Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 20 (13.5.1904)
- Date
- 1904-05-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Leite 322 Dr. Vlocb's Mocbenscvrttr. Sir. 20 Spenden. Von Herrn kais. Rat Leopold Sachs, znm Andenken an seine Schwägerin Frau Marie Sachs, für das Altersversorgungs- und Siechenhans . . . . . . K 1000.— „ Frau Helene Tellscher, aus Anlaß des Ablebens ihres Gatten Herrn Heinrich Teltschcr: für die israelitische Armenanstalt . . . . K 200.— „ das Glercheuberger Hospitz ...... 150.— „ den Talmud Thora-Verein.. 150.— „ „ Handwerkerverein . „ 100.— „ ,, Frauenhort . 100.— „ die israelitische Kinderbewahranflalt - „ 100.— „ den Waisenverein.. 100.— „ „ Präsidialfond. „ 100.-,, 1000.— „ M. Co. für 6 würdige jüdische Familien je X 50. - „ 300.— „ Herrn Julius Kohn, aus Anlaß des Ablebens seiner Schwiegermutter der Frau Cäcilie Kohn ... „ 200.— „ Herrn Dr. Emil Kohn, aus Anlaß des Ablebens seiner Mutter der Frau Cäcilie Kohn - - . „ 200.— „ Herrn Fritz Mendl, z. Verteilung an arme Wöchnerinnen „ 200. - „ Israel. Humanitätsverein „Bnai-Brith“, f. die Lämelschule in Jerusalem. ... 100. — „ Herrn Alois Hofmann: dem Wöchnerinnenverbande . K 50.— der Talmud-Thora-Schule für Ausspeisungszwecke ... - .. „ 50 — „ iOO.— „ Frau Rosalia Winter, zum Gedächtnis ihres verstorb. Gatten Ignaz Winter, für Arme .• „ 100.— „ Frau Sophie Quittner, anläßlich des Todestages des Herrn M Quittner, für 10 arme kranke Männer im Spital der Kultusgemeinde..„ 100.— „ Frau Laura Siebenschein: für Arme -. K 10.— „ den Wöchnerinnenverband. . . . „ 20,— „ 30.— „ Herrn Moriz Spitz, für Arme. . „ 20.— „ Frau Sarah von Stern, für die israelitische Kinderbewahranstalt -. „ 20.— „ Frau Friederike Mandl, f. d. Wöchnerinnenverband „ 15.— „ „ R Herzog, für eine arme, bedürftige jüdische Familie.• .. 10.— Entnähme der Sammelbüchsen im Stadttempel. für die Armen-Anstalt -.K 97.09 „ „ Chewra-Kadischa ....... 54.46 „ arme russische Juden - .. 25.53 „ 177.08 Von Herrn kais. Rat Wilhelm Pollak, ein ansehnliches Quantum Wein für die Armen der Bezirke XII—XV anläßlich des Passahfestes. „ Herrn Moriz Weiß, ein namhaftes Quantum Wein für die Armen ver Bezirke XII—XV anläßlich des Passahfestes. Wie«. (Ein ge send et.) Sehr geehrter Herr Redakteur! Angesichts der sehr niedrigen Gesinnung der Judenfeinde, welche auch bezüglich der Gastfreundschaft gegen Fremde in eklatanter Weise zum Ausdrucke kommt, drängte sich mir bei der Konfirmation meiner Enkelin am 8. Mai in der Seitestettengasie während der Fragestellung der Gedanke unabweislich auf. noch folgende sehr wichtige Frage den 6 anderen anzureihen: 7. Frage: Wie lautet die israelitische Hauptlehre von den Pflichten des Einheimischen gegen Fremdlinge? Antwort: Wenn ein Fremder bei Euch seßhaft ist, so dürfet Ihr ihn nicht ubervorteilen, wie ein Einheimischer sei er unter Euch. Liebe ihn, wie Dich selbst (III. Mos , Kap 19, V. 33). Indem ich Sie, geehrter Herr Redakteur, bitte, diese Zeilen zu veröffentlichen, empfehle ich mich hochachtungsvoll Elias Lehr. 3Vieu. (Verein der jüdischenFleischhauer und Fleischverschleißer Wiens.) Dieser Verein hielt am 3. d. M. seine 6. ordentliche Generalversammlung im Cafs „Orient", II., Praterstraße, ab. Der vom Schriftführer Herrn Sigmund