Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-05-13 · 20 (13.5.1904) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
20 (13.5.1904)
Date
1904-05-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021547-3021568--13588-3038248
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Nr. 20 Dr. Mocb's Mocdenscbritt. Seite 317 Zur Kolonisation Palästinas. Vor uns liegt der die Jahre 1900—1903 umfassende Geschäftsbericht des „Esra, Vereins zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien". Derselbe bietet abermals ein Bild gedeihlicher Entwicklung und segensreicher Wirksamkeit. Vorangeht demselben eine interessante Darlegung über die nunmehr überwundene Krisis, welche die Kolonisation Palästinas während der letzten Jahre durchgemacht, und die nachteilige Wirkung, welche dieselbe auf den empfindlichen Rückgang aller der Besiedelung des heiligen Landes durch Juden geübt hat, indem in Frankreich und Amerika die im Entstehen begriffenen Organisationen im Keime erstickt wurden, die Chowewe- Zivn-Vereine in England und der galizische ihre Tätigkeit einstellen mußten und selbst der russische Verein in seinen regelmäßigen Einnahmen wesentliche Einbuße erlitten hat. Dann heißt es weiter: „Der Verein „Esra" hat die Krisis im ganzen gut iiberstanden. Die 1897 begonnene Aufwärtsbewegung, durch welche seine regelmäßigen Einnahmen von 7062 Mk. auf l6.032 Mk. gestiegen sind, ist im Jahre 1900 zwar ins Stocken geraten, allein der nunmehr beginnende Rückgang hat bereits im Jahre 1902 mit der Mindereinnahme von 3000 Mk. seinen Tiefstand erreicht, und das Nachfolge >de Jahr weist schon wieder eine kleine Steigerung von 1400 Mk. auf. Das Zentralkomitee hegt die zuversichtliche Erwartung, daß diese Mehreinnahme den Beginn eines neuen Aufschwunges bedeutet, durch den der Verein „Esra" seinem Ziele, bei der Kolonisation Palästinas eine maßgebende Rolle zu spielen, ein gutes Stück näher gebracht werden wird. Wir dürfen solche Hoffnungen umso mehr hegen, da die Situation in den Kolonien sich inzwischen wesentlich geklärt und als überaus erfreulich erwiesen hat. Der Palästinawein, auf dessen Ertrag 2500 Seelen angewiesen sind, hat sich inzwischen einen Ehrenplatz ans dem Weltmarkt erobert. Die Nachfrage überstieg 1902 derart das Angebot, daß die Kolonisten aufgefordert werden konnten, neue Weinberge anzulegen. Durch Ankäufe von großen Ländereien konnten die alten, mit den Jahren zu eng gewordenen Kolonien erweitert und stark evakuiert werden. Gleichzeitig sind fünf neue Kolonien begründet worden, die für Hunderte von Einwanderern Platz und Unterkunft haben. Der Getreidebau ernährt den fleißigen jüdischen Bauer reichlich, die 200 Hektar umfassenden Orangerien werfen jetzt schon reichen Ertrag ab, der neu eingeführte Tabakbau läßt sich sehr gut an und selbst der Obstbau, sowie die von den Kolonisten bisher törichterweise vernachlässigte Seidenzucht dürften demnächst eine neue Quelle guter Einnahmen werden. Der bekannte russische Agronom Ettinger, der im Sommer 1902 im Aufträge des Odessaer Komitees der Chowaweh- Zion sämtliche jüdische Kolonien Palästinas inspiziert hatte, faßte sein Urteil dahin zusammen, daß die Kolonisten jetzt schon ein weit höheres Jahreseinkommen haben als die 32.000 jüdischen Bauern Südrußlands, welche bekanntlich seit länger als einem Menschenalter auf sich selber angewiesen sind. Die Kommission, welche im September 1903 unter Leitung des bekannten Zionistenführers Mendel Ussischkin die jüdischen Kolonien besucht bat, war über die günstige Lage der Kolonisten freudig überrascht. Endlich hat auch das langjährige Mitglied unseres Zentralkomitees, Herr