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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-05-13 · 20 (13.5.1904) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
20 (13.5.1904)
Date
1904-05-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Mocb s MocbcnscdrM. Seite 321 Der Präsident spricht dem Referenten für seine lichtvollen Ausführungen den Dank aus und bringt folgende interessante statistische Daten zur Kenntnis. Im Jahre 1902 fanden, inklusive der Konvalidierungen, 872 Eheschließungen, im Jahre 1903 866 Eheschließungen statt. Hievon erfolgten, exklusive der Ehekonvalidierungen, in den fünf Gemeindebethäusern im Jahre 1902 570 Eheschließungen, im Jahre 1903 507 Eheschließungen, während in den Pereinsbethäusern im Jahre 1902 229, im Jahre 1903 291 Eheschließungen stattfanden. Ehetrennungen erfolgten im Jahre 1902 86, im Jahre 1903 78. Zivilehen wurden im Jahre 1902 85, im Jahre 1903 106 geschlossen. Geburten erfolgten im Jahre 1902 3259, im Jahre 1903 3150. Im Jahre 1902 fanden 105 Legitimierungen unehelicher Kinder durch nachfolgende Eheschließung, im Jahre 1903 127 Legitimierungen statt. Die Zahl der Todesfälle betrug im Jahre 1902 2008, im Jahre 1903 1847. Austritte aus dem Judentume erfolgten im Jahre 1902 646, im Jahre 1903 638. Die Zahl der Widerrufe der Austritte, sowie Uebertritte und Rücktritte zum Judentume betrug im Jahre 1902 98, im Jahre 1903 105. Kultusvorsteher S. Kauders wünscht nicht, daß man bei der Subventionierung von Bethausvereinen spare; diese Vereine würden oft ohne solche Subvention zu Grunde gehen. Dagegen sollte die Ausgabspost für Rabbinats- Vertretungen bei Trauungsfunktionen in Wegfall kommen; der Rabbiner, der sich bei einer Funktion vertreten läßt, solle den Vertreter selber honorieren. In Bezug auf die Koscherfleischregie gibt die Gemeinde teures Geld aus, aber geleistet wird nichts; Redner werde Anregungen bringen, sowohl größere Ordnung als auch Ersparnisse zu erzielen. Referent kais. Rat H i r s ch konstatiert, daß man bei Vereinssubventionen nicht gespart, sondern einen höheren Betrag als im Vorjahre verausgabt hat. Kultusvorsteher kais. Rat Pollak erneuert seine vorjährige Anregung, betreffend erhöhte Taxen für Ehescheidungen. Dr. Berger bemerkt gegenüber Herrn Kauders, daß die Koscherfleischangelegenheit in zwei Teile zerfalle: die Schechita und den Fleischverschleiß; die Schechita sei zur Zufriedenheit des Herrn Kauders geregelt, was derselbe auch anerkannt habe. Nur der Fleischverschleiß findet nicht seine Billigung. Die Gemeinde müsse sich aber damit zufrieden geben, eine beschränkte Zahl von Fleischbänken unter strenge Aufsicht des Rabbinates zu stellen und das Verzeichnis derselben zu publizieren, so daß die Interessenten wissen, wo sie ihren Bedarf mit Beruhigung decken können. Eine allgemeine Regelung des Koscherfleischverschleißes sei ohne Benachteiligung vieler jüdischer Gewerbetreibender undurchführbar. Was die finanzielle Seite anlangt, kann diese Post keine Einnahmsquelle für die Gemeinde bilden, weil die Verhältnisse in Wien ganz andere sind als z. B. in Galizien, wo der größte Teil der Gemeindemitglieder Koscherflleisch konsumiert, während in Wien die Konsumenten sich gerade aus den minder bemittelten Kreisen rekrutieren. Diese mit einem „Koscherfleischaufschlag" zu besteuern, sei untunlich. Es lasse sich somit diese Angelegenheit ohne Zuschuß seitens der Gemeinde nicht regeln. Dr. Markus Spitzer wirft einen Blick auf die Gesamttätigkeit der Verwaltung, er gedenkt der vom Vorstande veranstalteten Vorträge aus der „Jüdischen Geschichte", die sich glänzend bewährt haben, und spricht den Vortragenden den Dank aus. In Bezug auf den Religionsunterricht wird eine gründliche Reform des Lehrplanes immer dringender gefordert. Redner bemängelt sodann, daß gerade bei den wichtigen Verwaltungsposten Kultus und Unterricht der Rechnungsabschluß hinter dem Präliminare um bedeutende Beträge zurückgeblieben. Hier gerade ist das Sparen nicht am Platze, hier gilt es vielmehr, die Pflichten voll und ganz zu erfüllen. Was die Wohltätigkeitspflege anbelangt, so betont Redner die Notwendigkeit einer Zentralisation durch Inanspruchnahme der