Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 17 (22.4.1904)
- Date
- 1904-04-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 278 Dr. Dlocb's Mocbenscbrttt. Nr. 17 Kl-ttau. Se. Ehrwürden Herr Dr. S. Bret, Rabbiner in Klattau, hat sich mit Fräulein Anna Bloch aus Patzau verlobt. — Herr Ernst Berka, Direktor der Spiritusfabrik in Raudnitz, Sohn des Oberlehrers M. Berka in Klattau, hat sich mit Fräulein Grete Langweil, Tochter des Lederfabrikanten Herrn Julius Langweil in Budin, verlobt. Rzeszotv Unter den vielen Agenden, die der Knltusbeirat unter Vorsitz des verdienstvollen Landesadvokaten Dr. Fechtdegen der Erledigung zuführen möchte, nimmt die Besetzung des vakant gewordenen Rabbinerpostens den hervorragendsten Platz ein. Der publizierte Konkurs hatte mehrere Bewerbungsgesuche zur Folge, u. a von dem Wiener Vereinsrabbiuer Dr. Bernhard Templer. Dr. Templer, ein Lieblingsschüler des berühmten Völkerpsychologen Professor Steinthal, ist nicht nur eine anerkannte talmudische Autorität — bereits im Jünglingsalter hat er zwei halachisch-agadische Werke in hebräischer Sprache veröffentlicht — sondern zeichnet sich auch durch ein gediegenes philosophisches Wiffen aus. Seine rhetorische Begabung wurde vielfach in der Fach- und Tagespreise hervorgehoben, und durch zahlreiche Schriften hat er sich einen rühmlichen Namen in der Gelehrtenwelt verschafft. Wenn wir gut unterrichtet sind, hat Dr. Templer die besten Aussichten, die Palme zu erringen, und dies wäre im Interesse unserer Gemeinde zu wünschen. 2. Bülkovce. (Todesfall.) Samstag früh verschied kper im Hause ihres Schwiegersohnes, unseres hochverehrten Rabbiners Salamon Neumann, die ob ihrer Herzensgüte und tiefer Frömmigkeit allgemein geschätzte Witwe des vor 17 Jahren Heimgegangenen Török-Szent- Mikloser Rabbiners P. Stein s. A. und Tyrnauer Oberrabbincrs M. Stein, Frau Betti Stein im Alter von 65 Jahren. Unter imposanter Kundgebung der allgemeinen Trauer unserer Gemeinde, der hiesigen angesehenen Bürgerschaft wurden die irdischen Reste der Verewigten zum Bahnhöfe geleitet. Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. I. Diamant aus Vnkovar widmete der Verklärten einen tiefempfundenen Nachruf, der auf die große Trauerversammlung einen mächtigen nachhaltigen Eindruck machte. Hierauf nahm ihr Schwiegersohn ruhrenden Abschied von der Hingeschiedenen, die nach Török- Szeut-Miklos überführt wurde, um dort an der Seite ihres Gatten zu ruhen. Triest. Der Kaiser von Oesterreich hat dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Triest, Commendatore Edmondo Richetti, den erblichen Adel verliehen. Antwerpen. (R a b b i n e r w a h l.) Herr Dr. I. Wiener, Rabbiner, zu Pfalzburg (Lothringen), ist zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden. Herr Dr. Wiener ist ein Zögling des Breslauer Seminars. Warschau. Das hiesige Regiemngsblatt, der „Dniewnik Warßawsk", bringt nachstehende offizielle Meldung: Am Freitag den 8. d. M. wurden in der Synagogezu Koüskie die folgenden Worte S. M. des russischen Kaisers der gesamten jüdischen Bevölkerung auf höchst feierliche Weise vom Bezirkshauptmann vorgelesen: „Meinen aufrichtigen Dank den Juden der Stadt Koüskie für ihre mir kundgegebenen Gefühle der Treue und Ergebenheit." Die Nachricht klingt um so sonderbarer, als Koüskie eines der kleinsten Städtchen des Königreiches Polen ist. London. In dem „Rothschild"-Flügel des Städtischen Krankenhauses in London ist wie alljährlich an den beiden ersten Pessachabenden ein feierlicher Seder abgehalten worden. Die Patienten, unter ihnen viele Kinder, folgten in großer Aufmerksamkeit der Vorlesung und dem Gottesdienst, den einer der älteren Kandidaten von Jews College übernommen hatte. Rabbiner S. Levy wohnte dem Seder bei. Paris. Der Sohn des ehemaligen Hauptmann Dreyfus, Pierre mit Vornamen, hat am vergangenen Sabbat in der Synagoge der Rue de la Victoire in Paris seine Barmizwah gefeiert. Feuilleton. Alle Rechte Vorbehalten Jüdische KiUturbilder. Von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komärom. (Fortsetzung.) Mein erster Kosttag, am Sonntag, war bei einein recht armen