Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 20 (13.5.1904)
- Date
- 1904-05-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 320 Dr. JBlocD’s MocdenscbrLN. Nr. 20 Ikorrespondenzen. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des israelitischen Kultusvorstandes vom Sonntag den 8. Mai unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Der Präsident eröffnet die Sitzung, konstatiert die Beschlußfähigkeit, und verliest 8 91 des Statutes über die Auflegung des Rechnungsabschlusses und bringt zur Kenntnis, daß diesmal von Seilen eines Gemeindemitgliedes von dem Rechte, wider einzelne Posten Einwendungen zu erheben, Gebrauch gemacht wurde. Diese Einwendungen waren dann Gegenstand der Beratung im Vertreter-Kollegium, deren Ergebnisse der Präsident jenem Gemeindemitglied in einer längeren mündlichen Besprechung mitgeteilt hat. Beanstandet wurde zunächst die Höhe der Wagenspesen in der Friedhofs-Verwaltung, sowie die unverhältnismäßige Höhe der Verwaltungskosten des Tenipels in der Inneren Stadt. In Bezug aus einzelne Posten dieser Verwaltung dürfte die Bemängelung nicht unberechtigt sein. Jedenfalls ist es jetzt ohnehin die Aufgabe eines eigenen Komitees, eine Verbilligung einzelner Verwaltungszweige herbeizuführen, wobei alle Anregungen benützt werden. In der erwähnten Einwendung war auch monirt, daß den Ausgaben für Konfirmation keine Einnahmepost entsprechend gegenübersteht. Wo indes; keine Einnahmen sind, können solche nicht gebucht werden. Allein immer ist es erfreulich, daß aus der Mitte der Gemeinde solches Interesse an der Gemeindeverwaltung sich äußere. Vizepräsident kaiserl. Rat Hirsch ergreift das Wort, um den Rechnungsabschluß zu erläutern und erwähnt, daß eine Zusammenstellung sämtlicher Einnahmen und Ausgaben einschließlich der transitorischen Posten, sowie ein Verzeichnis sämtlicher Stiftungen mit Angabe des Kapitals, der Zinsen nebst deren Bestimmung der Vorlage beigesügt ist. Das Verwaltungsjahr 1903, für welches ein Zuschuß präliminiert war, endet mit einem Ueberschuß von X 95.942 76; jedenfalls kein unerfreuliches Ergebnis, welches dadurch erzielt wurde, daß die Kultussteuer um X 100.000, das Erträgnis des Friedhofes X 50.000 mehr ergab als präliminiert war, während die Ausgaben in einzelnen Positionen geringer ausfielen. Zu den Details übergehend so zeigt der Abschnitt A. „Kultus und rituelle Angelegenheit" Einnahmen mit K 230.773, Ausgaben mit K 419.900, somit einen Fehlbetrag von K 189.127; ungünstiger als das Vorjahr um rund X 28.000. Daran partizipiert zunächst das Bcthaus Innere Stadt, dessen Einnahmen um X 4000 sich vermindert, die Ausgaben um K 3000 erhöht haben. Den größten Rückgang der Einnahmen zeigt sich bei den Trauungstaxen, wegen der empfindlichen Konkurrenz der Bethausvereine, deren einige außerordentlich niedere Taxen festgesetzt haben, während die Gratistrauungen unbemittelter Parteien ausschließlich den Gemeindetempeln überlassen wird. Das Kapitel „Subventionen an Vereinsbethäuser" weist gegen Vorjahr eine Erhöhung um X 13.000. Bei der Prüfung der in der jüngsten Zeit an verschiedenen Orten aufgetauchten Tempelbau-Projekte möchte man sich fragen, ob die Gemeinde für die Dauer derartige neue Lasten ohne Schaden für die Gesamtheit werde tragen können? Die Baukosten für den Bethauspavillon im Allgemeinen Krankenhaus mit X 6500 hat die Gemeinde getragen. Abschnitt 8. „Unterricht und Schule". Einnahmen X 57.202. Ausgaben K 260.235. Erforderlicher Zuschuß: X 203.032; um zirka X 13.000 mehr als im Vorjahr. Die Erhöhung ist zurückzuführen aus die Vermehrung der Stundenzahl, und die Errichtung einer neuen Bibelschule im XVI!. Bezirke. Die Frage der Erhöhung der Religionslehrerbezüge bildet den Gegenstand eifrigster Verhandlungen im Kultusvorstand; eine gründliche Reorganisation wird in Angriff genommen werden müssen, wobei auch über die Errichtung einer Bildungsanstalt für Religionslehrer ein Beschluß zu fassen sein wird, was natürlich ohne empfindliche Belastung des Budgets nicht bleiben kann. Der Jugendgottesdienst erforderte