Kornmehl sen. erstattete Rechenschaftsbericht wurde von der Versammlung mit Befriedigung ausgenommen und dem Referenten für seine ausführliche Darlegung der Dank votiert. Unter dem provisorischen Vorsitze des Herrn Jakob Mittler wurde hierauf die Neuwahl des Vorstandes vorgenommen und wurden einstimmig folgende Herren in den Vorstand gewählt: Leopold Weinwurm. Obmann; Emanuel Winkler, Obmannstellvcrtreter; Jakob Mittler, I. Schriftführer; S. Liebmann, II. Schriftführer; Jakob Frankl, Kafsier; die Herren Berthold Gerstmann, Leopold Winter, Jakob Morgenstern, Ignaz Weinstein und Jakob B. Klein als Vorstandsmitglieder. Als Revisoren wurden die Herren Julius Neugebauer und Sigmund Korumehl jun. gewählt. Der Obmann Herr Leopold Weinwurm übernahm den Vorsitz und dankte der Versammlung fiir das bekundete Vertrauen. In der folgenden Debatte wurden wichtige Fachangelegenheiten besprochen und diesbezügliche Beschlüsse gefaßt. Der vorgerückten Nachtstunde halber wurde die Versammlung geschlossen. Zur Naturgeschichte des Ariers. Eine ungewöhnliche, höchst originelle Betrugsanklage beschäftigte den Hernalser Strafrichter Gerichtssekretär Dr. Gaunersdorfer Der Hausierer Jakob Kästenbaum war seltsamerweise wegen Betruges angeklagt, weil er beim Sammeln von Spenden für einen wohltätigen israelitischen Verein nicht nur bei seinen Glaubensgenossen, sondern auch bei Christen vorgesprochen haben soll. Der Angeklagte hatte, wie aus den Akten hervorging, im Jahre 1900 die Bewilligung gehabt, für einen israelitischen Krankenverein Spenden zu sanimeln. Nach der ihm vom Vereinsvorstande erteilten Instruktion sollte er nur bei Glaubensgenossen sammeln. Kästenbaum sprach jedoch auch in der Hernalser Hauptstraße bei einzelnen christlichen Geschäftsleuten vor und deshalb war er infolge einer Anzeige des Spielwarenhändlers Rudolf Lehner wegen Betruges angeklagt. Er gab an, daß er seiner Instruktion gemäß nur bei Glaubensgenossen gesammelt hatte. — Richter: Sie sprachen aber auch in christlichen Geschäften vor? — Angekl.: Das kann schon sein, in Wien kann man die Juden von den Christen nicht unterscheiden. (Heiterkeit.) Der Richter bemerkt zum staatsanwaltschaftlichen Funktionär: Ein Schwindel liegt wohl in dem Vorgehen des Angeklagten nicht vor; wer für wohltätigeZwecke etwas hergibt. fragt nicht nach derKonfession der zu beteilenden Personen.—Staatsanwaltschaftlicher Funktionär: Nicht jedem wird es gleichgiltig sein, für welche Zwecke seine Spende verwendet wird. — Der Spielwarenhändler Rudolf Lehner, welcher die Anzeige gegen den Angeklagten veranlaßte, erklärte als Zeuge, daß er dem Angeklagten nichts gegeben habe und auch nichts für einen jüdischen Verein hergeben würde. — Richter: Was hat der Angeklagte gesagt, als er bei Ihnen vorsprach? — Zeuge: So viel ich mich erinnern kann, sagte er, daß er für Kranke sammle. — Richter: Woher sollte der Angeklagte wiffen, daß Ihr Geschäft ein christliches ist? — Zeuge: Das mußte er sofort erkennen. — Richter: Woran denn? — Zeuge: An der Solidität der Auslage. (Heiterkeit.) Richter: Ich selbst habe, Herr Zeuge, in Ihrem Geschäfte Spielwaren gekauft und wußte bis heute nicht, ob Ihr Geschäft ein jüdisches oder christliches ist. — Zeuge: Der Name Lehner ist doch gewiß ein arischer. — Der Zeuge