Manne, der sich mir freiwillig dazu erboten hatte. Er wohnte am äußersten Ende der Stadt, wohin man nur gelangen konnte, wenn man ein bodenloses Kotmeer durchwatete. Da ging ich zum ersten Frühstück hinaus; es war ein trüber, regnerischer Herbstmorgen und ich hatte mich tapfer durch den Kot durchgekämpft, den ich von den Schuhen gar nicht losbringen konnte. Aber ich machte damit dem Fußboden in der Wohnung meines Wohltäters keinen Schaden. Dieser Estrich war von demselben Stoffe, der an meinen Stiefeln klebte — aus Lehm. Es war ein niederes, ärmliches Zimmer, das mir die Aussicht auf ein opulentes Frühstück nicht bot, aber so exotisch schlecht hatte ich es mir nicht gedacht. Es waren Bohnen, die. vom vorigen Tage, von Samstag, übrig geblieben waren, Bohnen, welche, hätte Heine sie gekostet, er sie gewiß nicht als „Himmelsspeise", als „Wonne des Paradieses" besungen haben würde. Ueber diese „koschere Ambrosia" hatte man heißes Wasser gegossen und daneben lag ein Stückchen Schwarzbrot. Ich kostete von dem sonderbaren Gemengsel, konnte aber den ersten Löffel nicht hinunterwürgen. Und da saß die gute Frau niir gegenüber und glaubte mit ihrer uneindämmbaren Redeflut mir das Mahl würzen zu müssen. Aber endlich mußte ich denn doch darüber hinwegkommen. Da war guter Rat teuer, und mir fiel ein, daß ich beim Kommen auf dem Herd einen Topf Milch gesehen habe. Ich rief nun: „Ich glaube, daß die Milch draußen überläuft". Die Frau eilte hinaus. Während dessen schüttete ich das Wasser auf den Fußboden, steckte die Bohnen in die Tasche, nahm das Brot zu mir und ging. Im Vorhause stand zwar die Frau bei der Milch und bemerkte freudig, die Milch sei noch nicht ausgelaufen, aber jetzt müsse sie achtgeben. Ich aber ging — und e i n ganzes Jahr lang hielt ich die Kasteiung dieses Kosttages aus, nur um die armen Leute nicht zu verletzen. Und es ist mir schwer genug gefallen, besonders an zwei Fasttagen im Hochsommer. Am 17. Tamus kam ich am Abende eines langen, unerträglich heißen Fasttages matt und in Schweiß gebadet, den langen Weg hinaus und ich bekam — Kürbis, der noch dazu angcbrannt war, Kürbis und nichts als Kürbis, so viel ich wollte, aber ich wollte nicht .... Und da zu meinem Unglück der Fasttag des neunten Ab auf denselben Tag der Woche fällt wie der 17. Tamus, da bekam ich dasselbe Gericht auch an diesem zweiten Fasttag zum Nachtmahl, nur. mit dem Unterschiede, daß es diesmal in milchiger irdener Schüssel serviert wurde! Doch die guten armen Leute aßen ja auch nichts anderes und brachten das Opfer, das ihnen nicht leicht gefallen, aus Frömmigkeit und Wohltätigkeitssinn! Anders wars in einem ebenfalls frommen, aber reichen Hause. Dort stellte man mir schwarzes Brot hin, während die Familie weißes aß! Einmal verlangte ein in meiner Nähe sitzendes Kind Brot und ich reichte ihm von dem meinigen, was das Kind mit den Worten: „solches Brot mag ich nicht", zurückwies, und ich hatte die Bosheit, dem Kinde zu sagen: „Was wirst Du tun, wenn Du in die Fremde kommst und man Dir solches Brot geben wird". Aber man reichte ihm anderes. Nach dem Gemüse war immer eine lange Pause bis zum Tischgebet, so daß ich, des Wartens müde, gezwungen war, dasselbe allein zu verrichten und zu gehen. Das kam mir schließlich verdächtig vor und ich wollte der Sache auf den Grund gehen. Ich gebrauchte daher eines Tages die List, mein Sacktuch dort zu vergessen. Nach einigen Minuten kam ich zurück, um dasselbe zu holen und sah die Familie an einer leckeren Mehlspeise sich gütlich tun. Das Vergnügen, diese verdutzten, verlegenen Gesichter zu schauen, entschädigte mich hinreichend für die ungastliche. Ausschließung. Ich betrat das Haus nicht mehr, für das ich gar leicht Ersatz fand, denn ich war infolge meines Privatunterrichtes hinlänglich bekannt, um unter den besten Häusern wählen zu können. Ich konnte mich mit allem Eifer dem „Lernen" im Talmud zuwenden, wozu mir die Vorträge des Rabbi reichliche Anregung gaben. Die Art seines Lernens — „Steiger" ist der terminus tsebnieus dafür — war die des Leipniker Rabbiners Quetsch, — derselbe Scharfsinn, ähnliche, wenn auch nicht gleiche stupende