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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-04-22 · 17 (22.4.1904) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
17 (22.4.1904)
Date
1904-04-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Llocb's Mocbenscdrttt. Seite 273 gewiesen. Wenn auch der Geklagte ein prononzierter Vertreter des Rassenantisemitismus ist, so ist auch der Kläger (Wilhelm PH. Hauck), wie der Klage zu entnehmen ist, Parteifreund und Gesinnungsgenosse des Geklagten und es liegt daher gar kein Grund zur Annahme vor, daß Dr. Beisser, der sich übrigens seit Jahren zur katholischen Religion bekennt, die vorliegende Rechtssache nicht mit voller Unbefangenheit entscheiden sollte. Die Befangenheit dieses Richters kann auch nicht aus dem Angriff im „Deutschen Volksblatt" mit Grund gefolgert werden, in dem es heißt, Dr. Beisser habe 177 Vormänner übersprungen, dies um so weniger, als der Artikel vermöge seiner Ueberschrift „Klein's Wirtschaft im Justizministerium", sowie vermöge seines ganzen Inhalts doch beweist, daß ein Angriff gegen die Justizverwaltung und nicht gegen Dr. Beisser vorliegt. Auch hat Dr. Beisser, zur Aeußerung aufgefordert, die Erklärung abgegeben, daß er sich in der vorliegenden Rechtssache nicht im geringsten für befangen erachte. Es mußte daher das Ablehnungsgesuch abgewiesen werden." Dagegen brachte Dr. Grub er den Rekurs ein, den das Oberlandesgericht mit der kurzen Begründung abwies: Nachdem die Ablehnungsgründe nicht zureichend sind, um die Unbefangenheit des Senatspräsidenten Dr. Beisser in Zweifel zu ziehen, war dem Rekurs keine Folge zu geben. — So hätte auch das Landesgericht über die Frivolität dieses Ablehnnngsgesuches hinweggehen können. In ähnlicher Weise versuchte einmal in einem Ehebruchsprozeß eines antisemitischen Zeitungsherausgebers Dr. Pattai mit dem gleichen Erfolg einen jüdischen Richter abzulehnen. Brünn. (Mährisch-jüdischer W a i s e n h i l f sverein.) Am Sonntag den 10. d. fand die diesjährige Generalversammlung dieses Vereines unter Vorsitz des Herrn kaiserl. Rates D. Mandl statt. Der Rechenschaftsbericht des Vorstandes für das Jahr 1903 bezeichnet die Gebarung dieses Vereines als eine nicht gerade ungünstige. Das Vereinsvermögen erfuhr durch eine hochherzige Spende des Herrn Julius Ritter von Gomperz einen Zuwachs von 1000 K und durch Ersparnis von 289 X 54 li und erreichte eine Höhe von 516.022 X 29 h. Hingegen beklagt 8er Vorstand den noch immer überaus niedrigen Stand der Jahresbeiträge, der gegenüber der Mitgliederzahl und Beitragshöhe bei anderen ähnlichen Vereinen äußerst niedrig und im Hinblick auf die segensreichen Zwecke und den Bedarf dieses Vereines als beschämend bezeichnet werden müsse. Der Vorstand richtet deshalb den eindringenden Appell an alle seine Mitglieder und Gönner, dem Vereine neue Mitglieder anzuwerben und die tatkräftige Teilnahme für ihn in den weitesten Kreisen zu verbreiten. Denn trotz des namhaften Bereinsvermögens reichen die verfügbaren Mittel für die an den Verein herantretenden Ansprüche keineswegs aus, es können nicht alle hilfesuchenden Waisen berücksichtigt werden und die gewährten Erziehuugsbeiträge sind in vielen Fällen unzulänglich. Diese ungünstigen Verhältnisse würden sich aber ändern, wenn der Verein auf einen sicheren Stock ständiger Jahresbeiträge, wie häufige und ergiebige Spenden rechnen könnte, was ein umso dringlicheres Bedürfnis ist, als die Einnahmen durch die Rentenkonversion sich verringern. — Für die Waisenpflege wurden 25.215 X 60 h verausgabt. Es standen in der Pflege des Vereines im Sommerkurse 1903 26 Brünner und 130 auswärtige, im Winterkurse 33 Brünner und 124 auswärtige Waisett, die in der Regel Erziehungsbeiträge von 160 X und nur bei mehreren Geschwistern 120 X jährlich beziehen. Ueberdies erhalten 18 Witwen, deren Kinder entweder noch nicht das vorschriftsmäßige Alter erreichten, oder dieses überschritten haben, Unterstützungeit von 80 X, zwei von 160 X jährlich. Ueberdies beziehen drei entlassene Waisen die Heinrich Gomperz'schen Stipendien ä 140 X und ebenso vermittelt der Verein die Verwendung der Leopold Wiesncrfchen Waifenstiftung. Die Waisen sind bei ihren Müttern, beziehungsweise tunlichst bei ihren Verwatidten untergebracht und wird ihre Pflege und Erziehung auswärts von Waisenvätern, in Brünn vom