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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-04-15 · 16 (15.4.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
16 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 256 Dr. DIocb's MocbenscbrM. Rr. 16 des VIII. und IX. Bezirkes einzurichten, und empfiehlt, für diesen Zweck den Betrag von 800 bis 1000 Kronen zu bewilligen. Der Antrag wird angenommen. Im Bezirke Simmering empfiehlt Referent ebenfalls laut Antrag der Bezirkskommission versuchsweise die Einrichtung eines Jugend-Gottesdienstes für Volks- und Bürgerschüler mit einer Exhorte an jedem zweiten Samstag und befürwortet zu diesem Behufe die Bewilligung eines Betrages von 300 Kronen. Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer bemängelt die geringe Bewertung der geistigen Leistungen und gibt die Anregung, die Exhorten entsprechender zu honorieren. Oberfinanzrat Dr. Rapaport empfiehlt, da es sich überhaupt blos um 36 Schüler handelt, von denen kaum die Hälfte regelmäßig am Gottesdienste teilnehmen dürfte, den Antrag des Vertreter-Kollegiums abzulehnen. Kultusvorsteher Sigmund K a u d e r s unterstützt den Antrag des Vertreter-Kollegiums. Die Kinder haben sonst keine Gelegenheit, einen Gottesdienst zu besuchen, und ohne den Jugendgottesdienst wachsen sie wie Wildlinge auf oder sind gezwungen, Samstag von Simmering nach der Seitenstettengasse zu fahren. Im gleichen Sinne spricht Kultusvorsteher kaiserl. Rat Wilhelm Pollak. Er verweist darauf, daß wir es hier mit Anregungen zu tun haben, welche aus dem Schooße der Bezirkskommifiionen hervorgegangen sind. Immer mehr zeigt es sich, daß das Institut der Bezirkskommissionen nach allen Richtungen als segensreich sich entwickelt. Kultusvertreter Dr. Maximilian Steiner erinnert daran, daß nach dem Gesetze schon die Zahl von zwanzig Schülern genügt, den Religionsunterricht einzuführen. Jugendgottesdienst samt Exhorte bilden aber einen integrierenden Bestandteil des Religionsunterrichtes. Die Verhältnisse des Bezirkes Simmering sind besonders exponiert, im lokalen und moralischen Sinne, und pädagogische und moralische Fragen wurden nie in Rücksicht der Masse und der Zahl erledigt. Der Referentenantrag wird sodann zum Beschluß erhoben. Vizesekretär Herr Dr. Adler referiert sodann über den Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen, bietet detaillierte Ziffern über seine segensreiche Entwicklung. Es wurde in der ersten dreizehnmonatlichen Tätigkeitsperiode (Dezember 1900 bis einschließlich Dezember 1901) 700, in der zweiten zwölfmonatlichen Tätigkeitsperiode (Jänner bis Dezember 1902) 960 und im Jahre 1903 688 armen jüdischen Wöchnerinnen in erfolgreicher, den normalen Verlauf des Wochenbettes sichernder Weise Beistand geleistet. Die angeführten Ziffern besagen in der Sprache der Statistik und laut amtlicher Nachweisung, daß 22 Perzent aller jüdischen Wöchnerinnen in Wien die Hilfstätigkeit des Verbandes in Anspruch zu nehmen genötigt sind, wobei jene armen jüdischen Frauen, welche das Gebärhaus oder das Wöchnerinnenheim „Lucina" aufsuchen, außer Anschlag bleiben. Dieser erschreckende Perzentsatz eröffnet uns einen traurigen Einblick in das Anwachsen des jüdischen Pauperismus und bildet zugleich einen beredten Beweis für die Notwendigkeit der Existenz des Verbandes selbst. Was die Finanzlage des Verbandes betrifft, so ist zu bemerken, daß er kein eigenes Vermögen, keinen Stammfond besitzt. Die Auslagen werden aus den Beiträgen der Verbands- Vereine, aus der Subvention der Kultusgemeinde und aus Spenden, die teils direkt einlaufen, teils vom Kultusvorstandc im Sinne des demselben zustehenden Dispositionsrechtes zugewiesen werden, bestritten. Die Ausgaben betrugen: 1900—1901:.K 24.476*11 1902:.„ 24.605 31 1903: ... -.„ 24.625 — Die Einnahmen betrugen: 1900—1901:.K 25.367*58 1902:.„ 19.857*19 1903:.