Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 18 (29.4.1904)
- Date
- 1904-04-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 18 2>u RIocb's Mocbenscbritt. Seite 291 mit ihnen zu haben und sie durch ein einziges Wort vor Not und Elend zu schützen. Man hätte doch glauben sollen, daß auch der schlimmste Wüterich in diesem Moment einer weichherzigen Regung zugänglich sein sollte. Aber Herrn v. Plehwe ist das Wort Mitleid unbekannt. Hartherzig schlug er den vor ihm Weinenden die bescheidene Bitte ab. „Die Anordnung ist erlassen und kann nicht mehr rückgängig gemacht werden", hieß es zur Antwort. „Niemand, der dieser herzzerreißenden Szene beigewohnt hat", teilt ein Augenzeuge mit, „konnte sich eines Schaudern erwehren. Man kann nicht anders, als diese Geißel Rußlands aus voller Seele hassen!" Herr v. Plehwe aber hat noch die Stirn, jedem, der es hören will, zu versichern, daß er die Juden keineswegs hasse und daß er stets um deren Wohl besorgt sei. Zur Ostafrikafrage. London. Das von der englischen Regierung den Zionisten gemachte Anerbieten übertrifft beiweitem alle bisherigen Erwartungen. Im Gegensatz zu der Mitteilung des bekannten Afrikaforschers, Sir Harry Johnstone, wonach das den Juden angebotene Territorium 2—300 Meilen von der Ugandabahn entfernt wäre, befindet sich dasselbe keine fünf Meilen von dieser Bahn. Auch der Umfang des Territoriums ist weit größer als allgemein erwartet wurde. Es handelt sich nach Mitteilung der Londoner „Jewish Chronicle" um ein 4 Meilen nördlich der Ugandabahn und 30 Stunden Bahnfahrt von der Küste gelegenes Territorium im Umfange von 5000 englischen Quadratmeilen 1,300.000 Hektar, auf dem reichlich 70.000 jüdische Familien Ackerbau treiben könnten. Das Land ist auf dem Nandiplateau gelegen, ist gut bewässert, reichlich mit Wald bewachsen und so fruchtbar, daß es nach den Angaben Sir Harry Johnstone's zu den fruchtbarsten Gebieten Ostafrikas gezählt werden muß. „Dies schöne Land", berichtet der genannte Afrikakenner in dem Jännerheft des „Geographical Journal" vom Jahre 1902, „weist keinen einzigen unfreundlichen Flecken auf. Daneben ist es völlig unbewohnt, als erwarte es die Besiedelung durch eine nichtasrikanische Rasse, welche aus ihm ein zweites Wales machen soll." Dieses schöne brachliegende Land, direkt unter dem Aequator, erstreckt sich 4000 Fuß über dem Nyanzasee, und die englische Regierung hat in Aussicht gestellt, später der jüdischen Kolonie an diesem großen See einen Hafenplatz einzuräumen. VermLscbtes. Wien. (Ehrung in d e r C h e w r a - K a d i s ch a.) In der am 26. d. M. stattgehabten vollzählig besuchten Vorstandssitzung der Chewra-Kadischa wurde der Vizepräsident derselben, Herr Jur. und Phil. Dr. Markus Spitzer in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Chewra-Kadischa einhellig zum Ehrenmitgliede ernannt. Wien. (Verlobung.) Fräulein Grethe Kohn, Tochter des Herrn T h e o d o r K o h n, hat sich mit Herrn Alois Weinberger, Chef der Firma Alois Weinberger und Karl Fischl, Wien, verlobt. Wien. (Goldene Hochzeit.) Aus Rudolfsheim wird uns mitgeteilt: Am 30. April feiern Herr Michael Steiner und dessen Frau Katharina das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Michael Steiner, der sich wegen seines biederen Charakters und besonderen Wohltätigkeitssinnes in den westlichen Bezirken