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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-04-15 · 16 (15.4.1904) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
16 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette L58 Dr. Dlocb's Mllocbenscbrttt. Nr. 16 Herz. In Vertretung des Ortsschulrates des 11. Bezirkes begrüßte Ortsschulrat F u ch s den neuen Direktor und gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß derjenige Leiter einer Schule, welcher se'ne Ausgabe darin erblickt, Haß und Zwietracht von den zarten Kinderseelen fern zu halten und daraus zu sehen, daß die der Schule entwachsenen Kinder, ins Leben getreten, den Menschen nie nach seiner Religion oder nach seiner Nationalität, sondern nur nach seinem inneren Werte beurteilen, den Geist des Reichsvolksschulgesetzcs richtig ersaßt haben wird. Namens des Lehrkörpers richtete Bürgerschullehrer David Löwit eine warme Ansprache an den Direktor, welcher in herzlichen Worten den Behörden und dem Lehrkörper dankte. Mit der Absingung der Volkshymne schloß die schöne Feier. Baden. Gleich dem erschienenen, alles neu belebenden Frühling hat auch der Tempel der hiesigen Kultusgemeinde ein verjüngtes und anmutcndes Aussehen angenommen, indem er mit vielem Kostenaustvaude neu restaurirt und auf das Geschmackvollste hergerichtet wurde. Die Kultusgemeinde Baden, die ein Vierteljahrhundert ihres Bestandes abschließt, kann mit Stolz darauf hinweifen, daß sie in den verhältnismäßig kurzen Jahren ein schönes Stück Arbeit geleistet, das nicht wenig geistige und physische Anstrengung in Anspruch genommen hat. Am 10. Juni 1878 fand die erste konstituierende Vorstandssitzung der Kultusgemeinde statt, in welcher der noch jetzt an der Spitze der Gemeinde -Repräsentanz stehende Herr Moriz Lettner als Präses gewählt wurde. Und welches Bild boten die Gemeindeverhältnisse zu jener Zeit dar. Die frühere Verwaltung hatte der neucrstandenen Kultusgemeinde eine erdrückende Schuldenlast als unliebsames Andenken zurückgelassen. Der Tempel und Nebengebäude standen von Tag zu Tag in Gefahr, unter den Hammer zu kommen. Zagen erfaßte das Herz der Mitglieder ob der Zukunft der kaum erstandenen Gemeinde. Wie von einer unsichtbaren Hand stand „Auflösung" auf der getünchten Wand geschrieben. In dieses Wirrsal griff eine glückliche Hand ein. Beherzte, tapfere Männer mit weitausschauendem Blicke übernahmen die Leitung dieses jungen Gemeindelebens und gingen daran, von dem Präses geleitet, die Zustände zu saniren und mit kräftiger Hand das Steuer durch alle Stürme zu führen. Die Rabbinerfrage im Jahre 1878 regte die Gemüter aus, führte zu Meinungsverschiedenheiten, zu heftigen Auseinandersetzungen und schließlich zu zwei scharf ausgesprochen sich gegeneinander stehenden Parteien. Jene, welche die tristen ungarischen Gemeindeverhältnisse sich zum Muster nahmen, tvollten einen in diesem Couleur schillernden Rabbiner haben; die anderen aber, welche ein seftgesügtes Gemeindewesen im Auge hatten, suchten einen mir modernen Qualitäten ausgestatteten Seelsorger. Als nun im darauffolgenden Jahre der in der Gemeinde leoreell somim noch jetzt wirkende Rabbiner, Se. Ehrwürden Herr Wilhelm R eich, die Seelsorge übernahm, toste der Sturm zwar noch eine Weile weiter, aber allmählich begann seine Heftigkeit nachzulassen, die Dissidenten erkannten, daß kluger Sinn und feste Hand am Steuerruder der Gemeinde sitzen, sie glichen sich mit den gegebenen Verhältnissen aus. Und wo Friede ist, da ist Segen. Nach und nach entstanden humanitäre und Wohlfahrts-Institutionen in der Gemeinde — von denen der Frauen- Verein mit besonderem Lobe hcrvorzuheben ist — die ihr zum Ruhme gereichen. Munifizentc Spenden, so die des Philanthropen Herrn David Ritter von Gutmann, gaben der Gemeinde die Möglichkeit, eine Vergrößerung oder einen Neubau des Tempels zu planen, und was, so Gott will, in späteren Jahren zur Ausführung' gelangen wird. Aber in seinem bisherigen, ganz unentsprechenden Zustande konnte der Tempel nicht belassen werden, und ist es dem energisch eifrigen Streben des Kultusvorstandes zu danken, daß der Gemeindetempel nach seiner jetzigen inneren Ausschmückung zu den schönsten Gotteshäusern gezählt werden kann. Das Arrangement leitete Herr k. k. Baurat S t i a ß n y, in künstlerischer Weise führte Herr Karl Ka u fm a n n—Wien die Malerei aus und das stilvolle Galeriegitter lieferte der Kunstschlosser Herr Adolf