Max Kusta erklärte, daß er, trotzdem er Christ sei, dem Angeklagten beim Absammeln einen Kreuzer gab und es ihm egal sei, ob das Geld für christliche oder jüdische Zwecke verwendet werde. Der staatsanwaltschaftliche Funktionär beantragte die Bestrafung des Angeklagten wegen Uebertretung des Betruges. Der Richter sprach den Angeklagten frei, da durch das Vorgehen des Angeklagten weder jemand geschädigt noch irregcführt worden sei. Die Wiener Juden und der russisch-japanische Krieg. Der Präsident des Oesterreichischen Wohltätigkeitskomitees zu gunsten der russischen Kriegsverwnndeten, Herr Stephan Dewoniski, nimmt in einer Zuschrift an die Redaktion der Petersburger „Nowosti" entschiedene Stellung gegen Ausstreuungen, welche die „Now. Wremja" über die Haltung der Wiener Bevölkerung veröffentlichte, wobei die Absicht klar war, speziell dem Judenhaffe in Rußland neue Nahrung zuzuführen. Es heißt nun in dem Schreiben unter anderem: „In meiner Eigenschaft als Präsident des hier gegründeten österreichischen Wohltätigkeitskomitees zu gunsten der russischen Kriegsverwundeten im fernen Osten halte ich mich verpflichtet, im Interesse der Wahrheit zu konstatieren, daß der Aufruf unseres Komitees wegen Zuwendung von Spenden zu gunsten der russischen Kriegsverwundeten hier in den verschiedenen Schichten der Wiener Bevölkerung sympathisch ausgenommen wurde, daß die Wiener Presse die Bestrebungen des Komitees fördert und daß jene Wiener Bürger, von welchen in dem Telegramm der „Nowoje Wremja" die Rede ist, die Wiener Juden, vor allen anderen und in ausgiebigster Weise den Aufruf des Komitees beherzigt haben. Das Gros der Spenden in Geld und Effekten, welche ich bisher bei der Annahmestelle, die zu gunsten des russischen Roten Kreuzes und der russischen Verwundeten bei der hiesigen kaiserlich russischen Botschaft errichtet worden ist, abgeliefert habe, ist dem Komitee von Wiener Juden zugekommen. Mein Gerechtigkeitsgefühl ist empört über die Verleumdung einer ganzen Klasse der Wiener Bevölkerung, welche sowohl durch die Beihilfe, welche sie dem Komitee zu gunsten der russischen Kriegsverwnndeten, wie auch dem vor einigen Jahren von mir in Wien gegründeten Oesterreichisch-russischen Hilfsvercin erweist, ihre tatsächliche Sympathie für Rußland an den Tag legt. Derartige Anwürfe und Insinuationen können im Auslände dem guten Rufe Rußlands schaden, mit welchem alle Oesterreicher, ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubensbekenntnisses, in Frieden und Freundschaft leben wollen." Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß der russische Botschafter Graf Kapnist an den Herrn Stephan Dewoniski folgendes Schreiben richtete: „Gnädiger Herr Stephan Michajlowitsch! Ich erachte es als meine Pflicht, meine aufrichtige und herzliche Dankbarkeit Ihnen selbst und durch Ihre freundliche Vermittlung auch Herrn Zifarsky und allen anderen Personen, welche bei der Sammelstelle, die meine Frau im Gebäude der kaiserlich russischen Botschaft errichtet hat, sowohl Bargeld, wie auch Materialien zu Gunsten des Roten Kreuzes und der russischen Krieger im fernen Osten gespendet haben, zum Ausdrucke zu bringen. Zum Schluffe bitte ich Sie, gnädiger Herr, nochmals den Ausdruck meiner tiefen Erkenntlichkeit dafür entgegenzu-