W. Bambus, der im Jänner 1904 zum drittenmale Palästina besucht hatte, die günstigen Urteile in allen Stücken bestätigt. Der Verein „Esra" war erfolgreich bemüht, durch rationelle Verwendung seiner Mittel mit möglichst wenig Geld möglichst vielen Juden in Palästina zu einer selbständigen, auf eigener Arbeit begründeten Existenz zu verhelfen. Noch sind diese Mittel viel zn gering, als daß wir im Heiligen Lande Großes leisten könnten; ein Blick auf die Vergangenheit unseres Vereins läßt uns jedoch hoffen, in nicht gar zu ferner Zukunft größeren Einfluß auf den Gang der Ereignisse in Palästina gewinnen zu können. Der Verein „Esra" hat für palästinensische Kolonisationszwecke verwenden können: von 1884—1891 9077, 1892—1899 42.230, 1900—1903 39.101 Mk. Außerdem stehen uns noch 12.900 Mk. seit 1900 gemachte Ersparnisse zur Verfügung, so daß der Verein „Esra" in den letzten 4 Jahren 51.000 Mk. für Kolonisationszwecke verwenden, respektive zur Verfügung stellen konnte gegen 51.300 Mk. in den ersten 16 Jahren seines Bestehens. Dennoch können wir uns mit dem bisher erzielten Erfolge nicht zufrieden geben, da wir wohl wissen, wie unendlich weit wir noch von unserem Ziele entfernt sind« Es gilt, Hunderttausende heimatloser Juden in Palästina anzusiedeln! Die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, wird ein edles Ziel für ganze Generationen bleiben. Nicht diesem Geschlecht allein liegt es ob, die ganze Arbeit zu vollenden, es ist aber auch nicht befugt, die Last gänzlich auf die Schultern künftiger Generationen abzuwälzen. Tue daher ein Jeder seine Pflicht, damit kommende Geschlechter dankbar unser Andenken segnen". Während der vier Berichtsjahre beliefen sich die Einnahmen auf 81.448, die Ausgaben auf 67.390 Mk. Das Zentralkomitee bildeten die Herren Moritz Dorn, Vorsitzender; W. Bambus, Schriftführer; Konsul a. D. Julius Friedmann, Schatzmeister; Dr. D. Caspari, Rabbiner Dr. Eschelbacher, Dr. Hirsch Hildesheimer, Berthold Israel, Pros. Dr. Leopold Landau, Willibald Löwenthal, Dr. Paul Schvttländer-Breslau, Dr. Moritz Sobernheim und Prof. Dr. O. Warburg. Die Konservenindnstrie in Palästina. Aus „'Altneuland", Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas (herausgegeben von F. Oppenheimer, S. S o s k i n und O. Warburg) dir. 5. Wiederholt wurde auf die Aussichten der Konservenindnstrie in Palästina hingewiesen, wofür sowohl Fische, hauptsächlich aus dem Tiberiassee, wie ganz besonders Gemüse und Obst in Betracht kommen. Letztere können in Palästina in einer sehr intensiven Weise gezogen werden. Dies würde sich aber nur dann empfehlen, wenn die Produkte durch Prä- und Konservierung entsprechend verwertet werden könnten. Dann könnte die intensive Obst- und Gemüsezucht zu einem sehr einträglichen Geschäft werden, und dort, wo in genügender Menge Waffer zur Verfügung steht, die höchste Bodenausnutzung gestatten. Wir wollen hier in Nachfolgendem einige interessante Mitteilungen des Deutschen Generalkonsuls in Odessa über die Konservenindustrie Südrußlands anführen, die uns mit der Bedeutung dieser Industrie näher bekannt machen dürften: Die Konservenindustrie in Südrnßland ist gut entwickelt und deckt nicht bloß den örtlichen Bedarf in den meisten Arten von Fleisch-, Fisch-, Obst- und Gemüsekonserven, sondern trägt auch zur Versorgung des übrigen europäischen wie asiatischen Rußland erheblich bei und führt sogar nicht unbeträchtliche Mengen nach dem Auslände, besonders Türkei, Griechenland und den Balkanländern aus. Im Mittelpunkt dieser Industrie stehen Odessa, wo sich sehr leistungsfähige Fabriken — darunter die bedeutendste von S. B. Falz-Fein — befinden, und