Bezirkskommissionen. Es sei nicht hinreichend, die Armen zu unterstützen, man muß vielmehr der Verarmung Vorbeugen. Endlich verlangt der Redner Vorsorge, daß Särge mit nichtjüdischen Emblemen auch in Familiengrüfte nicht beigesetzt werden und daß die Inschriften der Leichensteine immer wenigstens eine hebräische Zeile enthalten. Mit der Ekrafierung der hebräischen Inschriften wurde der jüdische Charakter des Friedhofes eliminiert. Kaiferl. Rat Weil bringt die Ausgabspost der Spitalsverwaltung zur Sprache, die eine größere Ueberschreitung gegen das Präliminare zeigt, und fragt, ob nicht auch für die Zukunft solch unvorhergesehene Steigerungen zu befürchten find! Kultusvertreter k. k. Baurat W. S t i a ß n Y gibt die gewünschte Aufklärung. Das israelitische Spital ist Dank der Hochherzigkeit des Hauses Rothschild eines der vorzüglichsten in Wien und ganz Oesterreich und gereicht unserer Gemeinde zur Auszeichnung. Es besteht aus zwei Teilen. Um die ältere Partie auf die Höhe des neuerrichteten chirurgischen Taktes zu bringen, waren die neuen Ausgaben erforderlich. Oberfinanzrat Dr. R a p p a p o r t hält dafür, daß eine gewissenhafte sparsame Verwaltung die wichtigste Aufgabe sei: er kritisiert einzelne Ausgaben des Unterrichtskapitels als ungerechtfertigt. Direktor Th. Ritter v. T a n s s i g wendet sich gegen Dr. Spitzer, dessen programmatische Ausführungen in die Budgetberatung und nicht in die Behandlung des Rechnungsabschlusses gehören. Bor Allem sei eS bedauerlich, wenn in öffentlicher Sitzung durch Redewendungen der Anschein geweckt werde, als ob versucht worden wäre, bei den Ausgaben für Kultus und Unterricht mit Hilfe irgend welcher Abzwackungen Ersparnisse zu erzielen, während tatsächlich gegen das Vorjahr sehr bedeutende Mehrbeträge verausgabt wurden. Und in Bezug auf die Wohltätigkeitspflege wäre es gewiß wünschenswert, die Verarmung zu hindern, nur müßte man auch die Wege dazu weisen. Ein Mittel gegen Verarmung ist noch nicht erfunden. Man darf nicht Wünsche und Hoffnungen erregen, die nicht zu befriedigen sind; an eine Steuererhöhung ist nicht zu denken, und da wir auch keine Alchemisten find, wo sollen also die Mittel für solche kühne Pläne hergenommen werden? Dr. Spitzer bedauert, wenn seine Ausführungen zu Mißverständnissen Anlaß gaben: er habe sich nur dagegen gewendet, daß nicht die vollen Beträge des Präliminares verwendet werden. In Bezug auf Wohltätigkeit ist er ein Gegnerkleiner Unterstützungen, er wünsche ausreichende Hilfeleistung. Präsident Dr. Alfred Stern konstatiert, daß das Ver* treter-Kollegium stets größere Unterstützungen gewährt hat. Kultusvertreter Dr. Steiner: Man soll trotz alldem der präventiven Armenpflege zustreben; es gibt Mittel, der Verarmung vorzubeugen und solche präventive Hilfe kostet nicht mehr. Im Gegenteil, man übt präventive Armenpflege, um Ersparnisse zu erzielen. Zur Vorbereitung einer solchen Reform der Armenpflege ist vor drei Jahren ein Komitee bestellt worden, das bis heute nicht eine einzige Sitzung gehalten hat. Nach einstimmiger Genehmigung des Rechnungsabschlusses gedenkt Referent der Verdienste der Buchhaltung und spricht dem Buchhalter Herrn M. Ruff den Dank aus. Die Ignaz Blumenfeld'sche Widmung für Künstler im Betrage von X 1900 wird im Sinne der Anträge des aus den Herren Prof. Dr. Guido Adle r, Ignaz Brüll und Julius Epstein gebildeten Juroren-Kvllegiums dem primo loco vorgeschlagenen Musiker Heinrich S ch a l i t verliehen. Zu Vorstandsmitgliedern der Chewra-Kadischa werden ernannt: Die in der Generalversammlung gewühlten Herren Jakob Kann, S. Steiner und Moriz B r e i t u e r, sowie der in der Borstandsfitzung der Chewra-Kadischa kooptierte Herr Salo Cohn. Wien. (C h e w r a - K a d i s ch a.) Am 10. Mai 1904 fand eine Sitzung der Chewra Kadifcha mit der Tagesordnung „Wahl des Präsidenten" statt. Vizepräsident jur. und phil. Dr. Spitzer eröffnet die Sitzung und erklärt wiederholt in bestimmter und präziser Weise, daß er nicht in der Lage sei, eine auf ihn entfallende Wahl zum Präsidenten anzunehmen. Sohin wird Herr Salo Cohn einstimmig zum Präsidenten der Chewra-Kadischa gewählt.

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