Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 20 (13.5.1904)
- Date
- 1904-05-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021547-3021568--13590-3038250- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Rr. 20 Dr. Blocbs Wocbenscbrttt Sette 319 gemeinde-Repräsentanz und Obmann unserer Filiale in Prag, Herrn Dr. Arnold Rosenbacher; den Leitungen unserer Filialen in Triest, Czernowitz (besonders Herrn Oberrabbiner Dr. Rosenfeld) und Brünn, sowie den Humanitätsvereinen „Bne Brith" an verschiedenen Orten, die uns größere Spenden zugeführt haben. An der Konferenz in Berlin war die Allianz durch die Vorstandsmitglieder Vize-Präsident Dr. Alfred Stern, Wilhelm Pappenheim und dem Sekretär Dr. Kaminka vertreten. Auf die Vorgänge in Homel übergehend, konstatiert der Bericht das nicht einmal zweideutige Verhalten Regierung. Eine Folge des steigenden Uebelwollens der Regierung war es nun auch, daß in Homel den Juden verboten wurde, ein Hilfskomitee zur Sammlung von Spenden in Rußland für die Hinterbliebenen der Toten und für die Geplünderten zu bilden. Man war dort daher unisomehr auf die vom Auslande einlaufenden Unterstützungen angewiesen. Der materielle Schaden belief sich über 150.000 Rubel. Die Allianz sandte zur Linderung der ersten Not einen Beitrag von 12.500 Kronen und blieb behufs Durchführung des auch von anderen westeuropäischen Organisationen geförderten Hilfswerkes mit maßgebenden Persönlichkeiten in Homel selbst und in St. Petersburg in Kontakt. Das Eingreifen der Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika, deren Präsident offen ein Wort des Mitgefühls für die Bedrückten und der Mißbilligung der traurigen Vorgänge aussprach, veranlaßt die Allianz, an den Präsidenten folgendes Schreiben zu senden: Herr Präsident! Unser Verein, der zur Aufgabe hat, Israeliten, die ihres Glaubensbekenntnisses wegen leiden, hilfreichen Beistand zu leisten, fühlt sich veranlaßt. Eurer Exzellenz und der gesamten hochherzigen und freiheitlichen Bürgerschaft der Vereinigten Staaten seine tiefe Dankbarkeit für die Kundgebungen des Mitgefühls auszudrücken, durch welche Eure Exzellenz anläßlich der schauerlichen Bluttaten von Kischenew und der planmäßigen Verfolgung von Millionen unserer Glaubensgenossen in Rußland der Stimme der Gerechtigkeit und der Wahrheit Gehör zu verschaffen bestrebt sind. Die mächtige und ruhmreiche nordamerikanische Union hat unter Ihrer von den höchsten menschlichen Idealen inspirierten Regierung in immer steigendem Maße die Sympathieu und die Bewunderung der gesitteten Menschheit auf dem ganzen Erdenruude gewonnen, und die Weltgeschichte, die die dauernde Bedeutung großer Staatswesen nach deren Leistungen für die Zivilisation des Menschengeschlechtes mißt, wird das feste und rückhaltlose Eintreten Eurer Exzellenz für den Schutz der Schwachen und Wehrlosen, die in einem europäischen Lande ungehindert beispiellosen Gewalttätigkeiten und empörenden Verfolgungen preisgegeben sind, als stolzesten Ruhmestitel für das in der Kultur allen andern voranschreitende amerikanische Volk bezeichnen. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Verehrung gez. Der Vorstand der Jsr. Allianz in Wien. Der Bericht bespricht die Lage in Rumänien. Tie Ausgaben für diesen Zweig des Hilfswerkes betrugen 27.000 Kronen. Jede Woche passierten Wien je zwei vom Komitee in Bukarest zusammengesetzte Gruppen, deren Mitglieder als erwerbsfähig und den Bedingungen für die Zulassung zur Landung in überseeischen Häsen entsprechend befunden waren. Diese AuSlvanderer, deren Beförderung nach transozeanischen Ländern unter Patronanz der „Jewish Colonisation Association" vor sich ging und die einen Teil der Reisekosten ans Eigenem oder durch Unterstützung ihrer bereits irr Amerika wohnhaften Angehörigen zu leisten in der Lage waren, verursachten uns zumeist nur lokale Ausgaben während ihres Aufenthaltes in Wien, wo sie von unseren Beamten an den Bahnhöfen empfangen, verköstigt und an demselben Tage weiter expediert wurden. Andererseits hatten wir aber zahlreiche Frauen und Kinder aus Rumänien ganz' für unsere Kosten nach westlichen Ländern zu den dort bereits zu einer neuen Existenz gelangten Ernährern zu befördern. Die derart seit nunmehr vier Jahren fortdauernde Emigration hat nicht bloß einen relativen, sondern auch bereits absoluten Rückgang der dortigen jüdischen