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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-04-22 · 17 (22.4.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
17 (22.4.1904)
Date
1904-04-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 272 Dr. Dlocv's Mocvenscbrirr. Nr. 17 Kolonisation Ostafrikas an sich erst aus dem VII. Kongresse zu entscheiden sein wird, so bleibt die Diskussion über diese Frage wie über alle schwebenden Fragen überhaupt gemäß den bisherigen Gepflogenheiten frei. Weiters hat das große A.-C. nach gründlicher Aussprache die Mißverständnisse geklärt und beigelegt, welche infolge einer von allen Seiten zu heftig geführten Polemik in den letzten Monaten entstanden sind und die Arbeit in unserer Bewegung gestört haben. Die nicht das Ostaftika-Projekt berührenden Anregungen russischer A.-C.-Mitglieder werden dem engeren A.-C. zur Erwägung und Berichterstattung an das große A.-C. überwiesen. Dr. Farbstein, Dr. A. Marmorek, Dr. E. W. Tschlenow, M. Ussischkin, Dr. A. Klee. Diese Resolution wird mit allen gegen die Stimmen der Herren Cowen und Rechtsanwalt Jassinowski angenommen. Die Verhandlung wird sodann bis Nachmittag unterbrochen. Dr. Herzl überreicht namens des engeren A.-C. folgenden Zusatzantrag: „Die prinzipielle Erörterung der ostaftikanischen Frage steht jedem frei. Dabei verpflichten sich alle A.-C.-Mitglieder, alle persönlichen Angriffe nicht nur in den amtlichen Zirkularen zu vermeiden, sondern ihren Einfluß nach Tunlichkeit auszuüben, daß solche Angriffe und überhaupt eine unwürdige Form der Diskussion verhütet werden". Dieser Zusatzantrag wird ohne Debatte mit allen gegen die Stimmen der Herren Jassinowski, Mandelstamm, Cowen und Friedemann angenommen. Mr. Greenberg enthält sich der Abstimmung. Mr. Greenberg beantragt, in die Debatte über die Feststellung der Mittel für die Ostaftika-Expedition einzugehen. Dr. Herzl meint dagegen, das große A.-C. sei durch einen Kongreßbeschluß gebunden, weder Scheckelnoch Nationalsonds, noch Bankgelder hieftir zu verwenden. Es kann sich nur darum handeln, daß das engere A.-C. irgend eine Form findet, um diese Mittel zu verschaffen. Unsere Freunde in Südaftika haben das Anerbieten gemacht, diese Expedition aus eigene Kosten auszurüsten. Außerdem sei bekannt, das das engere A.-C. noch andere Schritte unternommen habe. Es bleibe also nichts anderes übrig, als diese Frage dem engeren A.-C. zu überlassen. Und zwar gibt es zwei Wege, entweder daß ein öffentlicher Aufruf erlassen wird oder daß der Versuch gemacht wird, eine Studiengesellschaft zu bilden. Diese Erklärung des Präsidenten wird zur Kenntnis genommen. Mr. Cowen interpelliert den Vorsitzenden, ob die englische Regierung seit dem Kongreß dem A.-C. nicht eine neuerliche Erklärung hat zukommen lassen. Dr. Herzl: Darüber kann ich jetzt keine Antwort geben, denn wir müssen uns erst darüber beraten. Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten in Wien. In den Rechenschaftsberichten des „Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten", dessen dreiundsechzigster soeben erschienen, ist Notschrei und Schmerzensruf eine stehende Rubrik geworden. Die Anforderungen steigern sich von Jahr zu Jahr, die Einnahmen dagegen nehmen eine retrograde Bewegung ein. Immer mehr erstarkt das Bestreben der jüdischen Jugend, sich dem Handwerke zu widmen, sich unter die Obhut und Patronanz des Vereines zu stellen, ein Erfolg, dessen ethische Bedeutung leider keine Würdigung findet. Die Vereinsleitung ist zum lebhaften Bedauern außer Stande, alle sich dem Handwerke zuwendenden jüdischen Knaben unter Obhut zu nehmen, weil die Mittel hiezu nicht ausreichen. Alljährlich muß deshalb einige Monate hindurch die Aufnahme von Zöglingen sistiert und denselben, die zumeist aus weiter Ferne unter Not und Entbehrungen nach Wien kommen, die Türe gewiesen werden. Auch im letzten Jahre mußte zur Herstellung des Gleichgewichtes zwischen Einnahmen und Ausgaben der Reservesond angegriffen