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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-04-15 · 16 (15.4.1904) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
16 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16 Dr Klocb's ÄAocbenscdrttt. -eite 251 sehr gesuchter und hochgeschätzter Künstler war, so wird dadurch seine Bedeutung für den Kunst- und Schönheitssinn der „jüdischen Rasse" nicht beeinträchtigt. In den Museen von Wien, Paris, South Kensington und Budapest finden sich über dreißig kostbare Handwaffen — Degen, sogenannte Ochsenzungen, Sechsfinger u. dgl. — mit höchst kunstvollen, eingeätzten Zeichnungen und reichen Verzierungen, welche, wie teils aus dem Stile, teils ans den Inschriften ersichtlich ist, Werke eines und desselben Künstlers aus dem fünfzehnten Jahrhundert sind. Die Krone dieser .Prunkwaffen, vielleicht das kunstreichste und wertvollste Stück dieser Art, ist seit langem bei den Liebhabern und Kunstkennern als „der König der Degen" bekannt. „Sowohl als Waffe, wie als Kunstwerk zeichnet er sich durch die Einheit von Idee und Ausführung und den Reichtum der Komposition aus. Er ist ein Werk großartigen, erhabenen Stils", sagte von ihm der Kunsthistoriker Iriarte. Wie wertvoll dieser Degen ist, ersieht man auch daraus, daß sich zwei Museen in dessen Besitz teilen und jedes seinen Teil zu seinen schönsten Zierden rechnet. Die Scheide befindet sich im Kensington-Museum zu London, die Klinge in der Sammlung des Herzogs von Sermoneta aus der Familie Gaetanv in Rom. Die Geschichte dieser Waffe ist seit Mitte des achtzehnten Jahrhunderts bekannt. Sie ist von dem Goldschmiede Herkules F e d e l e oder dei Fedeli für Cäsar Borgia, den berühmten oder berüchtigten Sohn Papst Alexanoer's VI. zwischen 1493 und 1503 angefertigt worden. Wann Klinge und Scheide sich von einander trennten, wissen wir nicht; aber es scheint wohl schon vor zwei Jahrhunderten geschehen zu sein. Die Klinge gehörte dem in der Pariser Gesellschaft sehr beliebten italienischen nationalökvnomiichen Schriftsteller Abbate Galiani in Neapel, aus dessen Nachlaß sie ein Vorfahr des jetzigen Herzogs von Sermoneta im Jahre 1787 für 300 neapolitanische Dukaten (nach damaligem Kurswert ungefähr 3600 Francs) kaufte. Wieviel jetzt Klinge und Scheide vereint wert wären, läßt sich kaum abschützen. Fast ebenso .wertvoll wie dieser, ist ein anderer Degen Fedele's, der sich in der Sammlung des Louvre befindet. Als Hosjuwelier in Mantua und Ferrara hat er nicht blos Prachlwaffen, sondern auch viele Schmuckstücke für die Fürstinnen gearbeitet. Es scheint aber, daß sich von diesen nichts erhalten hat oder daß sich etwa Erhaltenes nicht identifizieren läßt. Handzeichnungen Fedele's sollen sich in der Kupferstichsammlung zu Berlin befinden. Es ist selbstverständlich, daß sich die kunsthistorische Literatur in neuerer Zeit viel mit dieser Prachtwaffe beschäftigt hat. Charles Miarte widmet ihr siebzig Seiten seines Prachtwerks Autour des Borgia, Etudes d’ histoire et d’ art (Paris 1891), erzählt ihre Schicksale und gibt eine durch fünf Kupfertafeln und mehrere Abbildungen im Text erläuterte Beschreibung. Außerdem berichten von ihr, ihrem Meister und dessen andern Arbeiten Angelo Angelucci im Katalog der königlichen Waffensammlung zu Turin, A. Bertvlotti in Be Arti minori alla Corte di Mantova, Molinier im Bulletin des musees a. 1889, Maindron in der Gazette des Beaux-Arts vol. VII. 1892, A. Luzio und R. Renier in der Nuova Antologia di scienze lettere ed arti vom 16. Juli 1896, u. A. Wer war nun dieser „treue (oder gläubige) Herkules", der unübertroffene geniale Goldschmied des fünfzehnten Jahrhunderts? Wie Unarte zuerst nachgewiesen hat und wie es dann von anderen bestätigt wurde, war es kein anderer als der Jude S a l 0 m 0 n aus Sess 0 bei Reggio in der jetzigen Provinz Emilia. Von seinem Charakter kann man leider nicht so viel Vorteilhaftes berichten wie