Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 17 (22.4.1904)
- Date
- 1904-04-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 270 Dr. Mocb's Mlocbenscbrikt. Nr. 17 Wirkungskreis zurück, umjubelt von seinen Getreuen, die sich so lange nach ihm gesehnt hatten. Und nun ist er tot! Die, welche ihm einmal zuhörten, werden ihn nie vergessen, denn es ist die mächtige Kraft der stimmungsvollen Musik, die sein Andenken erhalten wird. Ignatz Mehrer. Korrespondenzen. Generalversammlung der „Chewra-Kadischa". Sonntag den 17. April, 10 Uhr vormittags, fand im Saale des „Hotel Post" die diesjährige Generalversammlung statt. Vom Kultusvorstand waren erschienen die Herren Salo Cohn, Emil Horner, Sieg. K a u d e r s, H. Eltbogen, kaiserl. Rat W. P o l l a k, k. k. Baurat W. Stiaßny, kaiserl. Rat I. W e i l. Als Vizepräsident der „Chewra-Kadischa" eröffnete Herr Kultusvorsteher Dr. M. Spitzer die Versammlung, begrüßte die zahlreich erschienenen Vereinsmitglieder, insbesonders den Delegierten des Kultusvorstandes Herrn Salo Cohn, sowie die anderen Kultusvorsteher und widmete den verstorbenen Vereinsvorstehern Aron B o n d i und Jakob Mohr einen warmen Nachruf. Sodann spricht der Vorsitzende jenen Vereinsmitgliedern, welche als Delegierte der „Chewra" nicht Sturm und Wetter scheuen, um den ärmsten Glaubensgenossen die letzte Ehre zu erweisen und jüdische Liebespflicht zu erfüllen, den Dank aus. Er verweist auf eine Post im Rechenschaftsbericht, welche bestimmt ist, für verarmte Vereinsmitglieder die Kosten des Leichenbegängnisses zu bestreiten, und spricht den Wunsch aus, daß die Finanzlage der Kultusgemeinde sich derart bessere, daß eine Reform des Beerdigungswesens im Sinne vollständiger Gleichheit von Reich und Arm möglich werde. Mit Befriedigung sei zu konstatieren, daß die Kranzablösung immer weitere Kreise sich erobere und der traditionellen jüdischen Sitte, welche die Kränze verschmäht, zu Gunsten der Wohltätigkeit zum Siege verchilft. Das Streben des Vorstandes ist, im Sinne des Judentums und in Uebereinstimmung mit den Wünschen und Ansprüchen der Mitglieder den Verein zu leiten und auf der Höhe seiner heiligen Aufgabe zu erhalten. (Lebhafter Beifall.) Vom Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern wird ein Schreiben verlesen, in welchem derselbe die Generalversammlung begrüßt und sein Fernbleiben wegen einer wichtigen Sitzung des Vertreter-Kollegiums entschuldigt. Dr. Ascher drückt den Wunsch aus, daß in Zukunft die Einladung zur Generalversammlung ebenso wie der Rechenschaftsbericht etwa früher zur Versendung gelange. Kultusvorsteher- Salo Cohn versichert im Namen des Kultusvorstandes dem Verein wärmste Förderung seiner Zwecke. (Beifall.) Herr Baum spricht sein Bedauern aus, daß noch kein Präsident für die „Chewra" gewählt worden, er sieht darin das Resultat der Abhängigkeit vom Kultusvorstand; er rügt das Ausfallen des Brudermahles in diesem Jahre, in welchem der Verein sein hundertvierzigstes Wiegenfest feiert; er wünscht eine Demokratisierung der „Chewra-Sude". Beschämend sei der Vergleich mit der „Chewra-Kadischa" in Budapest; diese zählt 10.000 Mitglieder und hat in diesem Jahre allein 2082 neue Mitglieder erhalten, während unser Verein es im Ganzen nur auf 1500 Mitglieder gebracht hat. Redner kritisiert das Trinkgeld-Unwesen auf dem Friedhofe, welches das Ansehen der jüdischen Gemeinde schädigt und bei Unkundigen einen Widerwillen gegen unsere Institutionen und gegen das Judentum erzeugt. — Die Leichensteine sollten wie in Prag und Budapest mindestens eine hebräische Zeile enthalten. Außerdem wäre cs wünschenswert, den Leidtragenden einen gedruckten Leitfaden vorzulegen, damit sie über ihre Rechte und Pflichten, über die freie Wahl der Funktionäre informiert sind. Kultusvorsteher kaiserl. Rat W. P o l l a k ergreift als Obmann-Stellvertreter der Friedhosskommission das Wort, um Aufklärungen zu geben. Es ist gewiß