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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-04-15 · 16 (15.4.1904) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
16 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Sh. 16 Dr. Blocb’s MocdenscdrM. Seti* 255 „Hörsten Gutes", als dessen adäquaten Ausdruck die klassischen Denker des Altertums von Plato bis zu den Neuplatonikern das «ya$6betrachtcten. Aber das ist zu beachte»; dasselbe waltet nicht über, nicht neben dem göttlichen Wesen, es ist in sich selbst und eben deshalb zugleich i n G o t t; in Gott, weil und inwiefern cs das Urbild aller ^Sittlichkeit ist. Ans Gott verzichten in Ansehung des Moralprinzips, das hieße so viel, als etwa das kindliche Verhältnis zum Vater leugnen, weil nian als Mann selbständig geworden. Denn das Vorhandensein eines autonomen Sittenbegriffcs Nt gewissermaßen der ontologische Beweis für das Dasein jenes absoluten Wesens, welches ihn dem Subjekte in die Seele gepflanzt. Die Moral ist nicht etwa autonom in dem Sinne, als ob sie ans sich selbst entstanden wäre, sondern in jenem, daß sie f ü r sich sei st b e st e h t. Der unüberhörbare Machtruf der moralischen Pflicht, er bildet den Widerhall einer Gottesstimme im Herzen des Kultur-, sowie des Naturmenschen. Denn auch der letztere, selbst auf seiner primitivsten Stufe der Empfindung, vernimmt, und wenn auch noch so matt und leise, einmal im Leben den Nachhall dieser Stimme. Während gerade diese Empfindungsfähigkeit die nnnbersteigbare Schranke zwischen Mensch und Tier bildet, welches letztere desselben auch auf seiner höchsten Entwicklungsstufe unfähig bleibt. (Vergl. Ps. 49, 13, 21. Proverb. 20. 27.) Das ist die biblisch-talmudische Anschauung von der Autonomie des göttlichen Moralprinzips; wie man sieht, widerspricht dieselbe in keiner Weise der Kant'schen Auffassung desselben. Aber in dieser Hinsicht sind wir nicht blos auf unser Zeugnis allein angewiesen. Wir können uns bei dieser Gelegenheit auf das Urteil desjenigen berufen, den gerade Lazarus ander fraglichen Stelle seines Werkes (a. a. O. S. 95) als einen der bekanntesten Forscher bezeichnet, welcher der jüdischen Weltanschauung deshalb die höchste Ehre gezollt, weil dieselbe zuerst und allein ihren Kernpunkt in der Richtung auf das Göttlich-Sittliche besitzt und dieses allein als vernünftigen Wettzwcck auffaßt, nämlich auf Hermann Lotze. In seinem Mikrokosmus, Bd. III., S. 353, lesen wir: „Die sittlichen Verpflichtungen, deren Bewußtsein überall die sozialen Wechselwirkungen aus dem Gewissen entwickeln, erscheinen hier (im Judentnme) zusammengefaßt, als ein Wille Gottes, denn nicht der einzelne allein durch äußere Werke, sondern den zugleich die Gesamtheit in theokratisch geordnetem Gemeindeleben zu erfüllen und zu verherrlichen hat; die Geschichte des Volkes ist der Verlauf einer beständigen Wechselwirkung mit dem Gotte der Gerechtigkeit, der an die Heiligung seines Willens Verheißungen der Gnade geknüpft hat . . ." Ans all dem ergibt sich: Autonomie des Moralprinzips heißt Unterordnung dem Gottesgedanken; Heteronomie des Moralprinzips Entfernung von demselben. Die Uebertragung des Grundsatzes: sie volo, sic jubeo auf die biblisch-talmudische Ethik macht also Gott nicht zum Despoten, vielmehr das Subjekt zum Herrscher über die irdische Kreatur, dessen Losungswort das „biblische" Wort von dem Ebenbilde Gottes ist: „Sie mögen siegen" über dieselbe! Der kategorische Imperativ ohne theistische Voraussetzung ist das nebulöse Uebermenschentum. Aber wie die Erfahrung lehrt, ist nicht nur vom Erhabenen znm Lächerlichen, sondern auch vom Uebcrmenschen zum — Unmenlchen nur ein Schritt. N e u t i t s ch e i n, im März 1904. Dr. Simon M a n d l Rabbiner. Korrespondenzen. Aus -er öffentlichen Plenarsitzung -es Kultnsvorftandes vom 10. April 1904, 10 Uhr vormittags, unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Im Einlaufe befinden sich: An Spenden: Von Herrn kais. Rat Leopold Sachs zum Andenken an seine jüngst verstorbene Schwester Frau Sophie Prager: Für das Versorgungs- und Siechenhaus X 800-— Für das Wölflerheim des Vereines zur unentgeltlichen Verpflegung Brustkranker auf dem Lande . - . .K 400'— X Von Herrn Moriz Edlen von K u f f u e r zur Verteilung an Arme des XVI. und XVII. Bezirkes: Aus Anlaß des Sterbetages seines sel. Vaters Herrn Ignaz Edlen von Kuffner . . .X 2v0-— Aus Anlaß der Pessachfeiertage 400- - „ Von Herrn kais. Rat Heinrich K l i n g e r: Für das Chorpersonale.