Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-05-06 · 19 (6.5.1904) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
19 (6.5.1904)
Date
1904-05-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021547-3021567--13574-3038233
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 304 Dr. Llocb's MocbenscbrM. Nr. 19 Korrespondenzen. Wien. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung der Israelitischen Allianz zuWien findet Dienstag den IO. Mai 1904, um 6 Uhr Abends, im Saale der israel. Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, statt. Tagesordnung : 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1903. 2. Bericht über die finanzielle Gebahrung im Jahre 1903. 3. Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern mit vierjähriger Funktionsdauer (§ 6 der Statuten). Die Reihe zum Austritte trifft die Herren: Theodor Cohn, Adols Klein, Rabbiner Dr. Schmiedl, Fritz Singer, Hosrat Sigm. Taussig. 4. Genehmigung der nach § 6 alinea 3 erfolgten Kooptation eines Vorstandsmitgliedes mit dreijähriger Funktionsdauer an Stelle des verstorbenen Herrn Heinrich Nirenstein. 5. Etwaige Anträge der P. T. Mitglieder (8 8 der Statuten.) — Der soeben erschienene und dieser Tage an die Mitglieder zur Versendung gelangende Jahresbericht der Allianz pro 1903 ist besonders reichhaltig. Er enthält neben einer eingehenden Darstellung der Hilfsaktion für Kischenew und Homel, der Konferenz in Berlin, der Tätigkeit der Allianz für Rumänien, der Subvention verschiedener Gemeinden, Vereine und Anstalten im Jnlande rc. noch drei besondere Beilagen unter dem Gesamttitel: Kischenew, und zwar a) Bericht des britischen Generalkonsuls in Odessa an Marquis von Lansdowne, Minister des Aeußern in London; b) Aus dem Berichte des Sekretärs Herrn Rabbiner Doktor K a m i n k a über die Situation in Kischenew und die Organisation des Hilfswerkes; e) die Prozesse gegen die Exzedenten in Kischenew (eine Uebersicht, welche aus dem Manuskripte des Jahresberichtes der Wiener Allianz ins Englische übertragen, zu gleicher Zeit im Werke „Uussia at the Bar of the American People. A Memorial of Kisliinef, New-York u. London“, soeben erschienen ist). Der Bericht des Herrn Dr. Kaminka enthält unter Anderem eine authentische Liste der Märtyrer von Kischenew unter Angabe der Hinterbliebenen Familienmitglieder und eine statistische Uebersicht der jüdischen Bevölkerung in Rußland. Wie«. Die 14. ordentliche G eneralvcrsammlung des israelitischen Frauen-Wohltätigkeits-Vereines für Mariahilf und Neubau fand am 25. April im Sitzungssaale des Mariahilfer Tempel-Vereines unter dem Vorsitze der Frau Vizepräsidentin Franziska Pollak in Vertretung der Präsidentin Frau Kommerzialrat Eifcnberger statt. Nachdem die Vizepräsidentin Frau Frida Strauß die anwesenden Mitglieder und den Vertreter des Tempelvereines Herrn Schriftführer Hermann Liebermann, sowie die Vertreter des Humanitäts-Vereines Herren Präsidenten Dr. Karl Löwy und Hermann König, endlich den Ehrenpräsidenten Herrn k. k. Baurat Max Fleischer und das Ehrenmitglied Herrn Dr. Jacob Engel begrüßt hatte, wurde von Frau Friederike Szues das Protokoll der 13. ordentlichen Generalversammlung und von Frau Fanny Fröhlich der Jahresbericht verlesen. Der Verein zählt 396 Mitglieder und hat im abgelausenen Jahre K 6676 85, in den 3 letzten Jahren K 19.131 67 für Unterstützungszwecke verausgabt. Trotzdem weist der von der Kassierin Frau Jofefine Engel vorgelegte Rechnungsabschluß ein günstiges Resultat aus und beträgt der Vereinsfond über K 20.000. Auf Antrag des Revisors Herrn Dr. Ludwig Landau wurde dem Vorstande einstimmig das Absolutorium erteilt. Die schließlich erfolgte Neuwahl des Vorstandes ergab die einmütige Wiederwahl des erprobten alten Vorstandes, u. z. die Frauen: Präsidentin Cäcilie Eisenberger; l. Vizepräsidentin Franziska Pollak; II. Vizepräsidentin Frida Strauß; Schriftführerin Therese König; Kassierin Josefine Engel; Kontrollorin Fanny Fröhlich; Ernestine Goldberger, Rosa Hummel, Marie Landau, Hedwig Sachs, Friederike Szues, Rosa Taglicht. Wien. In der jüngst im Sitzungssaale der israel. Kultusgemeinde stattgehabten 38. Generalversammlung des Kranken- Unterstützungs- und Humanitäts-Vereines „Gomle Chesed“ (Wohltätigkeit aus Pietät), zu der sich zahlreiche Vereinsmitglieder eingcfunden hatten, widmete der Vorsitzende Präses-Stellvertreter Herr Michael Jokl zunächst dem im Jänner d. I. Hingeschiedenen Präses Bernhard Kanitz, der durch volle 27 Jahre an der Spitze des Vereines gestanden und sich außerordentliche Verdienste um die Hebung und Förderung