von seiner Kunstfertigkeit. Um 1465 geboren, war Salomon schon als junger Mann und Jude ein geschickter und gesuchter Künstler besonders ausgezeichnet in ziselierten und Nielloarbeiteu. Sehr beliebt war er am Hofe von Mantua, wohin ihn Prinzessin Jsabella d'Efte aus Ferrara mitgenommen hatte, als sie im Jahre 1490 den Marchese Franz von Mantua heiratete. Bald hernach wurde sie von ihrer Mutter, der Herzogin Levnora, ersucht, ihr den „jüdischen Goldschmied" schleunigst zurückzuschicken, denn sie bedürfe seiner notwendig. Im Jahre 1491 war er aber wieder in Mantua, wo zu seinen Gunsten eine Ausnahme gemacht wurde. Es wurde nämlich ihm, sowie seinen Gesellen und Söhnen gestattet, sich in der christlichen Osterwoche auf der Straße zu zeigen, was den anderen Inden verboten war. Aber bald darauf wurde er, angeblich wegen Unterschlagung, zum Tode verurteilt. Nur der Verwendung des Herzogs Herkules von Ferrara und dem Uebertritt zum Christentum hatte er es zu verdanken, daß er vollständig begnadigt wurde. Deshalb nahm er auch den Taufnamen des Herzogs an, der wahrscheinlich sein Pate war, und nannte sich „von den Treuen" (oder Gläubigen). So verschwand der Jude Salomon für ein paar Jahrhunderte aus der Kunstgeschichte. Mag man auch seinen Uebertritt mit der Furcht vor dem Tode entschuldigen, so muß man es um so schärfer tadeln, daß er, nach Reuegatenart, seine früheren Giaubensgeuossen in Mantua verleumdete. Er wurde freilich dafür (a. 14 95) vom Marchese gebührend bestraft. Aber die Hofguust hat er bald wieder gewonnen. Man konnte, wie es scheint, dem genialen Künstler nicht lange grollen. Als Herzog Aiphons von Ferrara im Jahre 15«>8 Lucrezia Borgia, die Schwester Cäsars, heiratete, ernannte er Leonore, die Tochter des getauften jüdischen Goldschmieds zu ihrer Ehrendame. Dies hielt aber dessen Söhne Alphons, Ferdinand und Herkules nicht ab, das Kunstgewerbe ihres Vaters fortzusetzen, dessen Genialität und Kunstfertigkeit sie freilich nicht geerbt haben. Aus den erwähnten Familienbeziehungen läßt sich auch die Anfertigung des Degens für Cäsar Borgia leicht erklären: Er hat ihn wahrscheinlich von seinem Schwager als Geschenk erhalten. Aber die Familie Borgia scheint auch andere Inden protegiert zu haben. Der Buchdrucker Hieronymus (Gerson) Soncino in Fano hat dem Cäsar eine schöne Ausgabe der Gedichte Petrarca's und der provenzalische Jude Bvnet de Lates dem Papst Alexander VI. seine Schrift De annnli utilitate gewidmet. Dr. M. L. Vom Jahrmarkt des Hebens. Glossen zur Tagesgeschichte. (M u s k e l j u d e n t u m. — Der A r i e r p « r a ci r a p () i » Berlin. — Viktor Silberer in der Z>v i ck in üble.) Reden wir heute vom „Muskeljudentum". Max Nordau hat das geflügelte Wort in die Welt gesetzt, und es har ebenso viel Glück gehabt, wie sein „Nachtasyl" und noch einige andere Worte, welchen er Flügel geliehen. Wenn „Nachtasyl" und „Muskeljudentum" — übrigens durchaus keine Neubildungen oder neue Erfindungen — plötzlich so populär geworden sind, so liegt das daran, daß da in einem Worte gleich ein ganzes Programm ausgedrückt wird. Viel weniger angesochten als das Programm des Nachtasyls in Lstasrika ist das des Mus letz judentums. Während über das vstasrikanische Experimeur ein erbitterter Krieg ausgebrvchen ist, der noch fortwütet, bat nch gegen das Programm der körperlichen Zucht und Schulung der jüdischen Jugend von keiner Seite ein Widerspruch erhoben. Das ist auch vollkommen begreiflich. Gegen das Selbstverständliche remonstriert man nicht. Damit soll aber das verdienstliche Programm nicht herabgesetzt werden. Sagt doch eine der klügsten Frauen unserer Zeit, Marie v. Ebner Eschenbach: „Sage etwas Selbstverständliches zum ersteumal — und Tu bist berühmt". Es ist also ein gutes Programm und ist es auch nicht zum erstenmal ausgestellt worden, so ist doch die Propaganda dafür immer eine löbliche.

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