im Friedhofswesen noch Vieles zu beffern, der Fortschritt bricht sich nur langsam Bahn, allein wer die Errungenschaften der letzten Zeit erwägt, wird gestehen, daß wir ein gewaltig Stück vorwärts gekommen sind. Der Antrag, gedruckte Instruktionen für die Parteien abzufassen, harrt zwar noch der Erledigung, doch wird in der nächsten Zeit die Beschlußfassung erfolgen. Seine Lieblingsidee wäre gleiche Beerdigungsart bei Reich und Arm; das setzt nicht bloß radikale Reformen, sondern auch das nötige Kapital beim Kultusvorstand voraus. In Einzelheiten wird jedoch Vieles gebessert. Ueber seinen Antrag wird in jedem Trauerhaus ein Portier fungieren, um die Ordnung aufrecht zu erhalten und dem Bettel zu steuern. Redner schließt mit dem Versprechen, die Anregungen der Generalversammlung in der Friedhofskommission wärmstens zu unterstützen. Herr Schick urgiert nochmals die Wahl eines Vereinspräsidenten, erklärt es für unwürdig, daß Vorstandsmitglieder ernannt werden und dankt der bisherigen Vereinsleitung für die wahrhaft aufopfernde Tätigkeit. Der Vorsitzende Herr Dr. Spitzer erklärt, daß der Vorstand bald nach der Kompletierung an die Wahl eines Präsidenten schreiten werde; durch das Fehlen des Präsidenten haben übrigens die Agenden keinen Schaden und keine Vernachlässigung erlitten. Herr Goldschmidt stellt die Anfrage, ob es wahr ist, daß getaufte Kinder auf dem jüdischen Friedhof beerdigt werden? Friedhofamts-Adjunkt Herr Freistadt gibt die Auskunft, daß dies allerdings bereits wiederholt geschehen sei; es handle sich um Familiengrüfte, die als Privateigentum durch das Gesetz geschützt sind. (Interkonfessionelles Gesetz vom 28. Mai 1868 in Beziehung auf Begräbnisse.) Herr H o s b a u e r wünscht von einer weiteren Diskussion dieser Frage abzusehen, um den Feinden keinen Anlaß zu Angriffen zu bieten. Dr. Bloch erklärt, diese Bedenken nicht zu teilen und in Erwägung der Tatsache, daß bereits wiederholt Särge mit Kreuzen und anderen christlichen Emblemen auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt wurden, beantragt er, die Generalversammlung der „Chewra-Kadischa" beschließe: 1. Den Kultusvorstand zu ersuchen, bei Verkauf von Familiengrüften die Käufer zu verpflichten, nur Angehörige der jüdischen Konfession in der gekauften Gruft beerdigen zu lassen; '2. bei Beisetzung getaufter Personen, sei es Erwachsener oder Kinder, in einem erworbenen Familiengrabe die Anbringung von Bildern, Symbolen und Emblemen einer anderen Konfession auf den Särgen nicht zu gestatten, andernfalls die Beisetzung zu inhibieren, eventuell den Rechtsweg durch alle Instanzen zu beschreiten. An der Diskussion über diese Anträge beteiligten sich die Vorsteher Salo Cohn, Siegmund K a u d e r s, kais. Rat Poll a k, die Vereinsmitglieder Jacob Jaiteles, Goldman, G o l d s ch m i d t u. a., worauf bei der Abstimnmng die Anträge mit großer Majorität angenommen werden. Im Aufträge der Revisoren beantragt Herr Jakob Jaiteles, der Vereinsleitung das Absolutorium zu erteilen. (Lebhafter Beifall.) Der Antrag wird angenommen. Herr R i pp e r spricht im Namen eines Gewerbetreibenden, der durch die Hilfe der Chewra-Kadischa .nicht bloß die Gesundheit, sondern auch die Erwerbsfähigkeit wieder erlangt hat, dem Vorstande den Dank aus. Herr Schick gibt die Anregung, das Vereinsstatut dahin zu modifizieren, daß die Generalversammlung jedes zweite Jahr abzuhalten sei, sowie daß sämtliche Vereinsvorsteher durch die Generalversammlung gewählt werden sollen. Der Vorsitzende Herr Dr. Spitzer hebt die Jnopportunität so häufiger Statutenänderungen hervor, ist indeß gerne bereit, die gegebene Anregung dem Vereinsvorstande zur Beratung vorzulegen. Nach Verkündigung des Wahlresultates, welches die Wiederwahl der Herren Jakob Kann und S. Steiner und die Neuwahl des Herrn Börserates Moritz B r e i t n e r in die Vereinsleitung ergab, erklärt der Vorsitzende die Versammlung für geschloffen.