X 20.743, somit X 3000 mehr als im Vorjahre. Für 1904 sind hier weitere Erhöhungen zu erwarten. Auch das Kapitel „Unterstützungen und Subventionen" weist eine namhafte Steigerung der Ausgaben aus. Für die „historische Vorkommission" wurden X 3000 mehr ausgegeben. Das Friedhof- und Beerdigungswesen ist außer der Kultussteuer der einzige Verwaltungszweig der Gemeinde mit einem Ueberschuß, der allerdings ausschließlich Wohltätigkeitszwecken zugeführt wird. Einnahmen X 511.637. Ausgaben X 288.358. Ueberschuß X 223.279. Günstiger als das Vorjahr um zirka X 50.000. Dabei sind die Ausgaben um zirka X 5000 gesunken. Ein Teil des Ueberschusses wird für den Zweck des Erwerbes neuer Friedhofsgründe alljährlich zurückgelegt. Dank der tatkräftigen Initiative unseres Präsidenten und der uneigennützigen Mühewaltung des Kollegen Baurates Fleischer ist auf dem Währinger Friedhof eine Parkanlage hergestellt worden. Eine von dem Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern für diesen Zweck eingeleitete Sammlung ergab zirka X 11.000; überdies wurden mit Genehmigung der Statthalterei die Erträgnisse der Liebenberg-Stiftung für die Auslagen herangezogen. So konnte wenigstens ein Teil des Friedhofes umgestaltet werden; die Fortsetzung und Vollendung hängt von dem Ergebnis einer neuerlich einzuleitenden Sammlung ab. Das Spital bildet vom finanziellen Standpunkt das unerfreulichste Verwaltungskapitel. Einnahmen X 81.181, Ausgaben X 301.731, Zuschuß X 220.550. Während anderen Ortes die Ausgaben für konfessionelle Spitäler und Wohltätigkeits- Anstalten durch private Fonds und Spenden gedeckt werden, müssen bei uns diese großen, immer steigenden Ausgaben mit den Mitteln der Steuerträger erhalten werden. Das ist die hauptsächlichste Ursache der finanziellen Schwierigkeiten, unter welchen die Gemeinde leidet, und welche zu Sparsamkeit dort zwingt, wo sie vielleicht weniger angebracht sei. Private Wohltäter sollten zur Gründung eines solchen Fonds die Initiative ergreifen, das dürfte nacheifernd wirken. So aber vermehren sich die Erhattungskosten durch neue Bauten und Vergrößerungen immer mehr und mehr und alle Ausgaben muß ausschließlich die Gemeinde tragen. Abschnitt X) Vcrsorgungsanstalt. Einnahmen X 72.078, Ausgaben X 145.716. Die Einnahmen haben sich um X 15.000, die Ausgaben um X 24.000 gegen das Vorjahr vermehrt. Ungefähr X 10.000 der vermehrten Einnahmen rühren von einer Widmung des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern her; die vermehrten Ausgaben sind relativ gering, denn durch die Belegung des 3. Stockwerkes der Siechenabteilung hat sich die Anzahl der Insassen um zirka 50 Personen vermehrt. Wenn der Zuschuß für die Versorgungsanstalt um nahezu X 25.000 geringer ist, als im Präliminare vorgesehen war so ist das ein Verdienst des Ehrendamen-Komitees, dem für seine hingebungsvolle Tätigkeit der wärmste Dank gebührt. (Lebhafter Beifall.) Das Kapitel „Wohltätigkeit und Armenpflege" zeigt: Einnahmen X 25.537, Ausgaben X 223.431. Der erforderliche Zuschuß ist um X 23.000 größer als im Vorjahre, was bei der erschreckenden Zunahme der Verarmung der jüdischen Bevölkerung keiner Erklärung bedarf. Die Kultussteuer gab ein Erträgnis von X 1,154.458, gegen das Vorjahr um 95.000 mehr und um zirka X 100.000 mehr als präliminiert. „Es ist mir bei diesem Anlasse ein Bedürfnis, der Schätzungskommission und den einzelnen Kultussteuer-Bezirkskollegien für ihre bei der Triennal-Einschätzung im Interesse der Gemeinde entwickelte Tätigkeit den wärmsten Dank auszusprechen". (Lebhafter Beifall.) Im Kapitel „Diverse" sind u. a. X 10.000 ' als Spende für die Opfer der Kischenewer Exzesse und X 3000 als Subvention für den galizischen Hilfsverein enthalten. Das Kapitel „Gemeindeverwaltung" zeigt ein Sinken der Ausgaben, die auch hinter dem Präliminare Zurückbleiben. Ein eigenes Komitee ist eifrig damit beschäftigt, in allen Zweigen des Budgets Ersparungen zu fielen. Mit einer neuerlichen warmen und eindringlichen Mahnung zur möglichsten Sparsamkeit, schließt der Referent. (Lebhafter Beifall.)