Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 17 (22.4.1904)
- Date
- 1904-04-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Rr. 17 Dr. Blocb's MocbenscdrLtt. Seite 271 Ist es gestattet, auf der israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes Leichen getaufter Juden bestatten zu lassen? Die Tradition ist jedenfalls nicht zweifelhaft, die Quellen reden vollständig deutlich Iran bzx pns j-cip ps Es darf nicht ein Abgefallener neben dem Religiösen beerdigt werden. (Sanhedrin 47a, Iora dea 362. Y.) Die Friedhöfe symbolisieren die taurpn „Die Welt der Wahrheit", wo „keine persönliche Rücksicht noch Bestechung" gilt. Von verschiedenen Seiten hat man aber in der Diskussion die Gründe der Toleranz geltend gemacht. Allein diese würden eventuell nur bei geborenen Christen zutreffen, für welche man das pp^at w' „Die Frommen und Gerechten der Völker haben Anteil an dem ewigen Leben" (Tosefta Sanhedr. 13) anrufen kann, nicht aber für abtrünnige Juden. Der unvergeßliche Isaak No6 Mannheimer erklärte in einem Rechtsgutachten, betreffend einen Knaben, an welchem die Beschneidung nicht vollzogen worden, er werde „wenn er stirbt, zur Beerdigung auf dem jüdischen Friedhof nicht zugelassen." (Rabb. Gutachten von S. A. Prier, Frankfurt a. M. 1844, S. 102.) Der strenge Reformer, Oberrabbiner Hirsch Fasset von Groß-Kanizsa, erklärte ebenfalls, „daß man das Kind jüdischer Eltern nicht im jüdischen Friedhof beerdigen darf, wenn an demselben die Mila nicht vollzogen wurde." (S. S. Nathansohn School Meschiw, IJI, 64.) Einem Schreiben des Fürther Rabbiners Dr. Hermann Deutsch (Vergl. Religion und Staat, von Rabbiner B. Schlick, S. 17) entnehmen wir die Tatsache, daß fortschrittliche Gemeinden Deutschlands denjenigen, die auf ihren Friedhöfen eigene Grabstätten sich angekauft haben, die Benützung derselben für solche Familienangehörigen, welche aus dem Judentum ausgetreten sind, rundweg verweigern. Denn das Eigentumsrecht an Grüften ist seiner ganzen Natur nach kein absolutes, es ist vielmehr begrenzt durch die Zwecke des „jüdischen F r i e d h o f e s." Die Verwendung der Gruft zur Beerdigung von Leichen Abtrünniger widerstreitet diesem Zweck; sie bedeutet eine materielle und moralische Schädigung der jüdischen Gemeinschaft. In Oe st erreich stehen wir allerdings unter dem Zwange des Artikels 12 des Gesetzes vom 28. Mai 1868; die Beisetzung in einer Familiengruft kann und darf nicht verweigert werden. Umso strenger müssen wir darauf achten, daß e i n einfacher Sarg verwendet wird, ohne Bilder, ohne Embleme und Symbole einer anderen Konfession, und der Vorstand ist es der Ehre der jüdischen Gemeinschaft schuldig, diesen Rechtsstandpunkt durch alle Instanzen zu verteidigen. Wien. Vor einem geladenen Publikum wurde am Montag den 18. d. M. die Palästina-Ausstellung mit einem Vortrags- Abend, bei dem Herr Rabbiner Dr. Dawid das Referat über „Das Kolonisationswerk in Palästina und seine Bedeutung" übernommen hatte, geschlossen. Anwesend waren neben dem Präsidenten der israelitischen Kultusgemeiude Herrn Dr. Alfred Stern, Herr k. k. Baurat W. Stiaßny mit Gemahlin, Herr Dr. Zins mit Gemahlin, ferner vom Aktionskomitee die Herren Ing. Kremen eck y und Gemahlin, Dr. Kahn, Dr. Koke sch, Frau Präsidentin Di am and, weiters die Damen und Herren der Ehren- Komitees, wie auch zahlreiche Vertreter der Presse. Herr Dr. Dawid verglich in seinem Vortrage die nun zu Ende gehende Ausstellung mit einem Buche. Wie man bei der Beendigung des Studiums eines Buches eine „Siumsfeier" veranstaltet, so sei es auch angebracht, darüber nachzudenken, was die Ausstellung gezeigt hat. Der großartigste Erfolg dieser Exposition ist wohl der, daß sie den Beweis dafür erbracht und augenscheinlich dargelegt hat, daß der Fluch der Unfruchtbarkeit, der auf dem heiligen Lande angeblich zu lasten schien, bloß ein Märchen sei. Im Gegenteil konnten wir beobachten, daß Pälästina die Produkte aller Zonen auf einem Boden vereinigt. Um aber diese Produkte dem Boden abgewinnen zu können, dazu gehörten Menschen, die imstande waren, Begeisterung- und