„ 21.625 — In diesen Einnahmen sind enthalten die Subvention der Kultusgemeinde im Betrage von I£ 5500*— und die Subvention aus der Dr. S. H. Goldschmidt-Verlassenschaft im Betrage von K 1200.—. Der restliche Betrag wird durch Beiträge der verschiedenen Frauenvereine und durch Spenden aufgebracht. Zur Deckung des Gebahrungs-Defizites pro 1902 votierte der Kultusvorstand im Vorjahre eine außerordentliche Subvention von K 4748*12. In der Gebahrung des Jahres 1903 ergibt sich ein Fehlbetrag von K 3000.—, dessen Bewilligung als außerordentliche Subvention das Vertreter-Kollegium beantragt. Herr k. k. Baurat Stiaßny unterstützt diesen Antrag und erinnert daran, daß der Verband über Anregung und auf die Bemühungen hin der Kollegen Dr. Maximilian Steiner und Baurat Ritter v. G o l d s ch m i d t ins Leben gerufen worden und zu einer der besten Institutionen sich entwickelt habe. Der Antrag wird angenommen. Kultusvertreter k. k. Baurat Ritter v. Goldschmidt referiert über die Abänderung einiger Bestimmungen der Friedhofsordnung und die Bestellung von Ordnern für Leichenbegängnisse. Kaiserl. Rat Weil erneuert seine Anregung behufs würdigerer Ausgestaltung der Gratisbeerdigungen. Die Klassenunterschiede sollten nicht so grell hervortreten, Rabbiner und Kantor sollten bei jedem Leichenbegängnisse fungieren. Allerdings finden 70 Perzent sämmtlicher Beerdigungen gratis statt. Man sollte indeß Mittel und Wege finden, um die alte jüdische Sitte der Gleichheit nach dem Tode wieder zu erneuern. Kaiserl. Rat Wilhelm Pollak konstatiert, daß seine hierauf bezüglichen Anträge seit Jahren in der Friedhofskommission ruhen. Die Kommissionsarbeitcn sind seitdem in ein rascheres Tempo gebracht worden, so daß zu hoffen ist, daß wir uns nächstens mit Reformanträgen beschäftigen dürften. Den Referentenantrag empfiehlt er zur Annahme. Kültusvorsteher Dr. Markus Spitzer bemängelt das geplante Institut der bezahlten Ordner und. hält auch die beabsichtigte Einführung von Omnibussen für nichtentsprechend und als schädigend für die Würde der Leichenbegängnisse. Kultusvorsteher Salo Cohn hält das ganze Klassenwesen bei Beerdigungen für unjüdisch und wird sich der Abstimmung enthalten. Friedhossadjunkt Freistadt gibt hierauf einige Aufklärungen, dahin lautend, daß auch bei jeder Gratisleiche einer der Chewramänner als Kantor fungiert, welche ihr Amt derart mit Würde versehen, daß sehr oft bessere Familien bei diesen traurigen Anlässen die Uebertragung der kantoralen Funktion an einen der Chewramänner ausdrücklich wünschen. Es sind sämtliche entweder ehemalige oder geschulte Kantoren. Dagegen wird der Prediger auch bei Klassenleichen von der Gemeinde nicht bestellt und es ist Sache der Partei, einen Rabbiner einzuladen. Präsident Dr. Alfred Stern hebt hervor, daß nicht nur 70 Perzent aller Beerdigungen gratis erfolgen, sondern daß auch sämtliche Einnahmen aus diesem Zweige der Verwaltung den Wvhltätigkeitsinstituten zugeführt werden, und daß sohin jede Schmälerung dieser Einkünfte eine Schädigung der Armeninstitute wäre. Nach einem Schlußwort des Referenten Baurat Ritter v. G o l d s ch m i d t werden die Anträge zum Beschluß erhoben, worauf Präsident Dr. Alfred Stern die öffentliche Sitzung für geschlossen erklärt. In der folgenden vertraulichen Sitzung wird der von dem Vorstande der Chewra-Kadischa gewählte Herr Salomvn Simon zum Vorstandsmitgliede derselben ernannt. Tempelspenden. I m Gemeindebethau sei., Seiten st ettengasse4: Von Herrn Oberrabbiner Dr. M. Güdemann K 20.—, von Herrn Samuel Heit K 700.—, von Herrn Dr. Alfred Stern X 250.—, von Herrn S. Simon L 80.—, von Herrn Leopold Kramer K 40.—, von Herrn Adolf Schrame! K 40.—, von Herrn Sigmund Wender X 100.—, von Herrn Dr. Max Löwy X 10.—, von Herrn Max Fischer K 30.—, von Herrn Heinrich Neumann K 40.—, von Herrn Dr. Heinrich Pollak K 10.—, von Herrn Jakob Schick K 20.—, von Herrn Adolf

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