Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 17 (22.4.1904)
- Date
- 1904-04-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 17 Dr. Llocb's MocdenscbrM. Seite 277 und dem Tempelchor. Der Vorstand des Vereines zurHebung der Gewerbe hat Herrn S. B r o d in einer zu diesem Zwecke am 19. d. M. einberufenen Sitzung seine Teilnahme in feierlicher Weise ausgedrückt und diese Kundgebung seinem Präsidenten durch ein Kondolenz-Schreiben zur Kenntnis gebracht. Wien. (Humanitäts-Verein „Freitisch" für die w e st l i ch e n Bezirke Wiens.) Am 9. d. M. fand zugunsten des Freitisches dieses Vereines eine Theatervorstellung statt, und zwar wurde die Komödie „Bessere Leut" von Ludassy und Engel im Raimundtheater aufgeführt. Das Haus war von einem distinguierten Publikum in allen Räumen dicht gefüllt und es konnte mit Vergnügen konstatiert werden, daß dieser unter der Leitung seines verdienstvollen Präsidenten Herrn Dr. Karl L ö w y angesehene Wohltätigkeitsverein viele Freunde und Gönner hat. Es ist hocherfreulich, daß hiedurch dem Freitischfonde des Vereines eine größere Summe zugeführt wurde, da diese Institution für die armen Unbemittelten der westlichen Bezirke eine wahre Wohltat ist. Wien. (Edelhofer's V o l k s o r p h e u m.) Es ist sicherlich ein erfreulicher Beweis für die Leistungen dieser Singspielhalle, daß auch unsere Tagespresse den trefflichen Darbietungen der dort wirkenden Künstlerschar Aufmerksamkeit widmet und sie einer kritischen Besprechung würdigt. Das Renommee, dessen sich das gegenwärtig dort gastierende Ensemble (Regisseur Herr Ludwig Zwiebel) mit Recht erfreut, wurzelt in dein ganz aparten Milieu, in welches der Zuhörer hineingerät, es beruht auf den überraschenden Einzelleistungen und nicht allzuletzt den Genrebildern heiteren und ernsten, mitunter auch düsteren Charakters, die zur Aufführung gebracht werden. Was tvird und wurde uns nicht alles auf den „Bretteln", die auch eine Welt bedeuten, gebracht? Es gelangen da „Spezialitäten" auf die Bühne, von denen man sich mit Ekel und Abscheu abwenden muß. Wie anders bei den „Polischen", wie man das Edelhofer'sche Ensemble mit einer bereits volkstümlich gewordenen Bezeichnung nennt. Wir nahmen jüngst wieder einmal die Gelegenheit wahr, einen Abend dort zuzubringen. Wahrlich, es war kein verlorner! Zuerst einige Einzelleistungen: Der Komiker Jtzkowitsch, Frl. Helene Ge spaß und Herr Streng, das Duettisten-Ehepaar Weinberg und der gefeierte Star der Truppe, Frau Pepi L i t t m a n n. Eine Beisallssalve empfängt die Künstlerin, welche in einer Hosenrolle der bekannten Tracht der östlichen Juden erscheint. Mit ihrem prachtvollen Alt schmettert sie kinderleicht gar wundersame Töne in den Saal. Aber nicht nur gesanglich, auch schauspielerisch ist Frau Littman eine Kraft allerersten Ranges, und wir möchten manchem Barden von Ruf empfehlen, fein ein Stündchen mitanzuhören, welch' köstlichen Schatz Frau Littmann in ihrer Kehle birgt. Dabei ist sie von einem dezenten Humor, verfügt über keine geringe mimische Begabung und alle jene Eigenschaften, die sie zu einer Soubrette prädestinieren. Lied auf Lied muß sie daraufgeben, das begeisterte Publikum wird nicht müde, sich an ihrer Stimme zu berauschen, und willig folgt sie dem aufmunternden Beifall. Es soll aber nicht verschwiegen werden, daß Frau Littmann auch über tragische Akzente