein dürste. Die anderen beiden im Berichte genannte;! Herren haben, soviel ich ihren nicht deutlich vernommenen Ausführungen entnehmen konnte, meine Anregung unterstützt. Mit besten! Danke für die Veröffentlichung dieser Zeilen zeichne ich hochachtungsvoll Dr. Z i n s. Lemberg. „Wiek Novy" meldet zu den Unruhen in der Umgebung von Kolomea und Kossow: Die Ruthcnen veranstalteten unlängst in Zabie, Kolomea und Kossow große Exzesse gegen Polen und Juden. Die Unruhen find darauf zurückzuführen, daß unter der rnthenischen Bevölkerung vielfach verbreitet wurde, daß die Polen und Juden schuld an den Niederlagen der Russen seien. Als nun die Asseutiernngskommission erschien und in Ermanglung stellungspflichtiger polnischer und jüdischer Männer ausschließlich rnthenische Bauernsöhne assentiert wurden, revoltierten die Bauern, zogen vor die Häuser der Polen und Juden, zertrümmerten die Fensterscheiben, demolierten und plünderten die polnischen und jüdischen Kaufläden, zerrten polnische und jüdische Männer, Frauen und Kinder auf die Straße und schlugen sie blutig. Immer stärker schwoll die Masse der Plünderer an, so daß die Gendarmerie sich gegenüber dem Pöbel ohnmächtig erwies und lediglich verhindern konnte, daß die rnthenischen Bauern ihre Drohung ausführten und die telegraphische Verbindung zerstörten. Inzwischen war von der Bezirkshauptmannschaft in Kossow militärische "Assistenz von Kolomea erbeten und bald eine Kompagnie des 24. Infanterie-Regiments unter Kommando des Hauptmannes Tomaschek entsandt worden, welche die Ruhe herstellte und durch Patrouillen die Telegraphenleitungen schützen ließ. In Kuty durchzogen die ruthenischen Bauern, Nationallieder singend, die Stadt und stießen Drohungen gegen Polen und Juden aus. Die Kaufleute schlossen die Geschästsläden und flüchteten. Drei Agitatoren wurden verhaftet. Auch nach Kuty wurde von Kolomea aus eine Militärabteilung entsandt. Infolge von Drohungen, welche von Bauern gegen die polnische und jüdische Bevölkerung ausgestoßen wurden, hat der Bezirkshauptmann von Kossow Maßregeln zur Sicherung der Ruhe und Ordnung verfügt. Gnlizien. Die Stadt Buczacz ist von einer Feuersbrunst schwer heimgesucht worden. Buczacz, der Sitz der gleichnamigen Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichtes, liegt im Stanislauer Kreise Galiziens, im ehemaligen Podolien, in 270 Meter Höhe an der Strypa, einem Nebenflüsse des Dnjester, und ist eine Station der Staatsbahnlinie Stry- Stanislau-Husiatyn. Tie Einwohnerzahl dürfte 12.000 erreichen, darunter mehr als 7000 Juden. Die Bevölkerung treibt Ackerbau und Handel, besonders Zucht von Pferden, die, ehemals sehr berühmt, heute noch den Ruf trefflicher Reit- und Zugtiere haben, Gerberei und Pottaschefabrikation, Essigerzeugung und anderes. Um Mitternacht vom 25. auf den 26. April ist das Feuer ausgebrochen, welches infolge des herrschenden Windes sich an mehreren Stellen der Stadt ausbreitete. Innerhalb weniger Stunden waren ungefähr 200 Häuser eingeäschert. Etwa 3000 Menschen sind unterstandslos. Zwei Personen sollen den Tod in den Flammen gefunden haben. — Der Brand wurde am 26. mittags lokalisiert. Außer den 200 Häusern der Stadt wurden im Vororte Nagorzanka achtzig Häuser eingeäschert. Die amtliche Judenhetze dauert fort. Die jüngst auch an dieser Stelle verzeichneten milderen Maßnahmen der Regierung Plehwe's gegenüber den Juden werden seitens der „Frankfurter Zeitung" als trügerisch und irreleitend bezeichnet. Der auf den russischen Juden lastende Druck der Ausnahmegesetze werde im Gegenteil von Tag zu Tag stärker. Erst dieser Tage meldete der „Kiewljanin", daß man daran gehe, aus dem Dorfe Nikolsk, Gouvernement Tschernigow (innerhalb des „den Juden offenen" Ansiedlungsrayons gelegen), 115 jüdische Familien, zusammen 600 Seelen, zu vertreiben, da sie sich dort entgegen den tenrporären Ausnahmegesetzen vom Jahre 1882 niedergelassen hätten! Die Land- Polizei hatte während zweier Jahrzehnte, im Interesse des Bezirkes, die Niederlassungen geduldet, manche Juden haben dort ihre besten Lebensjahre verbracht und sich und die Ihrigen durch redliche Arbeit ernährt — jetzt sollen sie zu Wanderbettlern gemacht werden. Jüdischer Grundbesitz in Russisch-Polen. Die . Gazetta Polska" veröffentlicht statistische Daten über den Grundbesitz der Juden in den zehn polnischen Gouvernements. Polen verfügt insgesamt über 11,297.000 Desjatin Bodenbesitz. Hiervon befinden sich, teils als Eigentum, teils als Pachtgut, 344.0^5 Desjatin, d. h. 8 Prozent, in den Händen von Inden. Von diesem Grundbesitz bilden 295.074 Desjatin Eigentum der Juden, während 48.351 Desjatin von ihnen gepachtet wird. Dieser Grundbesitz verteilt sich auf insgesamt 8828 Besitzer resp. Pächter. Hiervon sind 8301 Städter (Meschtschani), 370 Kaufleute erster und zweiter Gilde, 17 Mitglieder der „Intelligenz" und >21 ausgediente Soldaten, welche das Recht babcn, in Rußland Boden zu erwerben, resp. zu pachten. Von den 8250 Grundstücken, welche jüdisches Eigentum bilden, find 8250 (43-ö Perzent) Wirtschaftshöfe, während die übrigen 4032 (56'2 Perzent, im Ausmaße-von 9'8 Desjatin) nicht bewirtschaftet werden. Auf letzteren wurden Fabriken und Handelshäuser, insgesamt 1725, welche ebenfalls von Juden betrieben werden, errichtet.