Vorstande überwacht. Dieselben besuchen durchwegs die Volks-, Mittel¬ oder Fachschulen, einige widmen sich dem Handwerk, Mädchen lernen nach dem Schulaustritt Fertigkeiten. Hierauf trägt der Vereinskassier Herr L. Löw Beer den Rechnungsabschluß pro 1903 vor, wonach die Einnahmen 25.623 X 10 h, die Ausgaben 25.333 X 56 1t betrugen und der Fond sich um 1289 X 54 1t vermehrte. Zum Abschlüsse wird noch bemerkt, daß im Verzeichnisse der Jahresbeiträge durch einen Satzfehler drei Namen mit 10 X ausfielen, und zwar: S. Rosenthal, B. Roth, W. Rosenberg. In der nun erösfneten Debatte beantragte Löw Beer die Einsetzung eines Komitees zur Anwerbung neuer Mitglieder und werden für dasselbe außer dem Antragsteller die Herren Ignaz Königsgarten, Heinrich Pollak und Otto Popper gewühlt. Dr. Emil Pollak beantragt, daß in dem Jahresberichte auch die Vermögensbilanz ausgenommen werde, was zugesagt wird. Es werden hierauf Bericht und Rechnungsabschluß genehmigt und dem Vorstande die Entlastung erteilt. Der Voranschlag für 1904 beziffert die Einnahmen mit 25.092 lv, die Kosten der Waiseupflege mit 25.000 X und wird derselbe angenommen. Zu Revisoren werden die Herren Ignaz Schulz und Gustav Tandler und die aus dem Vorstande ausscheidenden Mitglieder Julius Ritter von Gomperz und Alois Witrofsky einstimmig wiedergewählt, worauf die Versammlung geschlossen wird. Czernowitz (S t u d e n t e n s ch l ä g e r e i e n.) Aus Czernowitz wird uns berichtet: Unlängst kam es auf dem hiesigen Ringplatze zu einem heftigen Zusammenstöße zwischen den hiesigen deutschnationalen und jüdischen Studenten. Die anwesenden wenigen Polizisten erwiesen sich machtlos und unter ihren Augen dauerten die Prügeleien nahezu drei Stunden. Auf dem Ringplatze wurden die Geschäftsläden vorzeitig gesperrt und die Haustore geschlossen. Erst als die Polizei größeren Sukkurs erhalten hatte, gelang es, die streitenden Studentengruppen zu trennen. Bei dem Zusammenstöße haben mehrere Studenten ernste Verletzungen erlitten. Die Polizisten verhafteten einige Studenten, die dem Polizeibureau überstellt wurden; nach Abgabe ihrer Legitimation wurden sie aber wieder freigelassen. Königsberg i. P. (S u t z e r - F e i e r.) Der hundertste Geburtstag Salomon Sulzer's, des Regenerators des jüdischen Kultusgesanges (geb. am 30. Mürz 1804, gest. 1890 in Wien), ist in unserer Synagogengemeinde mit Aufmerksamkeit geehrt worden. Beim jüngsten Festabendgottesdienst waren sämtliche zum Vortrage gebrachten Gesänge von der Komposition des berühmten Altmeisters der Synagogenmusik: Herr Rabbiner Dr. Vogelstein lenkte das Thema seiner Predigt über „das Fest der Lieder" auf eine Beleuchtung der in ihrem Gebiet epochemachenden und bleibenden Verdienste des verstorbenen Wiener Kantors. Herr Oberkantor Birnbaum, der sich mit Stolz einen Schüler Sulzer's nennt und sowohl von Beuthen (dem Orte seiner ehemaligen Wirksamkeit) wie noch von Königsberg aus alljährlich bis zu Sulzer's Tode nach Wien reiste, um sich dort von dem großen Lehrer neue Anregungen und Bereicherungen seiner Kenntnisse zu Holen, hat dessen Andenken auch durch eine interessante Sulzer-Ausstellung, die im Lesesaale der Synagoge zu besichtigen war, in pietätvoller Weise geehrt. Es sind außer verschiedenen Handschriften, persönlichen Erinnerungen und Reliquien, Bildnissen re. hatlptsüchlich die Originalausgaben sämtlicher Werke des Gefeierten, worunter sich natürlich auch einige weltlichen Charakters befinden, merkwürdigerweise sogar ein „Tiroler Lied", das 1848 im Wiener Volksgarten von dem Hofopernsünger Ander in Verbindung mit dem akademischen Gesangverein und der Kapelle von Joh. Strauß unter Leitung des Komponisten aufgeführt worden ist. Alle Stücke der wertvollen Sammlung, unter denen sich manches Unikum befindet, stammen aus dem Privatbesitz des Herrn Birnbaum, der sie für diese besondere Gelegenheit zur Anregung für alle Kenner und Freunde dieses Spezialgebiets mit dankenswertester Sorgfalt und Liebe zusammengestellt hat. Frankfurt a. M Das Philanthropiu, die Realschule der israelitischen Gemeinde, beging am 14. d. M. die Jahrhundertfeier. Am Vormittag ging in dem dicht gefüllten großen Saale des Saalbaues die akademische Feier vor sich, wobei der .jetzige Leiter der Schule, Dr. Adler, die Festrede hielt. Er

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