• . K 50 — „ die Bethansdiener 50.— „ ii „Allianz ... •••••••„ oO „ „ Talmud-Thora-Schule.„ 40-— „ das „Ferienheim".. . „ 40.— „ den Mädchenunterstützungsverein . . . „ 30 — „ „ „Frauenhort" ..„ 40 — „ die israelitische Armenanstalt.. 150 — „ den Wöchnerinnen-Verband.„ 50. - „ 1200'— 680-— 500.— Von Herrn Hermann Freistadtl anläßlich des Sterbegedächtnistages seiner seligen Gattin zur Verteilung an wahrhaft bedürftige Arme . . .... X 200-— Von „Ch" anläßlich des christlichen Osterfestes für israelitische Arme . .. 20-— Von Herrn Josef Glaser für Arme .. „ 10-— „ Dr. Rudolf K a tz für Arme. „ 10- - „ der Redaktion des „Neuen Wiener Tagblatt" für die israelitischen Schulkinder der Brigittenau, Sammelspende . . . . .. ... „ l0 — Im Einlaufe befindet sich ferner ein Dankschreiben der Familie des verewigten Vorstehers Herrn Heinrich Teils ch e r für die Anteilnahme des Kultusvorstandes: ein Kondolenzschreiben des Betbausvereines „Chewra Berh Hatfilah" anläßlich des Hinscheidens deS Herrn Heinrich T e t t f cb e r : ein Dankschreiben des Herrn kais. Rates Moritz H i r s ch für die Kondolenz des Knltnsvorstandes anläßlich des Hinscheidens seines Bruders, d S Herrn Samuel Hirsch, und ein Dankschreiben der Kultusgemeinde Proßnitz aus dem gleichen Anlasse. Weiters ein Dankschreiben des „Vereines Karmel" sür die Förderung der Ausstellung durch das Präsidium der Kultusgemeinde. An die Verlesung dieses Schreibens anknüpfend, richtet der Vorsitzende an die Versammelten die Einladung, die Ausstellung zu besuchen. Ferner ein Dankschreiben des Herrn Tr. Adolf Ho ff mann für die ihm seitens des Knltnsvorstandes gewordene Gratulation anläßlich seines 80. Geburtstages. Hierauf fand die Präsidentenwahl statt, welche, wie wir an anderer Stelle berichtet haben, mit Stimmeneinbelligkeit erfolgte. Mit der gleichen Einhelligkeit ward sodann Herr Doktor Gustav Koh.n zum ersten Vizepräsidenten gewühlt. (Lebhafter Beifall.) Herr Dr. Gustav K v h n, mit lebhaftem Beifall akklamiert, dankte mit folgenden Worten: Geehrte Herren! Gestatten Sie, daß ich in kurzen Worten für die nahezu einstimmig erfolgte Wahl znm I. Vizepräsidenten Ihnen meinen wärmsten Dank ausspreche. Ich betrachte diese Wahl als ein Vertrauensvotum, als eine Anerkennung, daß Sie mit meiner bisherigen Tätigkeit nicht unzufrieden sind, und ich verspreche Ihnen, meine Herren, nach wie vor mir meiner ganzen Kraft mich dem Dienste der Gemeinde zu widmen. So wie bisher an der Seite des allverehrten früheren, zu unserem lebhaften Bedauern aus Gesundheitsrücksichten auS dem Vorstände geschiedenen Präsidenten kaiserl. Rat Klinger, so will ich von nun ab an der Seite unseres nunmehrigen, hochgeehrten Präsidenten Doktor Stern im Vereine mit jenem Kollegen, beit Ihr Vertrauen zum TT. Vizepräsidenten berufen wird, an der Leitung der Gemeinde Mitwirken. (Lebhafter Beifall.) Mit derselben Stimmeneinhelligkeit wird kaiserlicher Rat Moritz H i r s ch zum zweiten Vizepräsidenten gewählt. Der Verkündigung des Wahlresultates folgten lebhafte Beifallsäußerungen. Kaiserl. Rat M. Hirsch: Für die auf mich gefallene, so hochehrende Wahl zum II. Vizepräsidenten erlaube ich mir Ihnen, meine Herren, ineinen besten Dank zunt Ausdrucke zu bringen. Ob ich den Erwartungen gerecht werde, die Sie vielleicht an meine Wahl knüpfen, weiß ich nicht: ich weiß nur, daß ich mit aller Kraft und aller Hingebung bemüht fein werde, Ihr Vertrauen zu rechtfertigen. Es entspricht dem Prinzipe meiner -bisherigen Wirksamkeit, in erster Linie auf die Aufrechthaltung des Gleichgewichtes im Gemeindehaushalte zu seheti, und in diesem Sinne tu erde ich auch in Hinkunft zunächst tätig sein. Ich danke Ihnen, meine Herrn:, nochmals für die mich ehrende Wahl! (Lebhafter Beifall.) Nach Uebergang zur Tagesordnung referiert Vizepräsident Dr. G. Ko h n im Namen des Vertreter Kollegiums über den Antrag der zweiten Kommission, im israelitischen Tempel, IX., Müllnergasse einen Jugend-Gottesdienst für jüdische Mittelschüler

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