Bevölkerung zur Folge gehabt. Die Machthaber in Bukarest haben im verflossenen Jahre nicht nur den „Status quo" des Druckes und der Willkür gegen die Juden aufrechterhalten, sondern die barbarischen Maßnahmen auch durch verleumderische Publikationen in Westeuropa zu rechtfertigen versucht. Als derartiges Produkt der Verlogenheit und des Menschenhasses erschien, von einem hohen Regierungsbeamten (unter dem Pseudonym „Verax") unter Benützung „amtlicher" Quellen und Mitwirkung der Ministerien herausgegeben, ein umfassendes Buch „La Roumanie et les Juifs", das mit einer vorgespiegelten Wissenschaftlichkeit den Nachweis erbringen sollte, daß die Jude: dem Lande schädlich seien und zur Auswanderung gezwungen werden müßten. Das Buch, in welchem auch Präsident Roosevelt und Staatssekretär Hay wegen ihrer Intervention zu Gunsten der Juden beschimpft werden, wurde in diplomatischen und englischen Parlamentskreisen verbreitet. An Subventionen bewilligte die Allianz im letzten Jahre zum Baue von Schulen den Gemeinden in Harlan (Francs 1000), Panciu (Francs 500) und Stefanesti (Francs 400): Schulverein „Reschith Daath" in Bukarest (Francs 1200); Beiträge zur Erhaltung des Unterrichtes den Schulen: „Or Thora" in Botoschani (500 Francs), Jüd. Unter-Gymnasium in Bukarest (500 Francs), der jüdischen Gemeinde in Sulitza (300 Francs), der Mädchenschule des Frl. Rovena Schwarz in Galatz (200 Francs). Was Galizien anlangt, so hat die Allianz sich an den Beratungen der Lemberger Konferenz zum Schutze der Frauen und Mädchen beteiligt. „Es wurde ein besonderes Komitee in Lemberg eingesetzt, welches im Einvernehmen mit den in- und ausländischen Organisationen auf eine Beseitigung der in Betracht kommenden Uebelstünde hinwirken soll." Die Allianz gewährte Subventionen folgenden Gemeinden und Korporationen: Aspern a. D., Babschic bei Jungworic (Böhmen), Bergreichenstein (Böhmen), Oernowitz (Böhmen), Dürrmaul (Böhmen), Freudenthal (Schlesien), Gänserndorf (N.-Oe.), Minjan-Verein, Goltsch-Jenikau (Böhmen), Groß-Enzersdorf (N.-Oe.), Horn (N.-Oe.) nebst Egenburg, Jistebnitz (Böhmen), Klobouk (Bez. Rabb. Damboritz) Mähren; (zum erstenmale), Korneuburg (N.-Oe.Krems n. D. einfchl. Gerichtsbezirk Langenlois, Laa a. Thaya (N.-Oe.), Liesing-Atzgersdorf (N.-Oe.), Neucerekwe (Böhmen), Obercerekwe (Böhmen), Pilgram (Böhmen), Radenin (Böhmen), Spalatv (Dalmatien). Ferner erhielten folgende Vereine und Anstalten Subventionen: Der Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender in Wien: die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien; der Unterstützungsverein für dürftige und würdige Hörer der Rechte in Wien: der Verein von Studierenden auS Rußland in Wien: die akademischen Vereine: „Leo Pinsker" in Wien: „Bar Kvchba" in Wien: „Erez Israel" in Wien: „Bar Giora" in Wien: der Verein „Charitas" in Graz: der „Rigorosanten-Verein" in Lemberg; die Rabbinatsschule in Triest »durch unsere dortige Filiale): die Königswarter-Stiftung in Meran: der Rechtsschutzverein für Hausierer in Wien. Der israelitischen Hauptschule in Brody, welche infolge des stetigen materiellen Rückganges der dortigen jüdischen Gemeinde in eine prekäre Lage gelangt ist, wurde als Beitrag zu den Kosten einer Reparatur des baufällig gewordenen Gebäudes 1000 Kronen bewilligt. Nach einstimmiger Genehmigung des Tätigkeitsberichtes bringt Herr Gemeinderat und k. k. Baurat Wilhelm Stiaßny dem Vorstand den Dank und die Sympathien der Generalversammlung zum Ausdruck. — Die austretenden Vorstandsmitglieder Theodor Cohn, Ad. Klein, Dr. Schmiedl, Fritz Singer, Hofrat Taussig wurden einstimmig wiedergewählt, die Kooptierung des Herrn Dr. I. Nirenstein ebenso genehmigt. Der Präsident widmet dem verstorbenen hochverdienten Vorstandsmitgliede Herrn Heinrich Niren sie in, der nahezu zwei Jahrzehnte an der Leitung der „Allianz mitgewirkt hat, warme Worte der Erinnerung, und gibt der Trauer Ausdruck über das Hinscheiden des Rechtsanwaltes Dr. Jul. Plotke in Frankfurt a. M., der ein unermüdlicher Kämpfer für die verfolgten Juden war, sowie über den Heimgang des Großpräsidenten der B. B. Logen in Amerika Leo N. Levi, der dem Wohle seiner seiner Glaubensgenossen seine Lebensarbeit widmete, und erklärt mit einem eindringlichen Appell an die Mitglieder, für die „Allianz" in weitern Kreisen Propaganda zu machen, die Generalversammlung für geschlossen.