Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 15 (8.4.1904)
- Date
- 1904-04-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 240 Dr. ffilocb’s MocvenscvrM. Nr. 15 Wie». (Aus bent siebenunddreißig st en Jahresberichtdes Mädchen-Unterstützungs-Verein es. sVereinszweck: Erhaltung von Schulen zur Ausbildung armer Mädchen für verschiedene Erwerbszweige]) Der Bericht konstatiert, daß seine Bemühungen auf fruchtbares Erdreich gefallen, daß tausende armer Mädchen seine Schulen besucht und in denselben den Grund zu ihrer Existenz gelegt haben. Wohin wir kommen, sehen wir ehemalige Zöglinge unserer Schulen als Beamtinnen, als Handelsangestellte, als Lehrerinnen, Erzieherinnen, Näherinnen tätig. So manche von ihnen hat sich selbstständig gemacht und zählt zu den gewerbetreibenden Steuerträgerinnen Wiens, und wer vermag zu sagen, wie viele von ihnen ohne den Schuh, den sie in ihrer bedrängten Jugend gefunden, ohne die Unterrichts- und Arbeitsgelegenheit, die ihnen der Mädchen- Unterstütznngs-Verein geboten, verkümmert aus dem Geleise geworfen worden wären! Wie alljährlich, sind unsere Schulen auch heuer sehr gut besucht, zu gut möchten wir sagen, denn sie sind bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Der Andrang, dem wir jedesmal im Herbst zu begegnen haben, hat sich heuer infolge einer kommunalen Maßregel verstärkt. Wie ihnen bekannt sein dürfte, wurden die zehn gewerblichen Forlbildungsichulen für Mädchen, welche die Stadt Wien besaß, in Fachschulen für Lehrmädchen umgewandelt; heuer zum erstenmal wurden die aus der Bürger'chule austretenden Mädchen daselbst nicht ausgenommen und die Mütter kamen ratlos und verzweifelt zu uns; unsere Fachschulen, unser Handelslehrknrs hätten verdoppelt werden müssen, um dem Ansturm zu genügen. Wir nahmen auf, so weit wir konnten. Wir haben uns der Petition des Allgemeinen Oesterreichischen Frauenbundes, dem auch unser Verein angehört, um Aufrechterhaltung dieser Schulen in ihrer bisherigen Gestaltung angeschlossen; der Erfolg ist ein negativer. Unser Verein ist durch diese Entscheidung doppelt betroffen worden; denn auch für jene Schülerinnen unserer Arbeitsschulen wäre zu sorgen, die eines Wiederholnugsunterrichtes bedürfen und die wir bisher an die gewerblichen Fortbildungsschulen verweisen konnten. Jetzt werden sie dort nicht ausgenommen, obzwar sie sich zu gewerblicher Arbeit heranbilden — nur das in der „Meisterlehre" befindliche Lehrmädchen gilt als zulässig. Der Unterrichtsgang unserer Schulen ist der gleiche und der Lehrkörper unverändert geblieben. Nur in Bezug auf den Bonnenkurs haben wir die Veränderung getroffen, daß wir denselben mit dem im Herbste des verflossenen Jahres an der „Ersten Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen" eröffneten vereinigt haben. Hierbei waren die Rücksicht auf das dort der Israelitischen Kinderbewahranstalt zu Gebote stehende Kindermaterial und die materiellen Vorteile der Vereinigung maßgebend. Den Handarbeitsunterricht erhalten unsere Schützlinge wie auch die anderen Zöglinge des Bonnenkurses in unseren Schulen. In diesen wenden wir dem hygienischen Moment unser Augenmerk in erhöhtem Maße zu. Ueber Antrag unserer Kollegin Frau Anna Feinberg lassen wir die Vereinsschützlinge zahnärztlich behandeln. Das Ergebnis der ersten Untersuchung war ein geradezu erschreckendes und wir wissen es Herrn Dr. Salomon Singer, II., Kaiser Josef-Straße 3!, Dank, daß er uns durch sein Entgegenkommen diese neue Aktion des Vereines ermöglicht. Herr Dr. Hugo Frey läßt uns in gütiger Weise seinen ärztlichen Rat für Hals-, Nasen- und Ohrenleidende