N e u r a t h—Mödling. Prachtvolle Tempelfenster spendeten die Herren: Salomon Klauber, Alfred L e i t n e r, Max Scheu, Alexander P o ll a k, Friedrich Schiller und die Chewra-Kadischa Baden. Die nach sechswöchentlicher Abschließung erfolgte Wiedereröffnung des Tempels, und zwar am ersten Pessachabeud, gestaltete sich zu einem höchst feierlichen Akte. Vor Beginn des Abendgebetes intonierte Herr Oberkantor Seifert mit dem Chore das Aa-tmvu-Gebet, worauf Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Wilhelm R e i ch nach Verrichtung eines herzergreifenden Gebetes, das an jenes des Königs Salomo bei gleicher Veranlassung erinnerte, das Xer-^omitl anzündete; das Ganze wirkte erhebend. In der am darauffolgenden Tage beim tllussuk-Gebete gehaltenen Predigt sprach Se. Ehrwürden dem Vorstande für die volle Hingabe zu diesem heiligen und schönen Werke im Namen der ganzen Gemeinde den Dank aus, was auch in dem vom Sekretär Herrn I n f e l d verfaßten und vom Oberkantor Seifert vorgetragenen Ni-sellelleruell feierlich zum Ausdrucke kam. Aus Waag-Neustadtl wird uns geschrieben: Am Sonntag den 10. April hat hier das Leichenbegängnis des verstorbenen Präsidenten der hiesigen Chewra-Kadischa, Herrn Leopold S o u n e n f e l d, stattgefunden, der am 7. d. M. nach kurzem schweren Leiden im Alter von 76 Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Das hohe Ansehen und die allgemeine Verehrung und Beliebtheit, deren sich der Verstorbene in allen Kreisen zn erfreuen hatte, zeigten sich in der imposanten Teilnahme der hiesigen Bevölkerung an dem Leichenbegängnisse. Mehrere hundert Personen, darunter ein großer Bruchteil Christen, waren erschienen, um dem Dahingegangenen die letzte Ehre zu erweisen und ihre Teilnahme für die Hinterbliebenen zu bekunden, die sich sämtlich in angesehenen Lebensstellungen befinden. Ein Bruder des Verstorbenen ist der Direktor der „Jewish Colonisation Association" in Paris, Herr Prof. Dr. Sigmund Sonnenfeld. Das Trauerhaus vermochte die Anwesenden nicht zu fassen und in dem weitläufigen Hofraume des Hauses, in dem Herr Leopold Sonnenfeld seinen letzten Seufzer ausgehaucht hatte, drängten sich die Teilnehmer an der Leichenfeier, während zahlreiche Personen, die keinen Platz gefunden hatten, auf der Straße vor dem. Hause warten mußten, bis sich der Leichenzug in Bewegung setzte, um dann mit zum Friedhose hinauszuziehen. Der Rabbiner von Triesch, Herr Dr. M. L. Stern, ein Verwandter des Verstorbenen, der zum Leichenbegängnisse hieher gereist war, würdigte in einer tiefempfundenen, die Herzen aller Anwesenden ergreifenden Rede die hervorragenden Charaktcr- und Herzenseigenschaften Sonnenfcld's, der strengste Rechtschaffenheit mit ungewöhnlicher Güte mtfo Mildtätigkeit vereinigte. Nach ihm sprach recht eindrucksvoll Herr Rabbiner Dr. Rosenberg aus Bösing, der Tags zuvor im hiesigen Tempel eine Probepredigt gehalten hatte, und entbot namens der Chewra-Kadischa den: Verstorbenen den Scheidegruß. Zum Schluffe hielt ein Neffe des Verstorbenen, Herr Regierungsrat Wilhelm N e u m a n n aus Wien, namens der Verwandten einen Nachruf, in welchem er insbesonders das Wirken Svnnenseld's für seine Familie darstellte. Es war eine erhebende, würdige Trauerfeier, wie sie auf dem Lande nur selten vorzukommen pflegt, und die außerordentliche Teilnahme, die den Hinterbliebenen bekundet wurde, möge ihnen einen schwachen Trost bieten für den unersetzlichen Verlust, den sie durch das Ableben ihres Familienoberhauptes erlitten haben. Friede der Asche des Verblichenen! Ein Verein für die Statistik der Jude». Man schreibt uns: Die sogenannte Judenfrage ist in unzähligen Schriften behandelt worden; doch waren es meist polemische Gelegenheitsschriften, häufig tendenziöser Natur. Es mangelte zuverlässiges Material zur Beurteilung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden und ihrer Beziehungen zur übrigen Bevölkerung. Die amtlichen Statistiken geben Ausweise über die jüdische Bevölkerung nur unter dem Gesichtspunkte einer Konfessiousstatistik; diese Angaben genügen natürlich nicht, um die Ursachen der exzeptionellen Stellung der Juden, namentlich in Osteuropa, wissenschaftlich ergründen zu können. Ist nun auch in jüngster Zeit in verschiedenen Monographien der Versuch gemacht worden, einwandfteies Material zur Beurteilung der Lage der Juden herbeizuschaffen, so erwiesen sich

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