Opferfreudigkeit auf dem Altäre ihres Vaterlandes niederznlegen, und wenn die aus Rumänien und Rußland ausgewanderten Juden auf dem damals noch verödeten Boden Palästinas solches zu leisten vermochten, so ist dies ein unwiderlegliches Zeugnis für die Unverwüstlichkeit unseres. Stammes, für die Ewigkeit des jüdischen Volkstums. „Denn", ruft der Redner aus: „die Bauern von heute sind die Parias von gestern". Redner gibt dann genauere Daten über den Beginn, sowie den heutigen Stand der Kolonisation, ferner genauere Zahlen über den Handel Palästinas, der sich in den wenigen Jahren der Kolonisationsbewegung verdreifacht hat, und setzt besonders die Verdienste derjenigen hervor, die das Kolonisationswerk zum Teil begründen, zum Teil zu seiner heutigen Bedeutung sich vervollkommnen halsen. An erster Stelle stehen hier neben dem Baron Edmund Rothschild in Paris die Chowewe Zion in Rußland und Deutschland, sowie die ,.Ica'‘. Die Ausstellung in Wien hat denn auch dazu beigetragen, die Exportfähigkeit der jüdischen Kolonisation, speziell in den bisher in Betracht kommenden Artikeln Wein und Cognac, dem großen Publikum vor Augen zu führen. Sie hat aber auch gezeigt, daß die Pflege der jüdischen Zusammengehörigkeit ohne Rücksicht aus „Ost" oder „West" für die allgemeinen Interessen nur von Vorteil sein kann. „Darum", so schließt der Redner, „ist es auch unsere Pflicht, an dem großen Werke der Kolonisation Palästinas mitzuarbeiten und zu dessen Ausbreitung beizutragen". Der Vortrag, der mit sichtlichem Interesse angehört wurde, fand bei allen Zuhörern ungeteilten Beifall. Nach dem Vortragenden ergriff Herr Dr. Kahn das Wort der den soeben gehörten Ausführungen in allen Punkten zustimmte. Besonderes Gewicht wollte Dr. Kahn jedoch darauf gelegt wissen, daß neben den Geldmitteln, die die Kolonisation erfordert, auch politische Freiheiten für dieselbe notwendig find, damit wir, wie es im Tischgebet heißt, als aufrechte Männer und nicht als geduldete das Land unserer Väter bearbeiten. Die Schlußrede hielt Herr Präsident Dr. Alfred Stern, der die Ausstellung auch eröffnet hatte. Herr Dr. Stern dankte zunächst den ° Veranstaltern der Ausstellung für das glänzend gelungene Arrangement, sowie für das Interessante, das die Ausstellung geboten hat: des ferneren dankte Redner den Damen und Herren der Ehrenkomitees, die durch ihre aufopferungsvolle Tätigkeit und ihren unermüdlichen Pflichteifer den eigentlichen Erfolg der Ausstellung herbeigeführt haben. Wie wir unsere Bibelvorlesungen schließen mit den Worten „sei stark", so schloß der Präsident die Ausstellung, indem er aufforderte, stark zu sein und jeder nach seinen Kräften an seinem Platze für die Interessen des jüdischen Volkes einzutreten. Eine solenne Bewirtung hielt die Anwesenden noch längere Zeit beisammen. Die Konferenz des zionistischen A.-C. Montag den 11. April wurde die Konferenz des großen A.-C. eröffnet. Es waren erschienen: die Herren des engeren Wiener A.-C., ferner aus Oesterreich: Dr. Krenberger, Dr. Goldwaffer, Adolf Stand, Karl Re sek: aus Ungarn: Rabbiner Roth: aus Deutschland: Dr. Klee, Tr. Friedemann als Stellvertreter und Direktor Wolffsohn; aus England: Greenberg und Cowen; aus Rumänien: Samuel Pineles; aus Serbien: Dr. Alkalay: aus Belgien und Holland: Henry Grünau und H. Kann; aus der Schweiz: Dr. Farbstein; aus Rußland: Dr. Bruck, Dr. Jelsky, Prof. Mandelstamm, Jassinowski, Dr. Jakobsohn, Dr. Kohan- Bernstein, Dr. Tschlenow, Dr. Belkowsky, Ing. Ussischkin, Rabbiner Rabbinowitsch und die Herren Dr. Scheinkin und Dr. Rosenbaum als Stellvertreter; aus Frankreich: Dr. Alex. Marmorek; aus Amerika: Dr. Stephan S. Wise. Als Vertreter der zionistischen Kommission zur Erforschung Palästinas: Prof. O. Marburg. Das Resultat der dreitägigen Beratung waren folgende Beschlußanträge: Das große A.-C. nimmt mit Befriedigung Kenntnis von den fortwährenden Bemühungen des engeren A.-C. für Palästina. Das große A.-C. setzt voraus, daß das A.-C. im Sinne der Beschlüsse des VI. Kongresses für die Absendung der Afrika- Expedition Sorge tragen wird. Da jedoch über die Frage der