angedeihen, Herr Dr. Rudolf Neurath behandelt nun schon seit Jahren unsere erkrankten Schülerinnen ambulatorisch. Ueber Antrag unserer Vizepräsidentin Frau Hofcat von Frydmaun haben wir Schulbäder eingerichtet, zu welchem Zwecke die Damen: Marie Schüßler. Emma Pollak-Gutmann-Gelse, Catharine Janowitzer und Hofrätin Winternitz einen Fonds bildeten. Für den Miltagstisch der bedürftigsten oder sehr entfernt wohnenden Schülerinnen haben wir aus dem Kreise unseres Vorstandes wie alljährlich auch heuer Spenden erhalten und eine Gabe von 625 Speisemarken, die wir anläßlich der Eröffnung der Israelitischen Volksküche im XX. Bezirke von Frau Professor Rebekka Mautner durch unsere Kollegin Frau Hofrat Winternitz erhielten, kam uns hierbei sehr zu statten. Auch die Bekleidung der Schülerinnen wurde uns durch Gaben, die wir im Verzeichnisse anführen, gütig erleichtert; der Maschinschreibunterricht wurde durch die Spende einer Schreibmaschine seitens unserer Kollegin, der Frau Jenny Baumgarten, gefördert. Für rege Teilnahme dürfen wir nach vielen Seiten hin danken; sie hat sich wieder glänzend bewährt anläßlich der beiden Kindervorstellungen im Saale Ronacher am 6. Jänner und 2 Februar 1903. Diese Vorstellungen, welche unsere verehrte Vizepräsidentin Frau Hofrat von Frydmann in Wien als Wohltätigkeitsvorstellung eingeführt hat und alljährlich mit der größten Hingebung inszeniert, sind bereits zu einer festen Institution geworden, die den Wiener Karneval mit einer Wohltätigkeitsakrion einleitet und den Kindern ihren Anteil am Faschingsvergnügen sichert: dem Vereine und seinen Schützlingen zum wesentlichen Nutzen, den Kleinen zu lebhafter Freude! Wie immer, haben sich auch Heuer ein Komitee junger Damen und die Herren: Julius Stern, Redakteur des „Fremdenblatt", Direttor Waldmann und Sekretär Anton Wilhelm mit Opferwilligkeit in den Dienst des humanitären Unternehniens gestellt — wir können ihnen und der Seele desselben, Frau Hofrat von Frydmann, nicht genug danken. Zu ganz besonderem Danke fühlen wir uns auch Herrn Dr. Ludwig Klinenberger verpflichtet, der sich des Vereines und seiner Aktionen immer auf's wärmste annimmt. Am Schluffe des Vorjahres sind dem Vereinsvermögen durch das hochherzige Legat des verstorbenen Herrn Julius Fränkel X 10.000 zugeflossen. Herr Oskar Bondy hat zur Aufrechthaltung d.s Andenkens seiner in Gott ruhenden Mutter, Frau Pauline Bondy. eine Stiftung zu Gunsten unseres Vereines mit K 2000 gemacht. Die Verewigte hat unserem Vereine lange als Vorsteherin angehört, sie hat treu und eifrig für ihn gewirkt — ihr Andenken wird bei uns unvergessen bleiben! — Die langjährige Gönnerin unseres Vereines. Frau Amalie Nirenstein, hat aus Anlaß des Hinscheidens ihres Gatten Herrn Heinrich Nirenstein zu seinem Gedächtnisse X 300, die Enkel der seligen Frau Louise Rappaport zur Ausrechthalinng des Andenkens an die Verewigte X 400 gespendet. — Der verehrliche Vorstand der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde hat uns wieder seine Schulfreundlichkeit durch einen Unterstützungsbeitrag von X 400 und durch die Zuweisung einer jährlichen Subvention von X 2000 aus dem Hajum Salomon Goldschmidt'schen Legate bewährt. Die Baron Hirsch-Stiftung hat uns neuerlich zur Unterstützung der bedürftigsten Vereinsschützlinge X 1000, die Erste österreichische Sparkassa X 400 bewilligt. Für reiche Spenden haben wir zu danken: Frau Sophie von Bauer, der Witwe unseres langjährigen um den Verein hochverdienten Kassaverwalters, für X 1000, Fran Henriette Benies, die, wie alljährlich, dem Bonnenkurse X 600 widmete, und Frau Camilla Kuffner wie Frau Mathilde Straßer, Frau Hofrat Winternitz, Herrn und Frau Kommerzialrat Janowitzer, Herrn Alfred Ritter von Rudin und vielen anderen. Marie Schüßler,- Präsidentin; Bertha Edle Frydmann von Prawy, Vizepräsidentin; Anna Feinberg, Schriftführerin; Jenny Baumgarten, Henriette Benies, Thedy Bloch, Regine Frey, Catharine Janowitzer, Camilla Kuffner, Emma Pollak-Gutmann-Gelse, Herniine von Sonnenthal, Mathilde Straßer, Lydie Winternitz; Dr. Paul Hammerschlag, Kassavciwalter. Wall.