verfügt, und auf diesem Gebiete gleichfalls verdienten Applaus erntet . . . Am selben Abend ward uns Gelegenheit, Lateiner's Lebensbild „Gabriel" zu hören und damit noch eine andere Reihe sehr schätzenswerter Darsteller, wie Frau Zwiebel, die Herren G u t m a n n, Littmann u. a. kennen zu lernen. Die Handlung ist dem östlichen Leben entnommen, überaus spannend, und wenn Szenen religiösen Inhaltes miteingeflochten sind, was Manchem fremdartig erscheint, so mögen sie nicht vergessen, daß Religion und jüdisches VolkItum und auch Familienleben in jenem Osten so eng miteinander verflochten sind, daß eine Verquickung dieser Faktoren aus der Bühne wohl begreiflich erscheint. Von den bereits genannten Darstellern verfügt Frau Zwiebel neben ihrer imposanten Figur über eine geschulte Stimme und ein starkes Darstellungstalent, Frau Gutmann und Herr Streng sind ein köstliches Paar voll Verve, drastischem Spiel und erstaunlicher Beweglichkeit. Alles in Allem: Edelhoser's Volksorpheum zählt gegenwärtig Kräfte, deren Leistungen neben jeder anderen „Brettl"-Bühne mit voller Ehre bestehen. A. K. Wien. Der Verein zur Bekleidung armer alter Männer feierte am Sonntag den 17. d. M. in Sohr's Restaurationssaale in einem solennen Festbankette, geleitet vom Obmann-Stellvertreter Herrn Karl D. B o s k o w i tz, Die drei ersten Ehrenmitglieder dieser humanitären Vereinigung. Es sind dies Se. Ehrwürden Dr. Adolf S ch m i e d l. der Philanthrop Michael Back und der verdienstvolle Obmann dieses Vereines Herr Isidor Schw arz. Als Gäste des Festabends erschienen der ehrwürdige Rabbiner Dr. Schmiedl und seine geschätzte Gattin und wurden wie die neuernaunten Ehrenmitglieder vom Festleiter Herrn Bos kow i tz in einer schwungvollen Rede gefeiert. In ergreifenden Worten dankte der greise große Kanzelredner, ihm schlossen sich die glänzenden Reden der Herren Isidor Schwarz und Michael Back, welche d'e künstlerisch ausgeführten Ehrendiplome entgegennahmen. an. Dr. Schmiedl, gerührt, erwiderte, daß keine Ordensauszeichnung ihn so gefreut habe, als eben von diesem Vereine der Beweis treuer Gesinnung, welche er mit allem Feuereifer lohnen will und werde. Im Laufe des Banketts rezitierte Herr Oberkantor G u t t m a n n einen von ihm zu diesem Anlasse im klassischen Hebräisch verfaßten Mischeberach an alle Anwesenden, welchen er mit seinem herrlichen Bariton meisterhaft zum Vortrag brachte. Hierauf hielt Professor Nascher eine mit großem Beifall aufgenommene Rede. Anläßlich dieses Banketts floß dem Fonde dieses Vereines eine erhebliche Summe zu. Es spendeten: Herr Paul Lichtschein K 200, Dr. Heinrich Trietsch K 200, Obmann Schwarz L 50 für den Verein und K 20 für die Rabbiner Schmiedl-Stiftung, Moritz B r e i t n e r K 100, Salomon Herzel K 100, Hugo Popper K 50, Michael Back K 100 und K 20 der Rabbiner Schmiedl-Stiftung und Bernhard Frankl K 20. Nachdem Obmann Schwarz sein zündendes Schlußwort gesprochen, schloß das schöne, der Initiative des Obmann-Stellvertreters B o s k o w i tz entflossene, erhebende Fest. Wien. (Goldene Ho chzeit.) Am 25. v. M. feierten der Wiener Bürger und ehemalige Cafetier Simon Singer und seine Gattin Betty das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Singer rt zu Eibenschitz in Mähren geboren und steht im 77., seine Gattin, gleichfalls eine Eibenschitzerin, im 70. Lebensjahre. Der Jubilar ist