Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 15 (8.4.1904)
- Date
- 1904-04-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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1lt. 15 Dr. Blocb’s Mocbenscbrttt. Sette 239 werden. Solchen verschämten Armen gewährten wir teils monatliche Unterstützungen, teils boten wir ihnen die Mittel zur Schaffung einer bescheidenen Existenz. So entrichteten wir in einem Falle die nicht unbedeutenden Gebühren zur Erlangung der Konzession für eine Pfaidlerei, erlegten in einem anderen Falle die Taxe für Aufnahme in eine Genossenschaft, zahlten in mehreren Fällen die Steuer für den Hausierpaß, kauften einer armen Näherin eine Nähmaschine u. s. w. Anläßlich des Chanukafestes beteilten wir 24 würdige, arme Frauen mit warmen Kleidungsstücken. In Anbetracht der stets steigenden Anforderungen an den „Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen", der in unserem Rayon allein mehr als 100 Wöchnerinnen mit über K. 1300 bar und sämtlichen Naturalien unterstützte, sahen wir uns veranlaßt, unseren Jahresbeitrag für denselben von K 300 auf K 500 zu erhöhen. Wenn wir hier freudig auf die Erfolge des letzten Jahres Hinweisen, so sind wir uns doch bewußt, daß wir nur sehr wenig leisten könnten, fänden wir nichts von Seite unserer geehrten Mitglieder und Spender, durch ihre Güte und ihr Wohlwollen Förderung unserer Tätigkeit. Durch Zuwendung von namhaften und reichen Spenden haben sie es uns ermöglicht, unsere Vereinsaufgabe in ausgedehntem Maße zu erfüllen. Wir sagen daher allen unseren verehrten Mitgliedern und Gönnern innigen, herzlichen Dank für all' die vielen Beweise von Sympathie, welche sie unserem Wirken entgegenbrachten und wodurch sie unsere Bestrebungen förbeite». — Innigen Dank sagen wir vor allem der löbl. Knltnsgemeinde, dann dem verehrlichen Vorstande des Bethausvereines „Letll l8rael", welcher uns die Benützung seines Sitzungssaales zum Zwecke unserer Verteilungen in liebenswürdigster Weise zur Verfügung stellte und außerdem die Aufnahme unseres Vereines in die Spendentafel seines Bethauses bewilligte. Ebenso herzlich danken wir dem Herrn kaiserlichen Rat Buchdruckereibesitzer Moriz Waizner für das unwandelbare Wohlwollen und die werktätige Untere stützung, die uns von seiner Seite zuteil geworden ist. Ferner sagen wir unseren wärmsten Dank der jüdischen Presse, insbesondere der löbl. Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift" für die zuvorkommende und bereitwillige Förderung, die sie uns auch in diesem Jahre angedeihen ließ. Uns obliegt fe.ner die schmerzliche Pflicht, jenes verdienstvollen Mannes zu gedenken, der unserem Vereine seit mehreren Jahren als Revisor angehörte, des Herrn Arthur Edlen von Mises, der so jäh in der Blüte der Jahre und in vollster Schaffensfreude aus dem Leben gerissen wurde. Er errang durch den Adel seiner Gesinnung, durch seine wahre Menschenfreundlichkeit, sowie durch die Eigenschaften seines Geistes und Charakters die Verehrung aller, die sein hingebendes Wirken im Dienste der Humanität zu beachten Gelegenheit hatten. Der Name dieses edlen Mannes, dessen große Erfahrung auf dem Gebiete der Armenpflege auf die Entwicklung unseres Vereines von günstigstem Einfluß lur, wird unvergessen in den Annalen des „Franen-Wobltätigkeits-Vereines für Hausarme" fortleben. Ferner ist es unsere Pflicht, jener langjährigen Mitglieder und Gönner zu gedenken, die uns im Berichtsjahre durch den Tod entrissen wurden. Es sind dies: Frau Flora Bermann, Frau Louise Rappaport, Frau Rosa Löwy, Herr Heinrich Nirenstein und Herr Emil Mintz. Ehre ihrem Andenken! Um die günstige Weiterentwicklung unseres Vereines zu ermöglichen, wächst aus unserem Danke erneut die Bitte hervor: unterstützen Sie uns auch fernerhin in unserem rastlosen Bestreben, die Not unserer armen Glaubensgenossen zu lindern, und so wollen wir mit der frohen Zuversicht schließen, daß es uns vergönnt sein möge, im nächsten Jahre, wenn