Simferopol. Während an letzterem aber fast nur Obst und Gemüse verarbeitet werden, erstreckt sich die Fabrikation in Odessa auch auf Fleisch- und Fischkonserven. Kertsch kommt besonders für den Bezug von Heringen in Betracht, welche dort gefangen und in gesalzenem, mariniertem oder geräuchertem Zustande ins Innere des Landes gehen. Wir übergehen hier die Fleischkoiüerveu, da sie für Palästina vorläufig nicht in Betracht kommen. Die Industrie der Fischkonserven ist in Südrußland sehr entwickelt, und auch hier steht Odessa obenan. Von den Fischen, welche die Gewässer des Südens liefern, werden zu dem Zwecke hauptsächlich die Makrele, der Stör u. s. w., aber auch andere Arten verwendet. Die beliebteste Art der Konservierung ist das Marinieren mit und ohne Zusatz von Tomaten, doch wird auch ein großer Teil in Oel eingelegt. Tie früher namentlich im Gouvernement Taurien betriebene Konservierung von Krebsen mußte infolge der Verheerungen, welche die Krebspest unter diesen Tieren angerichtet hat, aufgegeben werden. Sehr leistungsfähig ist der Süden Rußlands auch in der Herstellung von Obst- und Gemüsekonserven An der Spitze dieses Industriezweiges stehen neben der bereits genannten Firma in Odessa, welche eine eigene Fischerei und ausgedehnte Obst¬ und Gemüsezüchterelen besitzt, die über Rußland hinaus bekannten Fabriken von Einem, Abrikoffow und Konstantinow in Simferopol. Es werden alle Arten Gemüse in Dosen eingemacht. Nur in Spargel, der weniger angebaut wird und darum hoch im Preise steht, reicht die Produktion für den inländischen Bedarf nicht aus. Als Spezialitäten gelten eingemachte Tomaten, Paprika, Eierpflanzen, sogenannter grüner Kaviar (das breiige Innere der Eierpflanze mit den Samenkernen) und Kabatschki (eine Art Kürbis), wovon die beiden ersteren auch nach Deutschland ausgeführt werden. In konservierten Gemüsen ist der Absatz im Süden Rußlands nicht beträchtlich, da eine Anzahl frischer Gemüsearten, aus Konstantinopel und Alexandrien eingefllhrt, fast das ganze Jahr hindurch erhältlich ist. Diese, wie die Fleischkonserven, kommen daher mehr für die Ausfuhr als für den örtlichen Bedarf in Betracht. An Früchten liefert Südrußland besonders eingemachte und als Marmeladen zubereitete Aprikosen, Reineclauden, Pfirsiche, Birnen und Quitten, während Konserven aus Beerenobst, wie Himbeeren, Stachelbeeren u. s. w., mehr in den nördlichen Teilen des Landes erzeugt werden. Bessarabien bringt fast nur Backobst, namentlich seine vortrefflichen Zwetschken, in den Handel. Auch Livland und Kurland haben eine ziemlich bedeutende Konservenindustrie. Der größte Teil der Fabriken erzeugt Fischkonserven, aber auch Gemüsekonserven, während die Fleischkonserven weniger in Aufnahme gekommen sind. Ter deutsche Konsul in Riga schreibt u. a. hierüber: In Riga werden jährlich gegen 4 Millionen Dosen im Werte von etwa 1 Million Rubel hergestellt, in der Mitauer Fabrik etwa 600.000 Dosen im Werte von gegen 150.000 Rubel. Die Fischkonserven mannigfaltiger Art sind von guter Qualität und fehlen fast in keinem befferen Haushalt; die Fleischkonstrven sind weniger in Aufnahme gekommen. Russische Gemüsekonserven stehen an Qualität den aus dem Ausland bezogenen bedeutend nach, da die Sorgfalt in der Auslese und der Verpackung fehlt. Die einfacheren Gemüsekonserven, wie Spinat, Karotten u. s. w. stellen sich so billig, daß es sich schon des Zolles wegen nicht lohnt, dieselben aus dem Ausland zu beziehen. Ausländische Früchte und Kompots werden seltener bezogen, da die inländischen Fabriken, beispielsweise die in Moskau. Meister aus dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.