Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 15 (8.4.1904)
- Date
- 1904-04-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 23? Dr. Blocb’s Mlocbenscbrttt. Nr. 15 Der gottbegnadete Meister des Gesanges Oberkantor Salomon Sulz er gab den Sedcr. Leine erhebenden Gesänge erfüllten den weiten Raum: hingerissen von der Weihe des Augenblickes, folgte ihiien mit wahrhafter Begeisterung die Begleitung aus den vielstimmigen jugendlichen Kehlen. Der überaus glänzenden Feier wohnten viele illustre Gäste in stattlicher Anzahl bei. Ich nenne unter anderen den Erzbischof von Wien Kardinal Rausche r, den Untcrrichtsministcr Grafen Leo T h u n, den Pvlizeiminister Ritter von Kempten und mehrere hohe Generale, den B ü r g e r m e i st e r von Wien Dr. S e i l l e r in Begleitung mehrerer Gemeinderäte, Baron Anselm von R o t h s ch i l d und hervorragende Vertreter der Finanz- und Handelswelt. Selbstverständlich erschienen zum Empfange der hohen Gäste der Kultusvorstand in corpore, Prediger Doktor M a n n h e i m e r, Rabbiner Lazar H o r o w i tz, Ludwig August Frankel u. a. Alle Gäste lauschten dein gottvollen Gesänge bis zu Ende der Feier. Wahrlich, die damalige Zeit verdient trotz ihrer Mängel noch heute den ehrenvollen Namen der guten alten? Einer, der diese Feier mitgemacht und dem dieselbe Unvergeßlich bleibt. 8. B. icn lA u s dem fünfzigsten B e r i ch t d e s allgemeinen österreichischen israelitischen T a u b st u m m e n - I n st i t nt e s in Wien.) Wir können es uns wohl versagen, das segensreiche Wirken des Institutes eines Näheren zu beleuchten, denn vielfache Erfahrungen haben in den weitesten Kreifen die Ueberzeugung hervorgerufen und gefestigt, das; die Anstalt ihrer hohen und heiligen Aufgabe, den unglücklichen Gehör- und Sprachlosen die für ein menschenwürdiges Dasein so notwendige Bildung zu vermitteln und ihnen eine ehrenvolle Laufbahn zu erschließen und zu ebnen, mit tiefem Ernste und voller Hingabe zu lösen bemüht ist und daß diese Bestrebungen auch die herrlichsten Resultate gezeitigt haben. So sei es uns gestattet, auf die stets wachsende Zahl der Zöglinge hinzuweisen. Während im verflossenen Schuljahre die Anstalt 92 Zöglinge zählte, beläuft sich die Zahl der Pfleglinge dermalen auf 98, und zwar 59 Knaben und 39 Mädchen. Wir verschließen uns keineswegs der Erwägung, das; das stetige Anwachsen der Zöglingszahl auch die Ausgaben fortdauernd erhöhen muß, und dies umsomehr, als neben der kontinuierlichen Steigerung der Bedürfnisse der Anstalt tuch eine fortschreitende Verteuerung aller zur Führung des Haushaltes notwendigen Bedarfsartikel eiuhergeht, und tatsächlich weist, wie wir mit lebhaftem Bedauern konstatieren müssen, der vorliegende Rechnungsabschluß einen Fehlbetrag aus. Allein, wenn die Zahl der Eltern, die unser Erbarmen für ihre bedauernswerten Kinder anrufen und um deren Aufnahme in die Anstalt flehentlich bitten, von Jahr zu Jahr sich steigert, dann fällt es uns bei aller Würdigung der finanziellen Lage der Anstalt außerordentlich schwer, diese Hilferufe unbeachtet zu lassen, und wir sehen uns vor die zwingende Notwendigkeit gestellt, einer größeren Anzahl von Kindern die Wohltat der Erziehung und des Unterrichtes zuzilwenden. Es leitet uns hiebei die zuversichtliche Hoffnung und das feste Vertrauen, das; unsere Glaubensbrüder, das; alle Menschenfreunde, die jederzeit bereit sind, wahrhaft huinanitäre Bestrebungen werktätig zu fördern, uns in unseren Bemühungen, die Anstalt auf der Höhe ihres Wirkens und Schaffens zum Wohle und zum Glücke bemitleidenswerter Menschenkinder zu erhalten, auf das Tatkräftigste unterstützen und Gleichgesiuntezu gleichem Wohltun aneifern werden. Mit dem wärmsten Danke verzeichnen wir im Nachstehenden die Spenden. Die Erste österreichische Sparkasse spendete wie alljährlich den Betrag von 600 X und mit Rücksicht auf die eingeführten Hörübuugen den Betrag von 200 X, das k. k. Polizei^Präfidinm widmew 40 X, Frau Gräfin Enttna Costa - Reghini - Schiff 1000 Lire, Frau Amalie Nirenstein 50 X, Herr Philipp Thorsch wie alljährlich zur Verwendung für die Zöglinge in der Ferienzeit 200 X und Frau Emma Kallir zur Veranstaltung eines Psingstausfluges der Kind,r 50 X. Frau Jofefine Paul-Schiff spendete den Betrag von 50 X als Erlös aus der Vermietung eines Tempelsitzes und Herr Paul-Schiss aus einem gleichen Erlöse 30 X. Es spendete ferner Herr Paul-Schiff aus Aulaß der Geburt eines Sohnes 1000 X, Herr Ludwig Reithoffer anläßlich der Feier seiner