wir Sie zu erneuter Berichterstattung begrüßen, gleich Günstiges mitteilen zu können. Der Vorstand für das Vereinsjahr 1903 : Frau Clara K l ä r m a n n, Präsidentin; Frau Sophie Deiches, Frau Adele Edle v. Mises, Vize-Präsidentinnen; Frau Rosa Wiesner, Schriftführerin; Frau Gisela Bien, Kasseverwalterin. Frau Selma B a ck st e z. Frau Ernestine Brecher, Frau Amalie Brüll, Frau Helene Deutsch, Frau Cäcilie N u ß b e ck, Frau Ernestine Sachs, Frau Henriette Schneck. Wien. (Sechsundfünfzigster Jahresbericht und Ausweise des „T h e r e si e n - K r e uz e r - V e r e i n e s" zur Unter st ü tz u n g armer israelitischer Schulkinder für das Jahr 1903.) Das verflossene Berichtsjahr war für den Verein ein Jahr zielbewußter Arbeit und stetigen Fortschrittes der von u> s ins Leben gerufenen Einrichtungen. Allein, so günstig die Ergebnisse in pädagogischer Hinsicht, so erfreulich die Entwicklung der Kinder in körperlicher Hinsicht, so betrübend ist die wiederholte Wahrnehmung, daß die Einkünfte nicht ausreichen, auch nur die regelmäßigen Ausgaben zu decken. Der Jahresabschluß weist ein ziemlich bedeutendes Defizit aus, trotzdem wir auch diesmal reichliche Spenden zu verzeichnen haben, ein Defizit, das eigentlich auch im Vorjahre vorhanden war und nur durch die ganz ungewöhnlich großen Schenkungen der Familie David von Gutmann nicht in Erscheinung trat. Wir müssen daher unsere Mitglieder und Gönner dringendst bitten, uns neue Freunde zu werben, die das schöne, erfolgreiche Wirken des Vereines stützen und fördern möchten. Die Zahl der Mitglieder nimmt leider von Jahr zu Jahr langsam, aber immer wieder, ab. Die natürliche Verringerung, die das Ableben treuer Wohltäter, die Uebersiedlung, — glücklicherweise nur in vereinzelten Fällen — die Veränderung der Vermögensverhältnisse, herbeiführt, wird nicht durch die entsprechende Gewinnung neuer Gönner ersetzt, und gerade dieses wäre für die von uns angestrebten Ziele das Wichtigste. An alle jungen Frauen, die ihre Kinder glücklich unter elterlicher Fürsorge erblühen sehen, möge der Aufruf ergehen, jener Kinder der Armen zu gedenken, die alle an dem Mangel leiden, was den ihren in reichem Maße zu Gebote steht, und die Bitte bei ihnen Gehör finden, beizutragen, daß den Enlerbten des Geschickes alle die Wohltaten zuteil weiden möge», welche der Verein diesen zu bieten im Stande ist! Der Vergleich der Ziffern mit dem Vorjahre ergibt die Abnahme der Zahl der Mitglieder von 416 auf 396. Diesem Umstande entspricht die Abnahme der Jahresbeiträge uw K 34080. Sie betragen K 510.'60 gegen K 5445*40 im Vorjahre Auch die anderen Einnahmequellen weisen eine Verringerung aus. Die Tempelspenden sanken neuerlich von L 535 auf den geringen Betrag von K 375, die Spenden für Verköstigung von K 930 und K 800 die Chanukasammlung ergab nur K 6795 gegen K 7130 im Vorjahre. Auch die Spenden für allgemeine Vereinszwecke sind in geringerem Maße anzusetzen. Ganz abgesehen von der vorjährigen, früher erwähnten ungewöhnlich großen Widmung von K. 15.000 sind dieselben mit K 236J-26 gegen K 4444-21 un Vorjahre ausgewiesen. Wir verdanken dieses Ergebnis den größeren Zuwendungen der Frau Laura v. Rapoport - Porada anläßlich der Vermählung ihrer Tochter Lucie mit K 400, der Frau Irene Winter- Anspitz anläßlich der Geburt eines Sohnes mit K 200, des Tr. Paul Hellmann aus gleichem Anlasse mit K 200, der Frau Gabriele Jordan anläßlich der Vermählung ihrer Tochter Leonie mit K 200, endlich dem Legate der verstorbenen Frau Mathilde Frieß mit K 1000. Nichtsdestoweniger haben wir unsere Tätigkeit nicht eingeschränkte 180 Mädchen besuchten ständig die Arbeitsschule des Vereines, 34 Knaben die Handfertigkeitsanstalt. An 254 Speisetagen (gegen 252) wurden . 