-Meseritsch. In der vorletzten Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" wurde in einem „Eingesendet" auf den vernachlässigten Zustand des israelitischen Friedhofes in Roxnau hingewiesen und dafür die israelitische Kultusgemeinde in Wall.- Meseritsch verantwortlich gemacht. Wer die inneren Zustände der Kultusgemeinde in Wall.-Meseritsch, besonders aber die Verhältnisse der dortigen Chewra-Kadischa kennt, den wird die Tatsache nicht überraschen. Wie sollten die Herren für fernliegende jüdische Verhältnisse Interesse hegen, wenn sie den naheliegenden in der eigenen Gemeinde vollständig teilnahmlos gegenüberstehen. Die Chewra-Kadischa, welche überall einen Brennpunkt in den: jüdischen Gemeindeleben bildet, liegt hier vollständig im Argen. Seit drei oder vier Jahren hielt diese Chewra-Kadischa keine Generalversammlung ab und es erfolgte keine Rechnungslegung. Und es ist so vieles einer Verbesserung notwendig und es fehlt nicht einmal an Mitteln, den Uebelständen abzuhelfen. Da ist zunächst der Weg zum Friedhof, ferner die Leichenhalle, die eine vom Wind und Wetter ruinierte Holzscheuer ist. Wer nur Gelegenheite hatte, den im Nächstliegenden Wsetin befindlichen Friedhof zu sehen, der sieht sofort den Unterschied. Da werden die Gräber pietätvoll gepflegt, alles auf das Beste erhalten. Welch freundlichen Eindruck macht da die Leichenhalle auf den Eintretenden und der düstere Ort verliert von seiner Unheimlichkeit, den sonst ein Friedhof hervorbringt. Man sieht hier deutlich, was guter Wille, Ordnungsliebe und Opferwilligkeit vermag. In Meseritsch ist es ganz anders. Wird ein reicher Mann um wenige Kronen Kultussteuer erhöht, da laufen schon Rekurse ein, er ruht nicht eher, als bis sein Wille durchgesetzt wird. Wahrlich, die Meseritscher Kultusangehörigen könnten sich in so vielen Sachen ein Beispiel an den Wsetinern nehmen. Da ist Jeder Jude mit Leib und Seele, und weil er es ist, so ist ihm für das Judenthum kein Opfer zu groß. Eigentlich gebührt es den Wsetinern, daß bei ihnen der Sitz der Kultusgemeinde sei. Erst vor Kurzem hat der Verwaltungsgerichtshof über eine Beschwerde des Herrn Jacob Sax in Wsetin wegen der im Jahre 1901 stattgefundenen Schätzungskommission zu entscheiden gehabt, und wie es zu erwarten war, ist das Urteil zu Ungunsten der Meseritscher Kultusgemeinde ausgefallen; jetzt ist noch ein Rekurs wegen der im Jahre 1901 stattgefundenen Wahl beim hohen Ministerium ausständig und wird hoffentlich dieses Urteil gleich dem des Verwaltungsgerichtshofes ausfallen. Auch die Fleischfrage wäre zu erwähnen, doch mögen sich dessen die orthodoxen Familien annehmen, damit die Klagen endlich einmal aufhören. — Rühmend muß Herr Leopold Blau, Kantor und Religionslehrer in Wsetin, erwähnt werden, der auf dem Gebiete des Unterrichts schöne Resultate erzielt. Viehofen bei St. Pölten. Auf Anregung des Kultusvorstehers Herrn Carl Frank wurde von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Schächter ein „Jüdischer Literatur-Verein" gegründet, dessen Zweck ist, durch Vortrags-, Lese- und Diskusfionsabcnde und durch Errichtung einer entsprechenden Bibliothek