allgemeiner Wertschätzung und großer Beliebtheit erfreut, begeht, ebenso wie seine Frau, die seltene Feier in Rüstigkeit und Geistesfrische, umgeben von Kindern und Enkeln. Der Jubilar hat sich in den letzten Jahren um den Ausspeisungsverein für die Bezirke XII—XV. große Verdienste erworben. Ueber einstimmigen Beschluß des Vorstandes wurde deshalb Herr Michael Steiner aus Anlaß seiner goldenen Hochzeit zum ersten Ehrenmitgliede des oberwähnten Vereines ernannt. Wien. (Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums.! Donnerstag den 5. Mai 1904, 7 Uhr abends präzise, findet im kleinen Musikvereinssaale eine musikalische Gedenkfeier zur Erinnerung an die hundertste Wiederkehr des Geburtstages von Salomon Sulzer unter der Leitung des Herrn k. u. k. Hofmusikers Professor Joseph Sulzer, Chordirektor der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, statt, bei welcher die Herren: Konrad L o e w e, k. u. k. Hofschauspieler, Oberkantor Böla G u t t m a n n, Erster Kantor Don Fuchs und Orgelvirtuose Professor S. Storch, ferner die vereinigten Chöre der beiden Wiener Hauptsynagogen Mitwirken werden. Programm: I. Abteilung. 1. Psalm 111 (Halle luj ah) für Solo und Chor mit Harfen- und Orgelbegleitung. Komponiert im Jahre 1850 und seit jener Zeit in Wien, sowie in den größeren Synagogen des In- und Auslandes gelegentlich des Geburtsfestes des Landesfürsten aufgeführt. 2. F e st g e d i ch t, verfaßt von Frau Lisa T a r l a u, vorgetragcn von Herrn Konrad L o e w e, k. u. k. Hofschauspieler. 3. a) Waanachnu (am Freitag-Abend! komponiert 1840. b) W aanachnu (am Rosch-haschonoh) „ 1840. c) Hoju c o r‘i m (am Jom kippnr) „ 1855. 4. a) B’roschhaschonoh. „ 1830. b) E m e s. „ 1856. 5. Ma.tö w u. „ 1850. II. Abteilun g. 1. Adon o 1 o m (G-dur) komponiert 1852. 2. a) W?s eore w. „ 1855. b) ATI 0 c h. „ 1855. c) Bai a t o. „ 1855. tl) Hajom haras ölom „ 1857. 3. Franz Schubert: P s a l m 92. (T o w l'h o <1 o s.) Als Beitrag für das Werk „Schir Zion", komponiert im Jahre 1827. Erste öffentliche Ausführung in Wien. III. Abteilung. 1. Ali chomochoh (am Pessach) komponiert 1828. 2. Al i chomochoh (am Chanukaseste) „ 1832. Nach traditionellen Melodien. 4' ATh eroh r 1 (Hochzeitsgesänge, komponiert 1830). Sämtliche Kompositionen sind aus dem Schir Zion Salomon Sülze r's. Die geehrten Mitglieder der Gesellschaft wollen die ihnen zukommenden Karten zu dieser Festfeier Freitag 29. April, von 2—4 Uhr nachmittags, Samstag den 30. A p ri l, von 11—1 Uhr mittags, oder Sonntag 1. Mai, von 3—6 Uhr nachmittags im Museum für jüdische Altertümer, II., Praterstraße 23, 1. Stock, beheben oder ihren Bedarf an Eintrittskarten schriftlich anmelden. Nichtmitglieder können die etwa noch vorhandenen Karten Montag den 2. Mai, eventuell Dienstag d e n 3. M a i 1904, von 2—4 Uhr nachmittags, im Museum für jüdische Altertümer entgegennehmen. Wien. (Todesfall.) Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Dawid F e u ch t w a n g ist von einem schweren Trauersall schmerzlich betroffen worden. Seine Mutter, eine Greisin von 74 Jahren, ist Sonntag den 24. April d. I. zu Würzburg Wien. (Trauung.) Dienstag den 3. Mai l. I., um 12 V« Uhr mittags, findet im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Anna Klein, Tochter des Universitätsprofessors Herrn Dr. S. Klein, mit Herrn Moritz Ehren st ein statt.