werden, um nicht eine einschneidende Reduzierung der Zöglingszahl eintreten lassen zu müssen. Nun hat es die Vereinsleitung wohl an Bestrebungen nicht fehlen lassen, der finanziellen Misöre Herr zu werden, allein trotz der dringenden und ausdrücklichen Bitte an unsere Glaubensgenossen, der vielfachen persönlichen Versuche der Mitglieder des Vorstandes und wiederholten schriftlichen Ansuchen an zahlreiche Kultusgemeinden, aus deren Bereich Zöglinge die Wohltaten des Vereines fortwährend teilhaftig werden, sind alle diese Bemühungen ohne Erfolg geblieben, es mußte, wie schon erwähnt, neuerlich der Fehlbetrag aus dem Reservefond entnommen werden. Der Vereinsvorstand befindet sich deshalb in der betrübenden Notwendigkeit, den Glaubensgenossen die Pflicht in Erinnerung zu bringen, die Möglichkeit zu bieten, den mit unsäglichen Mühen für schwere Zeiten aufgespeicherten Notpfennig, als welcher der Reservefond zu gelten hätte, nicht alljährlich in Anspruch nehmen zu müssen. Er richtet den eindringlichen Appell, durch Beitritt als Mitglied, durch Zuwendung von Spenden bei allen sich darbietenden Anlässen oder in Form von Ablösung pietätvoller Pflichten die schönen Ziele und hehren Zwecke des Vereines zu fördern und dessen materielle Basis zu kräftigen und zu stärken. Die „O e st e r r e i ch i s ch e Wochenschrift" hat sich schon wiederholt bemüssigt gesehen, dem Notschrei, dem Schmerzensruf des „V e r e i n e s z u r B e f ö r d e r u n g der H andw erk e unt er den in länd i s chen Israeliten" Ausdruck zu verleihen. Es sei daher hiemit neuerlich an alle Glaubensgenossen die dringende Bitte gerichtet, nach Kräften ein Schärflein beizutragen, daß der verdienstvolle Verein der sich gestellten Aufgabe nach jeder Richtung hin und ungeschmälert gerecht zu werden vermag. Man muß nur den Jammer mitangesehen haben, wenn die von weitester Ferne, oft zu Fuß nach Wien behufs Erlernung eines Handwerkes zugereisten Knaben abgewiesen werden müssen, weil es die kargen Vereinsmittel nicht gestatten. Kann doch die verlogene Insinuation unserer Gegner, daß der Jude manuelle Tätigkeit scheut, nicht drastischer widerlegt werden, als wenn alljährlich eine kleine Legion „zünftlerisch" ausgebildeter Gesellen in die Welt gesetzt wird, die in absehbarer Zeit als Meister das Handwerk ausüben. Der Jahresbericht schließt mit „innigen Gef ü h l e n tiefster Dankbarkeit" an die verschiedenen Kultusgemeinden, Korporationen, Institute und alle Jene, die im Berichtsjahre dem Vereine durch Zuweisung von Spenden und Legaten unter die Arme geholfen haben, insbesondere an die Herren Rudolf Auspitz, Max v. Gutmann, kais. Rat Moritz Hirsch u. s. w., ferner an die Kultusgemeinden Wien, Brün n, Linz, Prag u. s. w. Mögen diese guten Beispiele Schule machen und zu zahlreicher Nachahmung anregen. Eduard Beer. Ablehnung eines Richters. Einen ziemlich merkwürdigen Ablehnungsgrund für den Vorsitzenden in einem Zivilprozeß machte kürzlich der Vertreter des Herrn Ernst Vergant, Herausgebers des „Deutschen Volksblatt", Dr. Robert Gruber, geltend. Der Ablehnungsgrund heißt: „Befangenheit aus Rassegründen". Herr Vergant war beim Handelsgericht wegen einer angeblichen alten Schuld von 38.000 K geklagt und Oberlandesgerichtsrat Dr. Beisser war zum Senatspräsidenten bestimmt worden. Der Beklagte brachte hieraus durch Dr. Robert Gruber ein Gesuch um Ablehnung dieses Vorsitzenden ein, in dem es heißt, es lägen zwingende Gründe vor, die Unbefangenheit des Dr. Beisser als Richter in Zweifel zu ziehen. Dr. Beisser sei nämlich Jude, Bergani aber als Herausgeber des „Deutschen Volksblatt" der pronozierteste Vertreter des Rassenantisemitismus, und überdies habe er anläßlich der Beförderung des Oberlandesgerichtsrates Dr. Beisser in seinem Blatte diesen unter der Aufschrift „Klejn's Wirtschaft im Justizministerium" angegriffen. Der Beschluß des Handelsgerichtes lautete: „Der Ablehnungsantrag wird zurück-

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