goldenen Hochzeit 200 X, Frau Gabriele Jordan anläßlich der Vermählung ihrer Tochter 200 X und aus gleichen Anlässen Frau Laura Rapoport von Porada 200 X und Herr Arthur Wechsler 50 X. Es widmeten ferner Herr Armand Covo zum Zwecke der Abhaltung von Requien für feine fel. - Eltern, Herrn Naftali Covo und Frau Malka Naftali Covo aus Nustschuk, 2000 fl. Papierrente, Frau Amalie Nirenstein zur Sicherstellung des Jahresbeitrages für ihren Gatten, den sel. Herrn Heinrich Nierenstein, 1000 X, Frau Erna von Mises anläßlich des Hinscheidens ihres Gatten 100 X, Herr Oskar Bondh zum Andenken an seine Mutter 1000 X und Herr Dr. Arnold Hildesheimer zur Sicherstellung des Jahresbeitrages für seine Mutter, die selige Frau Rosa Hildesheimer, 1000 X ungarischer Rente. Aus Anlaß des Requiems für den sel. Herrn Eduard Freiherrn von Todesco spendete Frau Jella Baronin Oppenheimer 100 X zur Verwendung für einen mit ben Zöglingen zu veranstaltenden Ausflug und anläßlich der Gedächtnisfeier für den sel. Herrn Martin Nirenstein spendeten Herr Heinrich Nirenstein 100 K und Frau Friederike Nirenstein 50 X. Gelegentlich der Gedächtnisfeier für den sel. Herrn Max Th. Schiff widmete Herr Paul-Schiff zu Jnstitutszwecken 100 X, Frau Emma Schiff 100 X und Frau Rosa Schiff für Zöglingsextraausgaben 50 X. Herr k. k. Bergrat Max Ritter von Gutmann spendete anläßlich des Requiems für den sel. Herrn Wilhelm Ritter v. Gutmann 200 X und Frau Jda von Gutmann bei demselben Anlasse zur Verwendung für die Kinder 100 X. Frau Josefine Paul- Schiff widmete gelegentlich des Requiems für die sel. Frau Josefine von Königswarter 50 X, Herr Stephan Ritter von Ephrussi anläßlich der Gedächtnisfeier für seine sel. Eltern 200 X und Herr Viktor Ritter von Ephrussi aus demselben Anlasse 200 X. Aus Anlaß des Requiems für den sel. Herrn Paul Th. Schiff spendeten für den Lehrerpensionsfonds Frau Rosa Schiff 100 X und Herr Maximilian Paul-Schiff 100 X. Die Angehörigen des sel. Herrn Friedrich Ritter von Boschan widmeten gelegentlich des Requiems für denselben 200 X. Aus Anlaß der Gedächtnisfeier für den sel. Herrn Moritz Freiherr von Königswarter spendeten Frau Charlotte Baronin Königswarter 50 X und Frau Josefine Paul-Schiff 100 X. Es widmeten endlich anläßlich der für den sel. Herrn M. H. Weikersheim abgchaltenen Gedächtnisfeier Frau Aurelie Weiß 20 X und Frau Julie Goldschmiedt 10 X. Das Institut empfing im verflossenen Jahre von der sel. Frau Louise Kohn ein Legat von 343°94 X und von dem sel. Herrn Dr. Leopold Weinberger ein Legat von 100 X. Die in den Familienwohnungen ausgestellten Sammelbüchsen lieferten einen Betrag von 743'30 X. Es obliegt uns schließlich die Pflicht, Herrn Dr. I. Lackenbachcr für die den erkrankten Zöglingen mit anerkennenswerter Hingebung gewidmete ärztliche Hilfe, dem Herrn Dr. A. Mittler für den den Pfleglingen unentgeltlich geleisteten zahnärztlichen Beistand, sowie dem Herrn Dozenten Dr. V. Hammerschlag für die selbstlofe, außerordentlich eifrige und sorgfältige ohrenärztliche Behandlung der Zöglinge unfern besten und wärmsten Dank auszusprechen. Wien. (Dreiunddreißig st er Jahresbericht des israelitischen F r a u e n - W o h l t ä t i g k e i t s - V e r e i n e s für § fl ii § (i r m e inWie lt.) Wir übergeben unseren geehrten Mitgliedern und Gönnern den Bericht über unsere Tätigkeit während des letzten Vereinsjahrcs mit dem Gefühle aufrichtiger Genugtuung, denn die Hoffnung, die wir am Schlüsse des vorjährigen Berichtes aussprachen, hat sich erfüllt. Von der werktätigen Sympathie wahrer Menschenfreunde gefördert, welche das Wirken unseres Vereines mit Interesse verfolgen, gelang es uns, fast allen an uns gestellten Anforderungen gerecht zu werden. In dem Bestreben, die Mittel, die uns unsere Mitglieder und Freunde zur Verfügung gestellt, auf das gewissenhafteste zu verwenden, haben wir, unserem Prinzips getreu, auch in diesem Jahre die größte Genauigkeit und Strenge an den Tag gelegt. So kamen wir manchmal in die Lage, Bittsteller abweisen zu müssen, trotzdem sie mit Empfehlungen versehen waren, da wir durch unsere genauen Recherchen uns u «zweifelhaft überzengt hatten, daß dieselben als arbeitsscheue, professionsmäßige Bettler einer Unterstützung nicht würdig waren, womit wir im Sinne aller einsichtsvollen Wohltäter gehandelt zu haben glauben. Dagegen wendeten wir um so größere Fürsorge jenen Hilfsbedürftigen zu, welche als eigentliche Hausarme in ihrem Elende und ihrer Verlassenheit von keiner Seite unterstützt