2.154 Portionen (gegen 30.178 im Vorjahre) den Kindern verabreicht, 23.619 davon an die Mädchen (gegen 22.858) und 8535 an die Knaben (gegen 7320 im Vorjahre). Tie Kosten einer Speisung stellten sich geringer, auf h 27 gegen h 28 I im Vorjahre. Tie Kosten der Mädchen-Arbeitsschule, zuzüglich der Generalunkosten für Beleuchtung und Beheizung, die wir dem Knabenhort nicht gesondert berechnen, stellten sich ans l< 6047'14 gegen K 5507-51 im Vorjahre, die des Knabenhortcs dagegen verringerten sich auf K 1278-03 gegen K 1813-96 im Vorjahre, da d'e llnterweisung durch eine Lehrkraft sich als ausreichend erwies. Die Mädchen haben in der Schule 1242 Arbeitsstücke angefertigt gegen 1.94 im Vorjahre. Als Erlös siir dieselben wurden den Kindern K 370-21 gegen K 443 35 gutgebracht, ausbezahlt wurde an dieselben der Betrag von K 413 08 gegen K 447-54. Das Guthaben der Kinder, das ans ihren Namen in Sparkassebüchern fruchtbringend angelegt erscheint, beläuft sich auf 10 616-48 gegen K 659 36 im Vorjahre. Für Bekleidungszwecke verwendeten wir K 5( 97! 8 gegen K 5165-27 im Vorjahre. Hievon wurden?72 Kinder. 21'> Mädchen und 57 Knaben bcteilt, gegen 256 Kinder, 205 Mädchen und 51 Knaben, im Vorjahre. Die geringeren Kosten erklären sich durch die etwas erhöhten Naturalspenden und größere, freundlichst gewährte Rabatte Als den wichtigsten Fortschritt dürfen wir wohl die Sicherung der Zahnheilpflege unserer Schützlinge bezeichnen. Tie ambulatorische Behandlung bei den betreffenden Zahnärzten hat sich auf die Dauer als undurchführbar erwiesen. Es gelang uns aber durch opferwilliges Zusammenwirken, die Möglichkeit zu beschaffen, die Zabnoperationen in der Schule selbst ausznführen. Herr mell. Dr Leo F'eischmann hat uns seine Hilfeleistung alle Sonntage Vormiltag in entgegenkommendster Weise zur Verfügung gestellt und behandelte an Ort und Stelle die Kinder; unsere Präsidentin Frau Emilie von Pfeiffer war so gütig, die erheblichen Kosten der Anschaffung der hiezu notwendigen Instrumente und Mobilien ans eigenem zll tragen und die Firma Weiß & Schwarz unterstützte die Ausführung durch Gewährung ausnahmsweiser Rabatte. Wir sagen hiefür unseren wärmsten, tiefgefühltesten Dank. Es wird hiedurch den Kindern für Gegenwart und Zukunft ein großer unschätzbarer Vorteil ^»gewendet. An dieser Stelle wollen wir unserem Lehrpersonale, das sich in verdienstlichster Weise um unsere Lehrziele bemühte, an deren Spitze der Direktorin der Arbeitsschule Frau Antonie Eisner, ferner Frau Katharine Eibenschütz, Fräulein Hermine Schrammel und dem Leiter des Knabenhortcs Herrn Josef Stern die vollste Anerkennung aussprechen. Auch des Herrn Dr. Wilhelm Pappenheim, welcher der Vereinsleitnng jederzeit seinen bewährten juristischen Rat und Mitwirkung in uneigennütziger Weise zur Verfügung stellte, sei hier dankend gedacht. Herr Emil Karpeles war so freundlich, über unser Ersuchen an Stelle seines verblichenen Vaters, des Herrn Moriz KaipAcs, die Funktion eines Revisors zu übernehmen. Die festliche Weihe der Chanukabeteilnng mußte in diesem Jahre, eines Masernfalles in der Familie des Lehrers wegen, entfallen. Die Bescheerung wurde den Kindern ins Hans geliefert. Zum Schlüsse wollen wir noch die Zusage zur Kenntnis bringen, die wir von Frau Irma Baronin Mayer-Ketschendorf erhielten, daß sie an Stelle ihrer unvergeßlichen, verewigten Mutter, der Frau Sofie v Gutmann, unserem Vorstande beitreten werde. Wir begrüßen sie mit Freude und erhoffen von ihrer Mitwirkung die besten Erfolge für das Gedeihen des Vereines, für den wir wiederholt das fortdauernde Wohlwollen aller seiner Gönner und Förderer erbitten. — Der Vorstand: Emilie v. Pfeiffer. Regine W e r t b e i m b e r. Lina H e 1 l m a n n, Ernestine Thors ch. Julie (tz o l d s ch ui i e d t, Panline Weisweiller, Rosa W e i l. Laura v. R a p o v o r t- Porada, Jenny Mautner, Dr. Gotthelf Meyer, Dr. Philipp (tz o l d s ch m i d t, Fritz Singer. — Jedermann, auch jene Personen, welche nicht Mitglieder des Vereines sind, werden zum Besuche der vom „Theresien-Kreuzer-Verein" errichteten Mädchen-Arbeitsschule n>:d des Knabenhortes eingeladen. Dieselben befinden sich im Veieinshanse: II., Untere Augartenstraße 35.