desselben erworben, einen tiefempfundenen Nachruf, der von den Anwesenden teilnahmsvoll angehört wurde. Sodann erstattete er namens des Vorstandes den Rechenschaftsbericht über das verflossene Vereinsjahr. Aus demselben geht hervor, daß dieser alte und angesehene Verein, der in der Reihe der hierortigen Humanitären Institutionen einen hervorragenden Platz einnimmt, in der segensreichsten Weise wirkt und in nicht zu unterschätzendem Maßstabe zur Entlastung des Armenbudgets unserer Kultusgemeinde beiträgt. Wir heben u. a. nachfolgende Ziffern hervor: die Krankengebühren erreichten die Höhe von L 3164; Kurbeiträge wurden im Ausmaße von K 570 bewilligt; 10 Witwen erhielten K 1400; aus dem außerordentlichen Unterstützungsfond wurden 28 Mitglieder mit K 1059 beteilt. — Der Verein verdient ob seines rein humanitären Wirkens die kräftige Unterstützung und Förderung seitens unserer wohlhabenden Glaubensgenossen. Der Vorstand setzt sich nunmehr aus nachfolgenden Herren zusammen: Moriz Baum, Präses; Louis Flamm, Präses-Stellvertreter; D. Kornfeld, Kontrollor; Michael Neurath, Kassier; Dr. S. E l i a s, Schriftführer; Leo B r a n d t, Dr. M. B l u m e nt h a l, Dr. Leo E h r e n t h e i l, Moriz Graf, Docent Dr. Josef Grünfeld, I. Jaiteles, Michael Jokl, Louis Kaufmann, Siegfried O s e r, Sigmund Werner, Ausschußmitglieder; Wilhelm Breuer, Sekretär. — Die Vereinskanzlei befindet sich: IX. Türkenstraße 8. Kossuth in der Bibel. Eine interessante, doch wenig bekannte historische Reminiscenz über Ludwig Kossuth, dem großen ungarischen Freiheitskämpfer, auf ihre Wahrheit zu prüfen, hat jüngst Herr Sekretär Schwarz in Essek versucht. Die Remiiiiscenz lautet folgendermaßen: Der Vater Ludwig Kossuth's wirkte in Mono! im Zempliner Komitat als Advokat und in dieser Eigenschaft setzte er sich einst in irgend einer Prozeßsache mit dem dortigen Rabbiner, der ob seiner Frömmigkeit und Gelehrsamkeit allgemein gleichsam als Wunderrabbi verehrt wurde, in heftigen Gegensatz. Geängstigt durch diese Spannung, versuchte die fromme Mutter Kossuth's, die in ihrem Mysticismus wahrscheinlich das Walten überirdischer Mächte fürchtete — das frühere gute Verhältnis wieder herzustellen. Zu diesem Behufe begab sich di/gläubige Ehristin, begleitet von ihrem kleinen Sohne Ludwig, eines schönen Tages in die Wohnung des Rabbi. Mit der ganzen Wärme der guten Gattin entschuldigte sie dort die Handlungsweise ihres Mannes, um die Verzeihung des Rabbi zu erlangen. Der freundliche Rabbi hörte die Advokatensgattin milde an und versicherte ihr schließlich unter freundlichen Worten, daß er nun nicht mehr zürne. Doch die Mutter Kossuth's begnügte sich nicht mit dieser Versicherung, sondern erbat vom Rabbi als Beweis vollkommener Versöhnung dessen Segen für ihr Söhnchen Ludwig. Nachdenklich blickte der Rabbi auf den kleinen Knaben, stellte an ihn sodann einige Fragen, welche der Junge klug beantwortete, worauf der Rabbi, seine Hand auf dessen Haupt legend, ihn mit den Worten segnete: ,-Nossato nes lireacho l’hissuosses mipne K o s c h e t, selah!•* Du hast Deinem Freunde ein Panier gegeben, sich zu erheben für die Wahrheit, Selah! (Psalmvers 60, 6) - Tiefbewegt dankend entfernte sich die Mutter Kossuth's. Die späteren Ereignisse ließen den ahnungsvollen Segen des Rabbi sich verwirklichen. Kossuth schwang das Panier der Wahrheit und wurde seinem Volke der Paladin des Rechtes und der Gerechtigkeit. Herr Sekretär Schwarz teilte diese Sage dem Sohne Ludwig Kossuth's, dem hervorragenden ungarischen Parlamentarier Franz Kossuth mit der Anfrage mit, ob sich in seinen Familientraditionen hierüber Anhaltspunkte finden. Hierauf antwortete der Abgeordnete Herr Franz Kossuth dem Fragesteller, daß ihm und seinen Angehörigen diese biblische Beziehung auf das Leben seines Vaters bisher völlig unbekannt war, er sei erfreut und überrascht, daß der Name „Kossuth" sogar in der Bibel vorkonme und dankte ihm für di- Mitteilung dieser ebenso sinnigen wie intereffanten Reminiscenz. Budapest. Die Repräsentanz der Pester israelitischen Kultusgemeinde hielt vorige Woche unter Vorsitz des Hofrates Sigmund K o h n e r ihre Generalversammlung. Der Bericht wurde einstimmig angenommen und denr Vorstand Dank votiert. Der Kostenvoranschlag für das Jahr 1904 präliminiert an Auslagen 1,269.258 K, an Einnahmen 1,240.015 K, infolge dessen sich ein Defizit von 29.243 K ergibt. Weiland Ignaz Wechselmann testierte der Kultusgemeinde 3,400.000 K zu folgenden Zwecken: 1,400.000 X für ein durch die Religionsgemeinde zu ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.