eine un zweiten Bezirke allgemein bekannte Persönlichkeit. Er war ehedem Besitzer eines Kaffeehauses in der Oberen Donaustraße, das vornehmlich von Hochschülern und Bankbeamten frequentiert wurde. Viele seiner ehemaligen Gäste sind jetzt gesuchte Wiener Aerzte und Direktoren der ersten Wiener Bankinstitute. Sie werden sich noch mit Dankbarkeit Singers erinnern, der ihnen gleich einem Vater mit Rat und, wenn es erforderlich war, auch mit Tat zur Seite stand. Am 21. Juni 1864 hat Herr inger den Eid als Wiener Bürger abgelegt, seit dem Jahre 1858 gehört er der Kultusgemeinde an. Die Ehe ist kinderlos geblieben. Wien. Infolge unseres Ausrufes „Elend" in voriger Nummer sind uns von Herrn Dr. Heinrich T r i e t s ch, Hofu. Gerichtsadvokat in Wien, K 10.—, unter G. H. K 3.— zugekommen. Marienbad. Am 27. März d. I. fand Hierselbst in Leitner's Haus „Zufriedenheit" die statutenmäßige Generalversammlung der Ortsgruppe Marienbad des Galizischen Hilfsvereines statt. In derselben berichtete der Obmann, Herr JUDr. Josef Steiner, Advokat hierselbst, über die Tätigkeit der Zentrale Wien, sowie über die der Ortsgruppe seit ihrem Bestände (gegründet Dezember 1903), der es gelungen ist, den Mitglicderstand bedeutend zu erhöhen. Die Werbung von neuen Mitgliedern wird als Hauptaufgabe die Ortsgruppe auch weiterhin lebhaft beschäftigen. Obwohl wegen lokaler Verhältnisse Wanderversammlungen in auswärtigen Gemeinden nicht durchgeführt werden konnten, konnten doch einzelne Mitglieder von Auswärts gewonnen werden, so aus Dürmaul, Königswart, Plan und Tepl. Der Bericht des Obmannes, wie auch der des Kassiers wurden beifällig zur Kenntnis genommen. Hierauf gelangten folgende Anträge des Vorstandes einstimmig zur Annahme: 1. die C. W. zu ersuchen, in Galizien Dienstbotenschulen zu errichten, deren Zöglinge geeignet sein sollen, auch außerhalb Galrzien Stellungen anzunehmrn; 2. den Vorstand durch Beiräte zu verstärken. Bei beit hierauf erfolgten Wahlen wurde der bisherige Vorstand per Akklamation wieder-, ferner für Marienbad 3. für jede auswärtige Gemeinde, die in der Ortsgrupve vertreten ist, je ein Beirat gewählt. Demnach besteht I. der Vorstand aus folgenden Herren: JtlDr. Josef S keiner, Advokat. Obmann; Emil B a r u ch, Hotelier, Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde, Obmann-Stellvertreter; Rabbiner Dr. Phil. Goldberger, Schriftführer; Karl K o h n,Kaufmann, Schriftführer-Stellvertreter; Sigmund Schneider, Kaufmann und Hausbesitzer, Kassier; Siegfried Fisch l, Hausbesitzer, Kassier-Stellvertreter. H. Beiräte sind: für Marienbad: Franz Beck, Heinrich G o l d m a n n, Max S t i n g l; für Dürmaul: Sigmund Doktor; für Königswart: Wilhelm L ö w y; für Plan: Albert Kraus; für Tepl: Siegfried B u x b a u m. An den geschichtlichen Teil schloß sich ein Vortrag des Schriftführers Rabbiner Dr. Goldberger über Ziel, Zweck und Mittel des Zionismus, welcher die Grundzüge der bisher hier wenig gekannten Bewegung in großen Zügen darlegte und reichlichen Beifall erntete. Nachdem der Obmann dem Vortragenden den Dank ausgesprochen, folgte noch ein gemütliches Beisammensein, das die zahlreich anwesenden Männer und Frauen bis zur Mitternachtsstunde vereinte. Die Ortsgruppe Marienbad des „Galizischen Hilfsvereines" wird im Sommer ihre Werbetätigkeit unter den vielen hier kurgebrauchenden Glaubensgenossen fortsetzen.