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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-04-29 · 18 (29.4.1904) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
18 (29.4.1904)
Date
1904-04-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Se.tc 286 Dr. Blocb’s MocdenscdrM. Nr. 18 Geschichtsfälscher bezeichnet werden, und können seine Werke, wo sie Tatsachen Mitteilen, einen gewissen Wert beanspruchen. Vielleicht ist Nikolaos auch der Autor der pseudo-aristotelischen Schrift de plantis. Der assyrisch-babylonische Sabbath Die Keilinschriften sind recht undankbar. Statt die Vermutungen von Professor Delitzsch, der sich um das Verständnis der assyrischen Literatur die höchsten Verdienste erworben, zu bestätigen, dessen dementieren sie ihn in der allerschärfsten Form. Professor Delitzsch hatte in seinen bekannten Vorträgen über „Bibel und Babel" behauptet, „der hebräische Sabbath und eben damit die in der Sabbathruhe beschlossene Segensfülle wurzele im letzten Grunde in einer babylonisch-assyrischen Institution" (Bibel und Babel III. p. 28). Er hatte die Hypothese aufgestellt, der 7., 14., 21., 28. sowie 19. des (assyrischen) Monates seien die „vom König heilig zu haltenden Tage Gottes (!), das ist Sabbathtage." Damit noch nicht genug, war Delitzsch, fortgerissen von dem Schwung seiner Phantasie, zu der kühnen Behauptung gekommen, die von den Sumerern als böse Tage ausgeschiedenen 7., 14., 21. rc. eines Monates hätten bereits durch die babylonischen Semiten „eine sehr wesentliche sittlichreligiöse Vertiefung (!) gefunden." „Gleich den Hebräern von dem Bewußtsein durchdrungen, daß alles menschliche Tun eitel „Nichtigkeit und Sündenlast" ist, machten die Babylonier den sabattn-Tag zu einem Tag der Versöhnung der Götter mittels Fastens und insonderheit Unterlassens jedweder Tätigkeit." Am 10. Februar dieses Jahres verlas Mr. Pinches, ein verdienstvoller Assyriologe, in der Society of Biblical Archäology zu London einen Aufsatz über ein von ihm im Britischen Museum ausfindig gemachtes Keilschriftfragment, das sehr dankenswerte Aufschlüße über den Monatsknlender der Assyrer gibt. Dieser Aussatz ist in den Proceedings der genannten Gesellschaft erschienen. Der von Mr. Pinches mitgeteilte Text hat zwei Kolumnen. Die eine enthält die sumerische Bezeichnung der Tage, die andere die assyrische Uebersetzung. Da gibt es einen „Tag der Reinigung", einen „Tag der (kultischen) Waschung", mehrere Festtage rc. Zu beachten ist, daß es sich um ein Kalendarium des Normalmonates handelt. Nachdem die Tage 1—10 aufgezählt (erster Tag, zweiter Tag rc.) heißt es in der sumerischen Spalte: 15. Tag, was in der assyrischen Kolumne als Aequivalent sabattu hat. Damit ist klipp und klar dargetan, daß es nur einen einzigen sabattu-Tag gab, und daß dieser auf den 15., die Monatsmitte, fiel, daß aber der 7., 14., 21. rc. die Bezeichnung sabattu nicht führten. Wenn aber dem so ist — und jeder Zweifel daran ist ausgeschlossen — so ist weiter zu folgern, daß die für den 7., 14. rc. geltenden Vorschriften für den 15. nicht zutreffcn, daß somit der 15. — das ist der sabattu-Tag — kein Ruhetag war. Diesem eignet vielmehr astronomisch-astrologische Bedeutung, der 15. ist der Vollmondstag (s. Zimmern, Keilinschriften und das Alte Testament III. Auflage S. 593 Anmerkung 3, woselbst die anderweitig vorkommende Gleichung 15. Tag sa . . . treffend zu sa[battu] ergänzt wird, eine Annahme, die ja jetzt glänzend bestätigt ist.) lieber die kultische Bedeutung des 15. erfahren wir nur aus einem Vokabular, daß es ein Tag der Beschwichtigung (der erzürnten Götter) war. Weiter läßt sich über den 15., das heißt sabattu, zur Zeit nichts aussagen. Daß andererseits die oben erwähnten „bösen Tage" (7., 14. rc.) Ruhetage gewesen wären, läßt sich nicht erweisen. Nur gewiffe Handlungen waren an diesen Tagen verpönt, keineswegs aber ruhte jegliche Arbeit. Die Assyro-Babylvnier waren außerordentlich abergläubisch, und besonders die Zahl 7 hatte es ihnen angetan. Jeder Tag, in dem die 7 steckte, galt ihnen als älss ater, als unheilbringender Tag. (Beiläufig bcnrerkt, geht auf diesen assyrischen oder eigentlich sumerischen Aberglauben unsere „böse Sieben" zurück.) Auch heutzutage gibt es bekanntlich noch „böse Tage", an denen man — das heißt abergläubische Leute — keine Reise antritt und anderes. (Erst kürzlich war im B. T. ein Artikel zu lesen, nach dem es 40 (!) solcher Tage geben soll.) Aber wenn solch abergläubischer Zeitgenosse am Montag oder Freitag oder am 1. August oder 1. April keine Stellung annimmt, keinen Vertrag schließt rc., so unterläßt er darum an dem betreffenden Tage noch nicht jede Beschäftigung und feiert nicht den ganzen Tag. Dasselbe gilt von den alten Affyrern. Die Stelle, aus der Delitzsch die Folgerung zieht, daß an den „bösen Tagen" jegliche Arbeit untersagt war, ist von ihm schwerlich richtig übersetzt worden. Statt aiia kal sibüti (Bibel und Babel I. p. 62) ist vielmehr nach Zimmern, Ritualtafeln 196 (Zeile 22) ana epes sibntu zu lesen, und das bedeutet, „einen Wunsch auszusprechen (ist der siebente rc. Tag nicht geeignet)." Schließlich wäre noch zu untersuchen, ob zwischen diesem so ganz anders gearteten assyrischen sabattu (Vollmondstag) und den hebräischen Sabbathen (Ruhetagen) wirklich ein Zusammenhang besteht, ob ferner das assyrische Wort sabattu sumerischen oder semitischen Ursprunges. Das ist aber eine rein philologische Frage und würde die Geduld des Lesers auf eine harte Probe stellen. Zudem würden wir uns damit auf das Glatteis der Kombination begeben, und wohin das führt, ersieht man aus der gescheiterten Delitzschen Hypothese. Korrespondenzen. Allgemeiner Oesterreichisch-Jsraelitifcher Bund. Einem Jahresbericht des „Bundes" entnehmen wir folgende Stellen, tvelche die gegenwärtige Situation des österreichischen Judentums sowohl als auch die Tätigkeit des Bundes nach mannigfachen Richtungen beleuchten: „Die andauernde Mißachtung der Staatsgrundgesetze, welche gleiches Recht für Alle dekretieren, und die Lässigkeit in der Abwehr antisemitischer Bestrebungen erzeugen ein Gewohnheitsunrecht, welches für die jüdische Gesamtheit von verhängnisvollen Wirkungen begleitet ist. Jeder wird von demselben in irgend einer Weise betroffen; namentlich aber leiden darunter die ärmeren Klassen in ihrem Kampfe üms Dasein und die intelligenten, soferne die zu ihnen gehörigen sich um öffentliche Stellen bewerben." „Die unaufhörliche, unter allen Vorwänden und mit allen Mitteln gegen uns betriebene Hetze, die Ungeniertheit, mit der jeder, auch der unsinnigste Anlaß in der antisemitischen Presse und in öffentlichen Vertretungen ausgebeutet wird, um unsere Glaubensgenossen in ihrer Ehre zu kränken, in ihrer Wirtschaft lichen Existenz zu behindern, macht die Ausgestaltung einer umfassenden, zielbewußten Organisation zu einer stets wachsenden Notwendigkeit. Als eines der tvichtigsten Mittel hiezu schwebt uns unausgesetzt das Ziel vor Augen, durch unsere Vereinigung — der schon heute die meisten Kultusgemeinden, viele jüdische Vereine und Korporationen, dann als Einzelpersonen die Vorsteher von Kultusgemcinden und jüdischen Vereinen, wie auch Persönlichkeiten, die sich durch hervorragende Verdienste um das Judentum auszeichneten, als Mitglieder angehören — vorbereitend ein Organ zu schaffen, welches durch eine künftige Gesetzgebung als die legale Repräsentanz der österreichischen Judenschaft anerkannt oder als das Substrat zur Kreierung eines solchen angesehen werden könnte. Dadurch wäre dann in weiterer Konsequenz auch, nach voranzugehender finanzieller Fundierung, jenes Zentral - Organ gegeben, welches — bei völliger Anerkennung der Autonomie der Kultusgemeinden — in erhöhtem Maße für die Hebung und Belebung jüdischer Institutionen, und dann fernerhin für die Versorgung ihrer Funktionäre, Beamten und Diener Sorge tragen könnte." „Wir haben auch im verflossenen Jahre wiederholt Zuschriften an sämmtliche österreichische Kultusgemeinden gerichtet, in welchen sie zu einem unsere Aufgabe unterstützenden, möglichst vollzähligen Beitritte zum „Allgem. Oestcrr.-Jsraelitischen Bund" zur Förderung gemeinsamer Aktionen, zur Vorbereitung von solchen, eingeladen wurden, und wir können mit Freude konstatieren, daß solche Anregungen lebhafte, sympathische Zustimmung fanden."; v

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